5. Kapitel - Der Zorn der Götter

An einem fast wolkenlosen Tag spielte sich vor dem Schloss in der Ebene eine kleine Szene ab. Sesshomaru und Inuyasha standen sich mit Holzschwertern gegenüber. Der Ältere erklärte dem Kind einige Dinge. Mit großen Augen hing Inuyasha an den Lippen seines Bruders und wollte kein Wort verpassen. Die Anerkennung und Liebe des Älteren war ihm sehr wichtig. Deshalb wollte er ihn nie enttäuschen.
Unbekannt von den beiden Brüdern saß ein durchscheinendes Wesen lächelnd auf einer Wolke über ihnen. Kurz darauf erschien dort ein Zweites.
"Sehr amüsant, wie ich sehe", begrüßte der Neuankömmling den Sitzenden und schaute dann selbst, was seinen Freund so fesselte. Ein junger, etwas über 200 Jahre alter Hundedämon mit weißen langen Haaren, versuchte gerade einen anderen, weißhaarigen Kind Schwerttechniken zu vermitteln. Hin und wieder stellte sich der Kleine nicht schlecht an.
Nun reagierte das erste durchscheinende Wesen und erklärte: "Ich betrachte gerade meine letzte besondere Schöpfung."
"Was ist so Besonderes daran?, fragte der Gott der Zeit ungläubig. Jeden Tag erschuf der Gott des Lebens Kinder.
"Das ist ein Hanyou, ein äußerst seltenes Geschöpf. Halb Mensch und halb Youkai. Von beiden Völkern überhaupt nicht geschätzt. Doch gerade weil diese Wesen alle Eigenschaften beider Rassen vereinen, sollte man ihnen große Achtung zollen."
"So wie meine Geschöpfe die Zeitreisenden. Wesen aus Magie in den Körpern von Mensch, Youkai oder sehr selten in den Göttern."
"So etwa in der Art", jetzt zum ersten Mal blickte der Gott des Lebens den anderen an und sah dessen Gesichtsausdruck.
Beinahe mitfühlend stellte er fest: "Oh du siehst aus, als hättest du gerade den Weltuntergang gesehen."
Mit einem Schulterzucken gestand der Zeitgott: "Ich wünschte, das wäre so, dann wäre meine Aufgabe wenigstens erledigt. Doch so bin ich völlig ratlos."
"Willst du mir es erzählen?"
Mit einem Seufzer begann der Gott der Zeit: " Etliche Jahre in der Zukunft wird die Welt von einem Wesen beherrscht. Was rede ich da, alles wird von ihm beherrscht. Nicht nur die Welt, sondern auch das ganze Universum Youkai, Menschen sogar Außerirdische, jeder zittert vor ihm."
"So weit in der Zukunft warst du?", nur zu deutlich konnte man die Überraschung des Gottes heraushören. Seinem Freund den Gott der Zeit konnte normalerweise nichts erschüttern. Wenn etwas falsch lief, schickte er seine Diener, die magischen Zeitreisenden aus um alles zu korrigieren. Doch diesmal klang er nicht nur ratlos, sondern schien auch noch hilflos zu sein. Irgendwas stimmte da gewaltig nicht.
"Ja, es gab da einige Turbulenzen, die mir Sorge bereiteten", gestand er.
"Und welche?" Der Gott der Zeit traute sich wohl nicht, darüber zu sprechen. Doch dann entschloss sich dieser, seinen Freund den Gott des Lebens einzuweihen.
"Der Untergang der Götter, ihre komplette Vernichtung."

