Kapitel 3
Johns Hände hielten den Kopf des Endoskeletts. Er war näher gerutscht, so dass der Kopf auf seinen Schenkeln lag.
„Wie soll es jetzt weitergehen?" Fragte er leise. „Was soll ich nur ohne Dich machen? Wer wird mir all diese verrückten Fragen stellen?" Heiße Tränen strömten seine Wangen hinab während er auf das vorher so schöne Gesicht starrte.
Selbst Sarah hatte Tränen in den Augen. Dann aber passierte etwas, dass sie einen entsetzten Schritt auf John zumachen lies. Sie wollte rufen aber ihre Worte blieben ihr buchstäblich im Halse stecken.
Aus der dunklen Ecke hinter John bewegte sich eine zitternde Hand aus der Finsternis auf ihn zu. Als die Hand sich auf seine Schulter legte fuhr er herum. „Was!?"
„Wer bist Du?" Fragte eine leise Stimme aus der Dunkelheit.
John versuchte erschrocken etwas in der Ecke zu erkennen. „Cameron?" Fragte er schließlich hoffnungsvoll.
„Ist das dein Name?" Hörte man wieder die leise Stimme.
Johns Augen hatten sich schließlich soweit an das Dunkel gewöhnt, dass er die Person erkennen konnte. Hastig drehte er den Kopf weg. „Das ist Dein Name", sagte er seine Jacke abstreifend. „Ich bin John", ergänzte er das Kleidungsstück hinüber reichend.
John hatte die Silhouette Camerons nur vage wahrnehmen können, allerdings hatte er die Nacktheit der Zusammengekauerten Person erkannt.
Staunend sahen die anderen Anwesenden zu, wie er sich erhob und seine Hose abstreifte, was ihn in T-Shirt und Boxershorts zurücklies.
„Danke", kam es leise aus der Dunkelheit.
Die Anderen hatte nicht genau mitbekommen was vorging, deshalb waren sie erstaunt, als John nach einiger Zeit in die Dunkelheit griff um offensichtlich Jemandem auf die Beine half. Langsam mit wackeligen Schritten und von John gestützt trat die Person ins flackernde Fackellicht.
Sarahs Blick lag auf dem lächelnden Gesicht ihres Sohnes als die junge Frau erkennbar wurde. Blass aber durchaus -lebendig- trat Cameron ins Licht.
Cameron sah hinab auf die Maschine am Boden. „Was ist das für ein Ding?"
„Das weißt Du nicht?" Fragte John verwirrt.
Cameron griff sich stöhnend an den Kopf. „Ich weiß gar nichts", sagte Cameron leise. „In meinem Kopf herrscht so ein Durcheinander. Meine Erinnerungen sind wie Träume. Bewegte Bilder die völlig ohne einen sinnvollen Zusammenhang auftauchen.
Cameron blickte sich um. Sie schien die Personen im Raum gar nicht wahrzunehmen. „Wo bin ich? Was ist das hier? Wieso war ich nackt?", Sie blickte John an. „Hast Du mir weh getan?"
John schüttelte den Kopf. „Ich habe Dir nicht weh getan", sagte er hastig. „Ich kann Dir das Alles erklären. Das Wichtigste aber ist, dass es Dir gut geht. Einen Moment dachte ich, ich hätte Dich verloren", erklärte er mit Tränen in den Augen.
Cameron sah ihm in die Augen. „Du... du bist John...John Baum...nein…Reese…..nein... John... Connor. Du... du bist mein... mein Bruder...", sie legte den Kopf schräg. „Nein", sagte sie völlig desorientiert. „Das ist so verwirrend."
John hob zögernd die Hand. „Lass Dir Zeit. Du wirst Dich erinnern", sagte er und zog die Hand, die fast Camerons Wange berührt hätte zurück.
Cameron , die den Kopf an die Wand der Höhle gelegt hatte, hat die Bewegung gesehen und sah John erneut an. „Du... du magst mich. Wir sind Freunde..., oder?"
John blickte zur Seite auf die Anderen, die der Unterhaltung stumm gelauscht hatten. „Ja", entgegnete er dann. „Freunde".
Cameron trat vor den mit gesenktem Kopf dastehenden.
John hob den Blick.
„Nein", sagte Sie jetzt mit vorsichtigem Kopfschütteln. „Wir sind keine Freunde". Sie legte die Fingerspitzen über seine Lippen, als er den Mund öffnen wollte, um etwas zu sagen. „Du liebst mich", stellte sie fest. „Das fühle ich".
