13. Kapitel - Hakado oder Naraku
In dem Hochtal bei der Quelle flimmerte die Luft und zwei Personen erschienen plötzlich wie aus dem Nichts.
"Wie viel Zeit haben wir noch?", fragte sofort der männliche Dämon seine Begleiterin, die eindeutig menschlich aussah.
Die Antwort lautete: "Drei Tage, genug Zeit um zum Schloss zu kommen."
Der weißhaarige Hundedämon ging auf seine Gemahlin zu und strich ihr sanft über das Gesicht: "Genug Zeit für uns?", fragte er und sah sie mit einem hungrigen Blick an.
Ein sanftes Lächeln erschienen in ihren Zügen, als sie sich zu ihm hin beugte und erklärte: "Genug, mein edler Herr." Danach küssten sich beide lange.
Etliche Zeit später begaben sie sich auf die Heimreise. Viel Zeit war vergangen und Inu no Taisho fragte sich im Stillen, welche Veränderungen es gegeben hatte. Einiges wurde ihm gewahr, als das Fürstenpaar die Ebene erreichte. Früher konnte man tagelang reisen, ohne ein anderes Lebewesen zu sichten. Doch jetzt gab es deutliche Spuren von Menschen. In weiter Ferne sah man sogar ein Dorf.
Der Daiyoukai blieb stehen und runzelte die Stirn. Dieses Land gehörte zwar noch Naraku aber dennoch hatten sich Menschen hier niedergelassen. Dämonen und Menschen lebten in der Vergangenheit immer friedlich zusammen, doch der Prinz war eher als Eroberer bekannt. Ob er diese Menschen als Diener oder Sklaven benutzte? Oder hatte sich die Welt schon so sehr verändert das sich diese Rasse immer weiter ausbreitete. Seine Gefährtin erzählte gelegentlich aus der Zukunft, wo es überwiegend Menschen geben würde.
Wie sah es auf dem Gebiet des westlichen Reiches aus? Inu no Taisho kannte Sesshomarus Abneigung gegen die menschliche Rasse, auch wenn sein Sohn es nie offensichtlich zeigte. Sicherlich waren das Fragen, die seine Söhne beantworten konnten.
Deshalb verwandelte sich der Hundefürst in seine wahre Gestalt und nachdem Juna aufgestiegen war, rannte er los in Richtung westliches Schloss. Bald waren sie angekommen und schon stand Inu no Taisho wieder in seiner menschlichen Gestalt vor der Zeitreisenden. Den restlichen Weg legten sie langsamer zurück. Auf westlichen Gebiet gab es zwar auch Anzeichen von Menschen, doch bis jetzt hatte der Youkai keine Dörfer gesehen.
Dann ragten die Mauern vor den Wanderern auf. Alles schien auf den ersten Blick wie Inu no Taisho es in Erinnerung hatte, obwohl etliche Wachen ihm unbekannt waren. Vermutlich ahnte niemand, wer er war. Da blitzte eine Idee in seinem Kopf auf. Somit nahm Inu no Taisho Juna einfach auf die Arme. Anstatt zum Tor zu gehen und dort zu klopfen, sprang der Dämon gleich über die Mauer. Der nächste Wachposten sah zwar die Unverfrorenheit, rührte sich jedoch nicht von der Stelle, da er vollkommen überrumpelt wurde. Sein Verstand sagte ihm Alarm zuschlagen, doch etwas ließ ihn weiter verharren.
Inu no Taisho landete im Hof und drehte sich danach zu dem Posten um. Der Wolfsyoukai sah ihm hinterher, mit halb offenen Mund. Jetzt änderte sich der Gesichtsausdruck des Hundefürsten. Fremde drangen in das Schloss ein, vor seiner Nase über die Mauer hinweg und die Wache hatte nichts anderes zutun, als zugaffen. So etwas hätte es nie gegeben, als er noch der Herrscher war. Zwar glaubte der Fürst nicht das sein Sohn so eine Sorglosigkeit dulden würde, doch der Posten verdiente eine weitere Lektion.
