So, obwohl gestern Portugal gewonnen hat, bin ich verdammt guter Laune und zur Feier des Tages (ich hab meinen Masterstudienplatz gekriegt, jaaaaaa :D) gleich noch das Kapitel aus Dracos Sicht. :)
Draco ging hinauf zum Wahrsageklassenzimmer. Er zweifelte nicht daran, dass Granger auftauchen würde. Sie war zu neugierig und außerdem hatte sie ein gewisses Interesse an ihm, das war unübersichtlich. Das würde er ausnutzen, um bei ihr weiterzukommen.
Er unterdrückte ein lautes Auflachen, als er daran dachte, dass die verklemmte Granger ihn als McLaggen tarnen musste, um ihren Gefühlen für ihn nachzugeben.
Und sie faszinierte ihn auf eine Weise, die Draco nicht näher bestimmen konnte. Hermine Granger war eine Person, die furchtbar einfach und zugleich ungemein schwer zu durchschauen war. Blickte er ihr ins Gesicht, konnte er in ihr sehr viele schlecht unterdrückte Emotionen lesen. Auf der anderen Seite war ihm das, was in ihrem verdrehten, doch zweifelsohne intelligenten Kopf vorging, ein ewiges Mysterium. Es war unvorhersehbar, was sie als nächstes tat.
Genau das mochte er an ihr. Sie war nicht wie alle anderen.
Dass sie obendrein nicht schlecht aussah, schadete auch kein bisschen.
Draco dachte nach und lehnte sich beiläufig gegen die Wand. Immer wieder warf er Blicke den Gang herunter, aus dem er Granger vermutete. Irgendwie war er auf eine angenehme Art und Weise nervös. Vorfreudig, konnte man fast schon sagen.
„MALFOY!", hörte er jemanden laut rufen und zuckte erschrocken zusammen, „Fuß weg von der Wand. Fünf Punkte Abzug für Slytherin!"
Ahh, Granger.
Er trat einen Schritt vor und richtete sich auf.
Nun hielt ausgerechnet Granger ausgerechnet ihm vor, dass er sich nicht zu benehmen wüsste. Er hatte erstens ausgezeichnete Manieren- wenn es darauf ankam- und zweitens war es von ihr, die ständig Regeln übertrat, mehr als scheinheilig, andere wegen Nichtigkeiten zu tadeln. Und dann belehrte sie ihn auch noch in äußerst anmaßendem Ton.
Also würde er scharf zurückschießen. Draco grinste. „Granger!", sagte er. Sie kam ihm gerade recht. Er fragte sie, warum sie ihm den Vielsafttrank verabreicht hatte.
Zu seiner Genugtuung stellte er fest, dass Granger errötete und herumstotterte. Er grinste breit. Diese Runde ging eindeutig an ihn. Sie konnte doch nicht ernsthaft geglaubt haben, dass sie mit ihren dilettantischen Versuchen durchkam? McLaggen, also wirklich.
Draco trat näher an sie heran, weil er schon vor längerer Zeit festgestellt hatte, dass es sie ungemein verunsicherte und irritierte, wenn jemand in ihre Individualdistanz eindrang. Auf diese Weise konnte er ihr seine Überlegenheit demonstrieren. Draco bemerkte, wie sie mit sich selbst rang und ihr Kinn nach vorne schob, aber sie wich nicht zurück. Er streckte seine Hand aus, um ihre Wangen zu berühren.
Aber jetzt drehte sie ihren Kopf weg. Draco lächelte siegessicher. Sie war verwirrt. Leise stichelte er auf sie ein. Er würde schon noch eine Reaktion von ihr provozieren. Wie er ihre Wortgefechte liebte.
Er drehte ihren Kopf wieder zu ihm und umfasst sanft ihre Arme. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Granger platzte, sie war schon gereizt und latent aggressiv, das zeigte ihre Körperhaltung deutlich. Da hielt er besser ihre Arme fest. Dass sie unmädchenhaft fest zuschlagen konnte, wusste er ja bereits.
Er beugte sich vor, zu ihrem Ohr, und murmelte: „Ich glaube, Granger, dass du mich sehr, sehr attraktiv findest. Und ich glaube auch, dass du dir das nach wie vor nicht so wirklich eingestehst. Habe ich nicht Recht? Es war wirklich sehr unhöflich von dir, mir den Vielsafttrank zu verabreichen, Hermine."
Er fühlte, wie eine Gänsehaut an ihren Armen entlangkroch. Draco wusste, dass sie ihn attraktiv fand und dass sie den Klang ihres Namens aus seinem Mund offenbar sehr mochte. Er fragte sich, wie lange sie ihm noch widerstehen konnte oder wollte. Vielleicht sollte er ihren Namen öfter sagen.
