3. Nie mehr Dursleys!
Ginny saß zusammen mit Hermine und Ron im Wohnzimmer der Weasleys. Sie sah gedankenverloren vor sich hin, während Ron und Hermine rätselten, was Harry wohl gerade durchmachen müsse, und wo Fawkes wohl hingeflogen sei.
Plötzlich sprach Hermine sie an: "Ginny, jetzt sag doch auch mal etwas dazu, oder interessiert es dich etwa nicht, was mit Harry ist?"
"Ich weiß es ja, also wieso sollte ich jetzt noch darüber nachdenken?"
"Ach ja, was macht er denn gerade, wenn du es so genau weißt?" Ron war ein bisschen schnippisch, weil Ginny in letzter Zeit mehr mitbekam als er.
"Na was wohl? Er redet mit Tonks und wartet wahrscheinlich mal wieder mit ihr auf Remus, damit sie mit dem Training weitermachen können! Ich frage mich allerdings schon, welche Zauber er inzwischen ohne Zauberstab kann!"
„Ach ja, Tonks hatte uns ja auch schon von Harrys Plan erzählt, morgen will er ja auch zu uns kommen!"
"Ja, sollte er. Und dann wollte er auch mit uns trainieren. Ich hoffe, dass es nicht all zu schwer wird, ich habe keinen Bock auf Unterricht wie in der Schule! Ich will Spaß haben, wie in der DA!"
„Und warum sagst du uns das und schreibst es ihm nicht einfach? Dann hat er vielleicht auch noch genug Zeit, seinen strengen Lehrplan umzuarbeiten!" meldete sich nun auch Ron wieder zu Wort.
"Um ehrlich zu sein, ich glaub nicht, dass Harry so etwas angefertigt hat, er war noch nie sonderlich ordentlich und auch in der DA mehr spontan mit den Zaubern und nicht auf mehrere Zauber zusammen fixiert. Er wusste zwar, welche Zauber er alles mit uns machen wollte, aber er hatte keine bestimmte Reihenfolge, er hat gewartet, bis alle den Zauber konnten. Aber ich glaube, ich werde ihm trotzdem schreiben! Meinst du Mom wäre damit einverstanden, wenn Neville und Luna auch kämen, Ron?"
"Ich glaube nicht, dass sie es verbieten würde, jetzt, wo Bill, Charly, Fred und George allesamt aus dem Haus sind, haben wir ja auch genug Platz, und es ist dann nicht mehr so still hier! Außerdem freut sie sich ja immer, etwas mehr Kochen zu können! Aber wozu willst du sie einladen?"
„Ronald Weasley, streng mal deinen Kopf an, so schwer ist das nun auch wieder nicht zu verstehen! Immerhin sind sie auch unsere Freunde und wir kennen sie besser als einige der anderen Schüler. Sie haben an unserer Seite gekämpft im Ministerium und uns auch sonst gut geholfen, und trotz der Schwierigkeiten, die sie Dank uns hatten, wollen sie immer noch mit uns befreundet sein. Wir sollten uns deshalb vertrauen können und keine Vor- oder Nachteile ihnen gegenüber haben! Deshalb will Ginny sie einladen, wenn ich mich nicht schwer irre."
"Nein nein, Hermine, du hast mit deiner Vermutung vollkommen Recht! Aber ich habe noch einen Grund, sie einzuladen... Ich will sehen, wie es Harry zur Weißglut bringt, wenn Neville einen Zauber mal wieder nicht schafft und aufgeben will!"
"GINNY!!" sagten Ron und Hermine wie aus einem Mund. Sie sahen sich etwas verloren an und sagten dann wieder beide zusammen: "Das ist nicht nett!"
„Na und? Ihn bringt eh nichts zur Weißglut, und wenn ihr so weiter macht, erzähl ich allen, dass wir ein neues Zwillingspaar in der Familie haben, die allerdings nicht viel gemeinsam haben!"
Ron und Hermine liefen rot an, aber nicht nur aus Wut. Aber ehe sie etwas sagen konnten, ging Ginny hoch in ihr Zimmer und rief ihnen von der Treppe aus noch ein 'Gute Nacht' nach unten.
