Donnerstag

Am nächsten Morgen schliefen sie lange. Vielleicht wären sie gar nicht mehr aufgewacht, wenn nicht das Geräusch von Sirenen an ihr Ohr gedrungen wäre. Die Rettung war da!

Martinsson hatte sich wegen des nicht erfolgten Rückrufs Wallanders gewundert und war mit Svatmann zum Tatort gefahren, wo sie, wie Leira und Kurt, die Spuren im Keller und in der Wohnung fanden. Sie ermittelten den fehlenden Bewohner und gaben eine Fahndung heraus. Ein Suchtrupp durchkämmte Ystad und Umgebung. Am nächsten Tag nach dem Verschwinden wurde Lundt aufgegriffen und ins Verhör genommen. Er leugnete irgendetwas mit dem Toten zu tun zu haben. Er wisse gar nicht, wer der Tote sei. Trotz aller Anstrengungen dauerten die Laboruntersuchungen bis in die Nacht und schlugen damit den Bogen zwischen Lundt und dem Mord. Letztendlich gab er zu, Unström im Affekt getötet zu haben. Sie kannten sich aus Dealerkreisen. Sie hatten vor zwei Jahren begonnen, unter der Hand erst Mariuahna dann Koks zu verkaufen. Aus einem Stammtischscherz hatte sich ein kleines aber feines florierendes Geschäft entwickelt. Allerdings war es in den letzten Monaten immer wieder zu Streiterein zwischen den beiden gekommen. Was daran lag, dass Unström liiert war und seine Freundin ihn scheinbar auf den richtigen Weg bringen wollte. Lundt der Dämlichere von beiden sah seine Existenz bedroht, und es kam zwischen ihnen zu einem heftigen Streitgespräch, in dessen Verlauf Lundt Unström mit dem Hocker niederschlug. Als er feststellte, dass er tod war, warf er ihn kurz entschlossen aus dem Fenster und hoffte, dass es wie ein Unfall oder Selbstmord aussehen würde. Letztendlich merkte er, dass die Polizei anfing herumzuschnüffeln und wollte seine sieben Sachen packen und nach Dänemark verschwinden. Beim Anblick der beiden Polizisten in der Wohnung, in welcher er, den Freund erschlagen hatte, geriet er in Panik und floh. Nachdem Martinsson ihm körperliche Gewalt angedroht hatte, spuckte er aus, wo er Kurt und Leira zuletzt gesehen hatte. Ohne Verzögerung wurde Feuerwehr und Rettungsdienst und die nächste Hundertschaft alarmiert und Martinsson fuhr mit den anderen zum Hafengelände.

….

Freitag

Kurt und Leira verbrachten einen Tag im Krankenhaus und erholten sich schnell. Nach der Entlassung kehrten sie ins Präsidium zurück und wurden von allen herzlich empfangen. Ebba hatte Kuchen gebacken und es gab eine kleine Feier. Für Leira war es der letzte Tag, bevor sie am nächsten Tag zurück in die Staaten fliegen würde. Kurt empfand es als seltsam, ein paar Worte zu sagen und obwohl er versuchte, nicht seine standardisierten Verabschiedungsreden zu halten, schaffte er es nicht ohne die üblichen Floskeln. Leira sah an seinen Augen, dass er sich dabei nicht wohl fühlte und deutete ihm, dass es nicht schlimm sei. Nach weiteren Smalltalks verabschiedete sich Leira von allen und trat den Weg zum Hotel an, da sie noch packen müsste. Kurt war gerade in der Küche, als Leira sich verabschiedet hatte und als er zurück kam, war sie weg.

„Ebba? Ist Leira bereits gegangen?"

„Ja doch, hast du sie nicht noch auf dem Flur gesehen, sie sagte, sie würde dir auch noch schnell auf Wiedersehen sagen."

Wallander verstand nicht. Er tat so, als hätte er Leira noch einmal gesehen und ihre Verabschiedung falsch verstanden. Ebba sah ihn seltsam an und lächelte.

„Du solltest vielleicht nach Hause gehen. Du bist noch nicht ganz fit."

