Hermine lag nun in ihrem Schlafsaal. Ron hatte sie bis zur Treppe begleiten müssen, so wackelige Beine hatte sie. Während Lavender und Parvati schon schliefen, sinnierte sie noch über sich selbst.

Sie hatte die Karte des Rumtreibers mittlerweile so oft, dass Harry es leid war, sie ihr ständig auszuhändigen; er hatte sie gar nicht mehr zurückgefordert. Natürlich würde Hermine sie ihm zurückgeben, denn immerhin war es gewissermaßen ein Erbstück von seinem Vater und Sirius Black.

Aber zumindest vorerst würde Hermine die Karte behalten, denn dann konnte sie nach Lust und Laune Malfoy kontrollieren bzw. als Schulsprecherin alle anderen Schüler, die verbotenerweise im Schloss herumstreunten.

Bei dem Gedanken an Malfoy pochte Hermines Herz schneller und sie erinnerte sich an die schicksalhafte Zaubertrankstunde bei Snape, wo ihr dieser vermaledeite Trank ihren ach so sehnlichen Herzenswunsch offenbart hatte.

Wäre Hermine nicht so klug gewesen sondern paranoid wie Harry und Ron, was Snape anbelangte, dann hätte sie mit Sicherheit an einen schlechten Witz ihres Zaubertränkelehrers geglaubt.

Aber mittlerweile nahm sie die Gegebenheiten zähneknirschend hin- was anderes blieb Hermine ohnehin gerade nicht übrig. Bis zur Akzeptanz war es allerdings noch ein weiter Weg- dazu kam, dass Malfoy überhaupt keine Manieren, Anstand und Ehrgefühl besaß und ihr Seelenheil gefährdete und ihre Gefühlswelt ins Wanken brachte- sollte er ruhig noch eine Zeitlang dafür büßen.

Ein Teil von Hermines Gewissen schämte sich zwar für ihre gemeinen Streiche, die Malfoys jahrelange Spötteleien in den Schatten stellten, denn immerhin war sie Schulsprecherin und somit eine Person, die Vorbildcharakter haben sollte, aber der überwiegende Teil ihres Gewissens lechzte immer noch nach Rache für die vergangenen sechs Jahre.

Außerdem war sich Hermine sicher, dass Malfoy, der Muggelhasser, der reinblütigste, beste, schlimmste aller Slytherins, ihre aufkeimenden Gefühle schlechterdings erwidern würde. Nie im Leben.

Hermine seufzte leise. Warum konnte es nicht einfach Ron sein? Der sie dann doch geküsst hatte, da in dem Gang? Es hatte sich per se nicht schlecht angefühlt und es war Hermine leicht gefallen, den Kuss zu erwidern, aber es war eben Ron.

Ron, mit dem sie so viele Abenteuer erlebt hatte, an seiner Seite gekämpft hatte, sich mit ihm zankte. Ron, der ihr, wie Harry, immer wie ein Bruder gewesen war, den sie als Einzelkind nie gehabt hatte.

Der Kuss mit Malfoy dagegen, den er erzwungen hatte, war da schon ganz anders gewesen. Hermine konnte es nicht genau definieren, aber als sie nach der Schrecksekunde auf Malfoy eingegangen war und- sie hatte nicht anders gekonnt- sich nicht mehr gegen den Kuss gewehrt hatte, da hatte ihr ganzer Leib gezittert. Und nicht wegen der Gefahr, die von Filch ausgegangen war.

Es hatte sich einfach "richtiger" angefühlt, nicht einfach nur gut wie bei Ron.

Wie albern von ihr, schalt Hermine sich selber. Malfoy hatte sie bestimmt nur ärgern wollen und ihr zeigen, dass er, der Playboy Hogwarts', Macht über alle seiner Mitschülerinnen hatte. Auch über sie, die langweilige Granger, die immer nur in der Bibliothek saß und las. Und mittlerweile wusste bestimmt schon ganz Slytherin von dieser Peinlichkeit in dem Geheimgang; sicherlich hatte Malfoy allen erzählt, was er mit dem Schlammblut vor Weasleys Augen gemacht hatte.