Bevor noch Jemand etwas sagen Konnte drehte sich Cameron von John weg. Mit lautem Würgen sank sie in die Knie und erbrach sich in einem kurzen Schwall. Dann hustete sie einige Male.
John hockte sich neben sie. Als er ihr die Hand auf die Schulter legte drehte sie den Kopf und sah sie ihn an. „Es geht mir gut. Nur... Übelkeit".
„John, was soll der Quatsch. Sie kann nicht lieben, ihr kann nicht übel sein!" Warf Sarah ein. Sie hatte schon vor dem Erbrechen Camerons Etwas sagen wollen, kam aber erst jetzt dazu.
„Warum sagt sie so Etwas?" Fragte Cameron John, der kurz zu seiner Mom geblickt hatte.
„Da muss ich widersprechen", warf der Fremde ein. „Es wäre denkbar, dass die Witchblade das Dilemma mit Camerons Natur dadurch gelöst hat...".
„Dass diese Waffe die Maschine in einen Menschen verwandelt hat!" Derek klang fast hysterisch. Er sah sich um. „Ist hier noch Jemand, dem das wie Wahnsinn vorkommt?"
Cameron sah zu Sarah, Derek und schließlich auf die Maschine am Boden. Dann sah sie wieder John an. „Ihr... ihr wollt damit sagen, dass ich Das da bin...oder... war? Das ist doch völlig verrückt ich..." Sie brach ab. Dann senkte sie den Kopf. „Ich erinnere mich nicht... nicht richtig... vielleicht ist es wahr...". Flehentlich sah sie John an.
Er senkte den Blick. „Es ist wahr", gab er leise zu. Dann hob er ruckartig den Kopf. „Das heißt aber nicht, dass Du mir nicht wichtig wärst", sagte er hastig.
Cameron sah ihn lange an, dann hob sie die Hand und legte sie an seine Wange. „Du bist ein Freund... vielleicht mehr". Dann fiel ihr Lächeln in sich zusammen. Sie sah zu den anderen. „Aber DU!" Rief sie den Arm ausstreckend. „Du bist mein Feind".
Alle sahen, wie der Edelstein auf dem Armband das sich am Handgelenk des ausgestreckten Armes Befand anfing zu leuchten.
Sarah sah entsetzt, wie sich innerhalb des Leuchtens der Handschuh formte, aus dem die Klinge eines Schwertes wuchs. Eine Sekunde später war Cameron bei ihr.
„CAMERON!" Rief John entsetzt. „MOM, NEIN!"
Niemand achtete auf seine Schreie. Es war auch zu spät. Von den magischen Waffen gelenkt führten die Angerufenen einen wilden Tanz auf. Schneller als es das Auge verfolgen konnte trafen die Klingen immer wieder funkensprühend aufeinander.
Während alle Anderen bemüht waren den wirbelnden Klingen aus dem Weg zu gehen schienen Cameron und Sarah den Kontakt zu suchen. Immer wenn die Klingen aufeinandertrafen schien das Licht der Fackel zu verblassen, so grell waren die Funken.
Während Sarah eher defensiv zu kämpfen schien führte Cameron einen elfengleichen Kampfstil auf. Sie wirbelte herum, im Stand, in der Hocke und sogar im Spagat. Ihre Klinge war überall. Allerdings gab sich Sarah nie eine Blöße.
Die Waffen kollidierten mit den Wänden und dem Boden der Höhle. Sogar der Altar und auch der Stein in dem Excalibur gesteckt hatten wurden getroffen. Während John den Kämpfenden folgte, immer bemüht zu versuchen einzugreifen, liefen die Anderen quasi davor weg, immer bemüht den Altar zwischen sich und den tödlichen Instrumenten zu halten.
Dann plötzlich für Alle überraschend machte Sarah einen Ausfall. Es sah so aus, als könne sie die Oberhand gewinnen.
Sah so aus, denn im nächsten Moment wirbelte ihr Schwert quer durch die Höhle, sodass Derek fast getroffen wurde.
Die Witchblade hatte ein Loch in ihrer Deckung präsentiert worauf das Schwert Sarahs auch eingegangen war. Dass es eine Falle war bemerkte Sarah bzw. ihr Schwert erst, als der Handschuh der Witchblade einen kurzen Kontakt mit Sarahs Hand hatte. Dieselbe Energie, die zuvor Cameron malträtiert hatte fuhr in Sarahs Hand und lähmte sie kurzzeitig, sodass sie sich öffnete und das Schwert verlor.