Harry und Tonks hatten noch einmal alle Schildzauber durchgesprochen und Okklumentik gelernt, als Remus endlich ankam.
"Wo warst du so lange? Ach egal! Fangen wir mit dem Training an, damit Harry heute noch zu etwas Schlaf kommt!", sagte Tonks leicht aufgebracht. Harry erinnerte das sehr an Hermine im Trimagischen Turnier, nach dem Weihnachtsball hatte sie sich mit Ron gestritten, weil er immer auf Victor Krum herumhackte, aber selber nicht genug Courage gehabt hatte, um sie selbst rechtzeitig zu fragen.
Nachdem sie die Entwaffnung mit Expelliarmus und das Aufrufen mit Accio wiederholt hatten. Beschäftigten sie sich auch mit den Protego, der ein Schutzschild erzeugte, wie auch mit dem Schockzauber. Nach dem Stupor wandte Harry auch den Deccio an, welchen er von Hogwarts nicht kannte. Lupin lächelte zufrieden: „Du bist wirklich gut geworden! Einige dieser Zauber sind schon sehr komplex!"
„Da hast du wohl Recht, aber ich hätte auch gerne den Patronus ohne Zauberstab gekonnt! Das wäre wirklich nützlich gegen die Dementoren gewesen!"
"Das stimmt schon, aber dieser Zauber ist zu komplex dafür! Du bist schon jetzt sehr mächtig, Harry, aber ich glaube, dieser Zauber wäre jetzt noch zu schwierig für dich ohne Zauberstab auszuführen. Du müsstest deine ganze Konzentration und Kraft dafür aufbringen, oder es würde überhaupt nicht klappen!"
„Schade trotzdem! Eventuell kann ich ihn ja später mit euch probieren, und wenn ihr meint, ich könnte es doch schaffen, könntet ihr ihn ja auch mit mir trainieren! Ihr kommt doch zu meinem Geburtstag in den Fuchsbau, oder?"
„Klar doch, Harry, dann können wir ja weiter sehen, auch, wie es bis dahin mit dem Training deiner Freunde aussieht!"
Nachdem Tonks und Remus aus dem Zimmer appariert waren, richtete Harry das Zimmer wieder und legte sich schlafen.
Am nächsten Morgen, nachdem Harry gefrühstückt hatte, packte er seine Sachen und wollte gerade alles nach unten bringen, als er plötzlich einen Flügelschlag hörte. Reiner, die Eule, die er von McGonagall zur Verfügung gestellt bekommen hatte, ließ neben ihm einen Brief auf den Boden fallen.
Er hob ihn auf und erkannte Ginnys Handschrift. Er hatte schon gestern einen Brief von ihr bekommen, in dem stand, dass er den Unterricht wie in der DA machen solle, spaßig und nicht zu streng. Er fragte sich, was sie jetzt wieder von ihm wollte und öffnete den Brief, dann las er:
Lieber Harry,
ich wollte dich nur noch in Kenntnis setzen, dass Luna und Neville auch
kommen werden. Sie werden auch mit uns trainieren, ich hoffe, dass du
nichts dagegen hast, sie sind halt gute Freunde und stehen uns treu zur
Seite, wir sollten keine Vorteile gegenüber ihnen haben, dies wäre unfair!
Deine, dich liebende Ginny.
Harry ging schnell zu seinem Schreibtisch und suchte sich Pergament und Feder zusammen. Dann schrieb er Ginny eine Antwort:
Liebe Ginny,
eigentlich hatte ich vor, euch zu fragen, ob ihr damit einverstanden
seid, dann hätte ich sie eingeladen, aber so hat sich das ja erledigt. Ich
finde auch, dass Freunde sich nichts vorenthalten sollten, darum will
ich dich noch warnen, (nicht nur vor Voldemort, ich glaube, dies hat
inzwischen die ganze Zaubererschaft begriffen...) die Zeiten haben sich
geändert, ich weiß nicht, ob meine Methoden ganz legal sind, ich habe nicht
nur Expelliarmus mit Tonks geübt, da sind auch einige heftigere Zauber
drunter, nicht die Unverzeihlichen, keine Angst! Könntest du dich, bis ich
komme, noch um Reiner kümmern?