Mit leisem Ton redete er weiter auf Granger ein und machte sich über sie lustig. Das hatte sie eindeutig verdient… er konnte es immer noch nicht glauben, dass sie ihn in McLaggen verwandelt hatte. „Sei mal ein bisschen lockerer, Granger, und sieh, wo es uns heute noch hinführt…", flüsterte er. Er glaubte nicht, dass sie auch nur in der Nähe von seinem Schlafsaal landen würden, aber man durfte ja noch träumen.
Und es war zu viel für Granger. Jetzt machte sie sich los. Draco grinste.
Sie kochte. Das konnte sogar ein Blinder sehen.
Er liebte diesen Gesichtsausdruck.
Natürlich konnte sie seine Vermutung nicht auf sich sitzen lassen und erklärte ihm, warum sie das mit dem Vielsafttrank abgezogen hatte.
„Ich dachte… dass du, wenn du merken würdest, dass ich eine heimliche Affäre mit einem anderen hätte, aufgeben würdest und mich in Ruhe ließest.", sagte sie verzweifelt.
Draco war verblüfft. Als er das so hörte, wusste er gar nicht, was er denken oder gar sagen sollte. Das war so verdreht und hanebüchen, so jenseits von allem normalen Gedankengut, dass selbst ihm nichts dazu einfiel. Wer kam nur auf solche Ideen? Und dann auch noch jemand wie Granger, sollte eine glaubwürdige Affäre haben?
Nein, sie machte sicherlich einen Witz. Ihr Gesichtsausdruck sagte jedoch etwas anderes.
Er begann zu lachen. Haha, das war einfach zu köstlich. Dracos Knie wurden schwach und er musste sich an der Wand anlehnen, um nicht umzukippen. Granger und eine leidenschaftliche Affäre? Sie hatte ja noch nicht mal was mit Potter oder Weasley… sie hatte nur Bücher und zwei asexuelle Freunde…
Er fühlte, dass seine Augen nass wurden vor Lachen. Und Grangers Gesichtsausdruck war unbezahlbar. Sie hasste ihn dafür, dass er sich über sie amüsierte.
Draco wischte sich mit der Hand die Augen ab und sah so nicht, was als nächstes passierte. Granger war auf einmal nah bei ihm und verpasste ihm eine Ohrfeige, dass sein Kopf herumflog und gegen die Wand prallte, sodass es ihm erneut Wasser in die Augen drückte. Was zur Hölle…
Draco trat benommen einen Schritt von der Mauer weg. Wo waren seine Abwehrmechanismen geblieben?
Granger packte seine Arme mit festem Griff und warf sich, wie es schien mit ihrem ganzen Körpergewicht gegen ihn, sodass diesmal sein Rücken mit der Wand Bekanntschaft machte. Dann, bevor Draco wusste wie ihm geschah, presste Granger ihre Lippen auf seine.
Granger… küsste… ihn?
Whoa.
Draco wollte sich gar nicht mehr wehren, nicht im Geringsten. Er konzentrierte sich jetzt mehr auf seine Sinne… Hermines Lippen waren weich und fordernd, er konnte ihre Zähne ganz leicht an seiner Unterlippe spüren. Er passte sich ihren Bewegungen an und küsste zurück.
Dann war es an der Zeit, dass er das Ruder übernahm. Draco machte seine Hände los und umfasste Hermines Hüfte und drehte sie herum, sodass er sie nun gegen die Wand drückte. Nicht, dass sie noch auf die Idee kam, jetzt aufzuhören.
Dracos Inneres brodelte. Er genoss die Situation. Er war in sie verliebt, verdammt, und küsste sie jetzt gerade. Irgendwie war es für ihn etwas Besonderes, weil es ein Kuss war, bei dem er mehr verspürte. Aufregung, Nervosität, Genugtuung. Er dachte an nichts mehr, nur noch an Hermine vor ihm.
Langsam ließ er seine Hände unter ihr T- Shirt wandern, um die Haut darunter berühren zu können. Sie fühlte sich heiß an. Er merkte, wie sie wieder eine Gänsehaut bekam, als seine kühlen Hände ihre Taille, ihren Bauch, ihren Rücken berührten. Es war verdammt anziehend, er wollte mehr.
Er fühlte einen Stich in seinem Körper, eine Sehnsucht. Nach deutlich mehr.
Er merkte, wie sich Hermine leicht versteifte. Draco kam wieder zu sich und löste sich vorsichtig. Vielleicht hatte sie es auch gemerkt…
Fuck, wie viel konnte man eigentlich empfinden, fragte Draco sich verwirrt, während er versuchte, seine Gedanken zu fassen.
