Noch eine Idee, die sich in meinem Kopf breit machte, während "Jar of Hearts" im Radio lief.

Reviews immer willkommen! :-)

-OO-

Ich sitze hier… und höre deine Stimme. Nicht in meinem Kopf. Diese Zeit liegt hinter mir. Nein, diesmal ist es Wirklichkeit. Ich weiß warum du hier bist und will es doch nicht wissen. Du wirst mich nicht finden. Meine Eltern werden dir dieselbe Antwort geben wie alle anderen zuvor. „Sie will nicht gefunden werden. Lassen Sie sie endlich gehen."

Manchmal bin ich mir selbst nicht sicher, ob ich das will. Aber es ist ja nicht so, als hätte ich viele Möglichkeiten.

Der erste Reflex, wenn ich deine Stimme höre ist, die Treppe hinunterzustürzen, mich in deine Arme zu werfen und dich nie wieder loszulassen. Ich habe gelernt diesen Reflex zu unterdrücken. Weil ich weiß, dass du mich fallen lässt… irgendwann. Wenn dir danach ist.

Und dann werde ich dort liegen, auf dem Boden. Zerbrochen. Es hat so lange gedauert die Scherben zusammenzukleben. Ein weiteres Mal würde ich es wohl nicht überstehen.

Alle waren auf meiner Seite. Sie haben mich beschützt, mich bestärkt, mir Mut gemacht. Sie haben dich beschimpft und mir immer wieder versichert ich hätte die richtige Entscheidung getroffen.

Es hat nicht geholfen. Der einzige der mir helfen kann bist immer noch du. Immer du. Doch du wirst es nicht tun. Auch wenn du es in diesem Moment glaubst. In diesem Moment, in dem du im Wohnzimmer meiner Eltern stehst und nach mir fragst. So wie du es auch schon bei Ginny und Harry, Ron und Rose, Luna und Neville gemacht hast.

Es ist bestimmt nicht einfach für dich, deinen Stolz herunterzuschlucken und deine ehemaligen Schüler um Hilfe zu bitten. Und ein Teil von mir will glauben, dass es dir diesmal wirklich ernst ist. Dass du mich diesmal wirklich in dein Leben und dein Herz lässt. Dass diesmal alles anders wird.

Ich war schon immer ein rationaler Mensch. Und ich war davon überzeugt, dass der Verstand über Gefühle siegt. Bis ich dir begegnete.

Du lässt mich vergessen, wer ich bin, was ich bin. Du hast von mir verlangt dir alles zu geben. Und ich tat es. Ich habe dir meine Seele in die Hände gelegt und du hast sie gebrochen. Weil dir danach war.

Du weißt nicht was Liebe ist. Dein Leben bestand aus Hass und Dunkelheit, dein Leben lang. Immer auf der Suche nach etwas Hellem, dass einen Teil seines Lichts auf dich überträgt und dein Leben etwas leuchtender macht, eine Zeit lang.

Aber in deiner Gegenwart erlischt das Licht. In deiner Gegenwart wird alle was gut und rein war, kalt und leblos. Du hättest es fast geschafft mich mit in die Dunkelheit zu ziehen. Fast.

Ich war jung und naiv. Und du hast mich zerstört. Wie kann es sein, dass ich mich trotzdem nach dir sehne? Nach deiner Umarmung, deinem Geruch und deiner Stimme, deren dunkler Bass jetzt gerade, in diesem Moment unser Haus durchdringt.

Diesmal lässt du dich nicht einfach abwimmeln. Ich höre meine Mutter, die dich bittet zu gehen und mich endlich in Frieden zu lassen.

„In Frieden lassen". Habe ich meinen Frieden überhaupt gefunden? Wie könnte ich das?

Ich höre deine Stimme in meiner Erinnerung, höhnisch. „Du liebst mich? Mach dich nicht lächerlich. Das hier war Nichts, hörst du? Nichts weiter als Sex. Hast du wirklich geglaubt es wäre mehr? Hast du wirklich geglaubt du würdest einen guten Mann aus mir machen? Den Mann, den du zu lieben glaubst, gibt es nicht, merk dir das. Und jetzt pack deine Sachen und verschwinde."