"Juna, entschuldige mich einen Moment", wandte sich Inu no Taisho an seine Gefährtin.
Nur kurz nickte die Zeitreisende zustimmend. Sie hatte schon mitbekommen, weshalb die Wache den Unmut ihres Gemahls geweckt hatte.
Während der Daiyoukai wieder auf die Mauer zurücksprang, eilte aus dem Schloss Sesshomaru herbei. Einer der älteren Dämonen bekam die Ankunft der Besucher mit und hatte seinen Fürsten informiert.
Ein weiterer Soldat erklärte die derzeitige Situation.
Gleich danach hatte nun auch der jüngere Daiyoukai seinen Vater oben auf der Mauer erreicht, der seine Klaue gerade an den Griff seines Schwertes legte um es aus der Scheide zuziehen.
"Verehrter Vater?" In den Worten war eine Begrüßung und zugleich eine Frage versteckt.
Inu no Taisho drehte sich zu seinem ältesten Sohn um, etwas verärgert, weil er nun offenbar seinen Spaß nicht haben konnte.
"Sesshomaru, wer hat diesen Soldaten hier ausgebildet? Als ich noch Herrscher war, wurde ein Eindringling sofort gemeldet egal ob Freund oder Feind", begann der ältere Hundedämon.
Mit einem eiskalten Seitenblick auf den Wolfsyoukai gab der derzeitige Lord an: "Das wird auch heute noch so gehandhabt. Deshalb interessiert es mich wie sich die Wache rechtfertigt."
Jetzt endlich fand der Youkai seine Stimme wieder. Inzwischen kniete er vor den beiden Fürsten, Vater und Sohn, mit gesenktem Kopf. "Verzeiht Herr! Doch ein Mythos zutreffen hat wohl meinen Verstand beeinflusst."
"Du weißt also, wer ich bin?", in dieser Frage hörte man nun deutlich die Verwunderung des Herrn der Hunde heraus. Es gab einige Ähnlichkeiten zwischen Inu no Taisho und seinen Söhnen, doch im ganzen Schloss war nicht ein einziges Porträt von ihm zu finden.
Die Antwort kam sofort. "Ja, Herr, wir alle hier kennen die Bilder von euch und eurer edlen Gemahlin."
Diesmal blickte der Daiyoukai seinen Sohn an. Dieser erklärte auf die unausgesprochene Frage: "Unsere verehrte Schwester sollte wissen, wie ihre Eltern ausgesehen haben, deshalb ließ ich einige Gemälde anfertigen."
Mehr brauchte der Lord der westlichen Länder nicht zu äußern. Bestimmt war es der gleiche ältere Falkendämon der diese Bilder anfertigte, der auch schon früher Porträts malte von Inu no Taishos beiden verstorbenen Gefährtinnen.
Jetzt erklang eine neue Stimme: "Auch wenn sämtliche Götter hier persönlich erscheinen, keiner meiner Untergebenen hat Befehle zu missachten. Ansonsten werde ich hart durchgreifen. Das wisst ihr doch."
Neugierig wandte sich Inu no Taisho dem neu angekommenen Wolf zu. Dieser war relativ jung, sicher nur wenige Jahre älter als Inuyasha. Lange schwarze Haare waren zu einem Zopf hochgebunden. Die strahlend blauen Augen funkelten jetzt wütend als er die Wache anschaute. Der Clanführer der Wölfe stand breitbeinig da und hatte seine Arme angewinkelt in die Seiten gestemmt.
Dann drehte er sich um und blickte den Hundedämon an. Leicht verbeugte Kouga seinen Kopf: "Verzeiht meine Unhöflichkeit Herr!", bat er.
Inuyasha der ebenfalls hinzu gekommen war, schluckte kurz. Es machte ihn gerade sprachlos, seinen Freund zum ersten Mal höflich zu erleben. So respektvoll hatte der Wolf nicht einmal Sesshomaru behandelt. Vermutlich lag es aber auch daran das sein Vater nicht nur eine Legende war, sondern im Besitz von So'unga. Diese Waffe fürchtete jeder, selbst der mutigste Dämon.