„Ja, du hast vielleicht Recht." Kurt war betrübt. Nun war sie weg. Einfach so. Seit Ihrer Befreiung hatten sie kein richtiges Wort mehr miteinander gewechselt, was vor allem daran lag, dass sie kaum eine Minute alleine gewesen waren. Er gestand sich ein, Leira falsch eingeschätzt zu haben. Missmutig, aber der Scharade willens, verabschiedete er sich von seinen Kollegen mit einem Lachen.

Für einen Moment glaubte er, sie hätte ihm vielleicht einen Zettel da gelassen, in seinem Büro. Was nicht so war. Die nächste Hoffnung keimte auf, als er an seinem Auto einen Zettel an der Scheibe kleben sah. Aber es war keine Nachricht von Leira, sondern ein Angebot sein Auto zu kaufen. Er warf den Werbezettel missmutig und wütend auf die Straße.

Müde fuhr er zu seinem Haus ans Meer. Es war bereits abends, als er in der Einfahrt parkte. Die Sonne stand tief. So tief, wie sie um diese Jahreszeit eben kam. Er trabte die Treppenstufen hinauf und schloss sein Tür auf. Es hatte sich in seiner Abwesenheit nichts verändert. Was auch. Er lebte ja schließlich alleine. Er warf seine Jacke auf einen Stuhl und ließ sich auf die Couch fallen. Gerade wollte er seine Stereoanlage anstellen, als er ein leises quietschendes Geräusch vernahm. Sofort spürte er, dass etwas anders war. Er erhob sich und blickte zur Balkontür hinaus ins Freie. Als er das Geräusch wieder hörte, ging er zur Tür und öffnete sie.

Er trat hinaus in die kühle Abendluft, dort überkam ihn ein stürmisches Gefühl. Seine Niedergeschlagenheit war mit einem mal wie weggewischt und sein Gesicht strahlte.

Leira saß auf seiner Hängeschaukel und sah aufs Meer hinaus.

„Leira!"

Sie sprang auf, lächelte ihn an.

„Ich hoffe, du dachtest vorhin auf der Feier nicht, dass ich wortlos verschwinden wollte, aber ich fand dort nicht die Möglichkeit, mich in Ruhe von dir zu verabschieden."

„Um ehrlich zu sein, dachte ich das. Ich war unsicher, nach all dem." Er machte eine ausladende, viel sagende Handbewegung.

Sie nickte und sah wieder auf das Meer. „Du hast es sehr schön hier."

Er trat einen Schritt näher. „Ja, es ist sehr ruhig hier und das tut mir gut.", Leira nickte abwesend, „Es würde dir auch gut tun, wenn du noch bleiben könntest."

Damit hatte sie nicht gerechnet. Verwundert sah sie ihn an. „Ja, sicherlich, aber... ich kann nicht bleiben, außerdem wohnst du ja schon hier."

Fast hätte er Ihr die Schlafcouch angeboten, dann ergriff wieder sein Gewissen die Macht und die Tatsache, dass er Leira Vorgesetzter war, klang in seinen Ohren. Leira las aus seinem Gesicht und kicherte leise. „Du bist nicht mehr mein Vorgesetzter. Wir sind maximal nur noch Kollegen." Wallander dachte kurz darüber nach und nickte verschmitzt.

Er trat noch einen Schritt näher an sie heran.

„Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir es dort in diesem Keller waren.", es war wieder einer dieser Sätze, die eher von seinem Verstand gesprochen wurden, statt von seinem Herzen, „Aber ich möchte mich nicht hinter solchen Floskeln verstecken. Ich habe die ganze Zeit an diese letzte Nacht gedacht und ich kann mich nicht entscheiden, ob ich richtig oder falsch gehandelt habe."

Leira steckte die Hände in die Taschen. Kurt erahnte sofort eine abweisende Haltung. Oder interpretierte er nur schon wieder. Sie sah seine Augen, auf Ihre Hände blicken und spürte sein Unbehagen. Schnell zog sie die Hände aus den Taschen und griff eine seiner Hände. Es war dieselbe Wärme, die sie vor Abenden gespürt hatte.