Am nächsten Morgen erwachte Hermine zeitig. Sie machte sich auf den Weg ins Vertrauensschülerbad. Auf dem Weg dorthin flammte Wut in ihr hoch; Malfoy hatte sie bestimmt gestern noch zum Gespött der Schule gemacht und ihren Ruf ruiniert.

Hermine ballte ihr Hände zu Fäusten und presste die Kiefer fest aufeinander. Wenn Dobby den Brief abgeschickt hatte, dann würde Malfoy noch heute dafür büßen, dass er geredet hatte und seine Eitelkeit musste obendrein leiden.

In der Großen Halle ging es wie immer laut zu. Hermine setzte sich gegenüber von Ron und Harry hin, um einen guten Blick zum Slytherintisch zu haben. Sie tat beschäftigt, als die Eulen endlich die Post brachten.

Aus den Augenwinkeln betrachtete Hermine, wie Malfoy den Brief öffnete und sofort mit dem widerlichen Eiter vollgespritzt wurde. Eine Zeitlang saß er fassungslos da; dann rannte er von allen beobachtet aus der Halle, begleitet von dem hämischen Gelächter der Gryffindors.

Hermines Wut kühlte sich langsam ab. Ron warf ihr einen bedeutsamen Blick zu. Hermine erwiderte ihn nicht. Ron flüsterte Harry etwas zu und Harry blickte sie nicht minder entsetzt als Ron an. "Was?", murmelte Hermine.

"Malfoy... hat dich geküsst!", spie Harry aus. Hermine nickte unsicher. Ron flüsterte: "Diese Ratte hat die Situation vollkommen ausgenutzt, als wir uns vor Filch verstecken mussten!" Hermine nickte und gab ihm Recht. Von ihren Gefühlen sagte sie aber nichts.

"Kommt, gehen wir zu Verwandlung!", sagte sie und alle drei gingen. Ron warf ihr immer wieder seltsame Blicke zu und Hermine glaubte zu wissen warum. "Hör mal Ron", flüsterte sie, als Harry sich gerade mit Dean unterhielt, "das mit Malfoy gestern, das tut mir unglaublich leid! Ich wollte nicht, dass er das tut, verstehst du!"

Ron nickte. "Ich weiß, Hermine. Malfoy ist ein schleimiges Frettchen, der nichts Besseres als den Bubotublereiter verdient! Mach dir wegen ihm keine Gedanken, Hermine!"

Hermine war erleichtert, dass Ron es so gut aufnahm, hatte er die letzten Jahre doch immer so eifersüchtig reagiert. Doch wie sollte es nun mit Ron weitergehen? Er erwartete jetzt sicher, dass sie seine Freundin würde, und dabei, das war ihr nach dem zugegebenermaßen sehr, sehr langen Kuss gestern klar geworden, liebte sie ihn nicht, sondern hatte ihn als Freund und Bruder gern. Unwiderruflich. Mochte Ron noch so toll, nett, treu sein, aber sie liebte ihn einfach nicht.

Da hatte sie sich mit einer überstürzten Handlung wieder in etwas hineingeritten. Hätte sie nur nicht mit Venus und diesem Schwachsinn angefangen, dann wäre das alles nicht passiert. Jetzt musste sie Ron irgendwie beibringen, dass das nur ein... Versehen gewesen war. Und dass Lavender immer noch interessiert war.

Und obwohl sie mit den Slytherins zusammen Unterricht hatten, hatte sich noch keiner über sie lustig gemacht. Das konnte nur bedeuten, dass Malfoy doch nicht geredet hatte. Hermine war froh darum, denn so hatte sie ihre Ruhe.

