»Mir gefällt das nicht…«
»Mir auch nicht. Der Plan ist bescheuert.«
»Mir ist es egal.«
»Du musst ja auch nichts tun, außer in der Gegend herum stehen! Ich find's trotzdem bescheuert…«
»Wie war das eben?«
»Gar nichts! Absolut gar nichts!«, schallte es im Chor.
Midorima's POV.:
»Nun, Kise-san, für gewöhnlich, warten Freunde und Angehörige vor der Tür, sofern es nichts dringliches ist, oder sie seelischen Beistand benötigen…«, versuchte die junge Polizistin abzuwiegeln.
Kise legte den Kopf schief, und setzte einen Dackelblick auf. Ich hatte noch nie verstanden, was daran so überzeugend war… »Können wir nicht eine Ausnahme machen? Ich werde es auch niemandem verraten – ich schwöre auf meine Model-Karriere!« Jetzt zwinkerte er der Frau vor sich zu, als wollte er sein Versprechen damit untermauern.
Die Polizistin kicherte in sich hinein und richtete ihren schwarzen Pferdeschwanz. Es schien, als hätte sie einen Vorwand gesucht, um ihr Gesicht abwenden zu dürfen. Dann bat sie Kise und mich hinein.
Während Kise sich auf den Stuhl, direkt vor ihren Schreibtisch fallen ließ, und sie freundlich anlächelte, zog ich selbst es vor, im Hintergrund stehen zu bleiben. Ich zog die Bandagen um meine Hand zurecht und starrte unzufrieden darauf hinab. Es war eine schlechte Idee gewesen, sich von Akashi aus meinem eigenen Haus scheuchen zu lassen, ohne mein Lucky Item mitzunehmen. Eine sehr Schlechte. Es würde vermutlich alles schief laufen… Und wenn alles schief lief, würde jemand Anders dafür mit dem Leben bezahlen… Dabei war es so etwas Simples gewesen! Ein Stift. Ein einfacher, blauer Stift. Oha-Asa hatte noch nicht mal vorgegeben, ob es sich um einen Kugelschreiber, oder einen Buntstift handeln sollte. Aber bevor ich Zeit gehabt hatte, einen von meinen sorgsam geordneten Stiften auszuwählen, hatte Akashi mich schon gepackt, und mit sich nach draußen gezerrt. Und obwohl ich wusste, zu was der Rotschopf problemlos fähig war, hätte ich nicht gedacht, dass er stärker sein würde, als ich es war…
Nun saß ich hier. Und es würde alles schief gehen… Ich hätte mir selbst niemals ausmalen können, wie sehr sich meine Magengrube, sowie auch mein Herz schmerzhaft zusammen ziehen konnten, wenn ich an die möglichen Konsequenzen dachte, und Kise vor mir munter mit der Polizistin sprach, und „seine" Situation herunter spielte. Ich konnte genau hören, wie der Blondschopf versuchte, sie mit kleinen und, gut platzierten Witzen einzulullen. Vielleicht flirtete er sogar. Bei jemandem wie Kise, hatte ich das noch nie genau feststellen können.
Die Polizistin hatte derweil aufgehört, mit ihrem Zopf zu spielen und begann damit, etwas auf ihrem Computer abzutippen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die eigentliche „Vernehmung" jetzt begonnen hatte.
