2. Belogen, betrogen, aus'm Fenster geflogen?
Tonks war im Auftrag des Ordens unterwegs um Harry zu bewachen, alle machten sich sorgen, dass er sich vielleicht, wie bei Sirius Tod, wieder zurückzieht und niemanden an sich ranlassen würde. Tonks meinte, dass es nie dazu gekommen wäre, wenn Dumbledore nicht dafür gesorgt hätte, dass Ron und Hermine nicht zu ihm durften. Aber das Vergangene war den anderen egal gewesen, fast allen, Remus hatte nichts gesagt, auch nicht, als alle beschlossen hatten, dass er keine Briefe an Harry schreiben durfte. Nach dem Treffen war er zu ihr gegangen und hatte ihr im vorbeigehen gesagt, sie solle Harry schöne Grüße von ihm ausrichten und ihm sagen, das er ihm nicht schreiben würde, ihn aber bestimmt spätestens zu seinem Geburtstag besuchen würde. Dann war sie losgezogen um den Auftrag des Ordens auszuführen. Sie hatte aber nicht vor, Harry heimlich zu beschatten, sondern offen zu ihm zu sein und ihm alles zu erzählen, was er wissen wollte.
Sie bog in den Ligusterweg und ging auf die Nummer 4 zu. Sie schlich sich durch den Garten hinter das Haus und sah Harry Gedankenverloren auf der Fensterbank.
Harry hörte ein rascheln und blickte auf. Er schaute den Garten ab, fand aber nichts Verdächtiges, vielleicht war es ja auch nur eine Katze von Mrs. Figg. Er wollte gerade zurück in sein Zimmer steigen, als er wieder ein rascheln hörte, diesmal wusste er, woher es kam. Er lehnte sich etwas aus dem Fenster um den Rosenbusch unter seinem Fenster sehen zu können, als er ein lautes Fluchen hörte. Vor Schreck wäre er beinahe aus dem Fenster gefallen, konnte sich aber noch rechtzeitig festhalten. Er blickte hinunter und musste sich ein Lachen verkneifen.
Tonks, die gerade hinter dem Rosenbusch hervor gekommen war, hatte einen total zerrissenen Umhang an und fuchtelte wild mit den Händen um einen kleinen Vogel zu vertreiben, der dabei war, sich in ihren Haaren ein Nest einzurichten. Harry rief zu ihr runter:" Na Tonks, brauchst du Hilfe?" Tonks antwortete nicht, stattdessen veränderte sie ihre Frisur, sodass ihre Haare jetzt ganz glatt auf ihr Schultern fielen.
Harry war immer noch fasziniert von dieser Fähigkeit. Er würde auch gerne einfach so sein Aussehen verändern können, einfach in eine andere Personenrolle schlüpfen, leider müsste er dafür sehr hart arbeiten und könnte es dennoch nicht so gut wie Tonks.
Nachdem Tonks den Vogel durch ihre Veränderung so geschockt hatte, dass er weggeflogen war, holte sie ihren Zauberstab hervor und ließ eine Leiter hoch zu Harrys Zimmer erscheinen. Ohne zu fragen stieg sie die Leiter hinauf und in Harrys Zimmer. Sie setzte sich auf sein Bett und sagte:" Ich soll dir von Remus schöne Grüße bestellen und dir sagen, das er dir nicht schreiben kann-" "Aber wieso nicht, er hat es mir versprochen!" "- er kann dir nicht schreiben, weil ihm der Orden gesagt hat, dass er dir nicht schreiben soll, aber-" " Na toll, wenn der Orden euch sagen würde, dass ihr aufhören sollt zu atmen, würdet ihr das dann auch machen?!" Harry war etwas aufgebracht, aber auch Tonks wurde langsam wütend, so sagte sie etwas lauter und eindringlicher:" Wenn du mal aufhören würdest, dazwischen zu reden, könnte ich dann vielleicht auch mal ausreden und dir sagen, dass Remus dich aber spätestens an deinem Geburtstag besuchen kommen will, und das, ohne zu warten, bis der Orden es ihm erlaubt oder nicht!" Harry sah sie verdutzt an. Er setzte sich neben sie und sagte: " 'tschuldige." Er sah Tonks fragend an und sie fragte laut: "Was?"
