9. Kapitel - Wer bist du Naraku?
Juna und der Hanyou blickten etwas enttäuscht hinaus in die Ebene. Selbst wenn sie hinterher eilen würden, vermutlich wäre der Kampf bereits beendet, ehe sie die Heere erreicht hätten. Deshalb wollten sie gerade wieder zurück ins Schloss gehen, als aus dem Nichts eine Stimme erklang: "Sei meiner Dankbarkeit versichert, Prinz Inuyasha, das ihr mir das Objekt meiner Begierde persönlich übergebt."
Mit einem Knurren fuhr der Halbdämon herum, während er gleichzeitig Tessaiga zog.
"Naraku", rief er und schickte die Windnarbe auf seinen Gegner. Doch dieser lachte nur und wich dem Angriff geschickt aus. Im nächsten Moment schnellten seine Tentakeln in Richtung des Hanyou.
Somit setzte Inuyasha sein Schwert mit der Klinge ein. Obwohl er einige zwar abschlagen konnte, wuchsen diese sofort wieder nach. Immer wieder wurde sein Körper von den grünen Ranken wie kleine Peitschenhiebe getroffen. Dabei spürte er, wie sich Tausende feine Haare aufrichteten und über seine Haut strichen. Die Bewegungen des Hanyou wurden immer schwerfälliger. Als er kaum noch sein Schwert heben konnte, nutzte Naraku die Chance und umschloss den Körper des Hundehanyou mit den grünen Ranken. Immer enger wurde er festgehalten. Da seine Arme an den Körper gedrückt wurden, konnte er auch seine Klauen nicht einsetzen. Verstärkt setzte Naraku sein Gift erneut ein. Inuyasha spürte, wie sich winzige Nadeln in seine Haut bohrten. Dann erschlaffte sein Körper.
Da Juna damit rechnete, das sich Inuyasha allein um Naraku kümmern konnte, griff sie die beiden Dämonenkrieger, in dessen Begleitung, an. So viel Widerstand hätten die Beiden bei einer menschlichen Frau nicht erwartet. Jetzt zum ersten Mal war die Zeitreisende dankbar, das ihr Großvater darauf bestanden hat, dass sie lernte, wie man ein Schwert führte und sich damit ordentlich verteidigen konnte. Glücklicherweise wurde Juna mit den Dämonen schnell fertig. Gerade wandte sie sich zu ihrem Begleiter um, als sie mit Entsetzen sah, wie dieser leblos auf den Boden stürzte. Bevor sich die Zeitreisende gefangen hatte, war auch sie zwischen den Tentakeln gefangen. Die feinen Haare setzten ein betäubendes Gift frei, dem sie nicht gewachsen war. Das Brennen auf ihrer Haut löste eine Welle der Übelkeit in ihr aus. Nicht lange und sie glitt hinüber in eine beinahe wohltuende Ohnmacht. Im Gegensatz zu dem Hanyou hatte der Prinz bei Juna eine mildere Dosis eingesetzt. Immerhin brauchte er die Magie der jungen Frau.
Es dauerte nicht lange, dann war Naraku mit seiner Beute verschwunden. An sein Heer, das noch immer gegen die Hunde und Wolfsdämonen in der Ebene kämpfte, verschwendete er keinen Gedanken mehr.
Sobald das Heer die westliche Grenze erreicht hatte, kehrte Inu no Taisho mit seinem Gefolge zum Schloss zurück. Es war Sesshomaru, der seinen schwer verletzten Bruder fand. Die große Angst, die den Erbprinzen beim Anblick des Jüngeren erfasste, ließ er sich dabei nicht anmerken. Er hob Inuyasha auf seine Arme und brachte ihn ins Schloss, damit die Heilerin ihn sich ansehen konnte. Glücklicherweise konnte dem Hanyou ein Gift neutralisierendes Mittel eingeflößt werden.
Wenige Stunden später kam der Halbdämon zu sich.
"Inuyasha was ist nur in dich gefahren, dass du meinen Befehl nicht befolgst", entfuhr es dem sonst so beherrschten Fürsten. Angst erfasste ihn, als er die Wunden seines Sohnes sah.
Nur stockend kam die Antwort: "Du hast gesagt, ich ... soll bei Juna bleiben. Du hättest ihr ... sagen sollen, dass sie im Schloss ... bleiben soll. ... dickköpfig und wollte mitkämpfen. Also habe ich ... deinen Anweisungen gehorcht. Naraku hat sie entführt, ... er
benutzt Gift, um zu lähmen ... hat versucht mich zutöten. Doch ich ... nicht sterben, nicht bevor ich ... alles erzählt habe."
Als der Hanyou geendet hatte, fiel er erneut in Ohnmacht.
Inu no Taisho sah hinaus in die Ebene in die Richtung, wohin das feindliche Heer verschwunden war.
Juna hatte recht gehabt. Naraku war an ihr interessiert. Deshalb musste er etwas unternehmen. Da er den Akt noch nicht vollzogen hatte, war die junge Frau auch noch nicht seine Gefährtin. Somit gab das diesem Halbdämon die Möglichkeit sein eigenes Kind zu zeugen. Was er um jeden Preis verhindern musste.
Sein Entschluss stand fest. Inu no Taisho erledigte einige dringende Sachen. Danach rief er seinen Sohn Sesshomaru zu sich.