Mein Blick wandert zu den tiefen Narben auf meinen Armen. Die Erinnerung daran, wie die weißen, verblassten Linien auf meinen Körper gelangt sind ist verschwommen, so wie alles in den ersten Tagen ohne dich. Der Schmerz war da, in meinem Inneren, er hat mich aufgefressen, mich verbrannt. Später, im Krankenhaus, sagten sie ich hätte versucht mich zu töten. Aber ich glaube das nicht. Es fühlt sich eher so an, als hätte ich versucht den Schmerz aus mir herauszuschneiden.

Ist es das wirklich wert?

Du zerstörst alles um dich herum. Dein Selbsthass kennt keine Grenzen. Und ich stehe dir gegenüber und kann nichts tun. Ich kann dir nicht helfen. Und mir auch nicht. Wir sind uns hilflos ausgeliefert und warten auf Rettung, die nie kommen wird.

Wie kann es sein, dass ich dich liebe? Das ich mich trotz allem vor dir hinwerfen will und dich anflehen will, mich zurückzulieben.

Alle haben versucht mir zu helfen. Doch sie können es nicht, weil sie nicht verstehen. Sie verstehen nicht, wie ich um dich trauern kann. Sie verstehen nicht, warum ich stundenlang am Fenster sitze und hinausschaue. Sie verstehen nicht, warum ich nicht mehr spreche. Es gibt keine Worte für die Qual in meinem Inneren. Ich habe Angst, dass ich nicht mehr aufhören kann zu schreien, wenn ich meinen Mund öffne.

Ich kann habe so viel ertragen, so viel überlebt. Bist du tatsächlich die Grenze, an der ich zusammenbreche? Bist du diese eine Sache, an der ich scheitere? Vielleicht. Aber trotzdem liebe ich dich. Muss es sogar. Und auch du hast einen Grund. Einen Grund dafür, dass du im Wohnzimmer meiner Eltern stehst und sie geradezu anflehst dir zu sagen wo ich bin. Ich schaue aus dem Fenster. Sehe die Bäume, die sich im Wind bewegen und den Regen, der in der Dämmerung gegen die Scheibe trommelt.

Es ist nicht einfach, es wird nie einfach sein. Ich denke an Harry und Ginny. Die beiden führen seit Jahren eine harmonische Beziehung. Sie lieben sich, respektieren sich und jedes Mal, wenn ich sie sehe, wünsche ich mir, ich hätte etwas Vergleichbares. Aber bin ich dafür gemacht? Vielleicht geht es im Leben einfach nur um den ständigen Kampf zwischen der Person, die man gerne wäre und der Person, die man ist.

Ich wäre gerne einfach gestrickt. Zufrieden mit einem alltäglichen, beständigen Leben. Aber ich bin es nicht. Es gibt niemanden für mich außer dir. Keine Beziehung, außer der, die wir beide haben. Eine Beziehung, die tiefer geht, als alles, was ich je gespürt habe. Vielleicht ist es, wie alle sagen. Vielleicht werden wir uns gegenseitig vernichten. Aber wenn ich untergehe, dann mit dir an meiner Seite.

Plötzlich ist alles ganz einfach.

Die Angst ist nicht verschwunden. Sie wird immer ein Teil von mir sein, genauso wie der Schmerz, der untrennbar mit jedem Gedanken an dich verbunden ist. Meine Füße haben ein Eigenleben entwickelt und führen mich auf schwankenden Schritten die Treppe hinunter, durch den Flur, bis an die Tür des Wohnzimmers. Ich kann dich riechen. Ich fühle deine Anwesenheit, obwohl ich dich nicht sehen kann.

Meine Hand hebt sich von alleine und drückt die Klinke hinunter. Da stehst du. Einfach du. Der dunkle Umhang hebt sich von der hellen Einrichtung des Zimmers ab. Du bist wie ein schwarzes Loch, das alles Helle und Reine verschluckt und in Dunkelheit verwandelt. Meine Eltern sehen mich an, als wäre ich ein Geist. Und du scheinst einfach nur sprachlos zu sein.

Ihr starrt mich an und ich bin versucht einfach wieder umzukehren, doch ich kann nicht. Dein Blick hält mich fest. Du siehst mich an und die Welt um herum verschwindet. Nur du und ich und mir wird klar, dass ich alles dafür geben würde. Für diese seltenen Momente, in denen du zulässt, dass ich dich sehe. Dieser Moment lässt mich alle Qualen vergessen. Mit zittrigen Lippen öffne ich den Mund. Und es ist fühlt sich richtig an. Die ersten Worte seit 8 Monaten.

„Hallo, Severus."