Ich seufzte. Akashi's Plan war simple. So einfach, dass sogar jemand wie Aomine ihn befolgen konnte, ohne sich sonderlich anstrengen zu müssen. Und er hatte jedem von uns eine Aufgabe zugeteilt, die beinahe perfekt auf die jeweilige Person zugeschnitten war. Trotzdem hatte ich ein ungutes Gefühl. Kise und ich sollten die örtliche Polizei-Wache betreten, und das, möglichst unauffällig, da selbst ich inzwischen damit rechnete, an jeder Ecke auf Shikaru's Anhänger zu stoßen. (Selbst wenn wir sie nicht erkannten, erkannten sie vermutlich uns. Und das Wissen, dass wir sie gerade genau genommen anzeigten, würde sich nun wirklich nicht positiv auf Takao's Umstände auswirken…) Kise sollte dann erklären, dass sein Handy gestohlen worden war, und die Nummer von Takao's Verbündeten angeben, um das Telefon zu orten. Akashi hatte Kise damit beauftragt, weil er wusste, dass der Blonde ein populäres Model war, und es vermutlich leichter hatte, andere Menschen um den Finger zu wickeln, und sie unterschwellig zu beeinflussen, falls etwas schief liefe. Und für den Fall, dass Kise etwas vergaß, sollte ich an Ort und Stelle sein. Akashi derweil, würde zusammen mit Aomine und Murasakibara in der Nähe verweilen, und auf uns warten, bevor er uns den Rest seines Planes enthüllte, den er sich so sorgfältig zurecht gedacht hatte, und vermutlich die anderen beiden Mitglieder der Generation der Wunder beinhalten würde.
Mit der Handy-Ortung über die Polizei versuchte der Rothaarige genau zwei Dinge von seiner Liste im Geiste abzuhaken; Erstens, wäre er ohnehin auch ohne Tipps auf eine derartige Idee gekommen, und zweitens würde es uns eröffnen, ob dieser Fremde wirklich auf unserer Seite war, oder ob er gelogen hatte.
Es war bereits denkbar gewesen, dass Akashi niemand Anderen, als die alte Mannschaft wieder zusammenrufen würde – das hatte er schon für viel weniger getan. Trotzdem weckte es insgeheim ein Gefühl in mir, dass sich seltsam nostalgisch und vertraut anfühlte. Immerhin hatten sie zugestimmt zu helfen, und Akashi hatte noch nicht einmal drängeln müssen.
»Also gut, Kise-san, nennen Sie mir die Nummer, und wir werden Ihr Handy, sofern es noch angeschaltet ist, ausfindig machen.« Die Polizistin lächelte das Ass der Kaijo-High abwartend an.
Kise ließ seinen Scharm spielen und nannte ihr währenddessen die Informationen, die sie brauchte.
Ich ließ meinen Blick ungeduldig durch das Büro schweifen. Der Blonde schien keinerlei Probleme mit der Aufgabe zu haben, die Akashi ihm aufgetragen hatte, warum war ich also mitgekommen? Die Situation, in der ich mich gerade befand, erinnerte mich bloß an die Bedrohung, die über mir lauerte, und darauf wartete, dass ich einen Fehler machte. Mir war bewusst, dass es für Takao weitaus gefährlicher war, und dass für ihn viel mehr von meinen Aktionen abhing, ob sie nun bedacht oder unbedacht waren, aber daran wollte ich in diesem Moment auf keinen Fall denken. Nein, das wollte ich wirklich nicht. Wenn ich es mir erlaubte, würde ich wahrscheinlich nach sehr langer Zeit meine Beherrschung verlieren. Ich wusste nur noch nicht in welcher Hinsicht… Ich hatte es bisher für unmöglich gehalten, dass die Sorge um einen anderen Menschen mich so dermaßen zu überschwemmen drohte, aber vermutlich rührte dies daher, dass ich nie auf die Idee gekommen war, mal von einer ganzen Basketball-Mannschaft bedroht zu werden.
Hinzu kam noch, dass ich immer unruhiger wurde, je mehr sich dieses Gespräch in die Länge zog. Kise ließ keinen Moment aus, in dem er der jungen Frau vor ihm schmeicheln konnte, um an sein Ziel zu kommen. Manchmal war dieser Kerl schamlos genug, um selbst mich das erkennen zu lassen… Und so langsam kam ich ins Grübeln. Ich könnte jeder Zeit aufstehen und einfach gehen. Kise würde es wohl im Moment am besten verstehen, und die Polizistin ging mein Gefühlszustand schließlich nichts an. Jedoch vermutete ich, dass dieses Verhalten unter „Dinge, die ein sozial beholfener Mensch einfach nicht macht" eingeordnet wurde. Eine Benimmregel, die Takao schmetterte, wenn ich anders reagierte, als erhofft – obwohl ich nicht verstand, was genau an meinem Verhalten so furchtbar falsch war. Wenn ich den Raum verließ, tat ich dies eben. Warum sollte ich mich mit sinnlosem Geplänkel aufhalten, dass mich keinen Deut weiter brachte?