„Was glaubst du?", studierte sie seine Hand.

„Es wäre an diesem Abend nicht rechtens gewesen auch nur einen Schritt weiter zu gehen. Ich hätte die Situation ausgenutzt und obwohl ich nicht den Eindruck hatte, dass du mich gehindert hättest, hatte ich doch den Eindruck, dass du es am nächsten Tag nach unserer Rettung, - mich - in einem anderen Bild gesehen hättest. Das hätte ich nicht verstanden und ertragen."

Sie hatte seine Hand losgelassen und sah ihn an. „Du hattest nicht ganz unrecht. Dein Gefühl hat dich nicht belogen. Auch wenn niemand wissen kann, wie wir uns verhalten hätten, hätte es so kommen können und wir hätten uns im Schweigen getrennt. Ich wäre vielleicht nicht noch einmal hier her gekommen."

Als sie das gesagt hatte, erwischte beide ein Windhauch, und Leira fröstelte kurz.

„Komm herein, es ist kalt, wir haben genug gefroren. Hier, setz dich. Möchtest du etwas trinken? Vielleicht einen Tee?"

„Nein, schon okay. Ich brauche nichts." Sie sah sich in Wallanders Haus um. Er hatte viele Bücher und die perfekte Ordnung beeindruckte sie.

„Es ist hier nur so ordentlich, weil ich nie zuhause bin. Ich arbeite zu viel."

„Aber man sollte auch an sich denken." Leira empfand den Satz aus ihrem eigenen Mund irgendwie lächerlich, weil sie selbst nur arbeitete, und in ihrem Apartment genauso viel Ordnung herrschte, weil sie genau so wenig zuhause war wie Wallander.

„Stimmt.", kommentierte er nur kurz.

Sie stand auf, schlenderte an seinen Büchern vorbei, bis sie irgendwie an einem der Regale stehen blieb und sich dagegen lehnte. Wallander beobachtete sie aufmerksam, er lächelte, als sie auf halben Weg zu ihm stehen blieb und ihn damit zum Handeln zwang.

Er ging zu ihr.

„Wieso lässt du mich all die Entscheidungen treffen?"

„Weil ich nicht möchte, dass du dich durch mein Handeln zu etwas genötigt fühlst."

„Wie kommst du darauf?"

„Vielleicht weil mein Flieger morgen geht und egal was hier geschieht, es ohne Konsequenzen sein kann."

Er sah sie lange prüfend an. Kurt Wallander war nicht der Typ, der solche Situationen all zu oft erlebt hatte und noch erleben würde, aber er wusste ganz genau, was er sich von dieser Situation erhoffte. Er wusste, die Gedanken waren töricht und vielleicht ein wenig eigensinnig. Aber sie hatte ihm in keinster Weise eine Grenze aufgezeigt, hatte ihm die ganzen Tage nie gedeutete, dass es falsch wäre, dass sie seine Gesellschaft nicht wollte und auch nicht seine Nähe. Im Gegenteil, er hatte stets den Verdacht, dass sie es bereits in dem Kellerloch zugelassen hätte.

Er senkte seinen Kopf und wieder zögerte er, doch dieses Mal machte Leira eine Bewegung auf ihn zu, und ihre Stirn berührte seine. Seine Hände suchten erst ihre Hände, glitten an ihren Armen nach oben und suchten Halt an ihrem Hals.

Ihre Gesichter drückten sich aneinander und tanzten um den letzten endgültigen Entschluss herum.

„Bei Gott Leira, sag doch, wenn du es nicht möchtest."

Sie sagte gar nichts und suchte seine Lippen. Er verlor alle Vorsicht und presste seine Lippen auf Ihre. Sie schmeckte nach Ebbas Kuchen. Kurt schmeckte nach Wein und Meer. Ihre Lippen trennten sich kurz und Ihre Blicke trafen sich. Eine letzte Vergewisserung von beiden Seiten. Er zog sie fest an sich und küsste sie mit voller Leidenschaft. Leira schlang ihre Arme um seinen Hals und schob Ihre Finger in seine Haare. Leise stöhnte sie unter seinen Küssen auf. Beide fielen auf seine Couch, Leira vorweg. Kurt lag auf Ihr. Seine Hände tasteten nach Ihrer Hüfte und Ihre Finger nestelten an seinem Hemd. Plötzlich begriff Wallanders Kopf die Situation und stufte sie als kritisch ein. Er brach den Kontakt und sah Leira an.

