Gefällt's euch, alles soweit verständlich ? (eh nicht ?!) Review ? :)

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3. Kapitel: Macht

(Zeitsprung: vor etwas weniger als 5 Stunden, morgens) Wechsel

„Warum ausgerechnet er", fragte sie ihn. Sie war überrascht, nein zutiefst geschockt, dass er ihn vorgeschlagen hatte.
Mit klarem Blick sah er sie an, vollkommen überzeugt von der Wahl, die er getroffen hatte. „Weil er der einzige ist, der Euch versteht, denn er kannte Euch, bevor Ihr Königin wurdet. Er weiß, wer Ihr wirklich seid, er hat Euch ausgebildet.
Hätte ich damals dasselbe Wissen gehabt, wäre es für mich sicherlich oft viel einfacher gewesen, Euch zu beraten. Ihr erinnert Euch sicher, dass wir oft Missverständnisse hatten, die zu bereinigen, viel Zeit gekostet haben. Wenn Ihr aber jemanden einstellt, der Euch kennt, dann könnte dies nicht so schnell passieren. Natürlich kennt er Euch nicht, wie Ihr jetzt seid, aber ich weiß genauso gut wie Ihr, dass Ihr Euch innerlich nicht viel verändert habt…"
Sie konnte nicht umhin, ihm Recht geben zu müssen.
Aber wie konnte sie zuschauen, wie ihr ehemaliger Mentor, den sie mit Respekt zu behandeln hatte, vor ihr niederkniete. Sie hasste es schon, wenn dies Fremde taten, warum dann auch noch er.
Sie musste ein wirklich gequältes Gesicht gemacht haben, denn Adrian sah sie mit einem entschuldigenden Blick an. „Verzeiht mir, meine Königin. Es war bloß ein Vorschlag, Eure Majestät haben alle Entscheidungsgewalt inne."
Diese Worte halfen nicht. Krampfhaft versuchte sie, sich zu beruhigen. Das konnte nichts werden.

Sie verbeugte sich. „Verzeihen Sie mir, dass ich zu spät bin, Mylord." Sie hastete zu ihrem Platz, um ihm keinen Grund zu geben, weiterhin sauer auf sie zu sein, dass sie seinen Unterricht gestört hatte.
„Nicht so schnell. Warum kommst du erst jetzt, du weißt genau, dass der Unterricht vor drei Minuten angefangen hat." Er sagte das natürlich als wäre er vollkommen ruhig und gelassen, aber sie kannte ihn jetzt lange genug,um die kleinen Zeichen auf seinem Gesicht deuten zu können, die sein Unbehagen zeigten. Das wiederum ließ sie vor Wut kochen. Sie kam einmal zu spät, drei Minuten, und schon wies er sie rüde zurecht. Jeder andere Schüler wurde verschont, nur sie nicht. Sie versuchte, ebenfalls gelassen zu wirken, aber das ließ sie, wie immer, nur noch mehr verkrampfen. „Der Direktor wollte noch kurz mit mir etwas besprechen", presste sie hervor.
Er zog eine Augenbraue ganz leicht in die Höhe, kaum sichtbar. Er glaubte ihr nicht. „Ich werde das überprüfen…"
Natü zog es vor zu nicken, anstatt zu antworten, sie wusste nicht, wie lange sie sich noch beherrschen konnte.
„Nun gut", fuhr er seinen Unterricht fort, doch weiter kam er nicht, es klopfte an der Tür.
„Herein", sagte er.
Als sich die Tür öffnete trat Saim ein, er war ebenfalls in ihrer Klasse und so wie es schien, war auch er spät dran. Er verbeugte sich und ging unbehelligt zu seinem Platz.
Mr More tat, als ob nichts gewesen wäre und fuhr seinen Unterricht fort.
Auf seinem Pult platzte die Vase, als das Wasser in ihr plötzlich zu einer Sturmflut anschwoll. Genau wie das Blut, das in Felicys Schläfen pochte und durch ihren Körper rauschte, wie ein wütender Strom.

„Also… ich kann ihn einladen.
Vielleicht kommt er."
Adrian runzelte die Stirn. „Wenn Ihr ihm befehlt zu kommen, wird er sich Euch nicht widersetzen."
„Du kennst ihn nicht so gut wie ich, Adrian. Ich weiß, dass ihm das genauso wenig gefallen wird, wie mir. Er war nicht gerade mein Lieblingslehrer…"

„…Somit seid Ihr nicht mehr länger in der Position des Hohen Lords. Legt Euren Siegelring ab." Sie sah zu, wie er seinen Beraterposten an ihrer Seite vom Finger streifte und ihn auf das Samtkissen, das der Diener bereithielt, legte.
„Aufgrund Eurer großen Verdienste um das Land verleihe ich Euch die größte Ehre, die ich bieten kann. Die Ehrenmedaille." Sie erschien in ihrer Hand, nachdem sie sich kurz darauf konzentriert hatte, dann steckte sie sie ihm vorsichtig an sein Revers.
Der Diener trat vor ihn, dann ließ er sich auf die Knie nieder. „Mylord, es ist mir eine große Ehre hier vor Euch treten zu dürfen, ich werde jeden Eurer Befehle mit Stolz ausführen."
Adrian nickte ihm zu und bedeutete ihm aufzustehen. Dann drehte er sich zu ihr um und der Ausdruck in seinen Augen ließ sie schaudern. Er schien in einer Unendlichkeit aus Trauer festzustecken.
Sie sah ihm an, dass er nicht gehen wollte, aber dass er musste. Und sie musste das akzeptieren ohne weitere Fragen. Und zum ersten Mal seit Jahren, zum ersten Mal seit sie Königin geworden war, ließ sie ihre Gefühle wieder frei werden. Ließ sie ihren Körper, ihren Geist, ihren Willen, ihre Seele ausfüllen.
Der Himmel schien zu brennen, ferner als bloß bis zum Horizont. Und die Luft flimmerte, überall, so weit das Auge reichte und noch viel weiter. Wasser rauschte um sie alle herum, ohne dass sie nass wurden, ohne dass es ihnen den Atem nahm und die Erde schien zu beben, nein, zu summen. Es füllte jeden und alles aus. Ihre Gefühle waren so stark, dass sie das gesamte Ausmaß ihrer Macht offenbarten. Und die Menschen, die nie verstanden hatten, was Unendlichkeit bedeutete, sahen sie nun klarer wie nie zuvor vor ihren Augen tanzen. Sie war nicht beständig für sie, sie konnten nur in einem einzigen, flüchtigen Moment einen Blick auf sie werfen.
„Danke", flüsterte sie ihm zu. „Danke für alles, was du für mich getan hast."
In einem einzigen letzten Showdown blühten ihre Gefühle nochmals auf und ließen die Vergesslichkeit auf die Menschen herabsinken, sie würden sich niemals erinnern, was Unendlichkeit war. Keiner von ihnen. Außer jenen, die die Ehrenmedaille trugen.