Von unten war ein Poltern zu hören und Onkel Vernon schrie hinauf:" Mach da oben nicht so einen Krach Junge!" " Ich mach keinen Krach! Ich habe Besuch!" antwortete Harry wahrheitsgemäß. "Pah, als ob deine bekloppten Freunde einfach so in mein Haus spazieren könnten, ohne, dass ich es bemerken würde, die Tür ist zu Bürschchen!" "Aber es stimmt, ich würde jetzt gerne meine Unterhaltung fortführen, wenn es dir nichts ausmacht, vielen Dank!" Tonks sah Harry irritiert an, sie hatte erwartet, dass er erst nach ihrem Gespräch aus seinem Panzer der Trauer kriechen würde, aber nicht, dass er diesen Panzer schon längs abgeworfen, bzw. gar nicht hinein gekrochen sei.
Ein rütteln an der Tür ließ sie zusammenfahren. "Mach die Tür auf Junge, ich will jetzt wissen, was in meinem Haus vor sich geht!" Harry ging zur Tür und öffnete sie kurzerhand, schon purzelte Mr. Dursley ins Zimmer. Er schaute sich suchend um und seine Augen blieben an Tonks hängen. Er sah sie kurz an und er sagte in bedrohlichem Ton:" Wie bist du hier herein gekommen? Ich habe die Tür doppelt und dreifach abgeschlossen!" Tonks sah ihn unschuldig an und sagte:" Oh, das hab ich gar nicht bemerkt!" Onkel Vernon sah sie perplex an und fragte an Harry gewandt: "Ist sie inzwischen auch einer dieser Geister geworden? Letztes Jahr am Bahnsteig war sie eigentlich noch ziemlich lebendig, wenn ich zurück denke!" "Kannst du das denn überhaupt?" hätte Harry beinahe gesagt, besann sich dann aber eines besseren und sagte stattdessen:"Nein, sie ist nicht tot, du hast sie nicht bemerkt, weil sie durchs Fenster gekommen ist! Und ich wäre dir jetzt sehr verbunden, wenn du bitte wieder aus meinem Zimmer verschwinden würdest, wie du siehst, habe ich tatsächlich Besuch, um den ich mich kümmern muss!" Harry hatte einen festen und entschlossenen Gesichtsausdruck aufgelegt, den Onkel Vernon unmerklich erschaudern ließ. Er verließ das Zimmer und Harry schloss die Tür wieder hinter ihm.
Nun waren Tonks und Harry wieder alleine. Sie sah ihn fragend an und er sagte:" Seitdem Dumbeldore nun auch tot ist, habe ich nachgedacht, was alles passiert ist und wer alles schon gestorben ist, durch mich bzw. dadurch, dass ich lebe, kurz bevor du aufgetaucht warst, hab ich mir noch gedacht, wie es wäre, wenn ich meinem Leben einfach ein Ende machen würde. Vorher hatte ich eigentlich immer gedacht, dass es den Anderen dann besser gehen würde als jetzt. Aber dann, als ich intensiv darüber nachgedacht habe, ist mir eingefallen, dass sich dann niemand mehr gegen Voldemort stellen könnte und alle sterben würden, meine Freunde, alle die ich kenne und noch mehr. Ich habe aufgehört daran zu zweifeln, dass ich da durch muss und mich mit der Prophezeiung und dem dazugehörigen, unvermeidlichen Kampf gegen Voldemort abgefunden. Seit dem fühle ich mich stärker, und ich bin entschlossen, alles zu tun, um meine Freunde und alle anderen zu beschützen!" Tonks hatte ihm aufmerksam zugehört und fragte jetzt:" Und was sollte das gerade mit deinem Onkel?" Harry schaute verlegen zu Boden und sagte:" Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht, ich hatte das Gefühl, dass du etwas Wichtigeres zu sagen hattest, also wollte ich ihn loswerden, um endlich in Ruhe mit dir sprechen zu können! Also hab ich ihn aus dem Zimmer geworfen." "Das war mutig von dir, aber auch untypisch, wir alle hatten eigentlich erwartet, dass du dich zurückziehen würdest und in Trauer versinken würdest." " Das habe ich erst auch gedacht, und ja, ich habe getrauert, kurz nach Dumbledores Tod. Dann habe ich auch nachgedacht, und festgestellt, dass es keinen Sinn machte, weiter zu trauern, weil Voldemort das sicherlich ausnutzen würde, um weitere Freunde zu töten, das wollte ich natürlich nicht, also habe ich mich zusammengerissen. Jetzt aber zurück zu dir, warum bist du gekommen?"
