Missverständnisse
Grissom versuchte alles um Sara nach dem kleinen Missverständnis, so nannte er ihren Streit, zu erreichen.
Aber sie schaffte es ihm aus dem Weg zu gehen. Allerdings hatte er dadurch Zeit sich über einige Dinge klar zu werden.
Zum ersten Mal nach langer Zeit übernachtete Sara in ihrem Apartment. Oder besser gesagt, sie versuchte es.
Ohne Erfolg.
Ihre Gedanken drehten sich im Kreise.
Warum hatte ihr Grissom nichts gesagt?
Sie legte sich alle möglichen Gründe zurecht, aber bei Grissom wusste man nie woran man war.
Trotz der vielen Monate war er weiter ein Geheimnis für sie. Beide lebten im jetzt. Sie hatten nie über die Vergangenheit oder die Zukunft gesprochen.
Vielleicht wollte Grissom auch keine Zukunft mit ihr?
Bevor sie ihren Gedanken zu Ende denken konnte, klingelte das Telefon.
„Sidle."
„Hier ist Grissom. Endlich ! Sara, können wir uns aussprechen? Bitte."
Seine Stimme klang traurig, dachte sie.
„Ich bin bei mir zu Hause."
„Lass uns reden. Ich glaube wirklich, dass wir die Sache klären können."
„Die Sache?"
Sie wollte wirklich nicht eingeschnappt klingen.
„Die Scheidung."
„Gut, dass du es aussprechen kannst. Ich bin heute unausstehlich. Willst du es wirklich riskieren?"
„Ja. Auf jeden Fall."
Sara sah auf die Uhr.
„Kann ich nach Hause kommen? Ich meine zu Dir."
Sie seufzte. Auch wenn sie es nicht gesagt hatte, Grissom verstand was sie meinte.
Sein Haus war auch ihr zu Hause geworden.
„Natürlich Honey."
„Gut, dann mache ich mich auf den Weg."
Nachdem sie aufgelegt hatte, sah sich Sara um. Es war so schnell gegangen. Fast alles was ihr wichtig war, hatte den Weg in Grissoms Haus gefunden. Die Wohnung war so kalt wie ein billiges Hotelzimmer. Wenn Grissom mit ihr Schluss machen wollte, dann war eine neue Wohnung das erste was sie suchen würde.
Grissom sah auf die Uhr. Sie musste bald hier sein.
Er erinnerte sich an den ersten Abend und die erste Nacht, die sie gemeinsam verbracht hatten. Es war wunderschön gewesen und er hatte zum ersten Mal gedacht, dass er diese Frau lieben würde. Danach war alles ganz schnell gegangen. Vielleicht zu schnell.
Endlich hörte er jemanden - Sara.
Er öffnete die Tür und da stand sie.
Irgendwie traurig und verloren.
Er konnte nicht anders und nahm sie in den Arm. Beide genossen den schönen Augenblick, der sicher zu schnell vorbei sehen würde.
Grissom trank seinen Kaffee und überlegte wie er das Gespräch beginnen sollte. Denn Sara machte keine Anstalten dazu.
„Kann ich Dir noch einmal sagen wie leid mir die ganze Sache tut?"
„Die ganze Sache ? Was meinst du damit? Uns ? Deine Scheidung ? Mich ?"
Sara hatte sich ganz fest vorgenommen einen ruhigen, sachlichen Ton anzuschlagen. Aber Grissom Ton machte sie wütend.
„Sara."
Und dieser Ton von ihm verstärkte das noch.
„Grissom, behandle mich nicht so. Ich bin kein Kind."
„Das weiß ich. Aber ich verstehe nicht warum du dich manchmal so aufführst."
Verdammt.
Es wurde immer schlimmer.
Sie sahen sich an und wussten so konnte das nichts werden.
Sara zählte bis zehn.
„Fangen wir einfach noch einmal von vorn an. Ich bin verärgert, weil du mir nichts von der Scheidung erzählt hast. Weil ich nicht weiß zu was mich das macht. Ich habe das Gefühl, dass du einen Neuanfang machst. Ohne mich. Und dann sitzt du hier und sagst, dass ich mich nicht kindisch verhalten soll. Ich verstehe dich nicht."
Sie wartete und wartete.
Auf ein Wort von ihm. Eine Geste. Nichts.
„Weißt du was du willst ?"
Er schüttelte den Kopf.
„Nein, aber ich weiß, dass du in einigen Dingen Recht hast. Allerdings mag ich es nicht, wenn man mich unter Druck setzt."
„Aber das tue ich nicht."
Er sah sie an.
„Du fühlst dich von mir gedrängt?"
Sara verstand nichts mehr. Sie hatte sich mit einem verheirateten Mann eingelassen, aus Liebe. Sie hatte nie Ansprüche oder Erwartungen gehabt. Und nun wie aus heiterem Himmel fühlte sich Grissom unter Druck gesetzt. Von ihr. Es waren keine Worte gewesen, nein es musste ihre Präsenz gewesen sein.
Sie war eingebrochen in seine Welt. Seine sichere und verheiratete Welt.
Nun war er wieder "frei" war, schien sie ihn zu stören.
Nichts lag ihr ferner, aber wenn er so empfand, dann gab es wohl nur eine Lösung.
