Draco eilte zurück in seinen Gemeinschaftsraum. Innerlich jubilierte er. Sein Vorgehen mochte zwar wirklich unfair gewesen sein, aber wozu war er in Slytherin? Aber jetzt hatte er endlich sein Date mit Hermine. Drei Monate hatte er insgesamt dafür gebraucht, wenn Draco es sich recht überlegte, denn mittlerweile stand Weihnachten vor der Tür.

An einem der Adventswochenenden durften die Schüler nach Hogsmeade, um Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Hermine würde bei dieser Gelegenheit vielleicht mit ihm kommen. Das würde er sie zu gegebener Zeit wissen lassen. Bis dahin durfte er es mit ihr aber nicht wieder verscherzen.

Zum Beispiel, indem er das Narbengesicht und das Wiesel beleidigte oder Hagrid oder die DA oder… ach, einfach sich normal und nicht hochmütig benehmen, auch wenn ganz Gryffindor offensichtlich eine völlig falsche Definition von Arroganz hatte.

In seinem Schlafsaal angekommen, wurde Draco gleich von Blaise empfangen. „Warst du schon wieder unterwegs? Irgendwann erwischen sie dich noch!", prophezeite ihm sein Kumpel. „Nein.", grinste Draco, „Meine nächtlichen Ausflüge haben ein Ende, jetzt wo ich Granger zu einem Date, ähm, eingeladen habe und sie, äh, zugestimmt hat."

Blaise' Kinn fiel herunter. „Granger hat… was! Ist sie des Wahnsinns?"

Draco lachte. „Ich will dir erzählen, wie es war." Also erzählte er Blaise, wie er Hermine dazu gebracht hatte, mit ihm auszugehen.

Blaise nickte. „Aber Draco, ich bitte dich um eines: sieh das Ganze bitte nicht als Wette an, ok? So meinte ich es nämlich nicht, du musst mir nicht beweisen, dass du ein, na gut, Schlammblut, genauso flachlegen kannst wie reinblütige Mädchen."

Draco lachte hämisch auf. „Etwa um Grangers Wohl besorgt?" Seine Augen blitzten. Blaise zuckte mit den Schultern. „Ich will nur nicht, dass sie… ich meine, sie ist so intelligent und alles, da musst du sie nicht…", murmelte Blaise.

Draco verzog das Gesicht. „Ich werde sie sicher zu nichts zwingen, das sie nicht mag!", sagte er säuerlich.

„Daran hab ich auch gar nicht gedacht.", antwortete Blaise, „Ich meinte, dass du die Angewohnheit hast, die Mädchen wie heiße Kartoffeln fallen zu lassen und wenn du mal ganz ehrlich zu dir selber wärest, Draco, würdest du erkennen, dass Granger dafür zu… schade ist. Sie ist keine deiner üblichen… Schlampen."

„Ich weiß, Blaise, ich weiß…", murmelte Draco. Lauter fügte er hinzu: „Aber was kann ich für die Tatsache, dass sich die Mädchen hier so um mich reißen? Ich nehme nur, was ich kriegen kann. Bist du etwa eifersüchtig, Blaise?" Draco lachte zufrieden.

„Glaub das bloß nicht, Malfoy!", warnte ihn Blaise, „Und du wirst übermütig. Wenn ich du wäre, würde ich meine Eskapaden lassen, sonst wird das mit Granger nie etwas. Außerdem erinnerst du dich doch sicher an den Spiegel."

„Ach, halt die Klappe, Zabini!", gähnte Draco, der jetzt schlafen und von Hermine träumen wollte. Während er einschlief, hatte er Hermines vom Duellieren gerötetes Gesicht vor Augen und wie er einen Kuss auf ihre Wange gehaucht hatte.

Die nächsten zwei Wochen bemühte sich Draco wirklich, die Gryffindors nicht zu beleidigen- so schwer es ihm bisweilen auch fallen mochte- und versuchte auch, im Unterricht gut da zu stehen, um Granger zu beeindrucken.

