Hermine war im Unterricht, Pflege magischer Geschöpfe. Sie stand mit Harry, Ron und den Slytherins vor einem großen Gatter mit gigantischen Pferden darin. Offenbar war Madame Maxime bei Hagrid zu Besuch. Letzterer kam soeben daher gestapft und trug faßgroße Eimer herbei, gefüllt mit-
„Single Malt Whisky", erklärte Hagrid strahlend. „Jeweils drei Schüler tun sich zusammen und füttern jeweils eines der Pferde, und dann werdet ihr mit ihnen spazieren gehen, sie brauchen Auslauf!"
„Wir sollen waaaas!", kam es aus der Slytherinecke. „Ja, Malfoy, füttern und spazieren gehen!", wiederholte Hagrid. „Das ist doch nicht Ihr Ernst, Sie…" Den letzten Teil murmelte Malfoy unhörbar.
„War ja klar, dass es wieder Malfoy ist. Wisst ihr noch, das mit dem Hippogreif?", flüsterte Ron zu Harry und Hermine, die schon die Augen verdreht hatte. „Tja, dann werden wir mal sehen, wie wir Malfoy verarzten können. Dafür, dass er Hagrid immer beleidigt!", antwortete sie so leise wie möglich. „Gute Idee!", pflichtete ihr Harry bei.
Sie suchten sich eines der Riesenpferde neben Malfoy aus. Sie sahen irgendwie unheimlich aus, mit den roten Albinoaugen, aber diese Viecher konnten doch unmöglich gefährlich sein, auch wenn Alkohol zu ihrer bevorzugten Nahrung gehörte.
Malfoy war eben doch ein Feigling, stellte Hermine halb befriedigt fest. Als sie ihr Pferd versorgt hatten und herumführten, beobachteten sie Malfoy, wie er nur herumstand und Crabbe und Goyle alle Arbeit machen ließ. Dummerweise stand er genau hinter dem Gaul. Schlecht für ihn.
Hermine ging in die Hocke und pickte einen kleinen Kiesel aus der Erde. Leise murmelte sie ein paar Beschwörungen aus dem Verwandlungsunterricht. Harry und Ron sahen ihr wortlos zu, bis sie sich mit einem triumphierenden Lächeln aufrichtete.
Hermine dirigierte eine dicke Hornisse mit ihrem Zauberstab. „Hast du… die grad eben verwandelt!", fragte Ron verdattert. Hermine schenkte ihm ein boshaftes Grinsen. „Sieh zu!"
Sie flüsterte: „Oppugno!" und die Hornisse flog zielstrebig zu Malfoys Pferd. Harry schnappte nach Luft, als er den Plan begriff. Die Hornisse stach dem Pferd in den Hinterschlegel. Das Vieh keilte erschrocken aus und traf Malfoy genau mitten in die Brust. Volltreffer.
Malfoy schlitterte ein paar Meter auf der Koppel, da die Wucht so gewaltig war und blieb benommen liegen. Hermine ließ das Insekt davonschwirren- keine Beweise.
Ron begann hysterisch zu lachen. „Habt ihr das Gesicht vom Frettchen gesehen?" Harry und Hermine nickten, beide einen zufriedenen Gesichtsausdruck auf dem Gesicht. Doch das Beste überhaupt folgte noch: Crabbe und Goyle, entsetzt über den „Unfall", redeten in ihrer stumpfsinnigen Art gegenseitig aufeinander ein.
Sie schienen zu glauben, der jeweils andere hätte das Pferd gereizt und wollte die Schuld auf den anderen schieben. Hagrid, ansonsten antiautoritär, brummte ihnen dafür eine Strafe bei Filch und Sätze schreiben auf und ließ Pansy Parkinson ihren Freund in den Krankenflügel bringen.
„Er wird nichts mehr gegen Hagrid sagen können, immerhin war es jetzt offiziell die Schuld von diesen Idioten Crabbe und Goyle!", sagte Harry schadenfroh zu Ron und Hermine. Hermine nickte. „Er wird sich hüten, noch einmal was gegen Hagrid zu sagen, wenn ich Malfoy zu verstehen gebe, wer dafür verantwortlich war…", sagte sie zu den anderen beiden. „Wir kommen schon voran: keine Punktabzüge mehr für die DA und keine Gängelei für Hagrid!", resümierte sie.