Er blickte Hermine mit seinem typischen Grinsen an. „Wow, Granger, wenn ich gewusst hätte, wie ich dich aus der Reserve locken kann…", spottete er, aber er meinte es nicht ernst. Draco war es noch nie passiert, dass er eine Situation mit einem Mädchen als unangenehm empfand, aber Hermine so verlegen zu sehen, war irgendwie seltsam.
Wahrscheinlich bedauerte sie ihren eigenen Mut. Aber Draco tat es nicht leid, ganz im Gegenteil. Bei Salazar Slytherin, wie mochte sie wohl im Bett sein, wenn es schon so viel Spaß machte, sie zu küssen? Sie war garantiert nicht talentfrei.
Merlin, Granger wurde jetzt schon wieder rot. Sie hatte definitiv noch Übungsbedarf… und sie sah auf einmal nicht so gut aus.
„Alles in Ordnung, Granger?", fragte Draco beklommen. Er hatte doch nichts Falsches getan. „Uhm, ja, Malfoy. Alles okay.", sagte sie kaum hörbar und er bemerkte, wie ihre Finger über ihre Lippen strichen.
Er schmunzelte. Sie dachte also gerade an den Kuss und es hatte ihr gefallen. Aber es schien ihr ziemlich unangenehm zu sein, denn sie vermied es sorgsam, ihn anzublicken. Draco ging auf sie zu, um Hermine zu beruhigen, aber sie stieß sich plötzlich von der Wand ab und lief zu dem Wandteppich, hinter dem sie herausgekommen war.
Was bei Merlin…
Oh. Stimmen. Draco fluchte leise. Verdammt, er wusste nicht, wie spät es war, er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Sicher war nur, dass er zu dieser Uhrzeit hier nichts mehr zu suchen hatte.
Jetzt musste er schnell verschwinden.
Draco erreichte keuchend und schwitzend seinen Gemeinschaftsraum. Ja, eine kalte Dusche war jetzt eh gerade das Richtige.
Am nächsten Unterrichtstag sah er Hermine das nächste Mal in Zaubertränke. Er grinste ihr zu. Ohh, sie gehörte schon sowas von ihm. Jetzt musste sie es nur noch selber eingestehen.
Hermine öffnete leicht den Mund und wurde rot. Dann verzog sie ärgerlich ihr Gesicht, stemmte ihre Arme in ihre Hüften und wandte sich ab.
Draco schnaubte. Sie nahm ihm wohl den letzten Abend etwas übel. Also, an ihm konnte es ja wohl nicht liegen. Er hatte sich zwar über sie lustig gemacht, aber immerhin hatte sie mit dem Küssen angefangen! Und nach allem, was ihre Körperhaltung ausgedrückt hatte, hatte es ihr gefallen. Aber jetzt war ihr Verstand zurück und sie fragte sich bestimmt, was sie getan hatte…
Draco beschloss, dass er mit ihr reden sollte. Er wollte nicht, dass sie es bedauerte oder ihn hasste.
So wie er Granger kannte, würde sie ihre eigene Unsicherheit in neuerlichen Mordplänen kaschieren und er hatte keine Lust auf den Krankenflügel… wie konnte man nur so stur sein? Er hatte es doch auch akzeptiert.
Sie mussten heute eine Anti- Liebes- Lösung brauen. Auf diese Weise stockte Snape also seine Vorräte an Gegengiften für Liebestränke auf. Weasleys Zauberhafte Zauberscherze verkauften sich trotz Dumbledores ausdrücklichem Verbot zu gut.
Draco ging es gewohnt langsam an. Hektik verdarb nur den Trank. Das war etwas, das Potty und Wiesel nach sieben Jahren immer noch nicht herausgefunden hatten. Dracos Lösung wurde hervorragend. Er hatte genügend Zeit, sich nach den anderen umzublicken, wie er es immer tat, um sich über die armseligen Leistungen zu amüsieren. Entspannt streckte er seine Beine aus und fläzte sich in den Stuhl, um in aller Ruhe herumschauen zu können.
Crabbe und Goyle: miserabel. Zabini: gut. Potty und Wiesel: kaum besser als Goyle. Granger- miserabel.
Halt. Was? Hermine? Er blickte noch einmal zu ihr. Sie war völlig aufgelöst und saß neben einem qualmenden Kessel. Sie hatte ihren Trank versaut? Wie war das möglich?
Er sah, wie sie frustriert ihr Buch zusammenklappte, in ihre Büchertasche stieß, ihren Trank verschwinden ließ und das Klassenzimmer verlassen wollte.
