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Kapitel 2
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In den folgenden Tagen beobachtete Richard Kate, sprach wenig und bei stellte fest, dass sie auf seine sexuellen Anspielungen keine spitzfindigen Antworten wusste, bei seinen Witzen nicht lachte und immer weniger lächelte.
Castle dachte sich, dass diese Veränderungen eigentlich so eindeutig waren, dass auch andere am Revier sie merken mussten, immerhin war Kate eine der beliebtesten Polizistinnen und von der Männerwelt stets umgarnt.
An diesem Tag hatte er ihr, wie jeden Tag, Kaffee mitgebracht und die tägliche Süßspeise, die sie gerne aß, doch beides hatte sie bisher nicht angerührt. Kate trug ihr Haar hochgesteckt, doch einige Strähnen fielen ihr immer wieder ins Gesicht und sie schob sie zögerlich hinters Ohr.
Während der Autor das Verhalten seiner Muse studierte, gab er vor, wie so oft, Angry Birds zu spielen.
Plötzlich läutete das Telefon auf Becketts Tisch. Es gab einen Mord. Als sie sich aus dem Sessel erhob, glaubte Rick zu erkennen, wie sich ihr Gesicht verzog. Die blauen Flecken konnten ihr nicht solche Schmerzen bereiten, darüber war Rick sich klar.
Immer wieder wollte Rick sie fragen, ob alles okay sei, doch es schien ihm, als würde er so und so keine Antwort von ihr bekommen. Zu sehr hatte er ihre Privatsphäre das letzte Mal gestört. Rückblickend war er sehr froh über diesen Vorfall, da er nun wusste, dass etwas tatsächlich nicht stimmte. Nur was? Hatte seine Mutter Recht und es war ein Mann, der sich an ihr verging? Wieso ließ sie dies zu?
Er musste etwas unternehmen, das war ihr bewusst. Nur was? Was konnte er machen, ohne sie wütend auf sich zu machen?
Während der ersten Tage brachte er neben seinem Iphone auch stets sein Ipad mit und wenn die Möglichkeit bestand, machte er sich Notizen zu Kates Verhalten, Reaktionen in bestimmten Situationen und ihrer Art und Weise, wie sie mit ihm umging. Rick hatte die Hoffnung, dass er genügend Informationen sammeln könnte, um sich ein einheitliches Bild von der aktuellen Lage machen zu können.
Jeden Abend lag er wach im Bett und musste an Beckett denken, die blauen Flecken, ihre Haut, die ebenmäßig milchig sein und nicht in allen möglichen Farben schillern sollte. Diese Bilder gingen ihr nicht mehr aus dem Kopf.
Die Gespräche mit seiner Mutter, die sie jeden Abend führten, sobald Alexis im Bett war. Sie achteten darauf, dass die Türe zu Alexis Zimmer geschlossen war, bevor sie begannen, seine Aufzeichnungen des Tages zu besprechen.
Und er notierte wirklich alles. Sogar die Art und Weise wie Kate ihr Haar trug, welchen Schmuck er sehen konnte, ob sie Make-up benutzt hatte oder nicht.
Und trotzdem kamen sie nur zu dem einen Schluss: Es musste es Mann sein, der ihr dies antat. Die Frage war nur wieso.
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Eine Woche nachdem er zum ersten Mal die blauen Male gesehen hatte, saß er am Abend in einem gemieteten schwarzen Wagen mit verdunkelten Scheiben vor ihrer Haustüre. Noch brannte kein Licht in ihrer Wohnung.
Langsam trank er den Kaffee, den er sich mitgebracht hatte und der langsam ausgekühlt war. Wie lange musste er warten?
Nach einer weiteren Stunde blieb ein Taxi vor ihrem Haus stehen und sie stieg aus. Hinter ihr ein Mann – groß, dunkelhaarig, drahtig. Das war der Eindruck, den Richard bekam. Er fasste Kate am Oberarm und schob sie in den Eingang des Hauses hinein. Von seiner Position aus, schien Kate nicht besonders glücklich zu sein und die Hand, die sich um ihren Oberarm geschlossen hatte, schien dies etwas zu forsch getan zu haben, da er glaubte, einen kurzen Aufschrei gehört zu habe, bevor die Eingangstüre ins Schloss viel und wenige Minuten später das Licht in ihrer Wohnung anging.
Richard überlegte, ob er noch länger hier warten oder nachhause fahren sollte. Vielleicht würde nichts passieren. Vielleicht war es ein Abend wie jeder andere und er hatte sich bei seinem Verdacht geirrt. Hoffentlich hatte er sich getäuscht, doch glaubte er es nicht mehr.