Professor McGonagall ließ jeden Einzelnen vorführen, wie sie Ratten in Spinnen verwandelten- eine Aufgabe, bei der Ron ganz grün im Gesicht war- und Hermine machte es auf Anhieb perfekt. Als McGonagall die Spinnen einsammeln ließ und in ein Kästchen sperrte, öffnete sich die Tür und ein überall bandagierter Draco Malfoy trat herein.

McGonagall hieß ihn sich setzen und holte eine Kiste Mäuse heraus. „Mr Malfoy! Wollen Sie wohl aufpassen? Erst kommen Sie schon zu spät und jetzt hören Sie nicht einmal zu! Wie wäre es, wenn Sie uns demonstrieren würden, wie Sie diese Maus in einen Vogel verwandeln?", fauchte McGonagall und Malfoy erhob sich lässig.

Hermine, Harry und Ron tauschten schadenfrohe Blicke; ganz Gryffindor freute sich über die Rüffel von Malfoy. Doch zu aller Erstaunen brachte er es anscheinend mühelos fertig, seine Maus in einen Vogel zu verwandeln. Hermine war sehr überrascht. Nicht nur, dass ihr ärgster Konkurrent die Verwandlung auf Anhieb fertiggebracht hatte; nein, er hatte es auch noch ungesagt hinbekommen und das war wirklich UTZ- Niveau.

Malfoy blickte sie an, direkt in ihre Augen. Hermine stockte der Atem. Diese grauen Augen waren etwas, in dem man versinken konnte... wenn diese Verbände nicht wären, würde er umwerfend aussehen...

Hermine schrak auf und errötete, doch keiner bemerkte etwas; Malfoy hatte sich bereits gesetzt und der Rest der Klasse war unterwegs, um eine Maus zu holen.

Hermine arbeitete verbissen daran, ihre Maus auch ungesagt zu verwandeln, und zwar in einen Papagei, denn der war schwieriger als ein Rabe- der Standardvogel in Verwandlungen. "Sehr schön, Miss Granger!", lobte McGonagall sie, "Zwanzig Punkte für Gryffindor."

Hermine war erleichtert, dass sie Malfoys Niveau mühelos erreichte. Daher half sie auch Ron und Harry, die bis zum Ende der Doppelstunde zwei äußerst zerrupfte Vögel zustande brachten. Aber zumindest hatten sie, im Gegensatz zu Crabbe und Goyle, keine Zusatzhausaufgaben.

Der restliche Tag verlief ganz normal. Hermine schaffte es bis zum Bettgehen, Malfoy aus ihren Gedanken zu verdrängen, denn ihr Hausaufgabenberg war erst einmal wichtiger. Wobei der von Harry und Ron schon wieder alarmierende Höhen erreicht hatte, da die beiden zum einen zu faul waren, ihre Aufgaben beizeiten zu erledigen und zum anderen durch das regelmäßige Quidditchtraining vom Arbeiten abgehalten wurden.

Als Hermine zu Bett ging, zog sie noch einmal die Karte des Rumtreibers heraus und überprüfte die Punkte. Malfoy war in seinem Gemeinschaftsraum.

Am nächsten Tag kontrollierte sie wieder die Karte. Um halb elf stand Malfoy... auf dem Wahrsageturm. Und wartete. Stand oder saß einfach da. Was tat er da!, fragte sich Hermine. Genau eine halbe Stunde lang, dann ging er in den Schlafsaal.

Dieses Spielchen wiederholte sich genau drei Tage. Hermine erinnerte sich daran, dass man ihm mittlerweile die Bandagen abgenommen hatte und man die frisch verheilte Haut ganz gut sehen konnte.