Ich wollte gerade aufstehen und gehen, als meine Augen über den Monitor – dessen Kehrseite für Kise und mich ersichtlich war – der Polizistin und über ihren Schreibtisch streifte, und schließlich an einem Behältnis für Stifte hängen blieb. Dort befand sich genau ein blauer Kugelschreiber, umgeben von anderen Kugelschreibern…
»Wird es denn lange dauern, mein Handy gleich zu orten? Sie müssen wissen, ich als Model, habe ziemlich viele Termine einzuhalten, meine Managerin ruft am laufenden Band an und…-«
»Kriege ich mal den blauen Kugelschreiber?« Ich rückte meine Brille zurecht und sah die Polizistin geduldig an.
Beide, sowohl Kise, als auch seine Gesprächspartnerin wandten sich zu mir um und musterten mich, als hätte ich dem Blonden gerade einen Schönheits-Pokal aus den Händen gerissen… Ich fragte mich, was genau ich jetzt unverständlich, oder gar verfänglich ausgedrückt hatte.
Kise setzte ein zwanghaftes Grinsen auf, während er in meine Richtung stierte. »Midorimacchi! Es ist unhöflich, andere Menschen einfach zu unterbrechen…« Gegen Ende, klang der Blonde unbeholfener, als diene das als Entschuldigung, die aber im Grunde ohnehin weniger an mich gerichtet war.
Ich rümpfte kurz die Nase. Er war nicht unbedingt in der Position, mich zu belehren. »Ich brauche einfach nur [style type="italic"]diesen[/style] Stift«, bemerkte ich ruhig und schob noch mal meine Brille nach oben.
Kise starrte mich noch für einige Sekunden lang an, bevor er zu begreifen schien und in Richtung der Schwarzhaarigen entschuldigend grinste, bevor er mich ansah, als wollte er sich mit der flachen Hand vor die Stirn schlagen. »Jetzt sag mir nicht, du glaubst immer noch an diesen Quatsch!«, zischte er mir zu, wobei er mehr belustigt, als ernsthaft aufgebracht wirkte.
»Das ist kein Quatsch! Ich hatte heute Morgen keine Zeit, mir mein Lucky Item zu suche. Ich brauche den Stift.« Ich verschränkte die Arme vor der Brust und schnaubte leise.
Der Blonde seufzte.
»Lucky Item?«, meldete sich die Polizistin zu Wort. Ich sah sie jetzt genauer an und konnte auf ihrem Namensschild lesen, dass es sich um Komatsu Michiko-san handelte. »Meinen Sie Oha-Asa?«
Kise's Kopf fuhr zu ihr herum und er gab sich sichtlich Mühe, noch breiter zu lächeln. »Ja, er glaubt an diesen Kram, entschuldigen Sie.«
Komatsu-san lächelte zurück. »Das macht nichts, er soll den Stift haben. Sie sind Krebs, richtig?«
Sie nahm den dunkelblauen Kugelschreiber aus der Stiftebox und reichte ihn in meine Richtung. Ich nahm ihn ohne zu zögern an, und klemmte ihn mir zufrieden an die Brusttasche meines Hemdes. Sie schien eine freundliche und vertrauenswürdige Person zu sein.
»Sie wissen, dass sie den Stift nicht mehr wiedersehen werden, richtig?«, scherzte Kise, wobei mir durchaus aufging, dass er es keinen wirklichen Witz gemacht hatte.