Später, als sie ihre Hausaufgaben gemacht hatte, machte sich Hermine auf den Weg in den Krankenflügel, um herauszufinden, was Malfoy nun fehlte. An seinem Bett angekommen, sah sie, dass er seelenruhig schlief.
Madame Pomfrey war offenbar so gnädig gewesen, ihm seine normale Kleidung zu lassen und nicht wieder in so ein ätzendes Hemd zu stecken. Das bedeutete, dass Malfoy heute vor der Bettruhe noch zurück in den Slytherinkerker durfte. So arg lange dauerte es ja nicht, Knochen und blaue Flecke zu heilen.
Hermine wollte sich leise vom Bett entfernen, als Malfoy plötzlich seine Augen aufschlug. „Granger…", krächzte er. „Also hatte ich recht, dass du es bist… der Schlammblutgestank hat mich aufgeweckt. Was suchst du noch hier?"
Hermine war gekränkt. Und wütend. Obwohl sie ja genau genommen kein Recht hatte, so zu empfinden, denn immerhin war sie es gewesen, die Malfoy geschadet hatte. „Ich bin hier, um dir zu sagen, dass du Hagrid nie, nie wieder beleidigen sollst!", fauchte sie. „Wusste ich's doch. Der Unfall war gar nicht Crabbes oder Goyles Schuld.", presste Malfoy hervor. Das Sprechen schien ihn anzustrengen.
„Ganz recht, Malfoy!", höhnte Hermine, „Es wäre ja nicht so gewesen, dass wir dich nicht gewarnt hätten, noch einmal etwas Beleidigendes gegen unsere Freunde zu sagen."
Damit ging sie. Hermine fühlte sich wieder einmal nicht besser, obwohl sie sich an Malfoy gerächt hatte. Doch noch immer war es nicht genug. Malfoy musste lernen, dass man monogam lebte und nicht nach Vergnügen seine Freundinnen austauschte. Doch wie stellte man das am besten an, fragte sich Hermine. Da fiel ihr jemand ein, der ihr behilflich sein konnte: Romilda Vane.
Hermine hastete in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Nach einer Stunde kam die Fünftklässlerin schließlich mit ein paar Freundinnen albern kichernd durch das Portraitloch geklettert.
Verächtlich rollte Hermine mit den Augen, doch erhob sich würdevoll und bat Romilda um ein Wort. „Romilda, ich muss dich um einen Gefallen bitten: würdest du mir denn verraten, wo du diesen Liebeszaubertrank herhattest, den du Harry letztes Weihnachten geschenkt hast?"
Wie erwartet kicherte das Mädchen noch stärker als vorher. „Wer ist es denn, Hermine?", fragte sie unschuldig. Hermine wurde ungeduldig. „Er ist doch nicht für mich, sondern für jemand anderen!"
„Jaja, alles klar, Hermine. Werden wir ja sehen. Aber ich will ja nicht so sein. Also, es gab den Trank bei Weasleys Zauberhaften Zauberscherzen. Da du volljährig bist, werden sie ihn dir wohl auch verkaufen und per Eulenversand schicken. Kommt durch Filchs Kontrollen."
Drei Minuten später saß Hermine mit einer Feder vor einem Stück Pergament und versuchte, ihre Bitte nicht allzu albern klingen lassen. Was sollten Fred und George nur von ihr denken! Aber einen Liebestrank selber brauen war sehr kostspielig und außerdem dauerte es Wochen, wenn nicht Monate.
Hermine errötete schon bei dem Gedanken daran, was sich die Zwillinge vorstellen würden, wenn sie, Hermine, die Schulsprecherin und Streberin, um einen lächerlichen Liebestrank bitten würde. Seufzend fragte Hermine Harry, ob sie Hedwig ausleihen konnte und schickte die Bestellung ab.