Harry sah sie erwartungsvoll an. Sie schwieg einen Moment, bevor sie antwortete:"Eigentlich soll ich dich ja im Auftrag des Ordens beschatten..." Tonks sah ihn einen Moment auffordernd an, aber als er keine Anstalten machte, etwas zu sagen, sprach sie weiter:"... aber Remus und ich haben uns dazu entschlossen, dir ab sofort, mit kleinen Ausnahmen, alles zu sagen, was wir im Orden besprechen, wir über Voldemorts Aktivitäten wissen und du sonst noch über die Zaubererwelt wissen musst oder willst!" Harry sah Tonks verwundert an, dann aber sagte er:"Ihr beide geht also gegen den Orden an? Ich glaube ich habe zu viel schlechten Einfluss auf euch, dass ihr euch jetzt auf unsere Seite schlagt!" "Mit dem Einfluss könntest du Recht haben, aber was meinst du mit unsere Seite? Ich dachte du wolltest das alleine durchziehen." "Naja, hatte ich auch vor, aber ein Paar Leute wollen mich einfach nicht alleine gegen Voldemort in den Kampf ziehen lassen, Ron, Hermine, Ginny, Neville und Luna kennen zwar die Prophezeiung noch nicht, aber sie wollen trotzdem alle mit mir zusammen kämpfen, egal, was mit ihnen dabei passiert!" Harry war sich ziemlich sicher, dass McGonagall die Prophezeiung inzwischen schon an die Beschatter von Harry weitergegeben hatte, und dies traf augenscheinlich auch zu, denn Tonks sah ihn nicht fragend an sondern sagte:"Aha, aber einbeziehen musst du sie ja eigentlich nicht, ich meine du hast dich ja von Ginny getrennt und Neville und Luna kennst du ja auch nicht so gut!" "Ja, ich habe Ginny klar gemacht, dass in nächster Zeit nichts aus uns werden könnte, aber abwarten! Neville und Luna kenne ich doch sehr gut, ich habe ihre Stärken und Schwächen kennen gelernt, in der DA und in den Kämpfen gegen Voldemort, ich habe versucht, ihr Schwächen aus zu bügeln, und inzwischen helfen sie sich auch gegenseitig! Nachdem Neville den Ravenclaws eingeschärft hatte, Luna und ihre Sachen in Ruhe zu lassen, waren die Beiden ein Paar geworden!" "Schon gut, ich habe es kapiert, du verstehst sie und vertraust ihnen, und andersherum. Wie kommen sie eigentlich mit Dumbledores Tod zurecht?" "Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht, ich kann Hedwig nicht schicken, um diese Jahreszeit ist sie einfach zu auffällig, und die anderen schreiben mir nicht, warum auch immer! Ich vermute mal, sie trauern sehr, sie kannten Dumbledore nicht so gut wie ich und wurden auch nicht von ihm enttäuscht, sie vermissen ihn wahrscheinlich mehr als Helfer im Kampf gegen Voldemort und als Schulleiter, der immer alles in den Griff bekommen hat. Du sollst das aber nicht falsch verstehen, ich habe ihn auch vermisst und um ihn getrauert, aber ich glaube, ich habe schon zu viel Leid erfahren, sodass ich jetzt nicht mehr trauern kann."
