Na, dann spanne ich dich nicht länger auf die Folter, muffinxxgiirl. Hoffe, es wird deinen Erwartungen gerecht. Auch allen anderen viel Spaß beim Lesen!


Hermines Vorsatz, ab jetzt Malfoy Malfoy sein zu lassen und sich auf die Prüfungen im Sommer zu konzentrieren, wurde freilich auf eine harte Probe gestellt, als sie ihren Brief bekam, der ihr Malfoy, Padma und Ernie als Partner auswies.

Ron und Harry bedauerten sie aufrichtig, waren aber gleichzeitig froh, nicht selbst mit Malfoy in einer Gruppe sein zu müssen. Heuchler.

Hermines Blick glitt zu Malfoy an den Slytherintisch. Mit ausdrucksloser Miene hatte er seine Partner hingenommen und marschierte jetzt aus der Halle hinaus. Hermine fiel ein, dass sie jetzt mit Malfoy Arithmantik hatte. War es wirklich schon Zeit? Hastig stopfte sie sich das restliche Stück Toast in den Mund, winkte Harry, Ron und Ginny zu und eilte in den vierten Stock zu Professor Vektor.

Als sie vor dem Klassenzimmer schlitternd zum Stehen kam- irgendein Idiot hatte wieder mal eine Flasche Krötenlaich verschüttet- sah sie Malfoy lässig neben der Tür an der Wand lehnen. Sein halblanges blondes Haar fiel ihm ins Gesicht, während er in seinem Arithmantikbuch las, oder besser gesagt, gelesen hatte, denn jetzt blickte er auf und musterte sie feixend.

„Warum diese Eile, Granger? Sind doch noch zehn Minuten." „Dachte, ich wäre zu spät!", murmelte Hermine und zog ihre Bluse wieder glatt. Sie sah, dass er ganz in Malfoy- Manier seine Augenbraue hochzog und sie musterte.

„Schau gefälligst woanders hin!", fauchte Hermine. Sie hasste es, wenn sich jemand über sie lustig machte und sie war sich sicher, dass Malfoy sich gerade über sie amüsierte.

„Na, na!", sagte er da auf einmal in äußerst selbstgefälligem Ton, „Ich werde doch wohl mein Date anschauen dürfen! Meinst du", fuhr er noch selbstzufriedener fort, „ich hätte es nötig, mit einem hässlichen Mädchen wie Eloise Midgeon auszugehen? Nein, ich wähle nur die Crème de la Crème aus. Also, Granger, wie wär's am Samstag, komm mit mir nach Hogsmeade!" Befahl er beinahe.

Merlin, wie sie diesen Ton hasste. Mit zusammengekniffenen Augen starrte sie ihn wütend an. „Arroganter geht's ja wohl nicht, eine Einladung auszusprechen!", zischte sie, „Ich frag mich wirklich, wie du so viele Mädchen herumbekommst, du anmaßendes Frettchen!"

„Ich werte das als Ja, Granger- triff mich um halb zwei am Eingang zur Großen Halle." Mit diesen Worten machte er eine lässige Kopfbewegung, um das Haar aus seinem Gesicht zu schlenzen und folgte Professor Vektor, die gerade die Tür aufgesperrt hatte.

Hermine machte eine wütende Zauberstabbewegung, mit der sie den Krötenlaich von ihren Schuhen putzte und folgte Vektor ebenfalls ins Klassenzimmer, wo sie sich so weit weg von Malfoy setzte wie möglich- was einfach war, denn er gammelte stets in der letzten Reihe und Hermine saß mit Ernie ganz vorne.

Die ganze Doppelstunde jedoch hatte Hermine Probleme, sich mit den Tabellen zurechtzufinden, denn Malfoy hatte sie nachhaltig beeinflusst: in seiner Beleidigung für Eloise war ein Kompliment für sie versteckt gewesen, das bedeutete, dass er sie hübsch finden musste.

Hermines Herz schlug bei diesem Gedanken schneller, ihr Verstand jedoch argumentierte standhaft dagegen, denn Malfoys Überheblichkeit war mal wieder grenzenlos gewesen, auch wenn er sich die letzten zwei Wochen sichtlich zurückgehalten hatte, wie Hermine auf einmal bewusst wurde.