Zwei Tage später kam eine Schachtel mit Pralinen und der Rechnung zurück, ohne Kommentar der Zwillinge, wofür Hermine ungemein dankbar war. Sie besah sich die Pralinen in Kesselform. Nun, da sich Malfoy einer derartigen Beliebtheit unter den Mädchen erfreute, bekam er sicherlich öfters solche Geschenke und wusste demnach, mit was die Pralinen gefüllt waren. An das hatte sie vorher noch gar nicht gedacht! Was tun…
Hermine ging in ihren leeren Schlafsaal, beschwor ein Messer und eine kleine Schale herauf und ritzte vorsichtig in jede einzelne Praline, sodass die Flüssigkeit, der Zaubertrank, herausrann und in die Schale tropfte.
Bei der nächsten Zaubertrankstunde mit den Slytherins rempelte sie aus Versehen Pansy Parkinson an und zog dabei eines ihrer Haare von Pansys Umhang. Dieses ließ sie in den Zaubertrank fallen.
Normalerweise war es ja so, dass die Pralinen den Konsumenten dazu veranlassten, sich in den, der sie verschenkt hatte, zu verlieben. Aber der Trank funktionierte auch so ähnlich wie der Vielsafttrank, hatte Hermine herausgefunden: man musste ein Stück von sich selbst zugeben und der Empfänger würde sich in die Person verlieben, von der das Stückchen Haar oder Fingernagel stammte. Diese Zutat wirkte viel stärker, als wenn der Absender die Pralinen lediglich in den Händen hielt.
Und das Haar musste von Pansy stammen und sicherlich nicht von Hermine! Malfoy musste nämlich erst einmal unter Beobachtung gestellt werden, wie er sich so verhielt, wenn er verliebt war.
Hermine hoffte nur, dass er nicht überreagieren würde wie Ron, als er fälschlicherweise Romildas Pralinen gegessen hatte. Das wünschte sie Pansy nun wirklich nicht, dass Malfoy über sie herfiel oder gnadenlos anschmachtete.
Nun musste sie es nur irgendwie schaffen, Malfoy den Trank -dosiert, wohlgemerkt- unterzujubeln. Ihn ihm in der Großen Halle in den Becher zu träufeln wäre etwas zu auffällig: was tat eine Gryffindor am Slytherintisch? Nein, Malfoy musste am besten bewusstlos im Krankenflügel liegen, wo man ihm den Trank heimlich unter dem Tarnumhang einflößen konnte.
Apropos Tarnumhang. Hermine erinnerte sich an eine geniale Idee Harrys vor ein paar Jahren. Sie borgte ihn sich schnell von Harry, ebenso wie die Karte des Rumtreibers und ging dann, um Peeves zu suchen. Als sie ihn im zweiten Stock beim Verwandlungsklassenzimmer gefunden hatte, warf sich Hermine den Umhang über und lief rasch hinunter.
Und siehe da, Peeves war gerade damit beschäftigt, den Papierkorb, gefüllt mit einer Mischung aus Stink- und Wasserbomben, über der Türe zu befestigen. Hermine stieg vorsichtig über die Stolperleine am Boden, die die Konstruktion zum Fallen gebracht hätte, um räusperte sich vernehmlich.
„Wer da! Zeige dich!", befahl Peeves und hielt mit seiner Tätigkeit inne. „Der Blutige Baron hat seine Gründe, unsichtbar zu bleiben!", krächzte Hermine und sah, wie Peeves sofort eine kriecherische Position einnahm.
„Peeves, es gilt einen meiner Schüler aus Slytherin für seine Verfehlungen zu maßregeln. Lass morgen, wenn er, Draco Malfoy, in den Unterricht geht, eine der Ritterrüstungen auf ihn fallen, als Bestrafung. Ich werde wissen, ob du den Auftrag ausgeführt hast!" „Jawohl, Sir!", antwortete Peeves sofort.
Damit huschte Hermine, ein Lachen unterdrückend, zurück zum Gryffindorturm. Morgen hatte sie zusammen mit den Slytherins Arithmantik und Geschichte der Zauberei, was bedeutete, dass sie sich das Spektakel nicht entgehen lassen musste. Hermine füllte den Trank mit Pansys Haar in eine kleine Phiole und steckte sie in ihre Büchertasche.