Man würde es nie für möglich halten, dass ein weißes Wesen blass werden konnte, aber der Gott der Zeit hatte gerade den Eindruck, dass der Andere das wurde.
"Das müssen wir verhindern", begann der Gott des Lebens. "Wer ist dieses Wesen."
"Naraku nennt er sich."
Der Gott des Lebens dachte nach. Diesen Namen hatte er noch nie gehört, er kannte jeden Namen von Mensch, Youkai oder Hanyou, was er je erschaffen hatte. Selbst alle Götter und ihre Nachfahren waren ihm nicht unbekannt. Was war dieser Naraku für ein Geschöpf? Seine Gedanken konnte der Gott des Lebens nicht abschließen.
Kaum war der Name des geheimnisvollen Prinzen ausgesprochen, als zwei kleine goldene Punkte auftauchten und aufgeregt vor dem Gott des Lebens auf und ab tanzten.
Mit großen Augen betrachtete der Gott der Zeit die beiden Punkte. Er hörte ein leises Wispern, verstand aber nichts. Im Gegensatz zu ihm schien sein Freund jedes Wort zu vernehmen.
"Wer ist das? ", musste der Zeitgott neugierig fragen.
"Das sind Mutter und Tochter. Die erste Gefährtin des Inu no Taisho und ihr gemeinsames Baby. So wie sie mir gerade erzählen sind sie diesem Naraku zum Opfer gefallen und meinen wir sollen ihn aufhalten."
"Doch wie?", sagte nun der Gott der Zeit nachdenklich. Dann fiel ihm aber noch etwas ein. Er musste sich um einen seiner Schützlinge kümmern.
Der Gott der Zeit verließ die Wolke. Nachdenklich blieb der Gott des Lebens zurück.
Es dauerte jedoch nicht lange, bis der andere zurückkam. Diesmal war dessen Gesichtsausdruck wesentlich zufriedener.
"Amor hat wieder ganze Arbeit geleistet", sagte er anerkennend. Das, was passiert war, hatte zwar nicht in seiner Absicht gelegen doch im Stillen freute er sich für das Wesen, vor allem da sie ihm viel bedeutete.
"Dann bin ich wohl wieder gefragt", schmunzelte der Gott des Lebens. "Was wäre dir den diesmal lieber? Junge oder Mädchen."
"Zwillinge wären mal ganz nett. Mir gehen sonst die Zeitreisenden aus."
"Kannst du gern haben", nun war es am Gott des Lebens zu verschwinden. Später als er dann wieder zurück auf der Wolke war, meinte er noch: "Ein starker Priester. Deine Wesen werde immer mächtiger."
"Die Gefahren auch, denen sie sich stellen müssen. Ich will keines unserer Geschöpfe verlieren."
"Da hast du wohl recht", stimmte der Gott des Lebens zu.

Unten konnte man nun einen Reiter über die Ebene kommen sehen und der kleine Hanyou rannte erfreut ihm entgegen um ihn zu begrüßen.
"So'unga", nur dieses eine Wort sagte der Gott des Lebens, aber es genügte, um dem Gott der Zeit einen Schauer über den Rücken zu jagen. Dieses Höllenschwert war auch so ein Gegenstand, der jederzeit die Welt vernichten könnte.
Vor Jahren war ein mächtiger wütender Drachen durch die Lande gezogen, eine Schneise der Verwüstung und Zerstörung hinterlassend. Nichts konnte ihn aufhalten. Erst einige mächtige Kriegsgötter konnten ihn vernichten und dessen Geist in einen weißen Stein bannen. Um diesen Stein, der nun durch den Geist des Drachen rosa leuchtete, kontrollieren zu können, wurde er in den Griff eines Schwertes eingearbeitet. Der größte Fehler, den die Götter begingen. Denn nun als Waffe wurde der Geist erst recht zum Monster. Unzählige Lebewesen starben durch die Klinge. Dennoch dauerte es noch einige Zeit, bis es einem jungen Youkai gelang, das Schwert vollkommen zu beherrschen.
Inu no Taisho war einer der mächtigsten Dämonen und hatte versprochen auf das Schwert aufzupassen, bis die Götter einen Weg gefunden hätten, es zu vernichten.
"Das Schwert, ja das müssen wir auch noch vernichten, bevor es wieder Unheil stiftet. Ich dachte daran es in der Unterwelt zu versiegeln", stimmte der Gott der Zeit zu.
Nachdenklich hatte der andere da gesessen und dann kam ihm eine Idee. Er schlug vor: "Was wäre, wenn wir diesen Naraku gleich mit vernichten."
"Eine gute Idee, doch dafür müssen wir ein Wesen erschaffen, das mächtig genug ist und wir brauchen eine starke Seele", es war zwar eher eine Eingebung, dennoch hatte er es laut ausgesprochen.
"Lass es uns tun!", bat plötzlich die Seele von Sarina eindringlich.
Beide Götter hatten nicht bemerkt, wie die Seelen wieder zurückgekommen waren. Im nächsten Moment geschah etwas, das sogar den Gott des Lebens verblüffte. Beide Seelen verschmolzen zu einer.
Überrascht sagte der Gott des Lebens: "So etwas ist noch nie geschehen."
"Vielleicht ein Zeichen?", warf der Gott der Zeit ein.
Nachdenklich schaute der Gott des Lebens jetzt auf die vereinigte Seele. "Ihr beide würdet alles vergessen. Eure Familie, wer ihr ward. Euer Leben würde nur auf ein einziges Ziel ausgerichtet sein. Narakus Vernichtung. "
Die verschmolzene Seele tanzte vor dem Gott und antwortete: "Wir bekommen Rache für unseren Tod, nur das zählt noch. Wenn wir dadurch gleichzeitig unsere Familie schützen können, ist es den Preis wert."
"Ich werde sehen, was ich tun kann, bis dahin dürft ihr euch weiterhin an eurer Familie erfreuen."
Obwohl er es nicht zugeben wollte, war der Gott des Lebens nicht begeistert. Es war nicht in seinem Interesse ein Lebewesen zu erschaffen, das nur von Rache erfüllt sein würde. Dieses war schon einmal geschehen und der Drache in So'unga war ein Mahnmal, was passierte, wenn man so etwas in die Welt entlässt. Es musste eine andere Lösung geben.