Zwei Wochen verstrichen, Kate distanzierte sich mehr und mehr, hatte sogar einige Tage freigenommen zur Verwunderung aller. Eines Morgens, es war ein Mittwoch, hatte sie am 12. angerufen und sie wissen lassen, dass sie bis Montag nicht ins Büro kommen würde. Ryan und Esposito hatten die Hoffnung, dass sie endlich einmal Entspannung suchte, Castle hingegen hatte Angst, Angst um Kate.
Als sie am Montag in ihrem Stuhl saß, als Castle das Büro betrat, erkannte er sofort, dass etwas nicht stimmte. In dem Moment, als er in den Sessel rutschte sah er es – ihre linke Hand war eingegipst bis zum Ellenbogen. Es war ein Gips der neuen Generation, mit dem man auch Duschen gehen konnte.
„Was ist passiert?", fragte Richard nach, versuchte inzwischen seinen Blick.
„Beim Klettern abgestürzt", entgegnete und füllte weiter Formulare aus.
„Seit wann kletterst du?"
„Das erste und letzte Mal."
Allerdings wusste Richard, dass sie nicht weggefahren war während der freien Tage, die sie genommen hatte. Immer wieder war er vorbeigefahren, hatte vor der Türe gestanden und hinaufgestarrt. Durchgehend hatte das Licht gebrannt. Doch konnte er sie dies nicht wissen lassen.
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„Ein gebrochener Arm, Kiddo?"
Richard nickte nur. Er erklärte seiner Mutter, dass er sich ernsthaft Sorgen machte, jemand reagieren musste, so würde es nicht weitergehen können.
Obwohl sie einen Fall hatten, hatte Kate alle pünktlich um 17 Uhr nachhause geschickt, war selbst schon abmarschbereit, als es Punkt wurde. Früher wäre sie geblieben, hätte eventuell Ryan und Esposito irgendwann nachhause geschickt, wäre aber selbst erst gegangen, wenn sie sich nicht mehr konzentrieren konnte oder der Schlaf sie übermannte.
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Weitere Tage vergingen. Rick hielt sich nicht sehr viel am Revier auf, gab vor, am aktuellen Buch arbeiten zu müssen, um ihr Freiraum zu geben. Ab und an schickte er ihr eine Kurznachricht, erhielt selten eine Antwort. Auf seine kurzen Emails ebenfalls selten. Ryan und Esposito hielten ihn ihm am Laufenden betreffend des Mordes, in dem sie ermittelten.
Jeden Abend wartete er vor ihrer Haustüre, in einem gemieteten, unauffälligen Auto und beobachtete das Zeremoniell ihrer Heimkehr. Einige Minuten vor ihr, maximal eine Halbestunde, kam der Mann nachhause, schaltete das Licht in ihrem Wohnzimmer ein. Ab und an stand er auch am Fenster und starrte hinunter.
Es war ein Mittwoch, als Beckett auf einen von Marthas Anrufen nicht reagierte. Selten, wählte Castles Mutter diese Telefonnummer, doch machte sie sich mittlerweile auch Sorgen um die junge Polizistin. Richard hatte ihr erzählt, dass sie am Abend zuvor anders zu gehen schien, als würde sie Schmerzen in einem Bein haben. Sie trug zudem immer noch den Gips an ihrer linken Hand.
Richard hatte ein Treffen mit Gina, um die Werbekampagne für den neusten Nikki Heat Roman zu besprechen und aus einem Bauchgefühl heraus, schnappte sich Martha eine von Alexis schwarzen Strickjacken, rief sich ein Taxi und machte sich auf den Weg – zu Kate.
Den ganzen Tag hindurch beschäftigen sie die Gespräche mit Rick, die sie in den letzten Wochen geführt hatten, und sie wusste, dass sie keinen Schlaf finden würde, bevor sie sich nicht selbst versichern konnte, dass es der jungen Frau, die den Wahnsinn ihres Sohnes Tag für Tag ertrug, gut ging.
Als sie den Taxifahrer bezahlte, hatte sie ein ungutes Gefühl, immerhin würde sie in die Privatsphäre von Kate eindringen.
Schließlich klopfte sie an die Eingangstüre, dreimal. Ein Mann öffnete ihr die Türe. Ein sehr großer, gutaussehender Mann.
„Was wollen Sie?", fragte er unhöflich.
„Ich möchte zu Detektiv Beckett", erklärte sie ihm und versuchte an dem Mann vorbeizusehen.
Martha hörte nur eigenartige Geräusche aus dem Wohnraum. Innerhalb weniger Sekunden hatten sie sich an dem Mann vorbeigeschoben, der offensichtlich nicht damit gerechnet hatte, wohl ihres Alters wegen.
