Nach dem schweren Stoff in den letzten beiden Kapiteln, hier nun etwas leichtere Kost. Das war mal ein Kalenderbeitrag, deshalb das Weihnachtsthema. Aber wenn man so aus dem Fenster guckt heute, ist das mit dem Schnee gar nicht mal soooo undenkbar. ;-)
Reviews immer gern gesehen!
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Er liebte es in einer Winternacht über die verschneiten Ländereien von Hogwarts zu wandern. Diese wunderbare Ruhe, das leise Knirschen des Pulverschnees unter seinen Sohlen, der kalte Wind, der den Kopf von allen überflüssigen Gedanken befreite.
Bei jedem seiner Spaziergänge erreichte er irgendwann eine kleine Anhöhe, direkt am Waldrand, von der aus man einen freien Blick auf das riesige Schloss hatte, das über diesem winterlichen Paradies thronte. Die einladend erleuchteten Fenster, hinter denen einige Schüler ihre eigenen kleinen Weihnachtsfeiern veranstalteten, mit heimlich beschafftem Punsch, Unmengen an Süßigkeiten und Geschenken aller Art.
Wenn er jetzt im Gemeinschaftsraum der Gryffindors aufgetaucht wäre, wäre den Slytherins der Hauspokal sicher gewesen. Doch leider hatte er dafür keine Zeit.
Mit einem Seufzen wandte er sich von der bezaubernd schönen Szenerie ab und lief langsam den schmalen Pfad zurück, den die Schüler am Nachmittag in den Schnee getrampelt hatten.
Er hielt vor einer unscheinbaren Holztür, an der rechten Seite der Schlossmauer, nannte das Passwort und betrat den Gang, der direkt zu seinen Wohnräumen im Kerker führte.
Schon von weitem schallte ihm eines dieser unerträglichen Muggel-Weihnachtslieder entgegen, auf die Hermine bestanden hatte. …last Christmas I gave you my heart, but the very next day you gave it away…Sah er so aus als interessiere ihn der Herzschmerz anderer Leute?
Mit einem weiteren genervten Seufzer und einem Gesichtsausdruck, den man ohne weiteres als „Bemitleidenswert" bezeichnen konnte, legte er seine Hand auf die Klinke der Wohnungstür, nannte erneut ein Passwort, betrat mit vorsichtigen Schritten das Wohnzimmer und…wäre fast rückwärts wieder hinaus getaumelt.
Wie lange war er weg gewesen? Eine Stunde? Hermine hatte es tatsächlich geschafft ihre Wohnung innerhalb einer Stunde in ein Weihnachtsparadies zu verwandeln! Aus allen Ecken und Enden blinkte und leuchtete es bunt und grell, unter der Decke hingen Unmengen an goldenen Girlanden, in der Mitte des großen Wohnzimmers stand ein riesiger Weihnachtsbaum, geschmückt mit allerlei roten und goldenen Glitzersachen und umschwirrt von kleinen Feen, die der Dekoration den letzten Schliff gaben. Vier von ihnen waren gerade damit beschäftigt einen goldenen Stern auf die Spitze der Tanne zu hieven und dort zu befestigen.
Noch bevor seine Augen sich an das helle Licht gewöhnen konnten, prallte etwas Weiches mit voller Wucht gegen seine Beine und schrie, die laute Musik (…a wonderful dream and love and peace for everyone…) übertönend: „ Daddy? Gefällt dir was Mummy und ich gemacht haben? Ich wollte gar nicht so viel Glitzer, aber Mummy hat gesagt du magst das!"
Vollkommen überfordert wanderte der Blick des Tränkemeisters zwei Etagen tiefer, wo sich seine fünfjährige Tochter Felicia, mit großen Augen zu ihm aufblickend, gegen seine Beine lehnte.
„Aaaaach, Mummy hat gesagt ich mag das?" Dafür würde sie bezahlen…ganz sicher.