»Schon in Ordnung. Ich bin Schütze – mein Lucky Item heute, ist ein Foto eines geliebten Menschens«, Komatsu-san griff nach einem Bilderrahmen, auf ihrem Schreibtisch und drehte ihn kurz. Ein Mann in ihrem Alter war darauf zu sehen, der verschmitzt in die Kamera grinste. »Mein Mann«, informierte sie.
»Sie nutzen auch Lucky Items?«, fragte ich ehrlich interessiert.
»Oh, nein, normalerweise nicht. Aber heute kam es mir ganz gelegen, da ich ja sowieso überall ein Foto von ihm habe. Eins davon, in meiner Brieftasche.« Sie lachte fröhlich auf, und reichte einem Kollegen, der kurzzeitig ins Büro getreten war, einen kleinen Zettel, auf dem sie Kise's Daten notiert hatte. Ihr Kollege verließ den Raum augenblicklich wieder.
»Das sollten Sie aber«, riet ich ihr, ohne mich beirren zu lassen.
»Oh, wirkt es denn?«
»Es wirkt für mich.«
»Entschuldigung!«, fuhr Kise dazwischen, wobei er aussah, als hätte er sich gerade eben noch stark gelangweilt. Vielleicht war er auch eifersüchtig, Komatsu-san's Aufmerksamkeit verloren zu haben. Der Blonde lachte zögerlich auf. »Ich dachte nur, es geht hier um mein Handy, und nicht um Horoskope.« Er fuhr sich unwissend durch das blonde Haar.
Wie auf ein Stichwort, klopfte es an der Tür. Es war der gleiche Kollege, der vor ein paar Minuten schon im Büro gewesen war. Er nannte nüchtern den Standort des Handys und verschwand genauso schnell, wie vorher auch. Komatsu-san nickte ihm zu und bedankte sich.
»Kise-san? Darf ich fragen, was jemand wie Sie, in eine Gegend wie diese treibt?«, fragte sie mit einem Lächeln auf den Lippen.
»Der Gentleman genießt und schweigt«, Kise stand auf, und zwinkerte der Polizistin verschlagen zu. »Haben Sie vielen Dank, Komatsu-san.«
Ein Lagerhaus. Die Nummer 14 prangte in großen Lettern auf dem geschlossenen Rolltor. Ich hätte es mir denken sollen. Die Eins als Zahl, war zwar nicht besonders aussagekräftig, aber die Vier bedeutete entweder Unglück oder Tod. Beides war passend, und beides gefiel mir ganz und gar nicht. Die Lagerhallen waren alle fein hintereinander aufgereiht, jede einzelne komplett weiß, mit einem schwarzen Rolltor. Allein die Nummerierungen vermochten sie zu unterscheiden. Auch dies passte. Sie warten einen vermeintlich perfekten Schein hinter dem reinen Weiß und dem verheißungsvollen schwarzen Tor. Alle waren sie in Reih und Glied – vom Ersten an, bis hin zum Zwanzigsten, die Promenade entlang. Jedes von ihnen sah haargenau aus, wie das vorherige und das danach. Akribisch sauber gehalten.
Alles nur, um einen Schein zu wahren. Vermutlich enthielt jedes dieser Lagerhäuser ein nicht minder schmutziges Geheimnis. Das Eine kleiner, das Andere größer. Aber um die Geheimnisse und Probleme der Anderen wollte ich mir jetzt keine Gedanken machen. Ich schob meine Brille nervös zurecht. Ich sollte meine Gedanken in diesem Moment auf eine einzige Person konzentrieren, und nichts weiter.
Ich hatte nicht einmal gewusst, dass es ein wenig außerhalb der Stadt tatsächlich eine Promenade gab, die lang genug war, um diese Lagerhallen auf einem Grundstück zusammen zu halten. Es wirkte mehr amerikanisch, statt japanisch, aber vielleicht war genau das der Sinn und Zweck. Wenigstens standen wir nicht mit dem Rücken zu einem klischeehaften Hafen, sondern zu einem riesigen Wald, der sich hinter uns erstreckte. Die Sonne strahlte unbeirrt durch die Baumkronen hinter uns.