Als sie schließlich auf dem Weg zu Professor Binns waren, schwebte auf einmal Peeves heran, eine der großen, schweren Rüstungen tragend. Als er Malfoy erreichte, ließ er sie laut lachend fallen und entschwebte.
Die Schüler im Gang kreischten und liefen davon, nur die Siebtklässler blieben stehen und sahen, dass ein gewisser Slytherin unter der Rüstung begraben war und sich nicht mehr rührte. Pansy schrie auf und stürzte sich zu Malfoy, über sein Gesicht streichelnd.
In dem Moment erschien Professor Snape. Er hatte wirklich die Gabe, immer dann zu erscheinen, wenn etwas nicht seinen geregelten Gang lief. „Wingardium Leviosa! Mobilcorpus!", sagte er sofort, als er das Chaos sah.
Malfoy schwebte nun bewusstlos einen halben Meter über dem Boden und Snape machte sich unverzüglich mit ihm auf den Weg zum Krankenflügel, aber nicht ohne ihnen allen verboten zu haben, sich zu rühren. Nach ein paar Minuten kam er zurück und befragte alle Anwesenden, wie das passiert war- doch alle, auch die Slytherins, konnten ihm nur sagen, dass es Peeves gewesen sei.
Es war so viel Zeit vergangen, dass es sich nicht mehr lohnen würde, in Geschichte der Zauberei zu gehen, also beschlossen die Gryffindors, in ihren Gemeinschaftsraum zu gehen und die Freistunde zu genießen, während Hermine etwas von „Bibliothek" murmelte und davon eilte.
In Wahrheit aber war sie auf dem Weg zum Krankenflügel. Rasch warf sie den Tarnumhang über, als sie außer Sicht war.
Vorsichtig stahl sie sich zu Malfoys Bett. Zwar sah man nicht mehr viel von seinen äußerlichen Verletzungen, doch allzu gut sah er nicht aus. Hermine entkorkte die Phiole und setzte sie an Malfoys Lippen. Es ging einfacher, als Hermine gedacht hatte, denn er öffnete seinen Mund und schluckte reflexartig.
Beim nächsten Frühstück in der Großen Halle nahm Malfoy schon wieder teil. Er war zwar blass, aber es war nicht sicher, ob das nicht seine natürliche Hautfarbe war. Hermine grinste leicht, als Pansy die Große Halle betrat und sich in die Nähe von Malfoy setzte.
Er begann zu gestikulieren und zog Pansy schließlich zu sich her und begann sie intensiv zu küssen, bis sie sich schließlich wehrte, weil es sogar vermutlich Pansy peinlich war, vor der ganzen Schule so herumzuknutschen. Malfoy sah äußerst enttäuscht aus.
Draco erwachte im Krankenflügel. Das erkannte er daran, weil er beim Öffnen der Augen erst einmal von einem intensiven Weiß geblendet wurde. Bei Salazar, wie oft in diesem Schuljahr war er eigentlich schon hier gewesen? Und bisher war es immer Grangers Schuld gewesen.
Doch heute, dachte Draco, konnte sie wohl ausnahmsweise nichts dafür- denn bevor er bewusstlos geworden war, hatte Draco Peeves gesehen, der eine der schweren Ritterrüstungen hatte fallen lassen.
Er sah, wie Madame Pomfrey auf ihn zugewuselt kam. „Wie geht es Ihnen denn jetzt, Mr Malfoy?", fragte sie besorgt. „Mir geht's gut…", murmelte Draco. „Nun, Sie haben ja auch den ganzen gestrigen Tag verschlafen. Sie dürfen, wenn Sie wollen, aufstehen und versuchen in der Großen Halle zu frühstücken."
Draco nickte. Als sie die Große Halle erwähnt hatte, verspürte er ein ganz seltsames Sehnen danach, mit den Slytherins zu frühstücken. Er konnte das Gefühl allerdings nicht näher definieren.
