2. Kapitel - Entführt
Da ihr Gemahl Inu no Taisho und ihr Sohn Sesshomaru für einige Tage das Schloss verlassen hatten, konnte Sarina die beiden nicht mehr von ihrem Vorhaben in Kenntnis setzten. Deshalb hinterließ die Hundeyoukai nur eine kurze Nachricht. Dann brach sie zusammen mit 10 Kriegern auf. Kaum einige Stunden unterwegs in der Nähe eines Waldstücks drang Sarina ein merkwürdiger Geruch in die Nase. So ließ die Fürstin die kleine Schar halten. Mit nur zwei Krieger wollte der Anführer auf Erkundung gehen.
Kaum waren die drei Soldaten unter den ersten Bäumen verschwunden, als es im Unterholz knackte. Im nächsten Moment schossen braune Tentakel heraus und riss die Dämonen von ihren Pferden. Bevor auch nur jemand Warnrufe ausstoßen konnte, waren die Dämonen völlig von der ekligen schleimigen Masse umhüllt.
Die zurückgeblieben 7 Krieger und Sarina, hörten zwar den Krach, rührten sich aber nicht von der Stelle. Eigentlich wollte die Fürstin nachsehen aber ein Instinkt sagte ihr, es nicht zu tun. Fast im selben Moment kamen mehrere Dämonenkrieger aus dem Wald und griffen sie an. Während des Kampfes zeigte es sich, dass die Hundedämonin durchaus ein Schwert zu führen wusste. Obwohl alle sieben Krieger fielen, schaffte es die Fürstin ihre Feinde von sich abzuhalten und etliche zu töten. Kurz darauf kam ein erschreckendes Wesen aus dem Wald. Sehr zu Sarinas Entsetzen hatte diese dämonische Gestalt das Gesicht von Naraku. Vom Hals aus abwärts schien der Prinz nur noch aus braunen langen Tentakeln zu bestehen.
Sein überlegendes Lächeln war noch immer das gleiche, als er sich nun direkt an die Fürstin wandte, nachdem sich seine Soldaten zurückzogen.
"Meine überaus schöne Fürstin. Es ist mir eine Freude euch wiederzusehen. Vor allen bin ich sehr erfreut, dass ihr mich aufsuchen wolltet."
'Woher konnte er das wissen. Hatte er etwa Spione im Schloss?'
"Naraku ihr seid abstoßend", war alles, was die Youkai laut erwiderte. Dann sprang sie vor und griff den Dämon an. Auch wenn sie immer wieder etwas abschlug, so erneuerte es sich immer sofort wieder.
Eine ganze Weile machte der Prinz das Spiel mit, bevor er sich weiter zurückzog und sich dann in seine menschliche Gestalt zurück verwandelte. Was jedoch Sarina nun überraschte, dass plötzlich stattdessen grüne Tentakel aus seinem Rücken wuchsen und auf sie zu schossen. Ein oder zwei konnte sie zwar abschlagen aber auch diese wuchsen sofort wieder nach. Dann wurde ihr Körper von den grünen Ranken umschlossen und hielten sie fest. Da ihre Arme an den Körper gedrückt wurden, konnte sie sich trotz unzähliger Versuche nicht bewegen. Nach einer Weile gelang es ihr, mit ihren Klauen, nah genug an eines der Tentakel zu kommen. Gerade als sie zuschlagen wollte, fing der Prinz an laut zu lachen. Im nächsten Moment spürte die Daiyoukai wie sich an den grünen Ranken, Tausende feine Haare aufrichteten und über ihre Haut strichen. Es fühlte sich an wie winzige Nadeln, auch wenn keines davon sie verletzte. Die feinen Haare setzten ein betäubendes Gift frei, dem sie nicht gewachsen war. Das brennen auf ihrer Haut löste eine Welle der Übelkeit in ihr aus. Nicht lange und sie glitt hinüber in eine beinahe wohltuende Ohnmacht.
Naraku betrat die Kammer, in der er Sarina festhielt. Die bewusstlose Hundedämonin hatte er völlig bekleidet auf dem Lager zurückgelassen. Nun betrachtete er ihren schlanken Körper und spürte selbst zum ersten Mal ehrliches Interesse an einem Wesen.