Unbeeindruckt von den Gedanken des Hanyous, sprach der Anführer der Wolfsdämonen weiter und stellte sich gleichzeitig vor. "Kouga, ich bin ein Freund des Erbprinzen und erlaubt mir edler Herr, dass ich diesen Wolf bestrafe. Immerhin gehört er zu meinem Clan."
Zwar überraschte es ihn das Kouga trotz seiner jungen Jahre bereits Anführer eines Rudels war aber dann erinnerte sich Inu no Taisho. Dessen Vater war einer seiner ältesten Freunde gewesen. Da gab es nur einen Schluss, Kougas Vater musste gestorben oder getötet worden sein. Auf diese Art vom Ableben seines alten Freundes zu erfahren, empfand Inu no Taisho als schmerzvoll, doch er schwieg dazu. Später gab es sicher Gelegenheit den jungen Wolf nach den Umständen zubefragen.
"Kann ich davon ausgehen, dass die Strafe angemessen ist?", wollte der ältere Daiyoukai jetzt wissen.
Nun zum ersten Mal mischte sich der Hanyou ein: "Keh, Herr Vater. Er wird von Kouga ordentlich in die Mangel genommen. Bei Nachlässigkeit ist der Wolf schlimmer als es Sesshomaru früher zu mir war, während meiner Ausbildung."
Zuerst wechselte Inu no Taisho einen Blick mit seinem jüngeren Sohn, danach blickte er Kouga abschätzend an. Mit einem Nicken, gab der ältere Fürst dann seine Zustimmung.
Da kam auch schon die Ablösung der Wache und die beiden Wölfe entfernten sich.
Der Vater umarmte Inuyasha und legte Sesshomaru seine Hand auf die Schulter. Deutlich konnte man für einen Augenblick auch auf dem sonst emotionslosen Gesicht des älteren Sohns die Erleichterung erkennen. Seinen Vater und Juna zusehen erfüllte auch Sesshomaru mit Freude.
Während der ganzen Zeit war Juna im Hof stehen geblieben und beobachtete das Geschehen auf der Mauer. Zwar hörte die Zeitreisende keine Schritte aber das leise Rascheln eines Gewandes zeigte ihr das näher kommen eines Wesens. So drehte sie sich um und sah sich einer weißhaarigen Hundeyoukai gegenüber. Niemand musste es ihr sagen, Juna erkannte ihre Tochter sofort. Ein warmes Gefühl, vermischt mit Mutterstolz durchströmte sie.
Verlegen begann Juna nun: "Ich kenne nicht einmal deinen Namen mein Kind, da dein Vater und ich uns nicht einigen konnten."
"Hope", sagte die junge Hundedämonin. Seit man die Ankunft ihrer Eltern gemeldet hatte, war sie nervös und grübelte nach. Würden ihre Eltern sie lieben oder enttäuscht sein. Immerhin hatte sie ihren beiden Brüdern, eigentlich überwiegend Inuyasha das Leben ziemlich schwer gemacht. Ihre Streiche trieben den Hanyou oft zur Weißglut. Dennoch wusste sie egal, was sie angestellt hatte, sie wurde von den beiden Älteren geliebt. Doch wie empfanden ihre Eltern. Hope wusste zwar alles über sie und das sie eine wichtige Mission zu erfüllen hatten aber deren Einstellung zu ihr, war der jungen Youkai unbekannt. Jetzt ihre Mutter zusehen und deren liebevollen Blick entschädigte Hope für die vielen Jahre des sehnsüchtigen Wartens.
Der Blick Junas weilte lange auf den sanften Zügen ihrer Tochter. Dann wiederholte die Zeitreisende: "Hope. Er passt perfekt zu dir. Warum uns dieser Name nicht eingefallen ist, werde ich wohl nie verstehen."
"Das spielt keine Rolle. Endlich darf ich dich kennenlernen verehrte Mutter", gab die Jüngere ehrlich von sich.