Und dann sein Haar, das er so zurückgeworfen hatte. Es glänzte so schön. Halt, schrie Hermine innerlich, denk das nicht! Er wird dich nicht umgarnen! Du musst ihm das Date gründlich vermiesen und wenn du das nicht schaffst, dann hast du ein Problem! Er wird dir keine Ruhe mehr lassen und du sollst lernen!

Sie war richtiggehend froh, dass sie in der nächsten Stunde wieder zwischen Harry und Ron saß, denn die lenkten sie wenigstens von dem Slytherin ab.

„Ginny!", rief Hermine, als sie später am Abend ihre beste Freundin entdeckte, „Ginny! Ich muss dir was erzählen!" Ginny sah sie erst verwundert an, dann grinste sie auf einmal breit und sagte: „Ich weiß- du und Malfoy, ihr habt es getan, oder?"

Hermine verschluckte sich und spuckte Restes ihres Schokokekses aus, den sie gerade gegessen hatte. „Was? Nein!", rief sie empört. „Er hat mich nur auf einen Ausflug nach Hogsmeade befehligt!"

Sie sah, wie Ginny boshaft grinste und merkte, dass Ginnys Kommentar keineswegs ernst gemeint gewesen und sie dummerweise voll darauf angesprungen war.

„Du hast was getan, Hermine!", unterbrach Ron die Konversation und sah Hermine mit einem Gesichtsausdruck, der sowohl Eifersucht, Ekel als auch Unglauben beinhaltete. „Nein, sie hat gar nichts, Ron- tschüss- Mädchengespräch- geht dich nichts an-!" Und damit schubste Ginny ihren Bruder beiseite. „Danke, Ginny!", fauchte Hermine ärgerlich.

Ginny sah so aus, als müsste sie sich einen weiteren Kommentar verkneifen und sagte stattdessen: „Und jetzt brauchst du Hilfe."

„Ja, genau… es soll sein übelstes Date werden, das er jemals gehabt hat, damit er mir meine Ruhe lässt!", beschwerte sich Hermine. Ginny grinste noch breiter als vorher. „Das lässt sich arrangieren. Beginnen wir mit der Kleidung…"

Der Samstag kam schneller als Hermine lieb war. Ihr Herz und ihr Verstand fochten einen erbitterten Kampf aus, doch Hermines Verstand gewann wie immer und sie tat genau das, was Ginny ihr gesagt hatte.

Von Lavender und Parvati wusste Hermine, wie Mädchen sich zu ihren Dates herrichteten; Ginny hatte ihr abgeraten, genau das zu tun. „Geh in deiner Schuluniform", hatte sie Hermine gesagt, „viele gehen so nach Hogsmeade und du fällst nicht auf; Malfoy wird aber erwartet haben, dass du dich so chic anziehst wie Lavender, Pansy und die ganzen anderen hirnlosen Tussis."

Also zog Hermine keine bequemen Freizeitklamotten oder hautenge Tops an, sondern einfach nur ihre Schuluniform. Dann band sie noch ihre Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. Das musste laut Ginny an Outfit für Malfoy genügen.

Hermine zog sich ihre dicke Winterjacke an, steckte ihr Portemonnaie in die Tasche und schlenderte in die Eingangshalle, wo Malfoy schon wartete. Sein Gesichtsausdruck änderte sich kaum merklich, als er sie sah. „Granger! Du bist pünktlich.", stellte er fest.

Hermine runzelte die Stirn- warum sollte sie es nicht sein? „Wir haben halb zwei ausgemacht, Malfoy, also erscheine ich auch um halb zwei.", informierte sie ihn unfreundlich. Malfoy zog den linken Teil seiner Lippen spöttisch nach oben. „Frauen kommen immer zu spät.", sagte er nur.

Hermine schaute ihn unschlüssig an, weil sie nicht wusste, was sie von dieser Aussage halten sollte. „Komm, Granger, gehen wir.", sagte Malfoy schließlich und sie folgte ihm nach draußen. Damit er nicht auf die völlig absurde Idee kam, ihre Hand zu halten, steckte Hermine ihre Hände in die Jackentaschen, bevor sie zu ihm aufschloss.

Ihre Gestik blieb ihm offenbar nicht verborgen, denn er schnaubte leise. Wortlos liefen sie nebeneinander her. Hermine war ein Mensch, der es hasste, langem Schweigen ausgesetzt zu sein- auch wenn sie sonst nicht viel redete und laberte wie Lavender, aber bei Schweigen hatte sie immer das Bedürfnis, dieses mit Worten zu füllen.