Auf dem Esstisch stand eine offene Flasche Whiskey und ein halbvolles Glas stand daneben. Ihre Augen wanderten durch den Raum und suchten nach Kate. Schließlich sah sie sie, zusammengekauert in einer Ecke der Küche. Ihre Lippe war blutig und angeschwollen.
Im selben Moment sah sie, in ihrem Augenwinkel, wie der Mann auf Kate zuging, wütend.
„Ich wollte nur Kates Jacke zurückbringen", versuchte Martha ihn abzulenken. „Sie hatte sie vor einiger Zeit bei mir vergessen." Sie war darauf bedacht, nicht wir zu sagen, nicht preiszugeben, dass sie Ricks Mutter war.
„Danke Martha", antwortete Kate und hob ihre Augen kaum an. „Legen Sie sie doch einfach auf den Rücken der Couch."
So tat es Martha auch.
„Kommen sie am Freitag zur Party?", fragte sie weiter, wollte gerade nach ihrem Mobiltelefon in der Handtasche greifen.
„Welche Party, Kate?", fragte der Mann provokant.
„Ich gehe auf keine Party, Adam. Kein Party."
„Schade, ich hätte …", noch bevor Martha den Satz vollenden konnte, ging Adam in schnellen Schritten auf Kate zu, wütend, wieso auch immer. Doch bevor er seine Hand erheben konnte, hatte Martha bereits nach der am Esstisch stehenden Whiskeyflasche gegriffen und sie ihm an den Kopf geschlagen. Der Whiskey ergoss sich über ihren Arm, doch an das dachte die ältere Rothaarige nicht. Innerhalb weniger Sekunden hatte sie Kate aus ihrer sitzenden Position hochgezogen, griff nach ihren Schlüsseln und dem Mobiltelefon, welches neben der Eingangstüre lag und trug sie beinahe aus der Wohnung.
Kate hatte noch keine Worte gefunden, war immer noch stumm und aus ihrem Gesicht konnte Martha die Verwunderung ablesen. Wahrscheinlich hatte sie mit viel gerechnet, aber nicht damit. Auf der Straße angekommen, fand Martha umgehend ein Taxi und nahm mit Kate Platz.
„St. Luke's, bitte", erklärte Martha dem Fahrer.
„Nein, nicht", bat Kate. „Nicht ins Spital."
„Sind sie sich sicher, Kate?"
Als sie nicht antwortete, erkannte sie, dass Kate unglaubliche Schmerzen zu haben schien und leitete den Fahrer an, trotzdem ins Spital zu fahren. Dort angekommen, erklärte Martha, dass dies beruflich passiert sei. Da sie Beckett kannten, stellten sie nicht viele Fragen, machten Röntgen, untersuchten sie. Die ganze Zeit hindurch, wich Martha nicht von ihrer Seite. Vielleicht ließ Kate deswegen all dies wortlos über sich ergehen.
Die Ärzte stellten fest, dass Kate zwei gebrochene Rippen hatte, diverse blaue Flecken, die nicht frisch waren, allerdings fragten sie auch nicht nach, und eine aufgeplatzte Lippe.
„Detektiv Beckett, sie müssen in den kommenden Tagen diese Schmerzmittel nehmen", erklärte der junge Arzt und reichte ihr eine Dose Ibuprofen. „Weiters würde ich ihnen empfehlen, die gebrochenen Rippen mit einer elastischen Binde am Brustkorb zu fixieren. Vor einigen Jahren hätten sie noch ein Korsett bekommen, doch davon sehen wir heute ab." Daher reichte er ihr dann eine originalverpackte elastische Binde. „Außerdem würde ich ihnen empfehlen, jemanden um sich zu haben. Sie müssen aufpassen, dass sie keine Bewegungen …"
„Geben sie uns die Papiere, Dr. McCall, damit wir nachhause kommen können, es war ein langer Tag für sie und jetzt benötigt sie Ruhe", erklärte Martha höflich und strich der beinahe schlafenden Kate über den Kopf, die immer noch in dem Rollstuhl saß, in dem man sie bei ihrem Eintreffen gesetzt hatte.
Es dauerte nur wenigen Momente, da hatte Kate alles unterschrieben und sie kalt als entlassen. Die Fahrt zu Castles Loft verlief in kompletter Stille. Kein Wort wurde gewechselt.
Martha wusste, dass sie etwas gemacht hatte, was sie nicht hätte machen sollen – sie hatte sich in Castles Privatangelegenheiten eingemischt, doch hatte sie nicht länger zusehen können. Auch die Flasche, die sie Adam über den Kopf gezogen hatte, bereute sie auf keinen Fall, immerhin hätte er Kate noch schwerer verletzten können. Als ob ein gebrochener Arm und zwei gebrochene Rippen nicht reichen würden.
