„Miss Weasley, welche Zutaten gehören in einen Felix Felicis Trank?"
Ich schrak auf. „Äh... Entschuldigen Sie Professor, ich habe Ihre Frage nicht verstanden."
Snape grinste hämisch. „10 Punkte Abzug für Gryffindor. Darf ich fragen, wieso Sie mir nicht zugehört haben?"
Er sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Ich habe Kopfschmerzen", murmelte ich undeutlich. Der Schmerz hämmerte hinter meinen Schläfen und ich schloss kurz die Augen. Wohltuende Dunkelheit und Stille.
„Da Sie hier sitzen nehme ich an, dass sie nicht schlimm genug sind, um in den Krankenflügel gehen zu müssen. Von daher strengen Sie sich jetzt genauso an wie Ihre Mitschüler."
Ich riss die Augen auf.
Snape begann bereits die Zutaten für den heutigen Trank an die Tafel zu schreiben. Alle Schüler standen auf und ich folgte ihnen.
Ich reihte mich in die Schlange zu den Zutaten ein und rieb mir über meine Gesicht.
Letzte Nacht hatte ich nicht viel geschlafen. Mein Bauch hatte mich so geplagt, dass ich mich zu einer Kugel zusammengerollt, und mich an meine Beine geklammert hatte.
Ich kannte das Gefühl zwar, doch letzte Nacht war es schlimmer als sonst gewesen.
Während dem Morgengrauen war ich dann unruhig eingeschlafen. Als ich aufgewacht war, war es bereits zu spät zum Frühstücken gewesen.
In gewisser Weise war das positiv für mich gewesen, weil ich dann gar nicht mehr die Zeit für das Frühstück gehabt hatte.
Damit war die Wahl hinzugehen oder nicht eigentlich schon entschieden gewesen.
Das schrecklich Hungergefühl hatte mich fast dazu gebracht, doch noch in die Halle zu rennen, obwohl ich sowieso schon spät dran gewesen war.
Doch da hatte ich meine Mitschüler getroffen, die mich mit sich gezogen hatten.
Als meine Finger über meine Augen fuhren, konnte ich die darunterliegenden Augenringe schon fast fühlen, so tief waren sie.
Ich strich mir meine kraftlosen Haare zurück und nahm mir langsam meine Zutaten.
Im Kopf ging ich die Liste durch und lud mir alles auf die Arme. Es war schwer und ich musste mich anstrengen.
Während ich hinausging, plauderten die Anderen locker vor sich hin.
Niemand interessiert sich für mich, weswegen ich langsam nach hinten zu meinem Tisch trottete.
Kurz bevor ich ankam, stolperte ich über einen losen Stein im Boden.
Ich flog nach vorne und streckte dabei meine Arme aus, um mich aufzufangen.
Dadurch fielen auch meine Zutaten auf den Boden. Die Phiolen und Gläschen zersprangen. Die Scherben und Flüssigkeiten ergoss sich in einem großen Kreis um mich.
Ich fiel auf die Knie und schlug mit dem Kopf auf den Boden auf. Sofort verzehnfachten sich meine Kopfschmerzen und ich rieb mir stöhnend den Kopf.
„MISS WEASLEY!"
Ich kannte Snape schon eine Weile, aber so laut hatte ich ihn erst selten erlebt.
„Was haben Sie getan? Räumen Sie das sofort auf, sofort! Und zwar ohne Magie! Sobald sie damit fertig sind, setzen Sie sich in die Ecke und tun gar nichts mehr. Haben wir uns verstanden?" Er schnaubte wütend und wollte gerade weggehen, als ihm anscheinend noch etwa einfiel. Er lächelte mich grimmig an, und ich ahnte böses. „Und bevor ich es vergesse: 50 Punkte Abzug für Gryffindor, wegen Unachtsamkeit und Gefährdung der Mitschüler."
Die Gryffindors um mich herum keuchten auf. Alle sahen mich entgeistert an. Von manchen Seiten hörte ich auch Beschimpfungen, doch ich ignorierte sie vollständig.
Langsam stand ich auf und säuberte mit einem Wedeln meines Zauberstabs meine Robe.
Seufzend nahm ich die Scherben vom Boden und schmiss sie weg. Auf dem Weg nahm ich mir einen Lappen, um den Boden zu wischen.
Sobald ich an der Pfütze angekommen war, lies ich mich auf die Knie nieder und schrubbte mit dem Lappen den Boden.
Nach dieser Putzaktion verzog ich mich in die Ecke.
Dort stand ein Stuhl und ich lies mich sinken.
In letzter Zeit war es immer schlimmer geworden.
Ich stolperte häufig und konnte mich kaum mehr konzentrieren, weil ich nachts nur noch so wenig schlief.
Langsam schlossen sich meine Augen.
Gleich würde es Mittagessen geben. Wahrscheinlich würde ich mich wieder irgendwohin verziehen, um erst gar nicht zum Essen zu gehen.
Eigentlich hatte ich fast keinen Hunger mehr. Dieses Gefühl war anscheinend komplett bei mir verloren gegangen.
Was ich jetzt hatte, war fast noch schlimmer.
In letzter Zeit hatte ich immer öfter Heißhungerattacken. Meistens hatte ich sie nachts, und dann waren die Bauchkrämpfe noch schlimmer.
Doch das Essen ekelte mich an. Vor allem nach diesen Attacken.
Ich fühlte mich dann noch dicker. Wie, als wenn das Essen sich sofort in Fett umwandeln würde.
Doch meistens schaffte ich es nicht diesen Attacken standzuhalten. Natürlich, im Unterricht oder in der Nacht konnte ich ihnen noch am Besten widerstehen, weil ich da sowieso nichts essen konnte. Doch während dem Frühstück zum Beispiel...
Nicht daran denken, ermahnte ich mich.
Plötzlich hörte ich ein lautes Rumpeln, das den ganzen Raum erfüllte.
Verwirrt öffnete ich die Augen und sah, wie alle Schüler in einem riesigen Gedränge den Raum verließen. Anscheinend war ich so in Gedanken versunken gewesen, dass ich nicht mitbekommen hatte, wie Snape den Unterricht beendet hatte.
Ich stand auf und schlurfte aus dem Raum.
Schnell drehte ich mich nach links und nahm einen Umweg durch die weniger benutzten Gänge zur Großen Halle. Ich brauchte jetzt meine Ruhe.
Gedankenverloren schaute ich beim Laufen aus den Fenstern. Traurig, wegen der ganzen Situation blickte ich wieder nach vorne und stolperte dabei fast.
Mir war schwindlig geworden. Anscheinend hatte ich zu schnell meinen Kopf gedreht.
Ich stützte mich an der Wand ab und lehnte meine Stirn an den kühle Stein.
Das war so angenehm. Ich hätte ewig hier stehen können.
Doch das konnte ich natürlich nicht. Zumindest jetzt nicht.
Das würde auffallen.
Ich stellte mich wieder gerade hin, setzte ein Lächeln auf und ging weiter.
Langsam konnte ich das Essen riechen.
Und mein Gang wurde schneller.
Nachher würde ich es bereuen, doch jetzt konnte mich nichts mehr davon abhalten...
