Draco lag neben Pansy auf seinem Bett im Schlafsaal der Slytherins. Er empfand so etwas wie Reue, dass er Granger ausgenutzt hatte und sie all diese Sachen gefragt hatte, die sie ihm nicht in hundert Jahren freiwillig erzählt hätte. Und es tat ihm in gewisser Hinsicht leid, dass er schon wieder mit Pansy in seinem Bett gelandet war.

Warum schlief er überhaupt noch mit Pansy, die er zwar grundsätzlich nicht unattraktiv fand, die aber über alle Maßen lästig und dumm war; Granger war das genaue Gegenteil von Pansy, die sich überdies gerne mit ihrem Klatsch und Tratsch wichtigmachte und jedem gutaussehenden Jungen- vornehmlich Draco- hinterherlief.

Aber irgendwie hatte Draco Dampf ablassen müssen… Er wusste jetzt, dass Granger durchaus nicht so abgeneigt war, wie sie ständig vorgab, aber sie war so dermaßen stur, dass sie ihn partout nicht an sich heranließ.

Er hatte sie gefragt: „Willst du, dass ich dich noch mal küsse?" Er hatte es gewollt, er wollte es immer noch, er wollte ihr zeigen, dass er mittlerweile anders war und es ihm egal war, dass sie muggelgeboren war, dass er eine richtige Beziehung mit ihr wollte und keine „Trophäe" und dass es ihn nicht kümmerte, ob seine Eltern mit ihr einverstanden waren oder nicht.

„Nein, das will ich nicht." Alles, was ihm in diesem Moment durch den Kopf geschossen war, war wie weggeblasen. Sie wollte ihn nicht. Warum nicht, warum?, fragte sich Draco immer wieder.

Pansy regte sich neben ihm. „Drake? Was ist los?", flüsterte sie und ließ ihre Hand über seine nackte Brust gleiten. „Woran denkst du?" Sie blickte ihn mit ihren beinahe schwarzen Augen an. Draco schüttelte nur seinen Kopf. „Ich weiß, woran du denkst. An Hermine Granger."

Draco blickte sie starr an. Sie konnte keine Legilimentik- oder!

„Ich habe die Gerüchte gehört, Drake. Dass du sie in den Drei Besen geküsst hast. Ich weiß, dass du seit dem Weihnachtsball in der vierten Klasse in sie verliebt bist."

Draco richtete sich auf und widersprach empört. Was zur Hölle…

„Drake, ich habe Augen im Kopf." Pansy warf ihr langes schwarzes Haar zurück und stützte ihren Kopf auf ihrer Handfläche auf. Als Draco nichts entgegnete, fuhr sie fort: „Ich bin ein Mädchen, ich sehe meine ‚Konkurrenz' und ich sehe auch, wie meine ‚Konkurrenz' zurückschaut. Ich wusste schon seit damals, dass es mit uns nichts werden kann- also nehme ich solange, wie ich kriegen kann, Drake."

Draco ließ sich zurücksinken. Er kam sich ausgenutzt vor. Ausgenutzt von Pansy. Er merkte, dass nun der Spieß umgedreht war. Normalerweise war er es, der mit den Mädchen Klartext redete, ihnen durch die Blume sagte, dass er keine Beziehung, sondern nur miteinander schlafen und dann Schluss machen wollte. Und Pansy sagte ihm jetzt offen ins Gesicht, was Sache war. „Ich dachte immer, du wolltest Mrs Malfoy werden.", sagte er nach einer Weile Stille.

Pansy lachte auf. „Ja, damals bis Ende der vierten Klasse vielleicht. Warum glaubst du, habe ich damals mit dir geschlafen? Ich wollte das eigentlich noch gar nicht. Aber dann… war es eben schon zu spät und ich habe mich von meinen dummen Vorstellungen verabschiedet; außerdem wollte ich Spaß haben." Sie küsste ihn und ließ ihre Hände tiefer wandern. „Ein letztes Mal, Drake? Du bist gut, ich beneide sie ja jetzt schon, aber du solltest Granger nicht betrügen, das weißt du."

Draco war zutiefst verwirrt. Er musste sein Urteil über Pansy zu einem Teil noch einmal überdenken. Was war nur mit den Frauen in letzter Zeit los? Erst Granger, jetzt Pansy. Es kam nicht oft vor, dass man ihn, einen Malfoy, einseifen und ausnutzen konnte. Aber war es wirklich ausnutzen? Er hatte ja wohl auch von Pansy profitiert.