Draco machte sich fertig und ging zu seinem gewohnten Platz bei Crabbe, Goyle und Zabini. Hungrig begann Draco, sich Toastbrote mit Marmelade zu bestreichen, als jemand in die Halle trat. Pansy. Pansy Parkinson. Draco ließ überrascht seine Brote in den Teller zurückfallen. Bei Merlin, warum war ihm denn noch nie aufgefallen, wie hübsch Pansy wirklich war?
Bevor er nachgedacht hatte, hatte Draco sie auch schon eingeladen, sich neben ihn zu setzen- etwas, das er normalerweise nie tat. Pansy begann zu strahlen und ließ sich neben ihm nieder. Draco begann gerade, sich über sich selbst zu wundern, besonders, als er Zabinis Blicke bemerkte.
Dann konnte er dem Drang einfach nicht widerstehen und Pansy zuzuflüstern: „Ich liebe dich!" und sie zu küssen. Wie wunderbar weich ihre Lippen doch waren! Draco wollte gar nicht mehr aufhören. Er nahm auch das Gekicher der anderen Slytherins gar nicht mehr wahr, so beschäftigt war er.
Wohl aber Pansy. Nach einiger Zeit riss sie sich unsanft los und setzte sich gerade hin, um zu frühstücken. Draco blickte sie enttäuscht an. „Aber, Pansy…", murmelte er. „Nicht hier, Draco!", wisperte Pansy zurück, „Von mir aus schwänzen wir die erste Stunde, aber nicht vor den ganzen Leuten hier!"
Dracos Herz schlug schneller bei ihrem Angebot. „Alles klar, Süße, ich erwarte dich dann im dritten Stock hinter dem Wandteppich von Emmerich dem Eifrigen!"
Jetzt konnte Draco endlich seine wohlverdienten Brote essen. Wobei er auf Nahrung eigentlich doch verzichten könnte. Er hatte viel mehr Lust auf Pansy. Pansy….
Sie stand auf und ging. Wehmütig sah er ihr hinterher, bis eine andere schrille Stimme ihn aus seinen Träumereien riss. „Draaaco!" „Ja?", seufzte er, seinen Kopf wendend. „Willst du nicht wieder mit mir nach Hogsmeade gehen?", bettelte ihn ein Ravenclawmädchen an.
„Wie kommst du darauf, dass ich das wollte, ähm, Marietta? Ich will nichts von dir, versteh das endlich! Ich liebe Pansy.", gab Draco zurück. „Draco Malfoy! Du… du Arschloch!", rief Marietta wütend und verschwand.
Ah, Pansy. Er wollte sie doch nicht warten lassen. Draco schob sich schnell das letzte Stück Toast in den Mund und hastete in den dritten Stock. Er ahnte nicht, dass er gerade auf einem Stück Pergament verfolgt wurde.
Hinter besagtem Wandteppich führte ein Geheimgang in den Wahrsageturm. Unwahrscheinlich, dass ihn jemand jetzt benutzen würde, da Wahrsagen im Turm grundsätzlich nur dienstags und donnerstags stattfand und nicht heute.
Draco schlug den Behang beiseite und erschreckte Pansy, die schon dahinter wartete. „Draci!", entwich es ihr. „Ahhh, Pansy, wenn du wüsstest, wie sehr ich dich liebe!", schmachtete Draco und war überrascht von sich selbst. Seit wann gab er denn so etwas von sich? Aber gut, er hatte ja auch noch nie so dermaßen viele Gefühle für ein Mädchen gehabt wie jetzt für Pansy...
„Ach, Draco, ich warte schon seit Jahren darauf, dass du es mir endlich gestehst!", seufzte Pansy zufrieden, „Ich liebe dich ja auch schon so lange!" Draco freute sich insgeheim über ihr Geständnis. Er beugte sich vor und zog Pansy an sich, um sie zu küssen. „Draaaco? Können wir nicht… gehen wir nicht…?", flüsterte Pansy nach einer Weile. Immer diese Frage, dachte Draco noch, bevor er Pansy bis zum Raum der Wünsche zog.