„Ich.."

„Halt den Mund.", sie zog ihn an sich und küsste seine Zweifel beiseite.

Unter vielen Küssen und der Nervosität einer ersten Nacht entkleideten sich beide gegenseitig. Kurt küsste Ihren Hals und Ihre nackte Haut als er seine Lippen an Ihr Ohr brachte und leise flüsterte.

„Eigentlich frage ich so etwas bevor man mir die Kleider vom Leib reißt, aber ich möchte mit dir schlafen."

Sie lachte leise auf. „Wehe, wenn nicht."

Wieder küssten sie sich. Widerstandslos gaben sich beide Ihren Gefühlen und Ihrem Bedürfnis hin. Bis in die späte Nacht berührten Ihre Hände den Körper des anderen, liebkosten die Lippen des einen, die warme Haut des anderen. Es war Mitternacht, als Wallander der schlafenden Leira eine letzte Strähne aus dem Gesicht strich und beide mit einer Decke zudeckte. Seit drei Tagen schlief er tief und fest und mit dem Gefühl alles wäre perfekt.

Samstag

Als Wallander am nächsten Morgen aufwachte, war der Platz auf der Couch neben Ihm leer. Er erschreckte sich ein wenig, weil er noch nie auf seiner Couch übernachtet hatte. Sein Blick ging zur Verandatür, hinaus aufs Meer. Seine Blicke schweiften umher und fanden mehrere Kleidungsstücke zusammengelegt auf einem Stuhl. Gestern als er einschlief, lagen die Kleider verstreut auf dem Boden. Die Erinnerung an die Nacht ließen ihn den Kopf noch einmal aufs Kissen senken, und er genoss die Bilder, die sich hinter seinen geschlossenen Augen abspielten. Es war kein Traum gewesen. Ein leises Klappern von Porzellan ließ seine Ohren aufhorchen. Er erhob sich und wickelte sich die Decke um den Körper. Seine nackten Füße tappten still über das Parkett. In der Küche fand er Leira wie sie in Unterwäsche und T-Shirt versuchte, Kaffee zu machen. Was ihr nicht gelang, da die Maschine sehr widerwillig war, wie Wallander aus eigener Erfahrung wusste. Er lächelte still und räusperte sich leise.

Leira drehte sich um. Ihr Gesicht strahlte, und Wallander war erleichtert, er konnte nicht umhin, dass er leise befürchtete hatte, dass Leira letztendlich doch nur einfach eine schnelle Nacht mit einem Mann verbringen wollte, der dann eben er gewesen wäre. Ihr Gesicht strahlte jedoch solche Wärme aus, dass er ihr dies nicht unterstellen konnte.

„Guten Morgen." er ging zu ihr und drückte auf einen der Knöpfe der Maschine.

„Widerspenstiges Teil, mh?"

Er nickte und richtete die Decke, die um seinen Körper hing.

„Wie hast du geschlafen?", wollte er wissen, während er die Tassen zum Tisch trug.

Sie setzte sich direkt auf den Stuhl neben ihm. Bevor er einen Schluck aus seiner Tasse nehmen konnte, griff Leira danach und stellte sie wieder auf den Tisch zurück. Kurt war ein wenig verwundert und sah sie mit großen Augen an. Sie stellte ihre Tasse ebenfalls auf den Tisch, rückte mit ihrem Stuhl in eine bessere Position und griff dann nach seinem Gesicht und küsste ihn sanft. Er erwiderte.

„Du schmeckst nach Wein und Meer."

Er war ein wenig verlegen. „Ja? Tatsächlich?", seine Augenbrauen zuckte kurz, er fasste ihren Kommentar als Kompliment auf.