Hermines Neugierde siegte. Da sie ohnehin Kontrollgang heute Nacht hatte, steckte sie Harrys Tarnumhang in die Tasche und die Karte des Rumtreibers und ging patrouillieren. Hermine war eineinhalb Stunden unterwegs und hatte Ravenclaw und Slytherin jeweils zehn Punkte abgezogen, da entrollte sie die Karte und checkte den Wahrsageturm. Ha! Malfoy war pünktlich.

Hermine warf sich den Tarnumhang über und hastete den Turm hinauf auf die freie Plattform. Leise schlich sie sich heran und wartete ab. Malfoy stand da an der Brüstung und starrte in die Finsternis hinaus. Sah bisweilen auf die Uhr.

Mit einem Mal wandte er sich um und blickte Hermine direkt an. Sie errötete, bis ihr einfiel, dass Malfoy sie gar nicht sehen konnte.

"Ich wusste, dass du irgendwann auftauchen würdest, Granger.", sagte er gedehnt und halb triumphierend, "Du, Weasley und Potter, ihr schleicht euch ständig herum. Ich wusste, dass du nicht widerstehen könntest."

Hermine zuckte zusammen. Er hatte immer auf sie gewartet? Wollte er sie wieder verführen wie auf dem Nordturm vor einigen Wochen?

Langsam zog sie den Tarnumhang aus und ließ ihn zu Boden gleiten. Malfoy sah nicht eine Spur überrascht aus, was bedeutete, dass er nicht geblufft haben konnte. Er musste sie gehört haben, als sie die Treppen herauf gehastet war.

"Was tust du hier, Malfoy, und warum hast du auf mich gewartet?", wollte Hermine, nun doch neugierig geworden, wissen. Malfoy lachte leise.

Es klang seltsam. Als hätte er zu wenig Übung darin.

"Und... ähm", begann Hermine unsicher, "Danke." Malfoy zog eine Augenbraue hoch. "Ähm, danke, dass du... den anderen nichts erzählt hast. Danke dafür, Malfoy.", beendete Hermine schließlich ihren Satz.

Er schnaubte. "Ich war mir sicher, dass ich noch mehr Bubotubler oder Schlimmeres abbekommen hätte, wenn Pansy oder ich getratscht hätten." Nach einer Pause fuhr er fort: "Natürlich kann ich nie und nimmer beweisen, dass du hinter all dem steckst. Aber Potty und Wiesel hätten wohl nicht den Kopf dazu."

"Beleidige nicht meine Freunde!", zischte Hermine wütend und zog ihren Zauberstab. "Sachte, Granger!" Abwehrend hob Malfoy die Hände. "Mich würde nur interessieren, warum du das tust."

Hermine warf den Kopf in den Nacken und lachte verzweifelt. "Da fragst du noch, Malfoy? Nachdem du uns Gryffindors und alle meine Freunde jahrelang gegängelt hast, sollst du dich so sehr verändert haben, dass ich dir das alles verzeihen soll? Woher weiß ich, dass du nicht ein Todesser bist? Vielleicht hat Harry ja doch recht und dir schleimigem Frettchen gehört es nicht anders!"

Mit kalter, gleichgültiger Miene antwortete Draco: "Ich habe mich geändert, ob du es glaubst oder nicht, Granger. Ich dachte, du wärest die Einzige, der das aufgefallen ist, am Schuljahresanfang. Aber vor dir muss ich mich ganz sicher nicht rechtfertigen. Glaub mir oder lass es. Habt ihr Gryffindors denn kein übergroßes Vertrauen in andere?"

"Auch Gryffindors dürfen sich rächen.", fuhr Hermine unbeirrt fort, "Erinnere dich doch nur mal an Hagrid. Wozu all das um Seidenschnabel und Umbridge? Nur um ihn, einen Freund von Harry, Ron und mir, zu diffamieren! Die Witze auf Kosten von Rons Mum! Ich, das ach so dreckige Schlammblut!"