So vergingen einige Jahre. Inu no Taisho hatte auch oft über Naraku nachgedacht. Auch wenn der Prinz nun schon seit Jahren in seinem Schloss saß und keinerlei weitere Eroberungspläne zu haben schien, war der Hundefürst vorsichtig. Im Moment schien dieser sich nur um ein Schneemädchen, das er zur Frau genommen hatte zu kümmern. Scheinbar schenkte der Prinz ebenfalls seine ganze Aufmerksamkeit seiner Tochter Kanna, die ganz das Ebenbild ihrer Mutter war nur wesentlich jünger.
Manchmal hatte Inu no Taisho noch an Narakus erste Tochter gedacht und sich gefragt, was wohl aus Kagura geworden war. Ob ihr das gleiche Schicksal geblüht hat wie der Priesterin Kikyou. Das würde wohl eine Frage sein, deren Antwort nur Naraku kannte.

Der Fürst der Hunde war eines Tages aufgebrochen und hatte einen begabten Schmied aufgesucht. Dieser Totosai schmiedete seltene Waffen, reine Unikate. Er war ein wahrer Meister in seinem Fach. Inu no Taisho gab ihm zwei Schwerter in Auftrag. Als diese nun fertiggestellt waren, holte der Hundedämon sie persönlich ab.
Er ahnte nicht, dass er beobachtet wurde. Wieder einmal hatten die zwei Götter über dem Schloss der Hundefamilie geschwebt und dessen Söhnen zugesehen.
Bis jetzt hatte die Zukunft immer finster ausgesehen, doch erst vor Kurzem, nur einige Stunden, nachdem Inu no Taisho die beiden Schwerter in Auftrag gegeben hatte, kam der Gott der Zeit mit einem Lächeln zurück. Die Zukunft begann wieder in den Nebel zu verschwinden, also konnte sie möglicherweise vor Naraku befreit werden. Was den Gott aber so fröhlich gestimmt hatte, war die Information, die er seinen Freund gleich mitteilen konnte.