„Ich muss bald gehen.", gab sie ihm seine Tasse wieder.

An seiner Reaktion erkannte sie, dass er total verdrängt hatte, das Leira heute mit dem Flugzeug zurück in die Staaten fliegen wollte. Seine Augen strahlten Protest aus, aber sein Mund blieb vorerst stumm.

„Ich gehe mich duschen, ja?"

Er deutete ihr den Weg und versprach ihr, ein paar frische Handtücher hinzulegen. Sie dankte es ihm, indem sie ihre Hand durch seine Haare streifte. Er griff nach ihr und küsste die Innenfläche. Sie sah ihn mit einer Mischung aus Liebe und Sorge an.

Während Leira duschte, suchte er frische Handtücher, um sie auf das Waschbecken zu legen, danach ging er nach Oben in sein Schlafzimmer und suchte sich frische Kleidung für den Dienst heraus. Seine Gedanken lenkten ihn ab und schweiften um die Frau in seiner Dusche und die Tatsache, dass sie ihn heute schon verlassen wollte. Da waren sie wieder, die Zweifel und die Frage ob er Leira nicht hätte abweisen sollen. Er hätte sich verabschieden und sie dann vor die Tür setzen sollen und sich nicht zu einem solchen romantischen Abenteuer hinreißen lassen sollen. Was dachte er sich auch dabei, er war doch kein Zwanzigjähriger mehr, der sich blauäugig in Affären einlassen konnte. Wallander schüttelte seinen Kopf, als wolle er ihn zur Besinnung rufen.

'Schwachsinn!'

Leira hatte keine alleinige Schuld an dieser Nacht. Sie hatte ihn weder verführt, noch hatte er sich unbedacht hinreisen lassen. Er hatte sich dafür entschieden. Punkt. Ende. Ja seine Sehnsucht hatte ihn den Weg gezeigt, und er hatte das Ziel dankbar angenommen.

'Man muss auch mal an sich denken.' klang es in seinem Ohr. Das hatte er. Absolut. Er wollte es einfach nicht bereuen. Höchstens, dass alles so schnell vorbei sein sollte. Natürlich konnte es keine Zukunft geben für Leira und ihn. Das zu glauben, so dumm war er nicht. Es war realistisch, dass beide diese Beziehung als eine Affäre sahen zwischen Kollegen, zwischen zwei Menschen, die sich eben über den Weg gelaufen waren und sich gegenseitig anziehend fanden. Leira wäre nicht soweit in ihrer Karriere gekommen, wenn sie nicht hart dafür gearbeitete hätte. Wie er hatte sie höchstwahrscheinlich kein großes Privatleben. Wenn doch, sollte er sich doch sehr wundern. War die Nacht also ein Zweckgemeinschaft gewesen, herausgewachsen aus der Situation im Keller? Wallander legte die Kleider bedacht über seinen Arm und ging die Treppe wieder hinunter. Keinerlei Ahnung was Leira dazu dachte, wusste er trotzdem, dass es für ihn keine Zweckgemeinschaft war, es war nicht Liebe, aber es war etwas was sein Herz schneller schlagen lies und seine Gedanken von Sorgen befreite.

Leira war bereits angekleidet und hatte ein Handtuch um ihre nassen Haare gewickelt. Kurt legte seine Kleider ins Bad und kam dann zurück.

„Warum bleibst du nicht?"

Leira sah ihn an.

„In Ystad. Für eine weitere Woche. Wir könnten Unterstützung gebrauchen."

Leira überdachte seinen Vorschlag.

„Was soll ich den anderen sagen?", sie meinte Kurts Kollegen, sie fürchtete um eine passende Ausrede.

„Sag der Flieger ist nicht gegangen, und du musst eine Woche auf einen neuen warten. Himmel, das ist Schweden, das passiert hier jeden Tag. Keiner wird sich wundern. Ich glaube sie würden sich freuen,", er machte eine bedachte Pause, „ich würde mich freuen."

Ihr Gesicht erhellte sich. Er deutete es als gutes Zeichen.

„Würdest du dich freuen, weil ihr dann Unterstützung im Präsidium hättet, oder weil du persönlich davon betroffen wärst."