Draco schnarrte: "Wir sind aus dem kindischen Alter heraus, Granger. Das waren dumme Jugendstreiche, als ich noch unter der Fuchtel meines Vaters stand. Lass mich gefälligst in Zukunft in Ruhe; ich will kein Dauergast im Krankenflügel werden!"

Hermine kniff die Augen zusammen. Für jemanden wie Malfoy war das schon fast eine Entschuldigung, und das konnte sie akzeptieren. Aber trotzdem brachte er sie durcheinander und das sollte er nicht und deswegen... "Nein, Malfoy. Es ist einfach dein Problem."

"Dann lass uns kämpfen. Wenn ich gewinne... gehst du mit mir aus. Nach Hogsmeade. Und wenn du gewinnst, werde ich dafür sorgen, dass deine dummen Gryffindorfreunde nicht mehr von Snape und den Slytherins belästigt werden. Einverstanden?"

Hermine war gegen ihren Willen beeindruckt. Sie hatte ein fast normales Gespräch mit Malfoy geführt, fast ohne dass sie sich beschimpft hatten und jetzt schlug er ihr einen Deal vor, den sie eigentlich nicht ausschlagen konnte; zu verlockend war das Angebot des Friedens. Ron und Harry würden endlich ungestört ihre Tränke brauen können, sie würde nicht mehr als Schlammblut beschimpft... und dafür musste sie einen grausamen Nachmittag mit Malfoy riskieren.

"Also gut, Malfoy. Einverstanden.", willigte sie ein. "Dann lass es uns magisch besiegeln", sagte Malfoy hastig. Er streckte seine Hand aus. Nachdem Hermine ihre nicht ausstreckte, ergriff er sie einfach und ein Lichtband erschien für Sekunden zwischen ihren Handflächen, bevor das Licht verschwand und Hermine ihre Hand wie angewidert zurückzog.

"Komm schon Granger, ich habe dich sogar schon geküsst, nicht so schüchtern!", feixte Malfoy. "Du bist ekelhaft, Malfoy!", fauchte Hermine zurück und schüttelte sich. Was fiel ihm eigentlich ein!

Hermine fegte die Gedanken aus ihrem Kopf, um frei für ihr Duell zu sein. Das dritte, um genau zu sein, nur dass die ersten beiden... verkorkst waren. Sie sah, wie Malfoy seinen Zauberstab hob und sich wappnete. "Auf drei!" Malfoy murmelte: "Eins... Zwei... Drei! Petrificus Totalus!"

"Protego! Avis, Oppugno!", "Cave inimicum!" Hermine wehrte den Klammerzauber ab, Malfoy einen Schwarm Vögel, den Hermine heraufbeschworen hatte. Dann ging es weiter mit ungesagten Zaubern.

Weder Malfoy noch Hermine konnten zu ihrem Verdruss die Überhand gewinnen und so belagerten sie sich in einem Abstand von etwa vier Metern. Sie tanzten zwischen den einzelnen Flüchen herum, was dem Kampf ein groteskes Bild geben musste.

Nach einer halben Stunde waren beide außer Atem und ihre Konzentration ließ nach. "Was ist los, Granger?", keuchte Malfoy, "Kannst du- Protego- etwa nicht mehr?", machte er sich lustig.

Hermine erwiderte das mit einem "Stupor!". Trotz dem DA- Stunden unter Harrys Aufsicht, konnte sie nicht mit Malfoy mithalten; erstens kannte er eine Vielzahl von schwarzmagischen Sprüchen, die er auch skrupellos einsetzte- und so wie es aussah musste er jahrelanges Training besitzen.

"He, Malfoy, wie kommt's dass du so gut bist!", rief Hermine zwischen den Flüchen und ließ im selben Moment wie Malfoy den Zauberstab sinken. Es war vorbei. "Mein Vater ließ mich ausbilden!", antwortete er und wischte sich den Schweiß von der Stirn, während Hermine einfach nur dastand und ihn beobachtete. Er sah wirklich gut aus, so wie ihm das blonde Haar in die Stirn fiel und seine grauen Augen schimmerten.

