Draco blickte aus dem Fenster und sah, wie sich eine Eule näherte, die ein großes Paket trug. Ein verspätetes Weihnachtsgeschenk? Er wunderte sich.
Draco öffnete das Fenster und streckte seinen Arm aus. Die Eule landete darauf und schrie laut. Schnell band er den federleichten Karton von den Füßen der Eule und stopfte ihren Schnabel mit Eulenkeksen. Zufrieden erhob sie sich wieder in die Lüfte und verließ das Manor.
Er schüttelte den Karton vorsichtig; was mochte darin sein, wenn jemand es mit einem Leichtigkeitszauber belegte? Draco öffnete den Karton und sah Zeitungspapier, ganz offensichtlich, doch die zerknüllten Bilder bewegten sich nicht. Er lachte ungläubig und pikste mit seinem Zeigefinger auf einen Fußballspieler von Chelsea, doch der dachte nicht im Traum daran, sich zu bewegen. Draco wunderte sich; wer, den er kannte, las denn Muggelzeitungen?
Zum Vorschein kam ein altes, dickes Buch, das, kaum dass er es mit seinem Zauberstab antippte, seine alte Schwere erreichte. Dracos Herz schlug schneller und er wurde nervös, verwirrt… warum hatte Granger sein Geschenk an sie zurückgeschickt?
Ein Zettel fiel heraus.
Er blickte auf die Schrift, die so krakelig war, als hätte jemand mit allergrößter Hast geschrieben und zuerst erfasste er den Sinn der Worte gar nicht, verstand nicht, was das sollte… doch dann traf ihn die Erkenntnis.
Granger hielt dies für einen Bestechungsversuch. Schlimmer noch, sie glaubte, sie wäre für ihn nichts anderes als eine billige Hure…
Dracos Wangen verfärbten sich leicht rosa. Wie konnte sie nur glauben… doch dann erinnerte er sich, dass er sich vor nicht allzu langer Zeit selbst eingeredet hatte, einmal Vögeln mit Granger würde seine absonderlichen Gedanken und Gelüste nach ihr stillen. Kein Wunder, dass sie ihn für ein Schwein hielt.
Jedem anderen Mädchen, das Draco kannte, wäre es egal gewesen, Hauptsache, sie konnte mit ihm ausgehen.
Draco setzte sich hin und versuchte, Granger einen Brief zu schreiben, der alles erklärte, aber nach gefühlten hundert Versuchen gab er schließlich auf und sagte sich, dass er das nur mit ihr persönlich klären konnte.
Er ließ die Geschichte Hogwarts' in seinen Schulkoffer fallen, mit dem Entschluss, es ihr später mit der richtigen Absicht zu übergeben. Hatte sie überhaupt eine Ahnung, wie viel dieses Buch wert war?
Draco beschloss kurz nach Silvester, wieder nach Hogwarts zu gehen. Er ertrug sein Zuhause nicht mehr. Seine Mutter war überbesorgt, die Todesser gingen andauernd ein und aus und das quälte Draco mit dem Gedanken, dass er auch bald dem Dunklen Lord zu Diensten sein musste.
Draco fürchtete Du- weißt- schon- wen insgeheim. Er war kein glühender Anhänger wie seine Tante Bellatrix oder ein Fanatiker wie sein Vater, der alles für die „gute" Reputation der Malfoys tun würde, wenn er aus Askaban befreit war. Draco wusste, dass er selbst nicht imstande sein würde, irgendjemand umzubringen, auch ein Schlammblut nicht, nicht einmal Filch, einen Squib… er wusste, dass er wahrscheinlich nicht einmal den Cruciatus- Fluch hinbekommen würde, wenn es von ihm verlangt würde…
Um diesen ganzen bedrückenden Gedanken zu entgehen, floh er lieber nach Hogwarts, wo er nur mittelbar von dem Geschehen zu Hause betroffen war.
Er kommandierte auch Crabbe und Goyle zurück, denn er wusste, dass sonst keiner der Slytherins so früh zurückkommen würde- abgesehen von ein paar Erst- oder Zweitklässlern.
Per Flohpulver in Snapes Büro angekommen, schlenderte Draco zu seinem Gemeinschaftsraum und zog ein paar bei seinem Anblick verängstigten kleinen Hufflepuffs ein paar Punkte ab.
Drinnen warteten schon Crabbe und Goyle auf ihn. Draco stand der Sinn nach einem Spaziergang auf den Ländereien, also ging er mit seinen zwei zusätzlichen Schatten nach draußen.