Danke!
In Liebe dein Harry!
Er sah sich den Brief noch einmal an, bevor er ihn zusammen faltete und ihn zu Ginny losschickte.
Der nächste Morgen kam schnell und Harry hatte die halbe Nacht nicht schlafen können. Er duschte schnell und zog sich um, und noch ehe seine Verwandten aufgestanden waren, stand das Frühstück auf dem Tisch.
Ginny wurde unsanft aus ihren Träumen gerissen. Zuerst wusste sie nicht, was sie geweckt hatte, aber dann hörte sie ein klopfen an ihrem Fenster. Es war zu dunkel, als dass sie hätte erkennen können, wer oder was da an ihr Fenster klopfte, also stand sie auf und öffnete das Fenster. Kaum hatte sie es geöffnet, als auch schon Reiner im Zimmer umher flatterte. Als sie es geschafft hatte, ihm den Brief endlich abzunehmen, las sie ihn sich durch. Sie war zuerst überrascht, dass er mit ihrem Vorschlag einverstanden war, doch dann erschien es ihr ganz natürlich, sie hätte wahrscheinlich das gleiche geschrieben, und sie war ja ohnehin schon damit einverstanden gewesen! Aber dennoch wunderte sie sich über eine Sache, natürlich war es für einige normal, mit in liebe... zu unterschreiben, nicht aber für Harry, sie behielt sich vor, ihn darüber auszufragen, wenn er ankommen würde.
Sie wollte sich gerade wieder hinlegen, als ihre Mutter von unten hoch rief: "Aufstehen! AUFSTEHEN! Harry sollte sich gleich auf den Weg machen, und ihr habt noch nicht einmal eure Zimmer aufgeräumt!" Ginny stand also wieder auf und machte sich fertig. Da sie wusste, dass es erst was zu Essen geben würde, wenn Harry kam, und damit sie was zu tun hatte, ging sie wieder in ihr Zimmer um Aufzuräumen. Als sie damit fertig war, hatte sie bestimmt noch eine gute Stunde, bis Harry kommen würde, deshalb legte sie sich auf ihr frisch bezogenes und gemachtes Bett um vielleicht doch noch etwas Schlaf zu finden.
Nachdem Harry noch mal Frühstück für die Dursleys gemacht hatte, das erste war schon kalt, als sie endlich aufgestanden waren und Onkel Vernon ihn wegen Verschwendung von Essen zusammengestaucht hatte, ging er wieder in sein Zimmer, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Er sollte anschließend zu Remus und Tonks in den Grimmauld Place Nr.12 und dann via Portschlüssel zu den Weasleys, Hermine, Neville und Luna in den Fuchsbau. Eigentlich hatte er sich den ganzen Stress entziehen wollen aber Moody wollte es nicht anders und Tonks (die ihn vertreten hatte) hatte schließlich aufgegeben. Eigentlich wäre er lieber direkt mit dem Fahrenden Ritter zum Fuchsbau gefahren, so chaotisch die Fahrten auch waren, es waren nie so viele andere Fahrgäste dabei, eigentlich würde kein normaler Zauberer damit fahren, außer in einem besonderem Notfall, wenn er nicht apparieren konnte. Aber so musste er sich beeilen um pünktlich um 9 am Grimmauld Place anzukommen.
Also stopfte er schnell alles, was er brauchte, in seinen Koffer, steckte seinen Zauberstab in die Hosentasche und nahm Hedwigs Käfig. So ausgestattet ging er nach unten, um sich von den Dursleys zu verabschieden.
Nachdem er sich kurz aber höflich von ihnen verabschiedet hatte, sagte er ihnen noch: „Ich werde wahrscheinlich die restlichen Ferien nicht mehr herkommen, ihr habt das Haus also die restliche Zeit für euch, betretet aber nicht mein Zimmer! Wenn doch, dann ...ich habe euch auf jeden Fall gewarnt!"