Vorsichtig stieg Kate aus dem Auto, wollte sich nicht helfen lassen. Doch sobald sie auf der Couch saß und Martha ihr eine Tasse Tee reichte, griff sie sich an die Rippen und kämpfte nicht mehr länger gegen den Schmerz an.
„Honey", sagte Martha und setzte sich auf den Couchtisch. „Hier bist du sicher. Kate, Honey, hab keine Angst, hier findet er dich nicht."
Martha hatte noch nie verstanden, wie eine Frau eine Beziehung mit einem gewalttätigen Mann führen konnte, doch wusste, sie, dass es oftmals eine Abhängigkeit war, in die sich diese begeben hatten, dies also nicht freiwillig taten. Die Frage war nur, was er in der Hand hatte, dass Kate bei ihm blieb. Doch war der Abend bereits fortgeschritten und sie wusste, dass Kate sich zumindest an diesem Abend nicht öffnen würde.
Zuerst versuchte sie mit Kate die Stiegen hinaufzugehen, erkannte allerdings nach der zweiten, dass es zu anstrengend für die junge Frau war und so führte sie sie, in Richards Zimmer, half ihr aus den Schuhen und den Hosen.
„Warte kurz, Liebes", erklärte sie. „Ich bringe die etwas, in dem du schlafen kannst."
Sie verschwand für kurze Zeit. Als sie zurückkam, saß Kate immer noch in derselben Position am Bett.
„Mach dir keine Sorgen, es wird alles wieder besser werden." Martha hatte ihr Jogginghosen von Alexis gebracht, die Kate passten, als hätte sie diese gekauft, an Alexis waren sie stets etwas zu weit, und ein kurzärmeliges T-Shirt von Rick, welches sie leicht über ihren Gipsarm bekommen würde.
Als hätte sie nie etwas anderes gemacht, half sie Kate aus dem Pullover, den sie trug, aus dem BH und fixierte, so wie der Arzt ihr geraten hatte, die gebrochenen Rippen mit der elastischen Binde. Sie sah die blauen Flecken auf ihrem Brustkorb, die sich ebenso auf den ihren Oberschenkeln befanden. Doch sagte sie nichts. Sie gab ihr die notwendigen Schmerztabletten und saß neben ihr, bis sie eingeschlafen war.
Es war ein guter Zufall, dass Alexis an diesem Abend bei Paige schlief, denn sie hätte nicht wollen, dass ihre Enkeltochter all dies mitansehen musste.
Vorsichtig schloss sie die Zimmertüre hinter sich und wartete Richard, der hocherfreut und leicht angeheitert nachhause kam, weit nach Mitternacht. Doch als dieser seine Mutter sah, verblasste seine Freude umgehend.
„Was ist passiert, Mutter?"
„Sie schläft in deinem Bett", sagte sie vorsichtig, unsicher wie ihr Sohn darauf reagieren würde.
„Kate?"
„Hm …"
„Ist sie gekommen?"
„Nein, ich habe sie geholt. Deswegen muss ich so und so noch mit dir sprechen …", und so begann Martha ihm von dem Vorfall zu berichten, von Kates Verletzungen und all dem, was ihr durch den Kopf gegangen war, während sie all die Stunden geschwiegen hatten.
Sie erklärte ihm, dass Kate so lange hier bleiben würde, bis sie gesund wäre, egal wie lange dies dauern würde. Und er hätte hier nicht zu protestieren, ihr nicht zu sagen, dass sie einen Fehler gemacht hätte.
Zudem solle er jetzt im Gästezimmer schlafen oder auf der Couch, sie hätte ihm seine Zahnbürste auf den Küchentresen gelegt, aber auf keinen Fall sollte er nun Kate stören. Sie würde den Schlaf benötigen, er habe nicht ihre Wunden gesehen.
Martha verschwieg ihm auch nicht, dass sie Montgomery angerufen hatte, um ihn wissen zu lassen, dass Kate nicht arbeiten kommen würde. Dieser hatte nicht einmal Fragen gestellt, sie einfach wissen lassen, dass Kate genügend Zeitausgleichstage stehen hätte, um ein ganzes Monat zuhause zu bleiben. Sie ließ ihn zudem wissen, dass Kate nicht sprach. Über nichts. Und er solle ihr Zeit geben. All die Zeit, die sie benötige.
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Ende Kapitel 2
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A/N: Drama dieser Art schreibt sich so viel schwerer als Romanzen …
Read & Review ;)