Er genoss es, im Freien zu sein, endlich keine Enge mehr, wie sie im Manor geherrscht hatte.
Draco bemerkte eine Person auf dem See, die auf dem Wasser lief… nein, der See war zugefroren, fiel Draco auf und er kam sich unglaublich dumm vor- niemand konnte auf Wasser laufen (auch wenn manche Muggel das zu glauben schienen), schon gar nicht bei arktischen Minusgraden.
Er sah einen roten Schal und braune Locken auf die Entfernung. Hermine? Granger? Wusste sie nicht, dass es gefährlich war, auf das Eis zu gehen? Er schritt rascher aus und ließ seine zwei Freunde zurück. Im Näherkommen sah er, dass es tatsächlich Hermine war.
Angst packte ihn, dass sie einbrechen könnte. „Granger! Was tust du denn da?", schrie er laut.
Er rennt hinaus in den Garten, die Ländereien des Manor. Der Schnee liegt immer noch ziemlich hoch, obwohl das Tauwetter bereits eingesetzt hat. Er bückt sich und formt ein paar Schneebälle aus dem verbliebenen Matsch und wirft ein paar wässerige Kugeln gegen das Fenster, hinter dem er Vaters Studierzimmer vermutet. Er weiß, Vater ist nicht da, also niemand zu Hause, der ihn dafür tadeln und bestrafen wird.
Er geht weiter, bis er zu dem gefrorenen Teich kommt, auf dem im Sommer immer ein paar Enten schwimmen. Auf der Eisfläche liegt kein Schnee mehr; vielmehr wird das Eis von einer hauchdünnen Wasserschicht bedeckt. Neugierig beugt er sich vor- was ist mit den Goldfischen passiert, sind die auch eingefroren worden?
Vorsichtig tritt er auf das Eis. Nichts passiert.
Mutiger macht er einen weiteren Schritt. Nichts passiert.
Oh, es passiert nichts, es kann nichts passieren, ich bin nicht feige!
Nun unbedarft, geht er weiter auf das Eis, den Blick nach unten gerichtet. Aber er kann nichts Oranges erkennen. Ob wohl jemand die Fische herausgeholt hat?
Mit seinem Fuß tritt er auf das Eis ein. Ein bisschen bewegt es sich, gibt einen stumpfen Ton von sich, aber nichts knackt.
Voller Tatendrang nimmt er so gut es geht Anlauf und schlittert über die Eisfläche. Das nächste Mal muss er noch weiter kommen!
Er nimmt wieder einmal Anlauf und lässt sich auf die Knie fallen zum Rutschen. Schade, dass er keinen Spielkameraden hat, zu zweit würde es viel mehr Spaß machen…
Anlauf, rutschen- Fall. Eiseskälte. Nässe, bis zum Hals. „Argh!", Herzklopfen.
Ein kreisrundes Loch mit einer teilweise gezackten Kante. Er stöhnt und strampelt hilflos mit den Beinen. Mehr Wasser schwappt aus dem Loch, macht den Rand noch glitschiger, als er eh schon ist.
Er will sich herausziehen, aber es GEHT NICHT. Panik. „Mutter!" Nahe den Tränen, Schock. „Dobby!"
Plopp. Der Hauself erscheint sofort am Uferrand. „Master Draco!" „Hilf mir!" Er will weinen. Dobby ringt seine Hände und verschwindet mit einem Krachen.
Angst. Sterben? „Dobby?"
Plopp. Dobby!
Er hat ein Seil und eine Decke. Glücklicherweise ist das Loch nicht weit vom Ufer.
Dobby breitet die Decke zwischen sich und ihm aus. Kein glitschiger Rand mehr. Wirft das Seil. „Gut festhalten, Master Draco, Dobby wird ziehen!"
Dobby zieht und zieht und er krabbelt über die Decke ans Ufer.
„Nicht Vater und Mutter erzählen, Dobby!"
Draco schüttelte die Erinnerung ab und schrie Granger zu. War sie vollkommen verrückt geworden, suizidgefährdet? Sie entfernte sich weiter vom Ufer. Rastlos wanderte Draco hin und her, während er sie beobachtete. Dann sah er, wie sie sich hinsetzte und irgendetwas tat- nur um dann immer schneller von ihm wegzugleiten. Schlittschuhe?
Er lief weiter auf und ab und schrie ihr zu, vernünftig zu sein. Er konnte sie nicht verlieren! Diese Frau machte ihn noch wahnsinnig.