Bereit zuzustoßen Stand Cameron vor Sarah. Die tödliche Waffe nicht viel mehr als einen halben Meter von Sarahs Brust entfernt.
„Du hast mich nie leiden können!", sagte Cameron aggressiv.
„Darauf kannst Du wetten", entgegnete Sarah mit dem Blick auf die Schwertspitze, die auf ihr Herz zielte.
„Wenn ich mich nur erinnern könnte...", sagte Cameron gedankenverloren. Dann schüttelte sie den Kopf. „Ich kann Dich nicht gehen lassen aber bleiben kannst Du auch nicht... Was soll ich nur mit Dir machen?"
Unverrückbar war die Spitze der Witchblade auf Sarahs Herz gerichtet. Nur ein Stich trennte sie vom Tod.
Keiner wagte Etwas zu sagen. Sowohl Derek und Charley als auch der Fremde hielten sich auf der anderen Seite des Altars auf. Zu weit weg um irgendetwas erreichen zu können.
Der Einzige der nahe genug war war John.
Vielleicht war es nur ein Schritt, um die Klinge näher zu Sarah zu bringen, vielleicht war es aber auch der tödliche Stoß, das konnte nichteinmal Cameron hinterher genau erklären aber die Klinge Traf John, da er sich blitzschnell vor Sarah geworfen hatte.
Während Sarah John auffing, als dieser zurücksackte taumelte Cameron mit aufgerissenen Augen rückwärts. So schnell wie sie entstanden war, so schnell verwandelte sich ihre Waffe zurück in den Handschuh und weiter in das auffällige Armband.
Mit einem Schluchzen sank sie auf die Knie.
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„Au!", war das Erste, was John von sich gab. Er lag in Sarahs Armen die am Boden kniete und sah zu ihr auf.
„Wie konntest du nur?" Fragte Sarah weinerlich. „Du bist viel zu wichtig um so etwas Dummes zu tun. Tu das nie wieder, hörst Du?".
John hob langsam die Hand. „Ich liebe Dich Mom aber manchmal verstehe ich Dich nicht. Natürlich würde ich das immer wieder tun, Du bist meine Mom". Er streichelte ihre Wange.
Charley, der sofort zu John geeilt war besah sich die Wunde und schüttelte den Kopf.
Sarah, die das Kopfschütteln falsch interpretierte hatte sofort Tränen der Verzweiflung im Gesicht.
„Ich hab sowas noch nie gesehen", musste er zugeben.
„Was?" Fragte Derek, der neben ihm stand, Cameron dabei aber nicht aus den Augen lies.
„Obwohl er ein Schwert in der Schulter Hatte blutet die Wunde nicht mehr", erklärte der Sanitäter und kratzte sich am Kopf. „Einen so hohen Gerinnungsfaktor gibt es gar nicht".
„Die Wunde wird schon Bald verheilt sein", warf der Fremde ein und reichte Sarah ihr Schwert. „Diese Waffen beschützen und heilen ihre Träger".
Ächzend richtete John sich auf. Er blickte an Charley vorbei auf Cameron, die ein Stück weit entfernt mit gesenktem Kopf am Boden kniete. „Mom, lass mich los", sagte er und versuchte sich aus dem Griff seiner Mutter zu befreien.
„John, Sie ist gefährlich", versuchte Sarah zu argumentieren.
John drehte den Kopf nach Oben und sah Sarah zwei Sekunden an. Schließlich schüttelte er langsam den Kopf. „Sie ist nur durcheinander".
Sarah sah ein, dass sie ihn letztendlich nicht davon abhalten konnte mit der ehemaligen Maschine zu sprechen und half ihm aufzustehen.
„Geh weg, ich bin gefährlich", sagte Cameron als John sich vor sie hockte. Dann blickte sie auf. Ihre Wangen waren tränennass „Ich könnte Dich töten".
John zögerte kaum merklich, bevor er die Hand ausstreckte und nach dem Armreif an Camerons Handgelenk griff.
„Nicht John!" Rief Sarah entsetzt.
Aber es war zu spät. Seine Hand schloss sich um ihr Handgelenk. Der gefährliche Edelstein genau in der Mitte seiner Handfläche.