Ob ihr seine Bemühungen auffielen oder nicht, ließ sich schwerlich erkennen, denn sie schien es tunlichst zu vermeiden, ihn anzuschauen- sprich sie ignorierte seine Gegenwart völlig. Draco ärgerte das, freute sich aber auf den Ausflug nach Hogsmeade in ein paar Tagen.

Während dem Abendessen in der Großen Halle erhob sich schließlich Dumbledore. „Ruhe bitte!", rief er, „Ich habe einige Ankündigungen zu machen. Erstens möchte ich alle Schüler daran erinnern, dass ab neun Uhr abends Bettruhe ist. In den letzten drei Wochen ist mir vermehrt zu Ohren gekommen, dass ihr herumstreunt- euren Häusern Punkte kostet- in Zukunft wird es härtere Strafen geben… Ich bitte euch, Schulsprecher und Vertrauensschüler, seid euren Mitschülern ein Vorbild!"

Draco blickte bei diesen Worten herüber zum Gryffindortisch, wo Hermine zwischen Potter und Weasley saß und sich offenbar rein zufällig an ihrem Kürbissaft verschluckt hatte. Draco grinste.

„Des Weiteren", fuhr Dumbledore fort, „muss ich euch daran erinnern, dass alle, und damit meine ich auch alle, Produkte der Marke Weasleys Zauberhafte Zauberscherze verboten sind. Das beinhaltet auch getarnte Zaubertränke. Professor Snape wird nicht mehr bereit sein, euch andauernd die Gegengifte zur Verfügung zu stellen."

Draco musste auch bei diesem Kommentar grinsen.

„Und der letzte Punkt- alle Siebtklässler bleiben bitte an ihren Haustischen sitzen und warten auf die Ansprache von Professor McGonagall und mir. Ihr anderen dürft gehen. Gute Nacht!"

Draco runzelte die Stirn. Was wollte der Schulleiter von ihnen? Aber dann fiel es ihm ein. Es war ihr UTZ- Jahr und sicherlich würde man ihnen etwas zu den Prüfungen und diversen Projekten erzählen, wie es in den Jahrgängen vor ihnen auch der Fall gewesen war…

Nachdem alle anderen Jahrgänge aus der Großen Halle verschwunden waren, kam McGonagall mit einem riesigen Stapel Pergamente herein. Dumbledore strahlte.

„Dies, meine verehrten Siebtklässler, sind Evaluierungsbögen." McGonagall ließ mit einer fließenden Zauberstabbewegung den Stapel sich selbst verteilen, sodass vor jedem Schüler ein Pergament lag. „Bitte, füllt nun die Fragen aus. Die Blätter sind mit Antischummelzauber belegt, als denkt nicht daran, die Fragen nicht wahrheitsgemäß auszufüllen.", endete Dumbledore.

„Bitte, Sir!", unterbrach Ernie McMillan die Stille in der Großen Halle, „Wollen Sie uns nicht sagen, wofür wir das ausfüllen sollen?" Dumbledore lächelte. „In der Tat, das will ich euch nicht vorenthalten. Wie ihr vielleicht wisst, ist es Tradition an dieser Schule, dass die Schüler in ihrem letzten Jahr auch an ihren sozialen Kompetenzen arbeiten sollen."

Die Schüler begannen zu flüstern.

„Ruhe, bitte!", rief Dumbledore ruhig, „Das bedeutet, dass ihr, wenn ihr euch auf eure UTZ- Prüfungen und Projekte der einzelnen Fächer vorbereitet, dies nicht mehr wie gehabt alleine, sondern in einer Gruppenarbeit erledigen sollt. Die Benotung erfolgt für alle Teilnehmer einer Gruppe gleich, ebenso die Punkte, die ihr für eure Häuser holt."

Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Nun zu diesen Fragebögen. Die Gruppen werden aus vier Leute bestehen und jeder von einem Haus. Gemeinschaftsarbeit von Gryffindor, Ravenclaw, Hufflepuff und Slytherin."

Sofort ertönte wütendes Geschrei in der Halle und Dumbledore wurde unterbrochen. „Ruhe, bitte!", rief er abermals und nach einer Weile kehrte wieder Stille ein. „Diese Fragebögen nun", lächelte Dumbledore, „werdet ihr ausfüllen, sodass wir die geeigneten Arbeitsgruppen zusammenstellen können."

„Aber, Sir!", „Wir mit Slytherin! Niemals!", „Nein, das könnt ihr doch nicht machen!"; ein entsetztes Stimmengewirr erfüllte die Große Halle. „Ruhe!", donnerte Dumbledore und mit einem Mal erstarb das Geschrei.

„Wie gesagt, es ist Tradition und ihr werdet sie, wie hunderte Jahrgänge vor euch, fortsetzen. Beweist euch und eurem Haus, dass ihr würdige und kompetente Schüler Hogwarts' seid!"

Draco war ziemlich wütend. Er gedachte seine Studien alleine durchzuführen, er brauchte keine doofen Hufflepuffs, besserwisserische Ravenclaws und hitzköpfige Gryffindors, um seine UTZs mehr als gut zu bestehen. Aber es führte ja wohl kein Weg daran vorbei.

Er warf einen Blick auf die Evaluierung. Seufzend nahm Draco seine Feder und las die erste Frage.

Welche Fächer belegen Sie zurzeit?

Arithmantik, Astronomie, Geschichte der Zauberei, Muggelkunde, Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Verwandlung, Zauberkunst und Zaubertränke.

In welchem Haus sind Sie?

Slytherin.

In welchen Häusern befinden sich Ihre Schulfreunde? - Draco schnaubte, als er das las.

Slytherin.

Wie stehen Sie zum Thema Einigkeit unter den Häusern?

Kann nicht funktionieren. Nicht mit der beständigen Aufteilung nach Haustischen, Rivalitäten um die Haus- oder Quidditchmeisterschaft und Punkte, die von Vertrauensschülern anderer Häuser ständig abgezogen werden. Wirkt eher abgrenzend.

Draco hielt inne. Ja, das war eine gute Antwort. Er hatte nicht preisgegeben, ob ihm die Einigkeit etwas bedeutete oder nicht- wobei natürlich Letzteres der Fall war. Wer wollte sich schon mit verblödeten Gryffindors anfreunden!

Es folgten noch etliche bescheuerte Fragen, die Draco augenverdrehend beantwortete. Solch ein Unsinn konnte eigentlich nur von Dumbledore stammen und wenn nicht gewusst hätte, dass das Ganze eine Schultradition war, hätte er wirklich auf eine Idee des Schulleiters getippt.

Vielen Dank für die ehrliche Beantwortung der Fragen. Die Namen der anderen drei Schüler aus Ihrer Arbeitsgruppe werden Ihnen in zwei Tagen per Eule gesandt. Stellen Sie sicher, dass Sie am Donnerstag zum Frühstück Ihre Eule empfangen können.

Draco verzog das Gesicht. Wahrscheinlich würden ihm komplette Vollidioten wie Weasley oder noch schlimmer, Longbottom, zugeteilt werden, damit die Ressourcen gerecht verteilt waren.

Am Donnerstagmorgen herrschte in der Großen Halle ein größerer Lärm als sonst immer- alle Siebtklässler waren eifrig am Debattieren, wer wohl mit wem in einer Gruppe landen würde.

Draco aß sein Rührei mit erhabener Miene- er wollte sich nicht auf Pansys und Daphnes Niveau herablassen, die zwei Plätze weiter ihre Wunschpartner aus den anderen Häusern benannten und sich darüber stritten, ob Anthony Goldstein besser als Seamus Finnigan war.