„Ein letztes Mal, Pans.", grinste er.

Draco saß in Zaubertränke und dachte lieber an die vergangene Nacht. Pansys nackter Körper über oder unter ihm war viel interessanter als Snapes Sermon über die Wirkungen eines Bezoars. Er und Pansy hatten die letzten Stunden wirklich genossen. Sie waren die ganze Nacht beschäftigt gewesen und Pansy hatte sich erst im Morgengrauen in ihren Schlafsaal zurückgeschlichen.

Draco drehte sich leicht um und sah, dass sie todmüde in ihrem Stuhl hing, ebenfalls unfähig, ihrem Hauslehrer zuzuhören. Er drehte sich in die andere Richtung. Granger dagegen hing an Snapes Lippen und kritzelte eifrig jedes Wort mit.

Draco wunderte sich etwas über sich selbst. Er war- na gut, Pansy hatte ja recht- in Granger verliebt, aber dennoch vögelte er mit Pansy? Er wusste, er würde es nie wieder tun- vielleicht ja gerade deswegen. Und es hatte ihm die Augen geöffnet, in einer gewissen Weise. Pansy fand er nur körperlich attraktiv, Granger dagegen hatte neben äußerst ansehnlichen Brüsten, wie er sich zu gerne erinnerte, wesentlich mehr zu bieten.

Intellektuell befanden sich Draco und sie auf einer Ebene, sie konnte ihm herausgeben, war ebenbürtig. Diese Art der Attraktivität fehlte Pansy und jeder anderen Frau, die er kannte, komplett.

Jetzt, wo für ihn ein für alle Mal klar war, dank Pansys Worten und Taten, dass er Granger im Gegensatz zu allen anderen treu sein musste, um ihr Vertrauen zu gewinnen, konnte er sich voll und ganz auf sie konzentrieren.

„…Mr Malfoy?"

Draco zuckte zusammen. Vor ihm stand Snape und sah ihn missbilligend an. „Ich fragte, warum Sie nicht anfangen, den Heiterkeits- Heiltrunk zu brauen."

Draco sprang auf und holte sich, wie seine Klassenkameraden, die nötigen Zutaten.

Beim Abendessen trank er wie gewöhnlich aus seinem Glas, doch heute schmeckte der Kürbissaft nach… Koboldpisse. „Was ist denn das?", sagte Draco angewidert und spähte in das Glas hinein; eine dickflüssige, braungrüne Brühe schwappte darin.

Gleichzeitig merkte er, wie es in seinem Körper zu brodeln begann. Draco sprang entsetzt auf und rannte aus der Großen Halle und verschwand im nächsten Gang. Schwitzend und keuchend durchlief er eine Verwandlung und er betete und hoffte, dass Granger ihm kein Haar eines Frettchens in den untergejubelten Vielsafttrank hineingetan hatte, wie sie ihm unlängst gedroht hatte.

Draco wusste, dass er ebendies verdient hätte, nachdem was er sie am Vorabend gefragt hatte, als Snape ihr das Veritaserum verabreicht hatte und es war zweifelsohne ihre Revanche.

Doch er verwandelte sich in kein Tier und bekam auch keine pelzigen Stellen, soweit er das beurteilen konnte, also hastete er in das nächstgelegene Jungenklo und sah sich im Spiegel an. Seine Roben waren ihm um etliche Zentimeter zu klein und ihn blickte das Gesicht von Cormac McLaggen an.

„Neeein!", stöhnte Draco entsetzt; er hatte jetzt rotbraune Haare und Sommersprossen. Granger hatte es schon mit Rotschöpfen.

Draco hoffte, unbemerkt in seinen Schlafsaal schleichen zu können. Aber kaum, dass er nach draußen gegangen war, lief er Finnigan über den Weg. „Hey, Cormac, was treibst du denn da? Ich dachte, du wolltest noch Nachtisch?" „Ähm, nein, Magenschmerzen, F… Seamus." „Willst du zu Madame Pomfrey?" „Oh, nein, nein, mir geht's schon wieder besser.", log Draco und hoffte, dass Finnigan nicht auffiel, dass er statt dem Gryffindorwappen das der Slytherins auf der Brust trug.

Finnigan führte ihn in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Es sah total gemütlich und bequem aus und Draco setzte sich auf eine abgewetzte Couch, um zu überlegen, wie er am besten entkommen konnte.