Ich strich über mein Lucky Item. Es war ein gutes Zeichen. Das Glück würde mir hold sein. Und Takao auch.
»Wo ist eigentlich Tetsu?«, unterbrach Aomine die Stille, die uns umgeben hatte, und ab und zu vom Pfeifen des Windes unterbrochen worden war, der leise durch das Geäst und die Blätter fegte.
»Tetsuya hat abgesagt. Er befindet sich außerhalb der Stadt und ist gerade mit Taiga zusammen.« Akashi's Lippen umspielte ein wissendes Lächeln, als er das sagte, doch er wusste, dass Aomine nicht hinter die Bedeutung dieses Satzes kommen würde.
Der Blauhaarige schnaubte nur und trat nach einem Steinchen auf dem Boden. »Und, kriegen wir den Rest deines Planes zu hören?«
»Natürlich Daiki«, erwiderte Akashi schlicht. »Sofern du mir eine Minute Zeit gibst. Seid versichert, es ist wichtig. Folgt mir.« Der Rothaarige lächelte förmlich und ging voraus, geradewegs auf die Lagerhalle Nummer 14 zu.
»Aka-chin hat immer einen Plan…«, murmelte Murasakibara, während er in seinen Schoko-Riegel biss.
Langsam aber sicher schwand das vertraute Nostalgiegefühl und machte einer Art entnervter Erkenntnis Platz: Ich wusste wieder, warum ich mich keinem von ihnen angeschlossen hatte, als der Schulübergang anstand. Takao mochte laut, nerv tötend und anhänglich sein, aber im Großen und Ganzen unglaublicherweise besser zu ertragen, als einen Riesen, der den ganzen Tag über Süßigkeiten mampft, einen arroganten, besessenen Supersportler, ein etwas feminin geratenes männliches Model, einen sadistischen Kontrollfreak von Anführer und einen unsichtbaren Jungen. Wenigstens bekam ich den Unsichtbaren nicht oft genug zu Gesicht, um zu realisieren, was mich an ihm störte… Zumindest waren sie alle… besonders.
Akashi trommelte zweimal mit der flachen Hand auf Nummer Vierzehn's schwarzes Rolltor. Keine dreißig Sekunden später sprang eine Gestalt aus der Ecke zwischen den Hallen. Fast hätte er es geschafft, Akashi mit einem vorwurfsvollen Blick anzusehen, mein ehemaliger Captain jedoch strafte ihn schon mit einem Warnenden, bevor er dazu die Gelegenheit hatte. Ich konnte meine Augenbraue nicht aufhalten, die nach oben schoss, genauso wenig wie meine Augen, von denen ich spürte, dass sie sich weiteten. Peinlich berührt schob ich meine Brille hoch.
Vor uns stand der Typ, der mich belästigt hatte, – indem er um mein Haus herumgeschlichen war – bevor er schließlich von Akashi belästigt worden war – indem der Rotschopf ihn wortwörtlich überfallen hatte –. Da es am Vortag passiert war, hatte ich noch lebhafte Erinnerungen, an dessen kleines Hosen-Fiasko in meinem Vorgarten. Mit Akashi zusammen – der die Ruhe selbst zu sein schien. Akashi hatte auch keinen Grund, sich sonderlich zu schämen. Nur ich hatte gesehen, was vorgefallen war, und ich war mir sicher, Akashi wusste, ich würde den Mund halten. Er würde mich ohnehin dazu bringen, den Mund nicht aufzumachen, wenn ich es nicht von selbst und freiwillig tat…
Er sandte einen leicht verschwörerischen Blick in meine Richtung. »Shintarou, du kennst ihn noch, nicht wahr? Das ist Saruwatari Kenta.«
»Das ist… schön. Aber wieso ist er hier?«, fragte Kise unschuldig.