„Hey, Hermine, wart mal!", sagte er beiläufig, als sie gerade an seinem Tisch vorbeiging. Hermine blieb stehen. Manche hinter ihm begannen zu tuscheln. Snape blickte von seinem Pult auf.
„Du!", fauchte Hermine in an.
Was hatte er jetzt denn bitte getan?
Hatte sie ihre Tage oder warum war sie so schlechter Laune?
„Wegen dir hab ich meinen Trank versaut, du Arschloch!", rief sie wütend.
Draco blickte sie entgeistert an. „Ich…", begann er. Hermine hatte ihren Zauberstab gezogen und deutete auf seinen Kessel. „Hermine- Granger- NEIN!", rief Draco panisch. „Evanesco!", sagte Hermine einfach und sein perfekter Trank verschwand im Nichts.
Draco sprang auf. Was bildete sie sich ein! „Was tust du?", fragte er wütend.
Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie Snape sie aufmerksam beobachtete, aber trotzdem nicht eingriff.
Hermine hatte ihre Fäuste geballt. „Lass mich doch in Frieden, Frettchen!", spie sie.
„Nur, weil du mit deinen Gefühlen nicht klarkommst, Hermine, hast du kein Recht, die Schuld auf mich zu schieben! Wirst du jetzt wieder einen neuen Plan aushecken, um mich umzubringen? Hier, ich stehe vor dir, sag mir hier und jetzt, was für ein Scheiß- Problem du hast!", rief er unbeherrscht.
Warum waren Frauen immer so kompliziert? Sie lösten ihre Probleme lieber hintenherum anstatt offen und ehrlich ihr Problem auszusprechen.
Und Granger hatte ein riesiges Problem. Sie hatte Gefühle für ihn, soviel stand fest, aber sie hatte dennoch ein Problem mit ihm. Seiner Vergangenheit. Weil er ein Malfoy war und sie immer drangsaliert hatte.
„Du maßt dich an, mich zu kennen!", sagte sie grimmig und nicht minder wütend.
„Du bist auch wie ein offenes Buch!", fauchte Draco. „Hier, sieh, sieh her!" Er krempelte seinen linken Ärmel hoch und präsentierte ihn Hermine. „Ich hab mich geändert. Du nicht, Granger, fass dich an deiner eigenen Nase, verdammt. Wie wäre es, wenn du die Dinge einfach akzeptieren würdest, wie sie sind?
Und bist du nicht in Gryffindor und solltest den Mut haben, dich gewissen Dingen zu stellen! Wenn du dich selbst nicht akzeptierst, kannst du nicht erwarten, dass deine Freunde- irgendwer- deine Entscheidungen akzeptiert! Du bist so eine Heuchlerin.
Und wenn du eine Entschuldigung erwartest- ich wüsste nicht wofür.", schloss er kalt.
Draco war erfüllt von blinder Wut. Er packte seine eigene Tasche, ging an Granger vorbei und verließ das Klassenzimmer. Ihm war egal, was die anderen und Snape dachten.
Warum hatte sie nicht den Mut, sich für ihre Gefühle zu entscheiden?
Und konnte sie die Vergangenheit nicht ruhen lassen? Er hatte sich geändert, ihm war es egal, dass sie nicht von reinblütiger Abstammung war. Er wollte kein Todesser werden. Es tat ihm leid, dass er sie wegen ihrer Abstammung verachtet hatte, aber er würde sich nicht entschuldigen dafür. Er war ein dummes Kind gewesen, aber im Gegensatz zu Granger war er erwachsen geworden.
Hatte sie Angst, dass Potter und die Wieselfamilie ihre Freundschaft zu ihr wegwerfen würden, wenn sie mit ihm zusammen war?
Draco war wirklich angepisst.
Er ging in den dritten Stock und setzte sich auf einen versteckten, unscheinbaren Balkon. Es war zwar sehr kalt, aber das kümmerte ihn im Moment nicht.
Normalerweise ließ er sich nicht so gehen, aber Hermine ging ihm irgendwie nah. Er grummelte etwas Unverständliches und ballte seine Hände zu Fäusten.
Da hörte er nach einer halben Ewigkeit auf einmal eine zaghafte Stimme hinter sich und erschrak. „Können wir bitte reden, Mal-… eh, Draco?"
Ihr dürft mir gerne eure Meinung mitteilen. Jetzt gibts nur noch ein einziges weiteres Kapitel.
Ich bin am Überlegen, ob ich noch einen Epilog schreibe, falls dies gewünscht wird.
Meine Story ist länger als Harry Potter Band eins. o_O