Stunden später erwachte er in einem Bett. Dem im Raum der Wünsche, eine halbnackte Pansy Parkinson neben ihm. Verdammt, wie hatten sie nur einschlafen können? Jetzt hatten sie den ganzen Tag Unterricht versäumt! Und überhaupt, was tat er hier mit Pansy? War er verrückt geworden? Draco stand schnell auf und zog sich in Windeseile an.
Von den Geräuschen geweckt, sah Pansy auf. „Was, du willst schon gehen, Draco?", fragte sie und schaut ihn mit einem Blick an, der wohl verführerisch wirken sollte, Draco aber im Moment ziemlich kalt ließ. „Ach komm schon, Draci, ich liebe dich, du kannst jetzt nicht so einfach gehen!", säuselte Pansy.
Da erinnerte er sich. Draco hatte ihr in irgendeinem Delirium seine Liebe zu ihr gestanden. Wie? Was? Wie kam das? Warum? Jetzt würde sie noch mehr an ihm kleben! Draco zerraufte sich die Haare, ließ es jedoch bleiben, als er daran dachte, dass Potter das auch immer machte, wenn er ratlos war.
„Pansy.", begann Draco langsam, „Ich weiß nicht, was mich da vorhin geritten hat…" Weiter kam er nicht, denn Pansy stand auf und zog ihn zu sich. „Es muss dir nichts leidtun!", schnurrte sie.
Oh, Merlin, stöhnte Draco innerlich. Als Pansy ihn wieder auf das Bett zog, gab Draco in seiner Verwirrtheit auf. Alles war so konfus! Aber wenn er es nicht verstand, dann konnte er die Situation wenigstens noch zu seinem Vorteil ausnutzen und Pansy machen lassen.
Und irgendwie, verdammt, er liebte sie ja doch seltsamerweise… Warum hatte er das vorhin nicht bemerkt? Pansy… Draco hoffte, sie würde ihm sein Liebesgeständnis glauben, nachdem er die letzten drei Jahre so beharrlich Nein gesagt hatte…
Beim Abendessen setzte sich Pansy wie selbstverständlich neben ihn. Mussten wohl die letzten gemeinsamen Stunden gewesen sein, die ihr den Mut verliehen, sich Crabbes Platz zu sichern.
Dracos Blick schweifte über die Menge. An Potter, Weasley und Granger blieb er schließlich hängen. Alle drei schienen heftig zu debattieren. Dann blickte Granger auf und sah ihn direkt an. Draco zuckte zusammen. Schnell rief er sich Pansy ins Gedächtnis, die seine Hand unter dem Tisch hielt und wandte seinen Blick ab. Was war mit Granger, warum blickte sie ihn so seltsam an?
Er konnte sich nicht daran erinnern. Irgendwie war er immer noch ganz schusselig. Aber wovon nur?
Draco sah auf seinem Teller plötzlich einen Donut liegen. Er hatte sich doch gar keinen genommen, oder etwa doch? Normalerweise aß er nichts von Crabbes und Goyles Leibspeisen, das war eines Malfoys nicht würdig.
Also bot er ihn kurzerhand Crabbe an, der den Donut gierig verschlang. Crabbe richtete sich auf einmal auf und sein Blick wurde leicht glasig. „Crabbe? Geht's dir nicht gut?", fragte Zabini sein Gegenüber. Doch Crabbe antwortete ihm nicht.
Draco sah mit Staunen, was als nächstes kam: Crabbe sabberte fast und grunzte mit tiefer Stimme: „Pansy… Pansy… Oh…" Draco dachte, er höre nicht richtig. Crabbe stand auf und kniete vor der fassungslosen Pansy, die immer noch Dracos Hand hielt, nieder, um ihr ein plumpes Liebesgeständnis zu machen.
Pansy kicherte, fing sich aber wieder, als sie Dracos (eifersüchtigen) Blick bemerkte. „Tut mir leid, aber ich bin mit Draco…", sagte sie zu dem Knieenden. Crabbe starrte sie nur ungläubig und schmachtend an.