Malfoy richtete sich auf und hob seinen Zauberstab. Lässig sagte er: "Stupor!", und Hermine kippte um. Sie konnte nur noch die Augen bewegen und sah ihn kommen und sich neben sie knien.

"Ja, Granger", begann er in salbungsvollem Ton, "ich weiß, das war sehr slytherin von mir. Ihr Gryffindors lasst euch durch jede List täuschen. Der Kampf war noch nicht beendet, wie du gesehen hast. Und du gehst aus mit mir. Enervate." Er lächelte.

Hermine stützte sich auf und stieß hervor: "Der Kampf war vorbei, als wir unsere Zauberstäbe sinken ließen! Das war nicht fair! Du bist und bleibst einfach ein Nagetier, Frettchen, Ratte, wo ist der Unterschied!" "Nun, Granger, es hilft alles nichts, du wirst dein Versprechen wohl einhalten müssen. Ich werde dich wissen lassen, wann genau."

Hermine starrte ihn mit halb geöffnetem Mund an. Das war dermaßen ungerecht und hinterhältig gewesen und nun diese arroganten Worte! Während sie noch nach einer passenden Erwiderung suchte, hatte Malfoy schon seinen Arm ausgestreckt und ihre Wange berührt. Dann beugte er sich vor und hauchte einen Kuss darauf.

Hermine starrte ihn mit großen Augen an, aber da hatte er sich schon erhoben und hüpfte leichtfüßig die Treppe herunter. Hermine rieb sich abwesend die Wange, als sie gehetzt aufsprang, den Tarnumhang und ihren Zauberstab packte und Malfoy hinterher hastete. "He! Hey, Malfoy!", keuchte sie und stürmte hinter ihm die Treppe herunter; Malfoy hielt an und drehte sich um.

"Warum?", fragte Hermine. "Warum... ausgehen? Warum ich?", stieß sie zwischen ein paar Atemstößen hervor. Malfoy lächelte überlegen und leicht boshaft. "Ich dachte, du wärest klug, Granger? Dann müsstest du von ganz alleine drauf kommen, was es bedeutet, wenn man um ein Date gefragt wird." Damit wandte er sich um und verschwand hinter dem nächsten Wandvorhang.

Hermine schaut ihm verdutzt nach. Was für ein seltsames Spielchen spielte er nur, wunderte sie sich, er kann das doch unmöglich ernst meinen oder doch? Nach einer Weile fiel Hermine ein, dass sie längst im Gryffindorschlafsaal sein sollte und schlich sich vorsichtig hin. Einschlafen konnte sie aber lange nicht, trotz des anstrengenden Duells.

Malfoy tat nichts, um sie auf andere Gedanken zu bringen, sodass sie ihn wieder in aller Ruhe hassen konnte. Im Gegenteil: er goss Benzin über ihren inneren Konflikt. Aber das "Date", wie er es nannte, würde für ihn ein einziges Desaster werden, beschloss Hermine, denn mit ihr sollte er nicht spielen, schon gar nicht, wenn er sich so hinterhältig einen Vorteil verschafft hatte, auch wenn Hermine anerkennen musste, dass er ein guter Kämpfer war. Wider Willen war sie von ihm beeindruckt.

Was mit Sicherheit Malfoys Absicht gewesen war. Hermine knirschte mit den Zähnen.

Am nächsten Morgen war Samstag, sodass Hermine in aller Ruhe ausschlafen konnte. Oder wollte, besser gesagt, denn Ginny platzte um halb acht in ihren Schlafsaal und riss Hermine aus dem Schlaf. "Morgen, Hermine! Was, du schläfst noch?", rief Ginny fröhlich. "Morgen, Ginny...", gähnte Hermine. "'s war Malfoy gestern Abend..." "Was, Draco Malfoy? Mit ihm warst du zusammen?", fragte Ginny sie mit aufgerissenen Augen.