Er setzte sich neben sie und legte seine Hand auf ihre Stirn. Dann drang er von ihr unbemerkt in das Bewusstsein ein. Bei jedem Besuch, den er in den folgenden Wochen bei Sarina machte, übernahm er mehr von ihren Gedanken. Dennoch dauerte es ungewöhnlich lange. Denn immer wieder, wenn er einen Fortschritt zu verzeichnen hatte, genügte es, wenn sie den Namen ihres Gefährten seufzte, um seine Versuche nichtig zu machen.
Tagsüber konnte sie sich in ihrem Gemach frei bewegen, nachts lag sie tief schlafend auf dem Lager, betäubt von seinem Gift. Vermutlich würde sie jede Nahrung vermeiden, wenn sie wusste, auf welche Art der Prinz ihr das Schlafmittel verabreichte.
Nach drei Monaten kam dann plötzlich die schwarzhaarige menschliche Priesterin zu ihm, die in seinen Diensten stand. Er hatte sie zu Sarina geschickt, da sich die Fürstin schon seit Tagen nicht wohlfühlte. Er wollte unter keinen Umständen, dass sie an einer unheilbaren Krankheit starb, die auch Hundedämonen befallen konnten.
Naraku stand am Fenster und blickte hinaus. Mit der Hand forderte er Kikyou zum sprechen auf.
"Sie erwartet ein Kind Herr", war alles, was es brauchte, um in wütend zu machen.
Der schwarzhaarige Dämon fuhr herum und schrie: "Was?"
Kikyou musste sich zusammenreißen, dass sie nicht erschrocken zurückschreckte. Seit sie in den Diensten des Prinzen stand, hatte sie noch nie so einen Gefühlsausbruch miterlebt. Er benahm sich seinen menschlichen Dienern oder Frauen gegenüber immer freundlich. Sein wahres Wesen versteckte er auf dem heimatlichen Schloss.
Gleich darauf hatte sich Naraku wieder gefangen und dachte nach.
Das war ja ungeheuerlich. Seit Sarina hier war, hatte er sie doch nicht einmal angerührt. Oh dieser verdammte Hund. Inu no Taisho, immer wieder dieser verdammte Herr der Hunde. Wie er diesen Namen gelernt hatte zu hassen. Wie oft die Fürstin den Namen in seinem beisein ausgesprochen hatte, auch wenn es unbewusst war. Und jetzt schaffte es dieser Inu no Taisho erneut seinen Plan zu vereiteln und war nicht mal anwesend.
Kikyou bestätigte ihm dann noch, das sie mindestens im dritten Monat war. Etwa die gleiche Zeit wie sich die Hundedämonin hier in seinen Fängen befand. Nachdem er die Priesterin fortgeschickt hatte, begab sich Naraku direkt zu Sarina.
Dann stand er der Hundedämonin gegenüber und sah sie an. Er betrachtete Sarina. Ihre schöne schlanke Gestalt, die langen silberweißen Haare, die heute in zwei Zöpfen über ihren Rücken fielen. Das blaue Gewand was sie trug passte hervorragend zu ihren goldenen Augen, die ihn gerade wütend anfunkelten. Sie ahnte nicht, welche Wirkung ihre stolze Haltung gerade auf ihn hatte. Sarina lehnte mit dem Rücken gegen die Wand neben dem Fenster. Ihn ihrer Hand hielt sie einen Kelch. Naraku wusste, wie temperamentvoll die Hundedämonin sein konnte. Es wäre nicht das erste mal, das sie mit Gegenständen nach ihm geworfen hatte. Auch mit ihren Klauenhänden hatte sie ihn schon angegriffen. Deshalb blieb er direkt an der Tür stehen, da er sie von hier aus mit seinen Tentakeln leicht auf Abstand halten konnte. Sollte sie einen oder zwei mit ihren Klauenhänden abtrennen können, wäre das kein Verlust, da diese sofort nachwachsen würden.
"Man darf gratulieren Sarina. Ihr erwartet unser Kind meine Liebe."
Kurz ließ der Prinz die Worte sinken, bevor er weiter sprach: "Über einen männlichen Erben würde ich mich freuen. Wie ihr wisst, besitze ich viele Burgen und benötige deshalb Söhne um diese zu verwalten."