Das musste der Bote sein, den sie zu Mr More gesandt hatte. Er sah nervös aus und vermied es, ihr in die Augen zu sehen. Das konnte nichts Gutes bedeuten.
„Meine Königin", begann er, „Ich habe Mr More die Nachricht überbracht. Aber er sagte, er müsse noch eine Vertretung für seine Klasse finden."
Sie seufzte. „Du hattest einen einzigen kleinen Auftrag: Ihn hierher zu bringen."
Er blinzelte. „Bitte verzeiht mir, meine Königin, Eure Majestät, er hat mich überrumpelt. Es war mein Fehler."
„Natürlich war es dein Fehler. Du hast meinen Befehl nicht ausgeführt. Ich hatte dir aufgetragen, Mr More so schnell wie möglich herzubringen und du hast versagt. Als ich dich gerufen habe, dachte ich, dass du mich nicht enttäuschen würdest, dass du loyal bist, aber jetzt muss ich mich fragen, ob du mich als deine Königin überhaupt anerkennst."
Der Bote sah schockiert aus, und verängstigt. Adrian legte ihr eine Hand auf die Schulter und erinnerte sie, Ruhe zu bewahren. Doch sie hatte ihre Gefühle heute nicht unter Kontrolle.
Weiterhin schockiert blickend setzte der Bote jetzt zu einer Entschuldigung an, doch sie schnitt ihm das Wort ab. „Du kannst gehen, ich werde jemand anderen ausschicken." Er sah einen Moment so aus, als ob er widersprechen wollte. Sie stand auf und ging zu ihm hinunter. „Du wirst diesen simplen Befehl befolgen, oder ich werde dich all deiner Ämter entledigen, hast du verstanden?"
Er senkte den Kopf und drückte die Stirn auf den Boden zu ihren Füßen. „Ja, meine Königin", flüsterte er.

Als ihr Diener etwas später den Raum verließ, um Mr More nun endlich herzubringen, fühlte sie, dass es ihr so stark wie nie zuvor widerstrebte, ihn zu sehen. Das 'Gespräch' mit dem Boten zuvor hatte ihr gezeigt, dass sie am heutigen Tag sehr aufpassen musste, was ihre Gefühle anging. Und deswegen hatte sie Adrian gebeten, noch mindestens so lange an ihrer Seite zu bleiben, bis der neue Hohe Lord ernannt werden würde. Glücklicherweise hatte er zugestimmt.
Außerdem würde sie sich bei dem Boten entschuldigen, dass sie ihm gedroht hatte. Sie durfte ihre Macht nicht missbrauchen und sie fühlte sich unsäglich schlecht, dass sie es doch getan hatte.
Eine Königin sollte sich nicht vor einem Boten rechtfertigen, aber sie hoffte, dass sie sich danach besser fühlen würde.

Diesmal verfolgte sie mental den Weg, den der Diener nahm, um im Notfall eingreifen zu können, sie wollte nicht schon wieder von Mr More brüskiert werden.
Doch so wie es aussah, würde der Diener erfolgreich sein.
Sie wusste nicht, ob sie das jetzt tatsächlich beruhigend fand.
Sie konzentrierte sich auf das Gespräch der beiden, es interessierte sie, was Leon More mit einem Diener bereden wollte.
-„Ihr seid noch niemals vor jemandem auf die Knie gegangen?"
Mr More schüttelte den Kopf.
„Aber ihr werdet nicht darum herumkommen. Das Knien drückt aus, dass Ihr sie als Eure Herrscherin respektiert, dass sie über Euch steht. Dass sie Macht über Euch hat und dass Ihr ihr zeigen wollt, dass Ihr diese Macht nicht anzweifeln werdet. Wenn Ihr es richtig macht, könnt Ihr mit dieser Geste den Stolz, den Ihr empfindet, vor ihr stehen zu dürfen, ausdrücken. Und damit auch die Kränkung wieder gut machen, dass Ihr Euch ihrem ersten Befehl widersetzt habt…"
„Wenn ich unbeholfen und verlegen dort hocke, drückt das wohl kaum Stolz aus."
Der Diener sah ihm beinahe wissend in die Augen. „Ich kann es Euch zeigen, ihr habt noch eine halbe Stunde bis Sonnenuntergang."
„Ja."-
Er hatte also tatsächlich vor, sie zu ehren. Also musste sie umso mehr Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Sie hatte noch eine halbe Stunde Zeit, um dies zu erlangen. Er und sie würden wahrscheinlich beide am heutigen Abend eine Show darbieten…