In diesem Moment wurde Juna bewusst das Hope nun fast so alt war, wie sie, als das Schicksal in Gestalt ihres Großvaters sie hierher ins westliche Reich gebracht hatte. Doch das verschwieg Juna ihrer Tochter. Sie trat einfach einen Schritt vor und zog das Mädchen in ihre Arme. "Die Umstände tun mir leid, doch von nun an verspreche ich dir das nichts uns mehr trennen wird."
Gleich darauf kam Inu no Taisho herbei um seine Tochter zubegrüßen. Ihm war es genauso gegangen wie seiner Gemahlin. Oft hatte ihn die Frage gequält was sein Kind wohl empfand, ohne Vater und Mutter aufwachsen zu müssen.
Der Fürst zog die jüngere Hundeyoukai in eine sanfte Umarmung. Danach schob er Hope ein Stück von sich fort um sie eingehend zu mustern. Jetzt wo sie fast erwachsen war, konnte man noch deutlicher die Ähnlichkeit zu Sarina erkennen, dennoch war sie die Tochter von Juna. Vermutlich war Hope ein einmaliges Wesen.
Die Familie ging danach ins Schloss. Es gab so viele Dinge zu erzählen und zu besprechen. Alle außer Hope ahnten, dass die Konfrontation mit Naraku demnächst bevorstand. Doch hofften sie das ihnen genug Zeit blieb um die Rückkehr des Fürstenpaares in Ruhe genießen zukönnen.
Denn weit entfernt in Narakus Schloss wurden bereits Vorbereitungen getroffen, nicht nur von dem Prinzen sondern auch dessen Sohn verfolgte eigene Pläne.
Kaum hatte Naraku seine Blase verlassen, besuchte er seine Tochter Kanna. Das Mädchen hatte eine seltene Gabe und konnte ihre Erinnerungen in die Gedanken des Vaters projizieren. Kanna hatte ihre Aufgabe jeden Schritt ihres Bruders genau zu verfolgen sehr ernst genommen. So erfuhr der Prinz alle Details von Hakados Plänen. Vorerst würde Naraku nichts unternehmen sondern heimlich seinen Sohn weiter überwachen.
Wie auch schon früher sein Vater hatte Hakado im Schloss des Westens seine Spione. Deshalb wurde er sofort von der Rückkehr des Inu no Taisho und dessen Gemahlin informiert. Die Neuigkeit begrüßte dieser sofort. Das gab ihm eine Möglichkeit zu handeln. Wenn er Juna in seine Gewalt bringen konnte, gäbe die Mutter ein gutes Druckmittel ab. So dauerte es nicht lange, bis dieser Plan umgesetzt wurde.
Eine Dienerin brachte der Fürstin das von ihr gewünschte Getränk, nicht ahnend das ein Schlafpulver beigemischt wurde. Danach spürte Juna, wie sie ermüdete und zog sich beizeiten in ihr Gemach zurück.
Etwas später als die Zeitreisende fest schlief, betraten zwei Dämonen die in Hakados Diensten standen den Raum, versteckten die junge Frau in einer Truhe und brachten sie fort. Die Dienerin wurde von ihnen getötet, damit sie nichts ausplaudern konnte.
Hope war besorgt und wollte nach ihrer Mutter sehen. Doch da Juna nicht da war und sie die Leiche der Dienerin fand, kam die junge Youkai ins Grübeln. Dann erinnerte sie sich an die beiden Dämonen mit der Truhe, die ihr auf de Treppe begegneten. Sofort schickte die junge Hundedämonin eine Wache zu ihrem Vater um ihn zu benachrichtigen. Sie selbst wartete jedoch nicht ab, sondern eilte los, um nach dem Rechten zu sehen, da sie das Schlimmste annahm. Doch offenbar hatten Narakus Handlanger das Schloss bereits verlassen, so das sie der Spur des Geruchs nachging.
Weit kam Hope nicht. Etliche Krieger tauchten auf, umringten sie und forderten das sich die Dämonin ohne Gegenwehr ergibt.