Jetzt aber war sie fest entschlossen, das Schweigen nicht zu brechen, genau so, wie Ginny ihr geraten hatte. Sollte Malfoy doch den Anfang machen.

Sie waren schon fast bei Hogsmeade angekommen, als er schließlich fragte: „Und, wo möchtest du hingehen?" Hermine, die den ganzen Weg Zeit gehabt hatte, darüber nachzudenken, antwortete wahrheitsgemäß: „Honigtopf."

Also gingen sie zunächst dort hin und Hermine kaufte ein paar Süßigkeiten für Ron und Harry- das war ein ultimatives Weihnachtsgeschenk für die beiden.

Jetzt hatte sie eine Tüte in der Hand und brauchte auch deswegen ihre Hände nicht mehr in ihren Jackentaschen vergraben. Als sie den Honigtopf verließen, meinte Malfoy: „Redest du immer so viel?"

Er sagte es irgendwie wertfrei. Hermine ließ sich daher zu einer Antwort herab. „Ich höre lieber zu." Wenn Malfoy ihr etwas erzählte, war das besser, als wenn sie ihm irgendeinen Unsinn über sich verraten musste, den er gegen sie verwenden konnte.

„Also.. ähm, wie wäre es, wenn wir wo rein gingen?", schlug er nach einer Weile Schaufensterbummeln vor. Hermine heuchelte eine Begeisterung, ganz wie es Ginny ihr beigebracht hatte. „Ich wüsste da auch ein süßes Restaurant in der Nähe!", sagte sie mit ihrer süßlichsten Stimme, die sie nur aufbringen konnte. Malfoy schien überaus überrascht zu sein. Wahrscheinlich hatte er sich gerade daran gewöhnt, dass sie keine überdrehte Tussi war.

Hermine ging raschen Schrittes auf das Café von Madame Puddifoot zu. Sie kannte es von Harrys Erzählungen, als er mit Cho Chang ausgegangen war. Das Café war einfach nur… ätzend. Romantischere Gemüter als Hermine hätten es wohl als nett und süß bezeichnet, aber Hermine fand es ziemlich affig. Besonders, weil drinnen nur knutschende Paare saßen.

Alles war mit viel rosa und Schleifchen dekoriert, was Hermine unwillkürlich an Dolores Umbridge erinnerte und sie verzog angewidert das Gesicht. An einem freien Tisch blieb Hermine stehen und ließ Malfoy die Zeit, ihr einen Stuhl anzubieten und ihr den Mantel abzunehmen. Dann ließ sie sich auf den Stuhl fallen und besah sich die Karte des Cafés und legte sie dann wieder hin.

„Was möchtest du?", erkundigte sich Malfoy freundlich. „Ähm…", sagte Hermine zögerlich, „Ich weiß noch nicht…" Madame Puddifoot erschien und nahm die Bestellung auf. „Das Übliche, zwei Cappuccinos, bitte!", orderte Malfoy.

Halt! Ginny hatte gesagt, sie sollte nicht dasselbe essen und trinken wie Malfoy. „Nein!", rief sie schnell dazwischen, „Ich nehme lieber ein Butterbier!" Malfoy blickte sie verwundert an. „Ist es nicht egal, was man hier drin trinkt?", sagte er spöttisch und warf einen demonstrativen Blick in die knutschende Runde.

Hermine verschränkte die Arme und sagte: „Verlass dich drauf, Malfoy, mir ist es noch nicht egal, was ich trinke. Und das wird es auch nicht in absehbarer Zeit!" Malfoy grinste überlegen. „Warum hast du mich dann hierher geführt?"

Um dich zu provozieren, du Arsch. Aber verdammt, kalt erwischt: keine plausible Ausrede parat.

Anstatt die Frage zu beantworten, fragte Hermine ihrerseits: „Wenn du hier ‚das Übliche' bestellst, wie oft bist du wohl in diesem Laden hier? Ich-" Doch Hermine wurde von Madame Puddifoot unterbrochen, die Malfoys Cappuccino und ihr Butterbier brachte.

Hermine zuckte mit den Schultern, nahm die Flasche und leerte sie in einem Zug. Rons Bruder Bill hatte ihr mal beigebracht, wie das funktionierte. Malfoy starrte sie wieder überrascht an. „Ich, äh, wusste gar nicht, dass du so durstig bist!" „Dann weißt du's eben jetzt!", gab Hermine schnippisch zurück. So benahm sich kein Mädchen, das mit ihm ausging.