Der Gott hatte nämlich etliche Jahre in der Zukunft am Schloss des Hundefürsten eine kurze Rast eingelegt, als er plötzlich sah, wie ein Mädchen, eine weißhaarige Hundedämonin aus dem Gebäude rannte. Der Hanyou flitzte ärgerlich hinter her. Es gelang ihm jedoch nicht, dass Mädchen zu entdecken. Kurz darauf war der ältere Bruder Sesshomaru in würdevoller Haltung ebenfalls in den Hof getreten.
"Unsere verehrte Schwester tanzt dir wohl wieder auf der Nase herum", sagte der Fürst tadelnd.
Grimmig schaute Inuyasha den älteren Bruder an "Keh, dir wohl nicht?", in seiner Stimme klang Ärger mit.
Ein undefinierbares Lächeln erschien auf dem Gesicht von Sesshomaru, als er laut den Namen der kleinen Prinzessin rief: "Hope."
"Ja, verehrter Bruder", erklang plötzlich die Stimme des Mädchens genau neben dem Hanyou. Ihr Blick war dabei ganz unschuldig und sie benahm sich sogar ganz höflich.
"Höre auf das, was Inuyasha sagt!" Die Stimme des Ältesten der drei Geschwister war dabei sehr streng. Man konnte sehen, wie groß der Respekt war, den die junge Hundedämonin ihm gegenüber hatte.

Mehr hatte der Gott der Zeit nicht mitbekommen, da die Vision wieder verschwand. Nur kurz darauf hatte er noch eine weitere gehabt von der Vernichtung Naraku, wobei möglicherweise die drei Welpen Inu no Taishos beteiligt waren. Gern hätte er mehr gesehen, doch jedes Mal wenn offenbar Naraku einen eigenen Plan schmiedete, wurde die Zukunft erneut finster.
Alles, was der Gott der Zeit seinem Freund mitteilte, war, dass vermutlich Inu no Taishos drei Welpen den Prinzen vernichten konnten.

Falls es möglich war, dann hoffte der Gott des Lebens darauf, während er jetzt nach Norden sah zu den vulkanischen Hügeln. Dann drehte er sich zu seinem Begleiter um und bat: "Entschuldige mich kurz."
"Was hast du vor?", wollte der Gott der Zeit wissen.
Mit einem beinahe diabolischen Lächeln antwortete der Erste: "Jemand wird gleich meinen Zorn spüren."
Im nächsten Moment wurde aus der durchsichtigen Gestalt ein wahrer Tornado, der sich gleich darauf über die Ebene hinweg entfernte, genau auf einen einsamen Reisenden zu.
Der Gott der Zeit schmunzelte etwas, doch im nächsten Moment bedauerte er das Lebewesen da unten. In dessen Haut wollte er jetzt nicht stecken. Wer immer da den Zorn des Gottes geweckt hatte, tat ihm leid, dieser konnte wahrhaft mörderisch sein.

Mit schneller Geschwindigkeit verließ Inu no Taisho die Schmiede. Als er auf der Ebene vor seinem Schloss ankam, verwandelte er sich zurück in seine menschliche Gestalt. Lange Zeit blieb er stehen und ließ seinen Blick schweifen. Ein Geräusch hinter ihm veranlasste, den Fürsten herumzufahren. Ein starker Tornado kam da heran gebraust. Selbst wenn Inu no Taisho ausweichen wollte, der Sturm drehte sich sofort wieder in seine Richtung. Noch als der Fürst mit dem Gedanken spielte sich in seine dämonische Gestalt zu verwandeln, um so besser dem Sturm standhalten zu können, erfasst ihn der starke Wind und holte ihn von den Beinen. Unsanft kam er auf und jetzt befand er sich genau im Zentrum, dem Auge des Tornados. Aus dem Wirbel bildete sich ein Gesicht heraus.
Eine Stimme donnerte los: "Ihr habt es gewagt so ein Schwert schmieden zu lassen. Ein Schwert, das den Tod betrügen kann."
Inu no Taisho wusste sofort, was der Gott meinte. Denn der zornige Sturm war, von keinem geringeren als dem Gott des Lebens, geschickt wurden. So ließ sich der stolze Hundedämon auf sein Knie nieder und senkte seinen Kopf.
Schon sprach das Gesicht im Tornado weiter: "Halte ihr euch für einen Gott. Der einzige der Leben schenken darf, bin ich."