Trotzdem schielte Draco des Öfteren hinauf zu den Fenstern, um zu sehen, wann die Eulen endlich mit der Post kommen würden. Nach fünf weiteren Minuten Wartens endlich kam die tägliche Post. Eine zerrupfte Schuleule brachte Draco den mit dem Wappen Hogwarts' versiegelten Brief.

Die klägliche Eule wertete Draco als schlechtes Zeichen. Mit eingebildetem Grinsen öffnete er seinen Brief.

Sehr geehrter Mr. Malfoy,

aufgrund der Antworten Ihres Evaluierungsbogens haben wir Ihnen folgende Partner zugeteilt:

Padma Patil (Ravenclaw)

Ernie McMillan (Hufflepuff)

Hermine Granger (Gryffindor)

Wir wünschen Ihnen gutes Gelingen in Ihrer Teamarbeit!

Ihre Treffen werden am Sonntagnachmittag stattfinden, das erste diesen Sonntag eine halbe Stunde nach dem Quidditchspiel Ravenclaw vs. Hufflepuff.

Prof. McGonagall, Prof. Dumbledore"

Ha! Wie taktisch geschickt von McGonagall, die Stunden gleich nach dem Spiel anzuberaumen. Auf diese Weise waren die älteren Schüler von der siegreichen Mannschaft verhindert, sich nach dem Spiel Feuerwhisky zu besorgen, eine stundenlange Party zu feiern und die jüngeren Schüler abzufüllen.

Und: nicht Longbottom! Der war Crabbe zugeteilt worden, wie Draco nach einem Blick zu seinem Sitznachbarn befriedigt feststellte.

Okay, es mochte Hermine Granger in seiner Gruppe sein- mit ihr zu lernen war bestimmt ein Alptraum- aber im Großen und Ganzen war Draco zufrieden, denn die anderen drei Schüler entsprachen am ehesten seinem Intelligenzquotienten oder sie machten es zumindest mit Lernerei wett wie der Streber McMillan.

Draco faltete den Brief und steckte ihn in seine Schultasche, dann ging er zum Unterricht. Granger in seiner Gruppe… nicht schlecht. Ihm kam auf einmal ein Gedanke.

Draco hatte schon immer sehr gute Noten erzielt; nie hatte er jemanden um Hilfe bitten müssen. Das bedeutet auch, dass er auf die anderen drei in seiner Gruppe nicht angewiesen war- Snape würde schon dafür sorgen, dass er gute Noten bekäme- und das wiederum bedeutete, dass er die Arbeit der anderen sabotieren können würde, um Granger absichtlich etwas zu provozieren, etwas aus der Reserve zu locken.

Ihm fiel ein Muggelsprichwort ein. Was sich liebt, das neckt sich. Draco verbannte es ärgerlich aus seinem Kopf. Wie konnte er Hermine lieben, wenn er sie doch gar nicht wirklich kannte, sondern nur das besserwisserische Schlammblut in ihr gesehen hatte? Wie konnte das der blöde Nerhegeb- Spiegel eigentlich so genau beurteilen? Und 99 Prozent aller Wahrsagerei war Schwachsinn.

Draco haderte abermals mit seinem Schicksal.


Anmerkungen:

1. Die Idee mit dem Gemeinschaftsprojekt und bescheuerten Fragebögen hab ich übrigens aus meinem Studiengang. ;)

2. Ich hab gemerkt, dass viele in Band 1 auch nach 15x Lesen immer noch nicht kapiert haben, was Nerhegeb/ Erised heißt. o_O Des gibt's doch ned… :D

3. Im nächsten Kapitel haben Draco und Hermine ihr gemeinsames… Date.

4. Wieder einmal danke, Lillifee und muffinxxgiirl, für eure Reviews! Das motiviert!

5. Ich glaube, ich bin jetzt nach 24 Kapiteln fertig geworden. Meine ff ist an Worten ungefähr so lang geworden wie HP Band 1!