„Hör mal.", begann Malfoy. „Ich weiß, dass ich dich dort oben auf dem Turm unfair besiegt habe, und äh, es tut mir leid, aber ich wollte unbedingt mit dir ausgehen, ja. Ich weiß, dass du dein Möglichstes tust, um es mir madig zu machen und ich muss sagen, es gelingt dir recht gut. Ich hasse dieses kitschige Café hier und du auch, soweit ich das beurteilen kann. Also wollen wir das nicht lassen, uns gegenseitig…?"

„Das ist der erste normale Satz ohne Spott und Ironie, den ich aus deinem Mund vernehme. Okay, ich werde jetzt ganz ich sein.", sagte Hermine. Damit winkte sie Madame Puddifoot, bezahlte ihr Butterbier- nicht, dass es Malfoy noch einfiel, für sie zu zahlen- und stand auf. „Ich muss noch ein paar Einkäufe tätigen, Malfoy, wäre nett, wenn du mich begleiten würdest." Ihre Stimme troff vor Sarkasmus.

Doch Malfoy wischte sich nur die Haare aus dem Gesicht, legte ein paar Münzen auf den Tisch und folgte ihr. Natürlich hatte Hermine nichts, das sie unbedingt einkaufen musste. Aber das machte nichts, hatte Ginny gesagt, denn Jungs hassten shoppen. Hermine ging von einem Laden in den nächsten und besah sich gelangweilt genau die ausliegenden Waren- meistens irgendein wertloser Ramsch oder Kleidungsstücke- und hoffte, Malfoy damit tierisch zu nerven. Wenn er ein richtiges Date wollte, dann musste er sie fragen, nicht es aushandeln und unfair spielen.

Es lag an ihm, das Date abzubrechen. Aber Malfoy stand den ganzen langen Nachmittag durch. Hermine war am Verzweifeln, dass er so hartnäckig war und sich nicht einmal von einem Drogeriemarkt abschrecken ließ, wo Hermine sage und schreibe zwanzig Minuten überlegte, welches Riesenschaumblasen- Shampoo sie nehmen sollte, nur um dann doch keines zu kaufen.

Um halb sieben abends, als es ans Heimgehen ging, war Hermine klar, dass es Malfoy schon seit Madame Puddifoot nicht mehr um eine Verabredung ging, sondern eindeutig nur darum, nicht klein beizugeben und sie letztendlich in die Knie zu zwingen.

Eigentlich war sein Durchhaltevermögen ja bewundernswert, an seiner Stelle hätte sie ihn längst verhext oder einfach nur aufgegeben. Aber Malfoy brachte es fertig, zum bösen Spiel gute Miene zu machen, und das wortwörtlich. Wann immer er eigentlich tierische genervt sein sollte, schenkte er ihr trotzdem ein verführerisches Malfoylächeln, wenn Hermine denn genauer hinsah. Und das wollte sie ja unbedingt vermeiden, denn sein Lächeln… Nein, darüber dachte sie jetzt nicht nach.

Hermine beschloss, Malfoy nun deutlich ihre Gleichgültigkeit zu demonstrieren. Ihre Eltern hatten ihr zum letzten Weihnachten einen iPod geschenkt, der in Hogwarts und Hogsmeade jedoch wegen der Magie nicht funktionierte. Hermine hatte ihn heute aber trotzdem mitgenommen- auf dem Wegstück zwischen Hogsmeade und Hogwarts sollte das Ding eigentlich funktionieren…

Sie holte den iPod heraus, steckte sich die Stöpsel ins Ohr und schaltete ihre Lieblingsmusik ein. Malfoy schaut sie erst verdutzt, dann eindeutig ärgerlich an. Auch wenn er keine technischen Mug-gelerrungenschaften kannte, so war Hermines Desinteresse an einer Kommunikation unübersichtlich. Hermine summte zufrieden mit und wippte etwas mit dem Kopf und grinste Malfoy zu, dessen graue Augen sie durchbohrten.

Hermine wandte ihren Blick ab und obwohl ihr Herz schneller schlug, triumphierte sie: sie hatte ihn wütend gemacht. Malfoy sah für einen Moment etwas unsicher aus, dann sagte etwas zu ihr. Was genau, konnte sie aber dank der lauten Musik nicht verstehen und deswegen zuckte sie mit den Schultern, räusperte sich und schrie zurück: „Malfoy, du musst schon lauter sprechen, wenn du willst, dass ich was verstehe!"