„Na jetzt hör mal, ich dachte einfach, dir würde es Freude bereiten, hier noch Zeit zu verbringen. Schließlich waren drei Tage davon eher...na ja vergeudet."

Dies war nicht die Antwort die Leira hören wollte. Kurt konnte es in Ihren Augen lesen.

„Ich kann mir einfach nicht anmaßen, dich um meinetwillen zu bitten zu bleiben. Ich weiß nicht, was du in mir siehst, in dieser Nacht und in dieser Affäre. Ich will nicht, dass du bleibst, weil du glaubst, mir etwas zu schulden. Bleib, wenn du es wirklich auch möchtest und verbring noch Zeit mit uns. Mit mir, wenn du dir es vorstellen kannst.", er versuchte, seine Aufregung unter Kontrolle zu halten, „Du kannst hier sehr viel mitnehmen. Wir sind nicht Chicago, aber wir sind mal was anderes. Sag mir, wenn du bleiben möchtest, und ich von dir Abstand nehmen soll. Ich tue es. Mir würde es genügen, dich einfach nur zu sehen."

Seine Worte waren so ehrlich, dass Leira davon fast hinweggefegt wurde. Plötzlich kroch in ihr leise Panik hoch.

„Das ist nicht Liebe...", es war eine Mischung aus Frage, Standpunkt und Ansage.

„Keine Liebe.", rief er schnell und hob die Hände, als wolle er seinen Worten einen bestimmten Nachdruck verleihen, „Aber für mich mehr als nur eine austauschbare Nacht. Bitte denk darüber nach."

Damit machte er kehrt und ging zur Dusche. Als er wieder herauskam, war Leira verschwunden, aber ein Zettel auf dem Tisch ließ ihn aufatmen.

Nehme deinen Vorschlag an. Ich muss verschiedene Dinge regeln, danach komme ich ins Büro. PS: Tu überrascht!"

Es bedeutete ihm viel. Ein lautes Lachen der Freude entfuhr ihm, und er wusste, dass sein Tag perfekt sein würde.

Wallander hatte sich umgezogen und war mit dem Wagen zum Präsidium gefahren. Er wusste, dass seine Laune außerordentlich gut war, und er sich zügeln musste, um seine doch sehr engen Mitarbeiter nicht auf den ein oder anderen Verdacht zu führen.

„Kurt?! Was tust du hier, du solltest dich doch noch erholen?"

„Martinsson, hey, ja mir geht es gut, alles bestens. Außerdem wollte ich euch nicht alleine lassen. Es ist genug liegen geblieben. Wieso gibst du mir nicht ein Update." Kurt setzte sich in seinen Stuhl und deutete Martinsson auf der anderen Seite des Schreibtisch Platz zu nehmen. Danach zog er sein Zigarettenpäckchen heraus und stellte erstaunt fest, dass es das selbe Päckchen war, welches er mit Leira im Keller geteilt hatte. Als er es öffnete, lag noch eine Zigarette darin. Sie hatten gut rationiert, er lächelte darüber.

Martinsson berichtete ihm, dass sie Lundt bereits dem Haftrichter übergeben hatten, und damit die Sache vom Tisch war. Allerdings würde man noch einen kurzen Bericht über Kurts und Leira Gefangenschaft und seinen Hergang erwarten. Wallander nickte und versicherte, er würde zwei Zeilen dazu zu schreiben. Es sei einfach eine unglückliche Situation gewesen, und natürlich hatten sie sich nachlässig verhalten, in dem sie niemanden über den Ortswechsel berichtet hatten. Martinsson ließ durchblicken, dass er gerade von Wallander erwartet hatte, dass ihm solch ein Anfängerfehler nicht passieren würde, eher Isabell und Pontus.

„Ich kümmere mich darum. Das ist nur wieder verfluchter Bürokratismus. Gibt es auch was Wichtiges?"

„Doch. Hier.", er legte ihm eine bunte Zettelsammlung auf den Tisch.

„Was ist das?"

„Drei Tickets für falsch Parken."