Sofort knurrte Inu no Taishos Tochter. Niemals würde sie kampflos aufgeben und somit griff sie an.
Zwar kämpfte Hope mithilfe ihrer Klauen gegen die Angreifer, dennoch hatte sie wenig Chancen. Einer der Dämonen schoss plötzlich einen Pfeil mit der Armbrust ab und traf die Tochter der Zeitreisenden in den Rücken, ausgerechnet an einer Stelle die sie nicht erreichen konnte. Mit Schrecken stellte Hope fest das ihr die Sinne schwanden.
Nur wenig später setzten die feindlichen Krieger ihren Weg fort, dabei Mutter und Tochter mit sich nehmend.
Einige Zeit waren sie unterwegs. Während der Reise wurden beide Frauen im bewusstlosen Zustand gehalten. Doch das Ziel war nicht Narakus Schloss, sondern eine andere Festung weit im Norden welche schon auf dem Gebiet der Menschen lag. Vor vielen Jahren hatte hier ein Kampf zwischen Dämonen stattgefunden, wobei ein Großteil der nördlichen Mauer zerstört worden war. Doch Hakado baute in den vergangenen Jahren diese Burg wieder auf und verstärkte sie zusätzlich. Ursprünglich rechnete er nicht mit dem wieder Auftauchen des Herrn der Hunde und dem Schwert So'unga, dennoch würden seine Maßnahmen gegen ein Dämonenheer ausreichend sein. Narakus Abkömmling wusste genau das sein Feind nicht nur die Hunde des westlichen Reiches, sondern auch sein eigener Vater sein könnte.
Um Inu no Taisho davon abzuhalten mit So'unga anzugreifen hatte er jetzt zwei Wesen, welche dem Fürsten wichtig waren. Bestimmt gab es dadurch die Möglichkeit den Hundedämon zu manipulieren. Doch Hakado traf weitere Vorsichtsmaßnahmen. Als er alle Vorbereitungen abgeschlossen hatte, wurde es Zeit nach seinen beiden Gefangenen zusehen.
Nur langsam wachte Juna auf. Ihre von vielen Zeitreisen geschärften Sinnen sagten ihr sofort das Es ein fremder Ort war, wo sie sich gerade aufhielt. Das letzte an was sich Juna erinnerte, sie hatte sich in ihr Gemach begeben, da sie sehr müde wurde. Dann öffnete sie ihre Augen und sah ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Wieder einmal befand sie sich in einer Zelle mit eisernen Gitterstäben. Doch gleichzeitig erkannte Juna auch diesmal würde sie kein Schloss knacken können. Die Gitterstäbe waren durch Magie verstärkt, einer Magie, die ihre Macht durch die Zeit zu verschwinden behinderte. Zwar konnte sie diese aktivieren, doch vermutlich nur wenige Sekunden. Im Moment sah sie noch keine Möglichkeit wie ihr das von Nutzen sein könnte.
Da kam auch schon ihr Kerkermeister. Ein weißes Wesen, das ihr gerade einmal bis zu Hüfte reichte. Normalerweise würde sie in ihm nur einen harmlosen Jungen vermuten, doch sie erkannte sofort in Hakado das Baby wieder. Jetzt wurde ihr auch schlagartig bewusst, das Kind vor ihr war sehr gefährlich und nicht zu unterschätzen.
"Was willst du von mir?", fragte Juna sofort.
"An dir bin ich nicht interessiert, nur an deiner Tochter", gestand Hakado. "Sie wird genau das tun was sie tun soll. Meinen Vater vernichten, danach werde ich mit ihr zusammen die Welt beherrschen."
"Dein Vater kann nicht vernichtet werden" widersprach die Zeitreisende.
Jetzt lachte der Abkömmling des Prinzen: "Doch, mit der magischen Wand. Ich habe sie von den Menschen die mir dienen aus der Mauer heraus brechen lassen und sie hierher gebracht. Meine Mutter war ein Schneewesen, wir können jede Magie spüren."