Malfoy packte sie am Arm und drehte sie zu sich. Bevor Hermine sich wehren konnte, hatte er ihr die Kopfhörer weggenommen und in ihre Jackentasche gesteckt. „Ich glaube, jetzt verstehst du mich!", sagte er kalt. Von seinem Lächeln war nichts mehr übriggeblieben. „Ist unsere kleine Slytherin- Diva etwa sauer?", säuselte Hermine mit untypischer, aber provokativer Stimme.

„Ich sagte", fuhr Malfoy mit blitzenden Augen fort, „wir sehen uns morgen Nachmittag, wenn unsere Gemeinschaftsarbeit beginnt. Und- ach, vergiss es einfach.", zischte er. Hermine warf ihm einen garstigen Blick zu. Sie hatte es also geschafft, ihm den Tag zu vermiesen. Ganz wie geplant. Schadenfreude ist die schönste Freude.

Doch warum hatte sie dann das Bedürfnis, in seinen grauen Augen versinken zu müssen und sein Haar zu berühren?

„Ja, bis morgen dann, Malfoy.", sagte sie nur und eilte in Richtung Gryffindorturm zurück, wo Ginny schon auf sie wartete. Hermine erzählte ihr alles haargenau bis aufs kleinste Detail. Ginny lachte. „Tja, ich glaube du kannst darauf hoffen, dass er dich in Zukunft in Ruhe lässt." Ernst fügte sie hinzu: „Wenn es dich glücklich macht!" Hermine seufzte. „Ich weiß es doch selber nicht, Ginny!", sagte sie, „Einerseits finde ich ihn… attraktiv, aber auf der anderen Seite war er schon immer ein Arschloch und ich möchte ihn mir einfach nur vom Leib halten."

Ginny nickte und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. „Ich glaube, dass es auch besser für dich ist, wenn du ihn zunächst auf Distanz hältst." „Du bist gut!", rief Hermine aus, „Ich bin mit ihm in einer Arbeitsgruppe, und übermorgen schon sehe ich Malfoy im Unterricht wieder, ob ich will oder nicht! Und die Tendenz geht momentan zu ‚oder nicht'!"

Hermine wollte bald darauf zu Bett gehen. Sie freute sich zwar einerseits, dass sie Malfoys Tag vermiest hatte und sie zu ihm ätzend gewesen war, aber andererseits machte es sie auch nicht recht glücklich… ganz in Gedanken versunken lief sie auf dem Weg in ihren Schlafsaal in jemanden hinein, der sie aber gerade noch auffing.

Es war Ron.

„Ron? Äh… was? Oh, es tut mir leid, ich hab nicht aufgepasst!", rief Hermine aus. Doch Ron blickte sie nur gequält an und sagte schließlich: „Vor knapp drei Wochen, Hermine… ich… wir… heute…"

Sie wusste, was er sagen wollte und es tat ihr unglaublich leid. „Ich weiß, Ron. Es war schön… aber, ich liebe dich nicht so, auf diese Weise. Ich schätze dich als Freund, aber mehr… ist da nicht. Es tut mir so leid. Ich hätte was sagen sollen."

Rons Blick nahm noch gequältere Züge an. „Ich… dachte, du würdest dasselbe für mich empfinden und wärest nur zu, ähm, schüchtern… aber heute warst du mit Malfoy in Hogsmeade. Mit Malfoy, Hermine. Erinnerst du dich, was er dir und uns alles angetan hat?" „So ist es nicht, Ron!", rief Hermine und machte sich aus seinem Griff los und stürmte mit Tränen im Gesicht in ihren Schlafsaal.


Draco war zufrieden mit sich selbst. Er hatte gerade Granger zu einem gemeinsamen Ausflug nach Hogsmeade überredet, naja, gezwungen konnte man es auch nennen, denn sie war immerhin in der Pflicht nach ihrer Duellniederlage.

Während der zwei Arithmantikstunden hatte er die Zeit, sich zurückzulehnen und Hermine zu beobachten. Heute schien sie nicht ganz bei der Sache zu sein. Mit McMillan hielt sie allerdings immer noch locker mit, der es einfach nicht lassen konnte, zu versuchen, Granger zu übertrumpfen. Die beiden lieferten sich des Öfteren eine Art Duell im Unterricht, bei dem es darum ging, schneller die bessere Antworten zu finden.