Sie fuhr in die Mitte des Sees, um sich dort… hinzulegen! Sie war übergeschnappt, was, wenn sie einbrach?
Potters Trick. Verdammt, Potters Idee… „Accio Nimbus 2001!"
Und sein Besen schwirrte zu ihm. Ohne auf Crabbe und Goyle zu achten, sprang er auf seinen Rennbesen und legte einen Spurt zu Hermine hin.
„Granger! Granger, bist du lebensmüde? Spring mit auf!", rief er, sobald er in Hörweite war. Draco hielt neben ihr an, wagte aber nicht, zu landen. Er streckte seinen Arm aus, um ihr auf seinen Besen zu helfen.
Doch statt endlich aufzusteigen, fauchte sie ihn nur an und begann in aller Seelenruhe, über sein Weihnachtsgeschenk zu reden. Er forderte sie noch einmal auf, mit ihm zu kommen, aber sie verneinte seine Bitte abermals. Jetzt flehte er fast.
Da hörte er das herannahende Geräusch von Besen. „Hey, Frettchen, was tust du da? Hör auf, meine Freundin zu belästigen!", hörte er das Wiesel rufen.
Freundin? „Freundin!", fragte er lautlos. Also, Freundin- Freundin? Hermine und das Wiesel? Draco erstarrte. Wie konnte… wie konnte das sein? Granger blickte im direkt in die Augen. Ja, es war wahr, das sagten ihre braunen Augen.
Sie rappelte sich auf und kletterte ungelenk auf Weasleys Besen und klammerte sich an dessen Umhang fest, um ihm anschließend einen garstigen, schadenfrohen und höhnischen Blick zuzuwerfen und ihr Gesicht in Wiesels Umhang zu vergraben. Nein. Er drehte sich um 180° mit seinem Besen und sah Potter und das Wiesel mit Hermine zum Schloss fliegen.
Draco ballte seine Hände vor Wut zu Fäusten und schoss mit seinem Besen steil gen Himmel, in das unerträgliche, bedrückende Grau hinein und irgendwo dort oben schrie er laut heraus, bis seine Stimme versagte.
Von allen Streichen und Dingen, die Granger ihm jemals während ihres persönlichen Rachefeldzugs angetan hatte, war das das schlimmste. Es war ein Tritt in die Weichteile. Ein Schlag weit unter die Gürtellinie.
Er stellte sich vor, wie das Wiesel Hermine mit seiner ekelhaften Zunge küsste, wie er sie in seinem sicherlich roten Himmelbett oben im Schlafsaal vögelte und ihm das wegnahm, was er besitzen wollte.
Draco wollte wieder schreien, doch kein Ton mehr konnte seiner Kehle entrinnen. Warum musste es gerade SIE sein? Seine Augen brannten von der Kälte und Draco kehrte durchgefroren zum Schloss zurück.
Der Gedanke von ihr und dem Rotschopf machten ihn krank. Um sich nicht vor Crabbe oder Goyle rechtfertigen zu müssen, wollte Draco nicht zum Abendessen gehen, sondern hatte vor, im Raum der Wünsche zu schlafen, um dort Ruhe zu finden. Er wusste selbst nicht warum, aber er steckte die Geschichte Hogwarts' in seine Tasche und machte sich auf den Weg.
Langsam schlich er nach oben und wanderte vor der Wand vor und zurück. ‚Ich brauche eine Schlafgelegenheit!', dachte er angestrengt und als er aufblickte, sah er die Türklinke. Er öffnete die Tür und erstarrte.
Der Raum wurde schon benutzt und es sah mehr nach einem romantischen Abendessen zu zweit aus als nach einem gemütlichen Bett.
Da fielen ihm zwei ineinander verschlungene Personen auf. Hermine und Weasley. „Urgh!", entfuhr es ihm, als er sah, wie leidenschaftlich er sie küsste. Da fuhren sie auseinander und Draco bemühte sich um die ausdruckslose Miene, die er schon in frühen Kindheitstagen gelernt hatte.
Granger blickte ihn überrascht und schuldbewusst (?) an, Weasley verwirrt und wütend. Draco fiel keine Beleidigung ein, was ihm seit dem Weihnachtsball in der vierten Klasse nicht mehr passiert war und machte auf dem Absatz kehrt, ohne die Tür zu schließen.
Das Geknutsche war zu viel. Mehr, als er an einem Tag ertragen konnte.
Was war nur los mit ihm?
Draco hörte Schritte hinter ihm. Im Gehen wandte er sich um und zog seinen Zauberstab.