Wallander griff die Zettel und schlug sie sich an die Stirn, „Also wirklich.", er warf sie in den Müll. Martinsson konnte sich ein leises Lächeln nicht verkneifen.

„Hey Kurt, wolltest du nicht heute frei nehmen?"

„Hey Nyberg, .."

Martinsson fiel ihm ins Wort. „Du kennst doch Kurt, er hat es sich anders überlegt." Nyberg lächelte minimalistisch.

...

Pontus und Isabell saßen gerade im Besprechungsraum und recherchierten am PC, als Leira den Raum betrat.

„Hey, ihr beiden."

„Leira? Ich dachte dein Flieger geht heute, was machst du denn hier? Was vergessen?"

„Isabell, ja leider geht der Flieger nicht, irgendwelche Probleme, und da dachte ich mir, ich könnte meinen Rückflug um ein paar Tage verschieben, da die letzte Woche ja hauptsächlich ..." sie suchte nach den richtigen Worten. Pontus half ihr auf seine Art weiter.

„.. eine Privataudienz beim Chef war."

Leira lächelte. „Ohne Kaffee ist er unerträglich!", kommentierte sie nur und ging weiter zu Wallanders Büro. Als sie näher kam, erkannte sie Sven, Janne und Kurt im eifrigen Gespräch.

„Hallo, hallo!"

Alle drei sahen sie an. Martinsson war der erste, der reagierte.

„Na so eine Überraschung! Was tust du denn noch hier, solltest du nicht im Flieger sitzen?"

„Mh, da saß ich auch schon, aber es gab irgendein technisches Problem, und dann dachte ich mir, ich könnte ja eigentlich auch noch eine Woche länger bleiben. Die letzte Woche war ja nicht das, was ich erwartete hatte."

Nyberg und Martinsson sahen Kurt an. „Was?"

„Ich will mich nicht aufdrängen, aber vielleicht könnte ich noch ein paar Tage unterstützen."

Wallanders Augen leuchteten. „Klar, wieso nicht, es gibt immer genug zu tun." Da klingelte sein Handy.

„Wallander? Hey. Mh. Okay Svatmann, bis gleich. Das war Svatmann. Draußen am Holgerson Ansitz wurde eingebrochen und der alte Ole wurde dabei wohl schlimm zugerichtet."

„Na dann. Leira, wie wäre es, wir fahren raus und schauen uns das mal an. Das ist doch in Ordnung Kurt, oder?"

„Ja macht das." er zog an seiner Zigarette, und Leira las in seinem Gesicht, dass er es lieber hätte, wenn sie bei ihm bleiben würde.

„Super, ich hol mir nur noch einen Kaffee.", sie zwinkerte Kurt zu und verschwand. Nyberg folgte Ihr.

Martinsson sah ihr noch kurz hinterher und sah dann Kurt an.

„Sie ist sehr nett, ich mag sie."

„Wie meinst du das?", Wallander hoffte, es klang nicht zu schockiert.

„Wie? Wie meine ich das? Sie ist ein tolle Ermittlerin, hat was auf dem Kasten und ... naja", er grinste kurz, „hübsch ist sie auch."

„Himmel Herr Gott Martinsson, sie ist zu jung für dich."

Martinsson stand auf und musterte Kurt eingängig. „Red keinen Unsinn. Sie ist vielleicht zu jung für dich, aber nicht für mich."

Wallander wusste, er musste noch ein Machtwort sprechen, ehe er aus seinem Büro verschwand.

„Janne!"

„Kurt?"

„Ich will hier keinen Ärger, ja."

Martinsson lächelte ihn verschmitzt an und lies die Hand von der Türklinke wieder fallen. „Sag mal Kurt, was ist da eigentlich in den zwei Tagen passiert, als ihr in dem Keller gefangen wart?"

„Was soll die Frage denn? Was soll passiert sein? Willst du mir irgendwas unterstellen? Geht jetzt lieber zu Svatmann."

Als Martinsson das Büro verlassen hatte, fiel er wieder zurück in seinen Stuhl und atmete tief ein. Er musste aufpassen.

...