Statt von dieser ätzenden Schleimerei Abstand zu nehmen und die beiden gekonnt zu ignorieren, war Vektor ganz begeistert von ihren Ohnegleichen- Schülern. Draco schüttelte unwillig den Kopf. In diesem Moment hätte er aber gerne mit Ernie getauscht, um Hermine weiter zu verwirren und um wenigstens so ihre Aufmerksamkeit zu erringen.

Auch für Draco kam der Samstag schneller als erwartet. Um fünf vor halb zwei machte er sich auf den Weg zum verabredeten Platz. Wie üblich würde er wohl noch eine Viertelstunde warten müssen, bis das Mädchen endlich erschien. Intuitiv schätzte Draco Hermine nicht als das Mädchen ein, das sich nach seinem Zuspätkommen auf dem ganzen Weg nach Hogsmeade über seine Haar- und Hautpflegeprodukte auslassen und erklären musste, warum sie so lange gebraucht hatte.

Da erschien Granger auch schon, und nicht zu spät. „Granger! Du bist pünktlich.", stellte er dennoch überrascht fest. Das schien Granger zu beleidigen, denn sie sagte patzig: „Wir haben halb zwei ausgemacht, Malfoy, also erscheine ich auch um halb zwei." Schon mal ein Pluspunkt für sie, aber ihre genervte Stimme nahm den Bonus gleich wieder weg.

Draco fiel es sehr wohl auf, dass sie ihre Hände in den Taschen ihres Anoraks vergrub. Schon wieder untypisch, denn normalerweise gierten die Mädchen geradezu danach, seine Hand zu ergreifen und so, wie Draco den Eindruck hatte, der Konkurrenz unmissverständlich klar zu machen, dass er bereits fremdes Eigentum war.

Nun gut, wenn sie wollte. Höflicherweise erkundigte sich Draco, wohin Hermine gehen wollte. Er rechnete fest damit, den ganzen Nachmittag in irgendeinem blöden Café zu sitzen, aber Hermine war offenbar mehr nach den Süßigkeiten vom Honigtopf. Könnte schlimmer sein, dachte Draco bei sich.

Was es auch prompt wurde. Innerlich hatte er sich schon darauf eingestellt, nicht in Madame Puddifoots Café zu versumpfen, da zog ihn Hermine mit großer Begeisterung ebendort hin. Oh nein, er hatte wirklich gedacht, Hermine wäre anders… oder war sie seinem Charme bereits verfallen?

Draco bestellte zwei Cappuccinos, was er immer tat, weil es so ziemlich das einzig trinkbare Gesöff war, das hier serviert wurde. Die Mädchen liebten das Café offensichtlich nur wegen dem Aussehen und dem ganzen pseudoromantischen Kitsch und nicht wegen des Essens. Hermine überraschte ihn wieder; sie unterbrach Madame Puddifoot und bestellte sich statt dem Kaffee ein Butterbier.

O-kay. Er konnte nicht anders, als einen seiner spöttischen Kommentare abzulassen, auch wenn er insgeheim dachte, dass Hermine etwas mehr Charakter besaß als so manches Mädchen, mit dem er hier gesessen hatte. Seine Ironie wurde ihm aber übel genommen, denn Hermine verkürzte den „romantischen" Teil im Café drastisch, als sie ihre Bierflasche mit einem Taschenspielertrick auf ex leerte. Ah, sie war also gänzlich uninteressiert daran, sich länger mit ihm abzugeben. Und sie musterte gerade mit hochgezogenen Augenbrauen die rosa Deko. Soso.

Der rechte Zeitpunkt, eine Art Entschuldigung anzubringen, auf sowas stand Granger doch.

„Hör mal.", begann Draco. „Ich weiß, dass ich dich dort oben auf dem Turm unfair besiegt habe, und äh, es tut mir leid, aber ich wollte unbedingt mit dir ausgehen, ja. Ich weiß, dass du dein Möglichstes tust, um es mir madig zu machen und ich muss sagen, es gelingt dir recht gut. Ich hasse dieses kitschige Café hier und du auch, soweit ich das beurteilen kann. Also wollen wir das nicht lassen, uns gegenseitig…?"