"Wenn ich nicht zurückkomme, musst du das Erbe antreten, als Fürst und Herr unseres Clans", erklärte er seinen Fleisch und Blut.
Doch der Erbprinz warf ein: "Naraku wird dich nicht besiegen, verehrter Vater."
"Solange ich, in diesem Fall, mitreden kann, nein. Doch ehrlich gesagt will ich auf alles vorbereitet sein. In erster Linie will ich Juna befreien, wenn ich mich deshalb opfern muss, ist es mein Schicksal. Du hast selbst gehört, dass nicht ich derjenige bin, der Naraku endgültig besiegt. Also wer weiß da schon, was die Zukunft bringt."
Dem konnte Sesshomaru nichts hinzufügen. Dennoch konnte er sich eines merkwürdigen Gefühles, was ihn beschlich, nicht erwehren. Die nächsten Worte seines Vaters waren vielleicht ein weiterer Grund für sein Unbehagen.
"Das bringt mich auf den dritten Welpen. So schwer es mir fällt. Werde Junas Gefährte. Es ist viel verlangt ich weiß. Aber dieses Kind muss innerhalb der Frist gezeugt werden, ihren Worten nach bei Vollmond. Davon hängt mehr ab als nur unsere Blutlinie. Ansonsten wird das ganze Zeitgefüge auseinanderbrechen. Damit hätte nicht nur Naraku gewonnen, sondern jedes Leben könnte ausgelöscht werden."
"Ich wünschte, es gäbe eine andere Lösung. Trotzdem werde ich mich deinen Wünschen beugen verehrter Vater", versprach Sesshomaru schweren Herzens.
Daran zweifelte der Hundefürst nicht. "Noch nie hast du mich enttäuscht mein Sohn", sagte er deshalb.
Beinahe zögerlich ergriff der Erbprinz noch einmal das Wort: "Darf ich noch eine Frage stellen. Was ist mit Juna?"
"Sie wird sich dir nicht verweigern", war das letzte, was Inu no Taisho sagte, bevor er sich auf den Weg in den Süden begab.
Sesshomaru ging hinauf zu Inuyashas Kammer und schaute von dort aus, dem großen weißen Hund nach, der sich immer mehr vom Schloss entfernte.
Die schwache Stimme seines Bruders schreckte ihn auf.
"Vater ist er …?"
"Ja Inuyasha. Jetzt wird er Naraku vernichten", erklärte sein Bruder dem Hanyou."Mit Junas Entführung hat er endgültig den Zorn unseres verehrten Vaters auf sich gezogen. Nun kennt er keine Gnade mehr."
"Wir werden sie wiedersehen beide", flüsterte Inuyasha."Juna hatte eine Vision von ihrer Tochter, kurz bevor Naraku uns angriff. Sie war sich sicher das Inu no Taisho ihr Vater sein wird", erklärte der Hanyou mühsam weiter, da ihm das Sprechen noch schwerfiel.
"Ich hoffe, du hast recht", war alles, was der Erbprinz dazu noch sagen konnte.
Während Naraku verfolgt von Inu no Taisho in den Süden eilte, trafen sich die zwei göttlichen Wesen über dem Schloss. Der Gott der Zeit konnte kaum ruhig dasitzen. Am liebsten würde er selbst seine Enkelin aus den Fängen des Prinzen befreien, doch das durfte er nicht.
Dann bemerkte er eine Diskrepanz im Zeitgefüge. Sofort begab er sich auf die Suche danach.
Später als er zu seinem Freund zurückkehrte, war der Gott der Zeit völlig irritiert und abwesend.
Der Gott des Lebens ahnte schon das schlimmste und fragte nach. Doch er bekam keine Antwort, sondern wurde stattdessen gefragt: "Wie stehst du eigentlich zu deinem Zwillingsbruder?"
Der Gesichtsausdruck des anderen genügte völlig, um das Verhältnis der beiden Götter richtig zu interpretieren. Es war ja auch kein Wunder, das der Gott des Lebens, mit dem Gott des Todes, in ständiger Fehde lag.
Junas Großvater erklärte dann aber gleich: "Ich habe übrigens den Grund für Narakus Geburt bzw. seine nicht existierende Geburt gefunden. Der Prinz ist in Wirklichkeit ein Mensch mit dem Namen Onigumo. Dieser war ein Bandit und starb an schweren Verletzungen. Zum Zeitpunkt seines Todes stand er wieder auf als Naraku. Geboren durch unzählige Dämonen. Es gibt nur einen der die Macht hat den Tod zubetrügen."
"Mein Bruder, der Tod selbst", setzte der Gott des Lebens den Gedankengang des Zeitgottes fort. Damit war endlich geklärt, weshalb es ein Wesen wie den Prinzen überhaupt geben konnte. Ein Dämon mit einem menschlichen Herz.
Mit diesem Wissen war eine Vernichtung Narakus sehr wahrscheinlich, denn der magischen Wand hatte auch der Gott des Todes nichts entgegen zusetzen. Wenn es tatsächlich jemals den drei Welpen Inu no Taishos gelingen könnte, den Prinzen in der Wand zuversiegeln und in die Unterwelt zubannen könnte auch der Todesgott ihn nicht wieder erwecken. Doch erst einmal musste der Hundefürst Juna aus den Tentakeln Narakus befreien.
10. Kapitel - Narakus Vernichtung