Das Schwert Tenseiga herzustellen war gar nicht so einfach gewesen. Doch diesmal hatte sich der Schmied selbst übertroffen. Doch leider konnte das Schwert nicht nur einen Pfad ins Jenseits öffnen, sondern auch die Boten der Unterwelt töten und somit Lebewesen retten. Inu no Taisho und der Schmied waren selbst überrascht und deshalb verstand der Fürst auch den Zorn des Gottes. Dies war eine Technik, die niemand haben sollte.
"Es war bestimmt keine Absicht. Das war ein unglücklicher Nebeneffekt, der durch das Meidou Zangetsuha entsteht. Ich bereue nicht dieses Schwert in Auftrag gegeben zu haben", entgegnet der Hundedämon mit fester Stimme. Er wusste, dass er auf einem gefährlichen Grat wanderte. Der Gott war schon erzürnt genug.
"Nenne mir nur einen Grund!", forderte der Gott.
"Naraku."
War es eine Täuschung oder erbleichte der Gott gerade vor ihm tatsächlich. Besser Inu no Taisho schaute nicht so genau hin. Er fügte aber noch zusätzlich an: "Dieses Monster wird immer mächtiger. Vielleicht wird da in Zukunft ein Schwert wie So'unga nicht reichen, um ihn zu vernichten. Doch mit Tenseiga kann man einen Pfad in die Unterwelt öffnen und ihn vielleicht darin für ewig einschließen. Wenn ich ihn in die Unterwelt verbannen kann, wird er weder auf Erden noch im Reich des Himmels Unheil stiften, was wohl auch in eurem Interesse ist. Ihr seid der Gott des Lebens, deshalb frage ich mich wie ihr zu lassen konntet das so ein Lebewesen überhaupt existiert."

Der Hundedämon konnte nicht ahnen, dass er damit einen Nerv bei dem Gott getroffen hatte. Seit einiger Zeit herrschte, helle Aufregung im Himmelsreich, seit die Vorhersage des Zeitgottes bekannt geworden war.
Inu no Taisho ist das mächtigste Lebewesen auf Erden. Nur seinen Sohn Sesshomaru ist es vorherbestimmt, eines Tages ihn noch zu übertreffen. Doch wie es aussah, war Naraku gerade auf dem Weg dem Sohn des Hundefürsten den Rang abzulaufen. Leider hatte der Herr des Lebens versäumt den Herrn der Zeit zu fragen, wie es in der dunklen Zukunft um die Familie der Hundedämonen bestellt war. Doch, wenn Naraku sogar in der Lage war, Götter zu vernichten vermutlich gab es da keinen mehr aus der Familie der Hunde, der ihn aufhalten konnte.
"Naraku ist keines meiner Geschöpfe", gab er zu. "Wer immer ihn erschaffen hat, muss so mächtig sein das er sogar den Gott der Zeit betrügen kann. Wenn ihr denkt, das es möglich ist Naraku in der Unterwelt zu versiegeln, werde ich euch sogar unterstützen. Doch weshalb musstet ihr noch Tessaiga schmieden lassen."

"Als ihr mir So'unga anvertraut habt, vergast ihr nur eine Kleinigkeit zu erwähnen. Mit jedem Einsatz wird der Drache mächtiger und eines Tages bin ich ihm vielleicht nicht mehr gewachsen. Deshalb ließ ich die Schwerter schmieden aus meinen Fangzähnen. Denn ich habe das Gefühl, eines Tages werden nur Tessaiga und Tenseiga zusammen stark genug sein, um das Höllenschwert zu zähmen oder es zu vernichten"
"Es gibt noch einen Grund?", fragte der Gott, da er deutlich spürte, dass der Youkai weiter sprechen wollte.