»Er schuldet mir noch etwas«, sagte Akashi unverblümt, wobei sich ein sehr schwacher Rotton kurz über die Züge dieses seltsamen Jungens streifte.
»Ich hatte dir doch gesagt, klopf nicht gegen das Tor… Der Captain wird dich vielleicht gehört haben…«
Murasakibara schmatzte lautstark. »Ah, ich verstehe. Wata-chin gehört zum Team der Masaru-Gakuen.«
Sowohl Kise, als auch Aomine sandten dem Größeren einen sowohl ausnahmsweise anerkennenden, als auch entgeisterten Blick.
»Ist das dein Ernst Akashi?! Wir können ihm ja wohl unmöglich trauen«, zischte Aomine.
Der Rothaarige bedachte Aomine bloß mit einem skeptischen Blick. »Wie lange kennen wir uns jetzt schon, Daiki? Du solltest allmählich wissen, dass du ihm bis zu einem gewissen Grad über den Weg trauen kannst, wenn ich es dir sage.«, Und an Saruwatari gewandt schlug Akashi wieder einen Befehlstun an: »Wo ist Kazeka Hiroko? Wir hatten mit ihm telefoniert.«
»Der… ist nun auch verhindert.« Der Fremde fuhr sich mit dem Daumen über seine rechte Augenbraue, wie zum Zeichen des Unbehagens.
Allein an Akashi's steinerner Maske, die wirklich weniger einem Gesicht ähnelte, konnte ich erkennen, dass er unzufrieden mit dieser Antwort war. »Die Art wie du das betonst, gefällt mir nicht. Was ist passiert?«
»Ihr seid gewissermaßen aufgeflogen…«, murmelte Saruwatari und sah sich hektisch um. Er ahnte wohl, dass es Ärger geben würde, falls man auch ihn erwischte.
»Was soll das heißen?«
»Der Captain hat auch Kazeka angekettet, weil er ihn verraten hat.«
Akashi presste die Lippen zusammen und machte für einige Sekunden lang ein Gesicht, das ganz und gar nicht gut aussah. Es erweckte in mir das Gefühl, als könnte es möglicherweise nicht sicher sein, in diesem Moment in seiner Nähe zu stehen. Schließlich blinzelte der Rothaarige wiederholt und schien sich wieder gefasst zu haben. »Gut, wir müssen mit dem arbeiten, das uns gegeben ist. Du kannst gehen, aber halt dich bereit. Wir werden sicher nicht diejenigen sein, die auch noch deinem Teamkollegen helfen können. Das wirst schon du machen müssen. Wenn überhaupt.«
Der Fremde nickte bloß, wobei es so aussah, als würde er Akashi fast schon ehrfürchtig ansehen, bevor sich davonstahl – von wo auch immer er hergekommen war.
»Und was machen wir jetzt, Akashi? Gröhlend reinstürmen und alles kurz und klein schlagen? Ich könnte das machen!«, brummte Aomine sarkastisch.
Kise verpasste dem Anderen einen Klaps gegen den Brustkorb. »Sag so was nicht! Das könnte eine Falle sein…«
»Er hat Recht. Warum sollte Shikaru das Handy, von dem er weiß angeschaltet lassen, wenn er nicht wollen würde, dass irgendjemand zu ihm kommt?«, bestätigte ich den Verdacht des Blonden, als Akashi's Blick mich förmlich dazu aufforderte. Vermutlich hätte er mich solange mit den verschiedenfarbigen Augen erdolcht, bis ich etwas dazu gesagt hätte…
»Also, was tun wir?«, murrte Aomine fragend.
Akashi lächelte bloß. Dies war etwas, dass es so unheimlich machte. »Genau genommen, Daiki, ist deine Idee gar nicht so falsch…«
Ich schluckte und strich noch einmal über den Stift in meiner Brusttasche, wie wenn man auf Holz klopfte. Wir würden Das jetzt beenden. Wir würden Takao dort rausholen. Das gab mir zum ersten Mal seit langer Zeit ein wirklich gutes Gefühl.