Schwanger? Nein das war unmöglich. Sie hatte sich ihm niemals hingegeben. Daran würde sie sich doch erinnern. Allerdings wenn sie über die ersten Tage hier im Schloss nach dachte, war alles dunkel oder wie in Nebeln. Nein niemals. Wieder hob sie stolz ihren Kopf und entgegnete: "Das ist eine Lüge."
"Was das ihr unser Kind empfangen habt?", begann Naraku, dabei hatte er ein siegessicheres Lächeln aufgelegt. "Bereits jetzt spüre ich die starke Aura des Kindes in deinem Leib."
Noch immer glaubte sie ihm nicht. Doch sehr zu ihrem Leidwesen spürte sie nun ebenfalls eine ganz schwache dämonische Präsenz in ihrem Bauch. Sollte dieser Bastard es gewagt haben Hand an sie gelegt zu haben? Seit sie Naraku in seiner wahren Gestalt gesehen hatte, verabscheute sie ihn noch mehr. Der Kelch in ihrer Hand fiel zu Boden. Obwohl sie oft, was ihren Gesichtsausdruck anging, unleserlich war, konnte man all ihre Empfindungen gerade wahrnehmen. Bestürzung, Fassungslosigkeit, Abscheu, waren nur einiges. Naraku lächelte zufrieden.
"Niemals hätte ich euch an mich herangelassen", warf die Fürstin ihm nun entgegen.
'Wie recht du hast meine geliebte Sarina. So wie ihr gekämpft habt, hatte ich keine Chance euch zu berühren', dachte der Prinz.
"Also könnt ihr mir nur Gewalt angetan haben", sprach sie weiter, dass lächeln, was der Dämon an der Tür ihr gegenüber zeigte dabei missdeutend.
Selbst wenn, so oder so war das nicht sein Kind, was er immer mehr bedauerte. Dennoch konnte er aus der Sache nutzen ziehen. Gerade wurde ihm nämlich bewusst, welche Möglichkeit er hatte, wenn das Kind tatsächlich männlich wäre. Sobald Sarinas Sohn erwachsen war, brauchte er ihn nur zu absorbieren und würde damit auch dessen starke dämonische Kräfte übernehmen können. Was waren da schon 200 Jahre bei dem, was er dafür erhalten würde. 'Oh Inu no Taisho, ihr habt mir gerade ein weiteres Geschenk gemacht'
Laut äußerte er aber: "Wenn ihr denkt meine Fürstin, ich habe euch Gewalt angetan. In diesem Punkt irrt ihr euch. So etwas tue ich niemals. Jede meiner Gefährtinnen hat sich mir freiwillig hingegeben. Liebe Sarina ihr seid da keine Ausnahme gewesen. Ihr habt mich gerade zu angefleht, euch Vergnügen zu schenken."
Sie war sich sicher nie so etwas getan zu haben. Sarina gab zu, das Naraku der Prinz recht ansehnlich war, doch Naraku der Dämon, war verabscheuungswürdig. Die Fürstin musste sich vor Ekel schütteln. Aber sollte er recht haben, hatte sie den in ihren Augen schlimmsten Verrat begangen an ihrem Gefährten. Sie hatte Inu no Taishos Vertrauen gebrochen, sich seinen ärgsten Feind hingeben und erwartete nun zu ihrer größten Schande dessen Kind. Auf eine andere Möglichkeit kam sie gar nicht. Etwas brach in ihr.
Das, was Naraku in drei Monaten nicht geschafft hatte, erreichte er gerade mit wenigen Worten.
Der Prinz triumphierte. Sarina war zu Boden gesunken und der Ausdruck in ihrem Gesicht wurde leer. Mit Leichtigkeit konnte er nun in ihr Bewusstsein eindringen und seinen Bann festigen. Solange diese Verbindung zwischen ihnen bestand, konnte er auch über große Entfernungen jederzeit ihr Befehle erteilen. Außerdem würde er nun in kleinen Portionen Sarinas dämonische Energie abziehen und sich so selbst stärken. Was Naraku aber dabei übersah, war, dass er damit auch das Kind schwächte.
tbc...
im nächsten Kapitel Befreiung
Inu no Taisho auf Feldzug und eine interessante Begegnung