Es war Granger, die ihm gefolgt war. „Malfoy!", sagte sie atemlos. Er hoffte, weil sie ihm hinterhergerannt war und nicht, weil Wiesel sie so lange geküsst hatte.
„Was?", fragte er kalt und unhöflich.
Hermines Gesicht nahm einen anderen Ausdruck an. Hauptsächlich Ärger.
„Ich… ich… es tut mir leid!", brachte sie schließlich hervor.
„Was?", fragte Draco abermals.
Granger blickte zu Boden. „Ich weiß nicht.", flüsterte sie, „Ich hatte nur das Gefühl, mich bei dir entschuldigen zu müssen."
Draco lachte freudlos. Was sollte das? Ohne groß nachzudenken, öffnete er seine Tasche und zog das alte Buch heraus. Ohne sie zu berühren, ließ er es in ihre Hände fallen. „Das mit dem Ausgehen hat sich ja wohl erledigt. Trotzdem, ein Geschenk bleibt ein Geschenk, das kann durch nichts verändert werden."
Er sah, wie in ihren haselnussbraunen Augen Verstehen dämmerte. Sie begriff, dass sein Geschenk nichts mit Bezahlung für unlautere Dinge zu tun hatte…
Draco drehte sich um und ging. Wieder hörte er Schritte hinter sich. Er umklammerte seinen Zauberstab fester. Ohne sich umzudrehen, sagte er: „Lass mich alleine, Granger, ich will meine Ruhe haben!"
„Nein!", hörte er eine männliche Stimme. Er wirbelte herum und blickte Weasley ins Gesicht. „Ich weiß, dass du was mit Hermine im Sinn hast, Malfoy, lass sie in Ruhe!", sagte Wiesel hitzköpfig.
Draco war nicht in der Laune, sich verbal mit einem Gryffindor anzulegen. Vielmehr war ihm danach, diese sommersprossige Nase einzuschlagen. Doch das war eines Zauberers nicht würdig, hatte sein Vater immer gesagt. Also hob er seinen Zauberstab und zielte damit auf den schäbigen Umhang, den dieser Versager trug.
„Mr Malfoy! Was tun Sie denn da? Senken Sie sofort Ihren Zauberstab und kommen Sie mit!", rief Professor McGonagall entrüstet. „Und Sie, Weasley, gehen sofort in den Gemeinschaftsraum, ich will Sie heute hier nicht mehr sehen!", befahl sie.
Draco steckte seinen Zauberstab ein und folgte seiner Lehrerin.
„Mr Malfoy, Sie bekommen eine Strafarbeit. Wie alt sind Sie denn? Solch kindisches Verhalten kann ich nicht tolerieren, wenn ich noch einmal zu Ohren bekommen sollte, dass Sie Mitschüler bedrohen oder verhexen, dann werde ich persönlich dafür sorgen, dass Ihnen Ihr Vertrauensschülerabzeichen abgenommen wird.", sagte McGonagall scharf.
„Ja, Professor."
„Malfoy, Sie können jetzt-", McGonagall unterbrach sich selbst, als draußen Geschrei ertönte. Sie riss ihre Bürotür auf und Draco riskierte auch einen Blick nach draußen.
Er sah, wie Peeves in der Luft schwebte und mit ein paar großen Stinkbomben über Granger schwebte und boshaft grinste. „Miss Granger, was tun Sie da? Peeves, kommen Sie sofort herunter und unterstehen Sie sich, diese Dinger da zu werfen!", rief McGonagall.
Hermine quiekte und hob abwehrend ihre Hände, als Peeves über sie hinwegschwebte, vor McGonagall hielt und zu ihr in äußerst schleimigem Tonfall sagte: „Hab ihr nur diese Stinkbomben abgenommen, Frau stellvertretende Schulleiterin." „Was? Nein, ich hab nicht-", beschwerte sich Granger sogleich, doch ihr wurde das Wort vom Professor abgeschnitten: „Schämen Sie sich nicht, Miss Granger? Von Ihnen hätte ich auch mehr erwartet als derart kindische Streiche. Schulsprecherin und dann das."
Draco lachte unwillkürlich hinter ihrem Rücken und zeigte Hermine das Loser- Zeichen mit seinen Fingern. Er konnte im Gegensatz zu McGonagall sehr wohl sagen, dass Granger mit der Stinkbomben- Geschichte nichts zu tun hatte, sondern nur Opfer von Peeves war.
Das war die ausgleichende Gerechtigkeit für das gerade eben mit Weasley.