"Nein, nein... wart', ich erklär's dir...", grummelte Hermine und begab sich ins Bad. Als sie nach einer Weile wieder kam, sah sie eine erwartungsvolle Ginny auf ihrem Bett sitzen.

"Also, die Sache war die: ich habe die Karte des Rumtreibers regelmäßig nach Malfoy abgesucht; Harry ist in Sorge wegen ihm gewesen, dass er etwas ausheckt.", sprach Hermine schnell; dass die Suche vielmehr in ihrem eigenen Interesse gewesen war, verschwieg sie lieber.

"Jedenfalls, ich hab ihn tagelang immer zur selben Nachtzeit auf dem Wahrsageturm gesehen und hab mich gestern während dem Kontrollgang hinaufgeschlichen. Er hat mich erwartet; offenbar ahnt er von der Karte und wusste, dass jemand von uns kommen würde. Er hat anscheinend auf mich gehofft. Dann haben wir uns duelliert, diesmal richtig. Nachdem er mir einen Deal angeboten hat." Hermine seufzte.

"Weißt du, Ginny, es ging darum, ob wir Gryffindors in Zukunft unsere Ruhe vor Snape und den dreckigen Slytherins haben. Das konnte ich nicht ausschlagen." "Ja, und dann? Hast du ihn fertig gemacht?", wollte Ginny begierig wissen.

"Neeein... das ist es ja gerade.", stöhnte Hermine auf. "Wir haben uns ziemlich lang duelliert, bis wir einfach nicht mehr konnten und die Zauberstäbe gesenkt haben. Doch dann, als schon alles vorbei war, hat diese hinterlistige Schlange den Zauberstab noch einmal gehoben und mich geschockt und seinen Sieg deklariert. Ich habe verloren." "Nein...", wisperte Ginny; lauter fragte sie: "Und was musst du jetzt dafür machen?"

"...", flüsterte Hermine. "Sorry, ich hab dich nicht verstanden!", sagte Ginny. "Date. Ein Date. Muss ausgehen... mit ihm. Mit Malfoy!", würgte Hermine hervor. "Nein!", entfuhr es Ginny. Dann besann sie sich und sagte: "Aber eigentlich, Hermine, ist das doch gut! Du weißt doch noch, was der Trank dir gezeigt hat! Vielleicht hat er ja ganz andere Seiten und du lernst sie mal kennen!"

Doch Hermine stöhnte nur und vergrub ihr Gesicht im Kissen. Was würden Harry, und vor allen Dingen Ron dazu sagen? Würden sie ihr die Freundschaft kündigen? Würde Ron eifersüchtig, wütend, werden, so wie er es bei Ginny immer gewesen war, wenn sie mit jemand anderem außer Harry ausgegangen war?

Aber noch war ja Zeit, um das Problem irgendwie diplomatisch zu lösen. Das nächste Hogsmeade-Wochenende war in drei Wochen und da würde Malfoy sie bestimmt einladen; vielleicht verzichtete er aber darauf, wenn sie ihm das Leben weiterhin schwer machte und seine Arbeiten in Verwandlung und Zaubertränke sabotierte. Aber, ach, die UTZ- Prüfungen standen ja an… Hermine dachte bei sich, dass sie langsam wiederholen sollte und sich nicht mehr auf kindische Kabbeleien mit Malfoy einlassen sollte.

Außerdem: Malfoy mochte ihr laut Trank zwar wichtig sein, aber die Freundschaft mit Harry und Ron bedeutete Hermine wirklich alles. Harry brauchte sie bei der Aufarbeitung von Tom Riddles Vergangenheit, bei der Suche nach den Horkruxen. Wenn Dumbledore einmal nicht mehr helfen konnte. Das war wirklich wichtiger als ein albernes Date mit Draco Malfoy.