"Sicher da gibt es noch etwas, das ihr wohl ebenso versäumt habt", begann Inu no Taisho. "Mein Sohn Inuyasha ist zur Hälfte Mensch und zur Hälfte Dämon. Seine dämonische Seite ist durch mein Blut so stark, das er leicht die Kontrolle verlieren kann und zum mordenden Monster wird. Tessaiga wird ihn davor schützen. So etwas hättet ihr bedenken müssen, bevor ihr einen Hanyou erschafft. Vermutlich habt ihr es gut gemeint und wolltet einer unglücklichen Menschenfrau nur den Wunsch nach einem Kind von mir erfüllen."
"Ihr wagt es einen Gott zu kritisieren", man hörte deutlich den Zorn in der Stimme. Auch wenn der Fürst recht hatte, so durfte er sich so etwas wohl kaum herausnehmen.
"Ich wage es", mit diesen Worten stand Inu no Taisho auf und blickte nun dem Gott direkt ins Gesicht. Der Sturm war inzwischen nur noch eine laue Brise und man konnte nun die ganze Gestalt des Gottes erkennen. Dieser musterte den Hundefürsten lange.
Sehr zu dessen Überraschung antwortete der Gott dann: "Leider muss ich euch Zustimmen Lord Taisho. Im Laufe der Jahrhunderte habe ich nur eine Handvoll Hanyou erschaffen. Keiner davon hatte einen so mächtigen Vater. Es war unbedacht, dennoch eine weise Entscheidung, wie ich gerade erkenne. Wenn jemand Naraku vernichten kann, dann eure drei Welpen." erklärte der Gott nun.
Der Daiyoukai schluckte kurz. Drei? Hatte er sich gerade verhört oder hatte der Gott sich nur versprochen. Izayoi war aus dem Alter heraus, in dem sie noch Kinder empfangen konnte. Dennoch wagte er es nicht, nachzufragen immerhin hatte er das mächtige Wesen heute schon genug erzürnt.
Nun trat der Gott näher und befahl: "Gebt mir die Schwerter."
Inu no Taisho überreichte beide. Kurz bildete sich um die beide Schwerter ein Leuchten, bevor der Gott sie zurückreichte. Danach erklärte er: "Von nun an sind Tessaiga und Tenseiga mit jeweils einen Bann belegt. Niemand anderes als eure Söhne werden sie nutzen können. Auch ihr nicht. "
"Das war nie meine Absicht", erklärte Inu no Taisho. Obwohl er sich insgeheim wünschte, Tenseiga schon früher in seinen Besitz gehabt zu haben. Damit hätte er vermutlich Sarina und Eline retten können. Dennoch machte sich der Fürst keine Illusionen, der Gott vor ihm konnte Gedanken lesen und kannte deshalb sicher seine Wünsche.
"Ab heute dient ihr mir und meinen Plänen. Es soll euer Schaden nicht sein. Denkt aber daran unterläuft euch nur ein Fehler, bekommt ihr meinen Zorn zu spüren", riet der Gott des Lebens.
"Wenn euer Zorn gerechtfertigt ist, werde ich jede Strafe akzeptieren. Hauptsache ihr lasst mir, die Gelegenheit meinen Fehler zu korrigieren." Der Hundefürst meinte es ehrlich.

Während der Dämon sich in Richtung seines Schlosses auf die Reise begab, entfernte sich die kleine Wolke, auf der inzwischen der Gott saß in die andere Richtung. Er schwebte nach Süden. In seinem Kopf begann ein Plan zu reifen. Um ihn jedoch auszuführen, brauchte dringend die Mithilfe des Gottes der Zeit.

Später als der Hundefürst im Schloss angekommen war, ließ er nach Sesshomaru rufen. Er übergab ihm Tenseiga und erklärte das Tessaiga für Inuyasha bestimmt wäre, sobald er älter ist und die Kraft hatte ein eigenes Schwert zu führen.
"Es ist nicht nur wichtig, das ihr lernt die Schwerter zu beherrschen, sondern auch das ihr die Kräfte, die ihnen innewohnen meistert", erklärte der Fürst eindringlich seinem ältesten Sohn.
Mehr verriet er nicht. Etwas nervös sah sich Inu no Taisho dann um. "Was hast du verehrter Vater?", fragte Sesshomaru, da er bemerkte, dass dieser sich suchend umsah. Dann fügte der junge Hundedämon noch an: "Du siehst so zerzaust aus."
"So würdest du auch aussehen, wenn du in diesen Sturm geraten wärst, mein Sohn", entgegnet Inu no Taisho und ging weg.
Der Prinz blickte hinaus auf die Ebene. Nie würde er am Verstand seines Vaters zweifeln, doch das Ganze war schon merkwürdig. Kein Lüftchen regte sich, es herrschte absolute Windstille und das schon den ganzen Tag. Am Himmel stand die Sonne und nicht eine einzige Wolke konnte man wahrnehmen.