Sie sahen sich einige Momente an, dann sagte Tonks: Harry, ich muss gleich wieder weg, ich muss dem Orden Bericht erstatten und dann Remus sagen, was sich hier zugetragen hat!" "Erzähl dem Orden aber nichts davon, dass ich nicht mehr trauere, sie würden das nicht verstehen. Sie würden bestimmt denken, ich sei froh über Dumbeldores Tod, was für Moody bedeuten würde, ich sei ein Todesser oder stände unter dem Imperius Fluch!" "Keine Angst, ich durfte ja nicht mit dir in Kontakt treten, also kann ich ihnen auch nichts von unserem Gespräch sagen! Ich erzähle ihnen, du hättest dich in deinem Zimmer verschanzt und die Dursleys würden dich die ganze Zeit nicht in Ruhe lassen, was dich nächste Woche eventuell in den Fuchsbau bringt, aber auch, dass du noch trauern würdest! Ich muss aber "leider" jeden Tag zu dir kommen, also könnten wir ja generell auch etwas zusammen unternehmen! Aber kein Zaubern, da würden wir beide Ärger bekommen, da das Ministerium deine Zauber zurückverfolgen könnte, würdest du Ärger vom Ministerium und Hogwarts bekommen, ich würde aber Ärger vom Ministerium, Remus und dem Orden des Phönix bekommen!" Fügte sie schnell noch hinzu, nachdem sie sein hoffnungsvolles Gesicht gesehen hatte. "Du meinst, ich darf nicht mit meinem Zauberstab zaubern, da das Ministerium meine Zauber dann über meinen Zauberstab zurückverfolgen könnte, weil ich noch nicht 17, also Volljährig bin. Du oder Remus, ihr könntet zaubern!" "Und welche Zauber sollten das bitteschön sein? Du darfst sie ja eh nicht ausführen und sie dürften auch keinen Schaden anrichten oder laut sein! Wie sollen sie dir dann helfen?" "Weißt du, ich dachte da an einen Zauber, den ihr auf mich anwendet, kein Unverzeihlicher, die bekomme ich später bestimmt noch oft genug zu spüren." ,fügte er hinzu, als er ihre vor Schreck geweiteten Augen gesehen hatte,"Ich dachte da eher an Legelimentik, ich will meine Okklumentik verbessern, und bestimmt kann es da nicht schaden, wenn ihr es auf mich anwendet und nicht Snape! Weiter wollte ich euch darum bitten, mir einige Zauber ohne Zauberstab beizubringen, die ich so schon gut kann, aber im Kampf auch besser ohne Zauberstab ausführen können müsste, wie den Protego-Zauber oder Accio-Zauber oder Expelliamus-Zauber. Meinst du, ihr könntet mich darin unterrichten, und die anderen im Fuchsbau auch, wenn ich dahin komme?" " Ich weiß es noch nicht, Harry. Ich werde versuchen Remus von deiner Idee zu überzeugen. Aber wir werden auch nicht jeden Tag Zeit haben, mit dir zu üben, diese Woche werde ich zwar Zeit haben, aber wie es mit Remus steht, weiß ich nicht! Remus muss ja noch den Unterricht für das Nächste Schuljahr vorbereiten, ich muss meiner Aurorenpflicht nachkommen und dann haben wir ja auch noch Aufträge vom Orden, ich kann dir nichts versprechen!" "Das verstehe ich, aber ich kann nicht einfach still herum sitzen und nichts tun. Die nächsten Wochen könnte ich dann ja auch mit meinen Freunden trainieren, was ich diese Woche gelernt habe, damit wir auf einer Stufe sind, ich könnte dann auch Luna und Neville zum Grimmuld Place einladen, dann könnten sie auch mit lernen!" "Heißt dass, du würdest lieber zum Grimmuld Place, als hier zu bleiben?" "Ja, das würde ich, aus 3 Gründen! 1.Hat Sirius in dem Haus gelebt. 2.Kann man dort ungestört Magie wirken, da die Muggel das Haus nicht sehen können und 3. weil ich da mehr Platz als bei den Dursleys habe und machen kann, was ich will!" "Ok, Harry, ich sehe dann mal, was ich für dich tun kann, ich bringe dir auch eine Eule mit, damit du Briefe verschicken kannst, ich kann ja McGonnagall fragen, ob du eine Schuleule bekommen kannst, ich glaube, sie würde das verstehen!" "Danke Tonks!" Dann apparierte Tonks aus Harrys Zimmer und Harry legte sich schlafen.