Doch Hermine ignorierte das Gesagte fast vollständig und ging stattdessen. Er hatte nicht einmal die Zeit, ihr das Getränk zu bezahlen, so schnell war sie.

Seufzend folgte Draco ihr. Wieder draußen in der Kälte, nahmen Hermines Wangen sogleich eine rote Färbung an, die Draco sehr gut gefiel. Sie ist so hübsch, dachte er, wenn sie nur mal was anderes anziehen würde als diese hässliche Schuluniform. Wobei ihm natürlich klar war, dass sie sich absichtlich so gewöhnlich angezogen hatte.

Wie schon so oft befand sich Draco in einem gewissen Zwiespalt. Einerseits hatte er Granger und alles, was sie verkörperte, sechs Jahre lang gehasst, und alte Gewohnheiten ließen sich nur schwer ablegen. Aber andererseits fand er sie mittlerweile ziemlich anziehend und wollte sich bessern, nach allem, was er von seiner Mutter gehört hatte, dem widerlichen Benehmen vieler Todesser und den Fehlern der Muggel, die sie schon vor Jahrzehnten vorgelebt hatten.

Draco schüttelte die schweren Gedanken ab und folgte Hermine, die das nächstbeste Geschäft betrat.

So ging es den ganzen Nachmittag: eine Einkaufstour, bei der Draco Hermine begleitete. Nach dem vierten Geschäft wusste er, dass sie ihn nur ärgern wollte, doch Draco war weit davon entfernt, jetzt einfach aufzugeben- nein, er würde es durchstehen. Was hatte er schon auf sich genommen, um Granger zu diesem Date zu bekommen und ein einziger Nachmittag würde das Gefühl nicht ruinieren.

Als es abends Zeit wurde, zum Schloss zurückzukehren, nahm er ihr zwei Taschen ab und beide gingen aus Hogsmeade heraus. Hermine fing an, in einer ihrer Taschen herumzukruschen und zog ein weißes Instrument heraus, am dem zwei Schnüre baumelten, die entfernt an die Langziehohren der Weasleyzwillinge erinnerten.

Sie steckte sich die Schnüre in die Ohren und kurz darauf konnte Draco ein Rauschen vernehmen, aus dem entfernte Klänge einer Rockmusik klangen. Granger begann leicht mit dem Kopf zu nicken, drehte sich um und grinste ihn an, schaute wieder weg.

Draco runzelte die Stirn. Sie ignorierte ihn. Ihn, Draco Malfoy. Also musste er etwas sagen. „Gran-, Hermine, wir sehen uns doch morgen Nachmittag, bei der Arbeitsgruppe." Nach einem kurzen Zögern fügte er mit einem aufgesetzt halb unsicheren Grinsen hinzu: „Wenn du möchtest, können wir uns aber auch schon etwas früher treffen und noch am See spazieren gehen…"

Hermine schaute ihn verständnislos an, dann schrie sie: „Malfoy, du musst schon lauter sprechen, wenn du willst, dass ich was verstehe!" Erst war Draco perplex, doch dann begriff er, dass sie die Musik so laut aufgedreht hatte, dass sie sonst nichts hören konnte.

Plötzlich wütend geworden, riss er sie am Arm herum und zog ihr die Schnüre aus den Ohren. Das Rauschen wurde lauter, bis Hermine die Musik ausschaltete. Er rief ihr nun seinerseits etwas zu, aber es schien an ihr einfach so abzuperlen. Er brachte es auch nicht mehr fertig, sie noch einmal zu einem Winterspaziergang am See einzuladen.

„Dann geh doch…", murmelte Draco wütend, aber so leise, dass ihn Granger nicht mehr hören konnte. „Ja, bis morgen dann, Malfoy.", sagte Hermine beinahe schon entschuldigend, nahm ihre Taschen und hastete davon.

Draco blieb stehen und hieb mit der Faust gegen die Wand. Mann, war der Tag vielleicht mies gelaufen! Er hatte darauf gehofft, Hermine würde sich so geben wie in Ernies Gegenwart- nicht so brüderlich wie beim Narbengesicht und dem Rotschopf- er wollte sie ja nicht als Schwesterersatz-, aber nett und unbefangen. Doch nein, sie hatte alles getan, um den Tag schlecht zu machen. Abgesehen davon, dass sie pünktlich gekommen war.

Draco ging zum Slytherinkerker, wo Blaise sicherlich schon auf ihn wartete.


Also, über Reviews freue ich mich immer! :)