Wieder einmal beobachtet der Gott des Lebens die kleine Hundefamilie. Nur kurz darauf erschien der zweite Gott. Es war schon ein Ritual geworden, das sich beide hier trafen und gemeinsam Pläne schmiedeten. Als der Gott des Lebens einen Blick auf den anderen warf, konnte er blankes Entsetzen sehen. Das war doch noch schlimmer als beim letzten mal. Er sprach deshalb den Gott der Zeit darauf an.
"Du warst wieder einmal in der Zukunft? Deinem Gesichtsausdruck zu folge ist es weit schlimmer als wir angenommen haben."
"Ja. Nun kenne ich auch den Grund, warum die Götter vernichtet werden. Naraku hat So'unga in seinem Besitz", gestand der Gott der Zeit.
"Wie? Das ist doch unmöglich?", er hoffte im Stillen, das es ein Scherz war. Er hatte selbst erlebt, was So'unga in den falschen Händen anrichtete, obwohl er genau wusste, dass kein Gott von der Macht des Drachen getötet werden konnte.
"Offenbar nicht", meinte nun wieder der andere Gott.
Er merkte schon, dass der Gott der Zeit ihn falsch verstanden hatte, deshalb erklärte der Gott des Lebens jetzt: "Ich meinte, das Schwert kann uns doch nichts anhaben."
"Das Schwert nicht aber der Stein, in dem der rachsüchtige Geist des Drachen von uns eingeschlossen wurde." In diesem Moment erkannte auch der andere Gott, wo das Problem lag. Der Stein enthielt göttliche Magie, etwas das tatsächlich nur Götter schaden konnte. Den Geist des Drachen hatte diese Magie versiegeln können. Doch, wenn Naraku jemanden fand, der den ursprünglichen Stein beherrschen konnte, war es vermutlich auch möglich den Drachen zu befreien. Das war ja noch schlimmer.
"Das ist wirklich bedenklich", stimmte er deshalb zu.
"Noch bedenklicher, dass es Naraku wirklich gelingt, die Familie des Hundefürsten auszulöschen. Wie sonst kann er an das Schwert kommen", gab der andere nun noch zusätzlich zu bedenken.
Beide Götter hatten sich auf die Reise begeben und schauten wenig später im Süden nach dem rechten. Hier oben wo sie das Schloss von Naraku betrachten konnten, dachten beide unabhängig voneinander nach. Kurz darauf trat eine weiße Frau, gefolgt von einem weißen Mädchen aus dem Schloss. Beide traten nun zu dem Prinzen Naraku, der mit einem Bündel im Arm da stand. Gerade richtete dieser sein Wort an das weißhaarige Baby.
"Nun mein Sohn, dort im Norden wohnt mein größter Feind Inu no Taisho. Eines Tages werden wir ihn und seine Familie vernichten. Dann Hakado werde ich mir So'unga aneignen."
"Ja Vater", stimmte das Baby zu.

Diesmal wurden beide Götter bleich auf der Wolke. Das Baby konnte doch nicht älter als drei Monate sein, wieso konnte es nicht nur sprechen, sondern hatte Verstand. Welche mächtige Magie war das.
Der Gott des Lebens sah sich danach suchend um. Er hatte eine weitere Magie gespürt. Dann entdeckte er es. Ein Teil der Wand vor dem Schloss besaß göttliche Magie. Eine magische Wand, von der nicht einmal Naraku etwa zu ahnen schien.
Bevor er jedoch seinem Freund den Gott der Zeit davon berichten konnte, ereignete sich etwas anderes.