„Ja! Und weißt du was? Tante Ginny und Onkel Harry und Onkel Ron und Tante Rose sind auch schon da…dürfen James, Sean und Sofie hier übernachten? Bitte Daddy?!"
Noch bevor er antworten oder sonstwie reagieren konnte, stürmten drei weitere kleine Gestalten durch das Lichtermeer auf ihn zu und zogen Felicia fröhlich schnatternd fort.
Er seufzte resignierend (an keinem anderen Tag des Jahres seufzte er so viel wie an Weihnachten, davon war er überzeugt) und folgte den Kindern in den hinteren Teil des Raumes, der dort in ein weitläufiges Speisezimmer überging.
Auch hier wurde er von weihnachtlichen Klängen empfangen und von der leuchtenden Dekoration fast erschlagen. Hermine hatte die Decke so verzaubert, das es aussah als würde es schneien. Der Schnee erreichte jedoch nur an einigen Stellen den Boden, wo er sich zu kleinen glitzernden Haufen auftürmte. Von der Decke hingen künstliche Eiszapfen und Eisblumen zierten die Fensterscheiben.
Der große Esstisch vor dem Kamin war kunstvoll gedeckt, Kerzen erhellten den Raum. Um den Tisch herum saßen die drei Kinder, die neben ihren Eltern Platz genommen hatten: Die Chaos-Zwillinge James und Sean mit ihren Eltern Harry und Ginevra Potter, die sanfte Sofie, Tochter von Ronald und Rose Weasley und Felicia, die ihm wie aus dem Gesicht geschnitten schien, jedoch glücklicherweise den Charakter ihrer Mutter besaß (auch wenn er das niemals freiwillig zugegeben hätte).
Hermine. Seine Frau. Seine wunderschöne, sture, intelligente Frau. Als er sie alle dort sitzen saß konnte er nicht anders. Er lächelte, strich seiner Tochter kurz zärtlich über die seidigen, rabenschwarzen Haare und setzte sich neben Hermine.
„Schön das du da bist. Gefällt dir die Dekoration?", sie grinste ihn verschmitzt an und schob ihre Hand in seine, „Ich denke dann können wir beginnen."
Sie schnippte einmal mit dem Finger und wie aus dem Nichts erschienen Platten, Schüsseln und Töpfe mit den köstlichsten Speisen auf dem Tisch…
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Das Essen war beendet, die Geschenke verteilt und ausgepackt, bewundert und ausprobiert. Die Erwachsenen hatten sich mit einer Flasche Wein auf die Couch verzogen und saßen in gemütlicher Runde zusammen, während die Kinder munter brabbelnd und erzählend unter dem Weihnachtsbaum spielten.
Severus hatte einen Arm um Hermine gelegt, beteiligte sich hin und wieder an den Gesprächen und hing seinen Gedanken nach.
Jedes Jahr lief dieser Tag gleich ab. Schon morgens verfielen seine Frau und seine Tochter in Panik und verwüsteten die Wohnung auf der Suche nach verschollenem Christbaumschmuck. Severus wurde der Trubel zu viel und er verschwand mit einer guten Ausrede. Er machte sich auf den Weg nach Hogsmeade, besorgte die letzten Geschenke, wanderte über die Ländereien und kehrte erst zurück wenn alle Gäste angekommen und alles andere erledigt war.
Eigentlich mochte er diese Hektik nicht, ein ruhiger Abend mit seinen beiden Frauen hätte es auch getan. Doch Hermine bestand auf ein Fest mit der ganzen Familie und er hatte ihr noch nie etwas ausreden können, wenn sie es sich in den Kopf gesetzt hatte.
Und als er nun hier saß, in die Runde blickte, die glänzenden Augen seiner Frau sah und spürte wie seine Tochter auf die Couch gekrabbelt kam und sich müde und zufrieden an seine Seite kuschelte, da wusste er das er es nicht mehr hätte ändern wollen.