Die Dursleys sahen ihn verängstigt an, dann fasste sich Onkel Vernon aber wieder und sagte, noch etwas verunsichert: „Wovor willst du uns gewarnt haben, du darfst hier noch nicht z-zaubern, du bist noch nicht volljährig, also! Und deine Kreaturen oder was weiß ich was dürfen nicht bei den Muggeln gesehen werden." „Du hast vollkommen Recht", sagte Harry in einem etwas zu freundlichem und überschwänglichem Ton „aber wie du schon gesagt hast bin ich noch nicht volljährig. Das wird sich ab meinem nächsten Geburtstag ändern!"
„Was soll das heißen, ab deinem nächsten Geburtstag? Du bist erst 16 und dann erst 17, dass dauert also noch ein Jahr!" „In der Muggelwelt, da hast du recht, ist man erst ab 18 volljährig, in der Zaubererwelt..." Petunia sah sich ängstlich im Zimmer um und sah dann durch das Fenster, ob die Nachbarn was gehört hatten. „ist man aber schon ab 17 Volljährig und kann machen was man will, muss dafür aber die Konsequenzen tragen!" „A...Aber das ist doch großartig!" Harry verstand die Welt nicht mehr, wieso freute sich Onkel Vernon für ihn? „Das heißt, dass du nächstes Jahr nicht mehr kommen brauchst, du ziehst einfach aus, anstatt uns hier mit deiner Zauberei auf den Wecker zu gehen. Also Junge, sieh dich in den restlichen Ferien schon mal nach einer Bude um, unsere Pflicht ist dann auch erledigt!" „Schön, kein Problem, zieh ich eben aus, ich komm schon wo unter, vielleicht zieh ich dann auch mit Ron und Hermine zusammen!" Er war wütend, zwar wollte er keine Sekunde länger hier bleiben als nötig, aber so hinaus geschmissen zu werden... aber das war jetzt egal, er musste nie mehr hierher, nie mehr Dursleys!
Er ließ die Haustür hinter sich ins Schloss fallen und machte sich auf den Weg zum Glyzinienweg. Er wollte nämlich erst bei Mrs. Figg den fahrenden Ritter betreten, da die Nachbarn dort nicht ständig von den Fenstern aus die anderen Häuser beobachten , und er somit nicht gesehen werden würde. Er war fast an Nr. 23 vorbei, als er stehen blieb. Da war wieder dieses Gefühl, das Gefühl, nicht alleine zu sein. Das alleine hätte Harry nichts ausgemacht, er wusste, dass der Orden ihn bewachte, jetzt, wo selbst Dumbledore tot war, denn jetzt war er der einzige, der Voldemort besiegen konnte. Ihm grauste es vor diesem Gedanken jemanden zu töten, und sei es auch Voldemort, verabscheute er es zutiefst. Aber um alle, ja die ganze Welt zu retten musste er zum Mörder werden.
Mitten in seinem Gedankengang wurde er plötzlich unterbrochen. Im Zwischenweg von Nr. 37 und Nr. 38 hatte er etwas gesehen, aber Voldemort würde doch nicht...
Doch da war es wieder, ein leises Murmeln, dann ein grüner Lichtstrahl und etwas fiel dumpf zu Boden.
Er wusste, dass er direkt zu Mrs. Figg gehen sollte und sich nicht unnötig in Gefahr bringen sollte, aber wenn das, was er in der Gasse vermutete, zutreffen würde, wäre er schon in größerer Gefahr als sich die Anderen vorstellen konnten.
Er ging langsam auf die Gasse zu, den Zauberstab fest in der einen Hand, den Koffer und Hedwig in der anderen. Es war zwar schon 9 Uhr, aber trotzdem war es noch relativ dunkel. Deshalb konnte er nicht erkennen, was in der Gasse los ist.
Er schlich an der Hauswand weiter in die Gasse zwischen Nr. 37 und 38, noch immer konnte er nichts genaueres erkennen, nur Konturen. Er war fast an dem Punkt angelangt, von dem aus der Fluch ausgesprochen worden war. Plötzlich stolperte er und fiel, er versuchte sich an etwas fest zu halten, da traf ihn auch schon etwas hartes gegen den Rücken.
Er spürte ein leichtes ziehen hinterm Bauchnabel und alles um ihn herum verschwamm.