„Ja, Sie können Mr Malfoy hier gleich Gesellschaft leisten, auch er wird eine Strafarbeit absitzen müssen."
Dracos Grinsen erlosch; irgendwie hatte er gehofft, sich unbemerkt aus dem Staub machen zu können, bevor sich McGonagall, diese alte Hexe, an seine Strafe erinnerte.
„Aber- Professor!" „Sie werden das Zaubertränkeklassenzimmer im Kerker per Hand putzen, Sie alle beide. Ja, Miss Granger, Sie haben mich recht verstanden. Morgen Abend um 18 Uhr wird Sie Professor Snape erwarten."
Draco freute sich schon, denn wenn Snape erst die Strafe beaufsichtigte, würde er keinen Finger rühren, sondern Granger alles alleine machen lassen. Das hatte sie einfach verdient.
Am nächsten Abend war Draco pünktlich vor Snapes Büro. Granger wartete bereits. Snape wies beide an, das Klassenzimmer der Drittklässler zu putzen und zog zuallererst ihre Zauberstäbe ein. „In dem Schrank dort drüben sind Putzkübel- Aguamenti- Schwämme und Lappen. Wenn Sie nicht fertig werden, kommen Sie morgen eben noch einmal. Ich bin nebenan." Damit verließ er den verdreckten Raum.
Draco setzte sich auf einen Tisch in der ersten Bankreihe, verschränkte die Arme und wippte leicht mit seinen Füßen. „Auf geht's, Granger, worauf wartest du noch?", fragte er mit liebenswürdigem Ton.
Sie starrte ihn wütend an. „Du sollst mir helfen, Malfoy, also mach schon, damit wir heute noch fertig werden!" Er schüttelte den Kopf und grinste sie an.
Er konnte sehen, dass sie wütend war. Auf ihn, auf Peeves, auf McGonagall.
Sie machte „Hmpf" und begann, alle Stühle auf die Bänke zu stellen, um besser den Boden schrubben zu können.
Draco fühlte sich überlegen. Er genoss es, sie arbeiten und leiden zu sehen, nachdem, was sie ihm Ärger bereitet hatte. Und… Eifersucht. „Gut machst du das, Granger.", sagte er wohlwollend. Er sah, wie sie ihre Fäuste ballte und verbissen an einem besonders schwarzen Fleck schrubbte.
Weil es Ferien waren, trug sie Muggelkleidung. Das war ihm gerade recht, weil er so hervorragende Aussichten auf ihren Hintern und ihren Ausschnitt hatte und er beides ausgiebig bewundern konnte. Das weiße Top und die dunkelblaue Jeans standen ihr.
Nach einer Weile, als sie das Gröbste saubergemacht hatte, schob sie ihren Kübel weiter in seine Richtung und stellte ihn neben Dracos unbenutzten. Es war eine widerliche braune Brühe und Draco war klar, dass sie das Wasser tauschen musste und daher sein unbenutztes nehmen würde.
„Jetzt hilf mir mal, Malfoy!" zischte sie wütend. „Wieso? Du machst das doch ganz gut."
Ehe Draco wusste, was überhaupt passierte, hatte sie den Eimer hochgehoben und das schmutzige Wasser in sein Gesicht geleert. „Scheiße! Was zur Hölle… Granger, was soll das?", schrie er fassungslos, sobald er wieder zu Atem kam. Er fühlte, wie der Dreck von seinen Haaren heruntertröpfelte, seine ganze Vorderseite nass und beschmutzt.
Sie kickte den Eimer weg, der laut scheppernd davon rollte und setzte zum Sprechen an.
Draco glitt von dem Tisch herunter und packte den zweiten Kübel. Granger ahnte, was kommen musste, klappte ihren Mund zu und machte kehrt, bis ihr einfiel, dass sie in dem Klassenzimmer keine Fluchtmöglichkeit besaß und sie sich umdrehte.
Draco hob den Eimer an, doch Granger war schneller; sie quiekte und mit so viel Kraft, die er ihr gar nicht zugetraut hätte, schubste sie ihn aus dem Weg und stürmte aus dem Klassenzimmer. Draco fing sich und lief, den vollen Eimer in den Händen balancierend, hinterher.