Er sah, wie das Portrait aufging und jemand hereinkletterte. Granger. „Ach, hier bist du also, Cormac.", sagte sie, während sie ein verdächtig aussehendes Stück Pergament zusammenfaltete. „Kommst du bitte mal mit?" Draco erhob sich misstrauisch und folgte Granger nach draußen; immerhin war er schon mal der Höhle der Löwen entronnen, jetzt musste er nur noch Granger abschütteln.

Granger packte ihn am Arm und zerrte ihn mit sich, in einen engen, kleinen Raum am Ende des Ganges. Sie verschloss die Tür magisch. „Hermine, was soll das?", fragte er vorsichtig, weil er nicht hundertprozentig wusste, ob sie seine wahre Identität kannte.

„Cormac.", seufzte Granger da und stürzte sich beinahe auf ihn. Sie stellte sich auf ihre Zehenspitzen und begann, ihn etwas unbeholfen zu küssen. Draco war äußerst überrascht. Es war skurril, in einem fremden Körper zu stecken und von dem Mädchen geküsst zu werden, in das man verliebt war.

Zögerlich küsste er zurück. Er ließ seine- oder besser gesagt McLaggens- Hände über ihren Körper gleiten und zog sie näher heran. Er spürte, wie Hermine ihren Mund leicht geöffnet hatte und er nutzte es auch, um den Kuss mit seiner Zunge zu vertiefen. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals.

Granger konnte wirklich gut küssen. Wie sie wohl im Bett sein mochte? Er spürte, wie McLaggens Körper deutlich auf diesen Gedanken reagierte. Langsam zwang er Granger, rückwärts zu gehen, bis sie mit dem Rücken zur Wand stand. Sie ächzte leise, als er mit seinen Händen über ihren Hintern fuhr.

Dann bemerkte er noch etwas anderes. Seine Eingeweide zogen sich schmerzlich zusammen und seine Hände verformten sich. Er ließ Hermine los, angelte nach seinem Zauberstab in seiner Umhangtasche und rief: „Alohomora!" Die Tür sprang auf und Licht drang herein; es blieb keine Zeit mehr, also rannte er so schnell es ging, den Korridor hinunter um das nächste Eck, wo er sich schwitzend niederließ und krümmte, als er endlich seinen eigenen Körper wiederbekam.

Er hörte Schritte näherkommen. Eilig rappelte er sich auf und sprintete davon. Dass ihn Granger jetzt erwischte wäre äußerst unangenehm, genauso wenn er Filch oder einem Lehrer begegnete; was machte ein Slytherin in der Nähe des Gryffindorgemeinschaftsraumes.

Granger war eigentlich nicht schlecht im Küssen, nur ein bisschen Übung fehlte ihr noch. Selbst wenn er nur McLaggens schlaksigen, für Hermine viel zu großen und überaus widerlichen Körper besaß. Und diese rötlichen Haare…

Draco verstand aber nicht, was das alles zu bedeuten hatte. Granger fiel über ihn her, während er in McLaggens Körper stecke und er war sich fast zu 100 Prozent sicher, dass sie hinter dem Vielsafttrank steckte.

Er nahm an, dass es Absicht gewesen war. Nach einer Weile Nachdenkens kam zu er folgenden Schlüssen: Granger, das hatte er ja bereits herausgefunden, fand ihn nicht unattraktiv. Aber so offen konnte sie das nicht zugeben, nicht mit Potty und Wiesel als beste Freunde. Und alle Gerüchte, die es geben würde, wenn man sie mit ihn zusammen sah… schlecht für ihr Image. Wahrscheinlich wollte sie es selbst nicht so ganz wahrhaben und deswegen hatte sie ihn in einen Gryffindor verwandelt, um sich nicht so schlecht oder wie auch immer vorzukommen.

Draco grinste. Ihre Vorliebe für Rothaarige war mehr als seltsam. Und Granger war in der Tat eine harte Nuss, aber ihre Schale hatte definitiv schon Risse, sonst hätte sie nicht freiwillig mit ihm herumgeknutscht. Also musste sie irgendwie zu knacken sein.

Er riss einen Fetzen unbeschriebenes Pergament von seiner Verwandlungshausaufgabe und kritzelte darauf: Granger, triff mich morgen um elf im Wahrsageturm. Ich weiß, dass du Gänge kontrollierst, also brichst du keine Regeln… Draco Malfoy

Abends ging er zur Eulerei und schickte seine Adlereule zu Hermine.


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