Die verschmolzene Seele kam herbei, die der Gott der Zeit schon vor fast 180 Jahren kennengelernt hatte. Offenbar hatte der Gott des Lebens noch keinen Körper gefunden, in denen sie wiedergeboren werden konnte. Gleich darauf tauchte ein weiterer goldener Lichtpunkt auf. Er hielt sich eher etwas zurück. Die Erste jedoch war zum Gott des Lebens geeilt und schien ihm etwas zu erzählen. Sie hatten wohl Narakus Worte zu seinem Sohn gehört und sorgten sich um ihre Familie.
Während der Gott und die Seele im Zwiegespräch waren, setzte sich die andere auf die Schulter des Zeitgottes. Sie schien etwas von ihm wissen zu wollen, doch er verstand sie ja nicht.
Nun bekam das der Gott des Lebens mit und erklärte: "Oh, das ist Izayoi, die zweite Gefährtin des Fürsten. Sie starb vor mehr als 100 Jahren. Sie ist eher still und bescheiden. Ihr ganzes Wesen war sanftmütig und warmherzig. Von dir wollte sie nur gerade wissen, ob ihre Familie ausgelöscht wird."
"Das werde wir zu verhindern wissen", versprach der Gott der Zeit Izayoi. Er wusste, dass er Nahe an einer Lösung war, doch etwas fehlte noch. Gerade entdeckte auch er die magische Wand in der Schlossmauer.

"Wir wollen immer noch Naraku vernichten", erklärte die vereinigte Seele zum wiederholten Mal.
Doch auch diesmal blieb der Gott des Lebens hartnäckig und lehnte ab mit der Begründung er würde kein rachsüchtiges Wesen erschaffen.
Da kam plötzlich die andere Seele näher und fragte, beinahe schüchtern: "Wenn die Seele eine kriegerische und zugleich ein besänftigtes Wesen hat, würdet ihr es dann in Erwägung ziehen."
Noch ehe er eine Antwort geben konnte, verschmolz nun auch die Seele von Izayoi mit der von Sarina und Eline. Tatsächlich begann der goldene Lichtpunkt eine Wärme und Güte auszustrahlen, die man selten erlebt. Dennoch schien sie sehr stark zu sein.

Nachdenklich saß der Gott der Zeit immer noch da, den Kopf in die Hände gestützt. In diesem Moment blitzte etwas auf, eine Art Vision: "Der dritte Welpe", sprach er es plötzlich aus.
"Was?", fragte überrascht der Gott des Lebens.
"Ich habe die Lösung", begann der Gott der Zeit und erklärte: "Jetzt wo wir eine starke Seele haben, müssen wir ein Wesen erschaffen, das gleichzeitig die Macht haben wird, den weißen Stein im Schwert zu aktivieren und So'unga mit samt Naraku in die Unterwelt zu bannen. Diese Wand wird da sicher hilfreich sein. Vor allen, da sie in der Unterwelt nicht existieren kann und sich auflöst."
"Lange sollten wir damit nicht mehr warten. Wer weiß, was dieser Naraku nun wieder plant", riet der Gott des Lebens. Gleich darauf begab er sich auf die Suche. Er sollte besser mal nach Inu no Taisho schauen, vielleicht hatte der Hundefürst wieder einmal nach einer passenden Gefährtin Ausschau gehalten. Es war ja auch möglich das er auf den Reisen, die er in letzter Zeit seit dem Tod seiner Izayoi oft unternommen hatte, eine neue Liebe gefunden hatte. Da war es besser, in der Nähe zu sein und seiner Aufgabe nachgehen zu können.

Der Gott der Zeit war zurückgeblieben. Den Enthusiasmus seines Freundes konnte er sehr gut nachvollziehen. Doch es gab nur eine Art von Wesen, die es ermöglichen, konnten die Magie in der Wand und dem Juwel von So'unga zu aktivieren. Seine eigenen Schöpfungen, die Zeitreisenden waren dazu in der Lage. Erschwerend kam noch hinzu, dass es nur ein Mädchen gab, was im Moment infrage käme. Da er jedoch, diese Frau nicht seinen Manipulationen aussetzen wollte, weil sie ihm wichtig war, geriet er nun in einen Zwiespalt.
Deshalb hatte er auch dem Gott des Lebens noch nichts davon gesagt. Doch gleich darauf kam er auf die Lösung. Er würde die ganze Sache Amor überlassen. Wenn er eingreifen würde, dann nur, falls Naraku etwas tat, dass die Pläne scheitern ließe.

... tbc ...

6. Kapitel - Der letzte Auftrag

Die Zeitreisende Juna landet nach einer Explosion verletzt in einer ihr unbekannten Welt