Er sah Granger ein paar Meter vor sich, nach Luft japsend und schreiend. Eine Tür zwischen ihnen flog auf und Snape kam heraus. Sie wirbelte herum, ging rückwärts und blieb an eine Kerkerwand gedrückt stehen. Draco drehte sich halb, um nicht in Snape hereinzurennen, doch kollidierte er leicht mit seinem Hauslehrer, dass sich ein Teil des Wassers auf Snape ergoss. Draco stolperte weiter, unfähig seine Schritte zu kontrollieren und bei Granger angelangt, kippte er ihr das restliche Wasser über den Kopf.
„Aaaaargh!", quietschte Hermine und ließ ihre Hände geschlagen zur Seite fallen.
„Miss Granger, Mr Malfoy! Ich verlange eine Erklärung.", sagte Snape langsam und gefährlich.
Draco bemerkte aus dem Augenwinkel, dass Hermine sich äußerst kleinlaut Strähnen ihres nassen Haares aus dem Gesicht wischte, zu Boden blickte und dann ihre Hände vor ihrem Bauch verschränkte.
Auch er war um Worte verlegen; was sollte er sagen, wo er gerade eben Snape Wasser über den Umhang geschüttet hatte? Sonst hätte er alle Schuld auf sie schieben können, aber so…
Draco riskierte einen Blick in Grangers Gesicht. Wassertropfen rannen herab und rieselten hinab auf ihr T- Shirt. Er folgte den Tropfen mit seinem Blick und sein Mund klappte auf. Grangers T-Shirt und Unterwäsche war größtenteils durchsichtig geworden und man sah… nun ja, beinahe alles.
Er gaffte. „Das… ähm, äh…", brachte er hervor und Granger folgte seinem starren Blick.
Sie stieß einen spitzen Schrei aus, bedeckte ihre Brust mit dem linken Arm und holte mit der Rechten aus. Sie gab ihm eine klatschende Ohrfeige und rannte dann davon.
Dracos Augen und seine Wange brannten.
Draco wandte sich wieder Snape zu, der ihn mit gleichgültiger Miene musterte. Er scherte sich gar nicht darum, Granger zurückzurufen, sondern sagte mit öliger Stimme, die er sonst exklusiv für die Gryffindors reserviert hatte, zu Draco: „Ich weiß nicht, was das gerade eben zu bedeuten hatte. Ich will es auch gar nicht wissen und erwarte auch keine Erklärung, Draco. Aber zwanzig Punkte Abzug für Slytherin und Strafarbeit. Morgen, selbe Zeit, Flubberwürmer aussortieren. Und jetzt mach den Rest sauber. Noch eine Unterbrechung wie diese…"
Snape ließ den Satz unbeendet und Draco wusste, dass er, auch wenn er der Lieblingsschüler von Snape war, nicht mehr so gnädig davonkommen würde.
Snape füllte den Kübel erneut mit Wasser und Draco trottete wieder in das Klassenzimmer. Der größte Teil der Arbeit lag wohl noch vor ihm und seufzend ließ er sich zu Boden sinken, um seine Strafarbeit zu erledigen. Verdammtes Miststück, dachte er, auf Granger wütend.
Gegen Mitternacht war das Klassenzimmer endlich sauber und mit wunden Knien erhob sich Draco schwerfällig. Er wusste gar nicht mehr, wie er die letzten Stunden verbracht hatte, eigentlich hatte er nichts gedacht, außer, dass es ungerecht war, dass sich Granger wieder aus der Affäre gezogen hatte und er wieder alleine den Mist ausbaden durfte. Und er hatte an ihr durchsichtiges T- Shirt gedacht…
Vorsichtig klopfte er bei Snape an. Niemand antwortete, daher öffnete er vorsichtig die Tür. Snape war nicht mehr da und im Kamin glühte nur noch die Asche. Im Halbdunkel sah er seinen und Hermines Zauberstab auf dem Schreibtisch und kurzentschlossen nahm er beide mit.
Dann schlich er sich hoch in die Eulerei und pfiff seiner Adlereule. Vorsichtig band er Hermines Zauberstab an ihrem Bein fest und sagte: „Bring den zu Hermine Granger, ja?" Er streichelte der Eule kurz über das gefiederte Haupt und ließ sie nach draußen fliegen.
Vielen Dank für die Reviews, Alerts und Favoriteneinträge! :) Freut mich jedes Mal wahnsinnig.
Auf das nächste Kapitel müsst ihr jetzt einige Zeit warten. Wenn ihr lieb fragt, stelle ich nächste Woche noch eines online, bevor ich für 2 Wochen auf Exkursion in die DomRep fahre. :D Ich glaube nicht, dass wir in einem Entwicklungsland so leicht eine Internetverbindung bekommen...