Draco, dessen Sinne sich mittlerweile soweit geklärt hatten, dass er wieder halbwegs logisch denken konnte und nur noch jeder zweite Gedanke Pansy galt, fragte sich, woher denn Crabbes plötzliche Anwandlung kam: Gerade eben hatte er noch einen Donut gegessen und dann küsste er beinahe Pansys Füße?
Genau. Er hatte gegessen. Seinen, Dracos, Donut… der mit einem Liebestrank gefüllt sein musste. Wie sonst… Ja, das war es! Draco war sich auf einmal sicher: jemand oder Pansy selbst hatte ihm einen Liebestrank verpasst, damit er sich unsterblich in Pansy verliebte und der Donut sollte die Wirkung wohl noch einmal etwas auffrischen.
Nur dass ihn leider- oder wohl eher Merlin sei Dank- Crabbe gegessen hatte, sonst hätte er, Draco, sich wieder einmal vor der ganzen Schule zum Narren gemacht.
Apropos zum Narren machen. Immer, wenn ihm das passierte, war Granger nicht weit. Doch die schien sich gerade eben mit Ginny Weasley zu unterhalten und von dem Spektakel nichts mitbekommen zu haben.
Und doch war Draco fast sicher… denn Pansy hatte ihm bestimmt nichts eingeflößt. Erstens kannte sie seine Essgewohnheiten und zweitens würde ein so perfider Plan, slytherin oder nicht, ihre geistigen Fähigkeiten übersteigen, mutmaßte Draco gemein.
„Crabbe! Komm mit!", befahl er und fügte, als Pansy mitkommen wollte, hinzu: „Und du bleib, bitte, Schatz!" Oh, das wollte er ja eigentlich gar nicht sagen, aber der Trank…. Aaaaargh! Draco zerrte Crabbe hoch und eilte zurück in die Kerker, wo er umgehend Professor Snape aufsuchte.
„Professor, Sir!", keuchte Draco, denn Crabbe war schwer, „Er und ich, wir haben einen Liebestrank verabreicht bekommen- könnten Sie nicht…? Haben sie kein Gegengift dafür?" Snape sah ihn abschätzend an. Draco blickte flehend zurück. „Nun, Draco, ich fürchte, ich muss Sie wohl leider enttäuschen."
„Aber, aber! Ich kann doch nicht Pansy…!", begehrte Draco auf, doch Snape schnitt ihm das Wort ab. „Pansy Parkinson? Sie tun mir leid, Draco. Aber ich kann wirklich nichts machen. So wie es aussieht, haben Sie einen nicht allzu lange wirkenden Trank bekommen; übermorgen sollte die Wirkung spätestens nachgelassen haben. Meine Gegengifte für Liebestränke sind seit Weasleys Zauberhaften Zauberscherzen restlos aufgebraucht. Ihnen beiden einen schönen Tag noch."
Draco wurde wütend. Das konnte doch nicht sein! Aber Snape würde seinen Liebling aus Slytherin nicht hängen lassen, also musste es stimmen, was er sagte. Und das nächste Problem stand bevor.
Draco wusste ja nicht, wie es Crabbe erging, aber er persönlich hatte das dringende Bedürfnis, sich in Pansys Nähe zu begeben. Verdammter Trank! Und ignorieren half offensichtlich auch nicht, denn mittlerweile konnte er nur noch an seine Mitschülerin denken und an das, was sie heute schon alles… Oh nein, Crabbe!
In einem Anflug von Eifersucht öffnete Draco einen Besenschrank in einem der Gänge und steckte Crabbe hinein, der sich ganz brav einschließen ließ, nachdem ihm Draco versprochen hatte, dass Pansy gleich kommen würde.
Dann rannte Draco zu seinem Gemeinschaftsraum, wo er schon von seiner „Liebsten" erwartet wurde. Ohne viel Federlesens und wider besseres Wissen zog Draco Pansy mit sich in den Schlafsaal, um ein bisschen ungestört zu sein. Ohh, bis morgen noch, dann wäre er wieder normal…
Wenn ihr mir den tristen Alltag der 12h- pro- Tag- Lernerei versüßen wollt, dann hinterlasst ihr mir einen Kommentar- ich freue mich über alles, was nicht mit Prüfungen zu tun hat ;)