In diesem Moment wurde Juna klar das die Wand nicht das einzige Geheimnis war, dass Hakado kannte. Vermutlich wusste dieser auch über das Juwel in So'unga Bescheid Eine weitere Erkenntnis ereilte die Zeitreisende, nämlich welches Ziel Hakado verfolgte. Nicht Naraku war derjenige der die Götter vernichten wollte, sondern sein Abkömmling. Junas Entschluss dessen Pläne zu verhindern stand fest.
Deshalb sagte sie nun bestimmt: "Sobald es mir möglich ist, werde ich dafür sorgen das Hope fliehen kann."
"Das wird sie nicht, ich habe schließlich ihre Mutter!", konterte der Abkömmling mit einem überlegenden Lächeln.
Diesmal schwieg Juna und warf Hakado nur einen grimmigen Blick zu. Wenn ihre Tochter ihr nur im geringsten ähnlich war, würde die Youkai schon allein um sie zu schützen nicht davon laufen. Im Stillen seufzte Juna. Jetzt lagen ihre ganzen Hoffnungen bei ihrem Gemahl und seinen Söhnen. Würde ihr Großvater recht behalten, dessen Vorhersage sich erfüllen? Oder änderte sich die Zukunft erneut zum Schlechten. Bald gäbe es Gewissheit.
Da erklang auch schon die Stimme der Jüngeren. "Ich werde nicht fliehen verehrte Mutter. Im Gegenteil. Meine Brüder haben mich seit meiner Jugend auf meine Bestimmung vorbereitet."
Bei diesen Worten zog sich Junas Herz schmerzlich zusammen, da doch ihr Wunsch gewesen war, Hope eine unbeschwerte Kindheit zu gönnen. Doch anderseits war es besser, wenn die Youkai wusste, was auf sie zukommt. Mutter und Tochter wechselten einen Blick. Darin lag gegenseitige Liebe und die Hoffnung auf die Unterstützung ihrer Familie. Dennoch mehr als abwarten konnten sie vorerst nicht.
Später ging Hakado nach unten in die große Halle des Schlosses. Bald mussten die Dämonen zurückkehren, die ihm die Schuppen von Meioju, einem stark gepanzerten Wesen das im Wasser lebte, besorgen sollten. Der Abkömmling wollte eine starke Rüstung erschaffen, die der ähnlich sein sollte die sein ältester Bruder besessen hatte. Doch statt der Krieger stand auf einmal Naraku mitten im Schlosshof. Dieser sah sich gerade um, konnte jedoch von der magischen Wand keine Spur finden. Eigentlich interessierte sie ihn nicht, sondern allein die magischen Fähigkeiten der Zeitreisenden. Noch immer wollte der Prinz in die Vergangenheit um sie zu ändern. Das sein Sohn, Mutter und Tochter entführt hatte, diente seinen Plänen.
Die Bemühungen seines Abkömmlings verdiente eindeutig ein Lob. So wandte er sich Hakado zu. Naraku begann: "Schlau von dir mein Sohn", nach einer kleinen Pause erklärte der Prinz: "Falls du auf deine Krieger wartest, das ist vergebens. Dennoch waren die Schuppen ein schönes Geschenk. Die Idee daraus eine gepanzerte Rüstung anzufertigen ist grandios. Sie wird sicherlich im Kampf gegen meine Widersacher nützlich sein."
Dann schossen Narakus Tentakeln auf seinen Sohn zu, der wie gelähmt da stand. Es wollte dem Abkömmling überhaupt nicht in den Kopf, wie viel Macht sein Vater über ihn hatte.
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Normalerweise lasse ich Kapitel nicht in Cliffhänger enden, doch diesmal müssen meine Leser da durch.
Leider geht die Geschichte nun langsam dem Ende zu. Evtl noch ein Kapitel und der Epilog. Oder ich lasse mir noch mehr einfallen. Mal sehen.
...tbc...
14. Kapitel - Endkampf
Was wird aus Hakado und sind die Hunde den entführten Familienmitgliedern schon auf der Spur...
