„Du fängst mich doch sowieso nicht." Lachend rannte ich davon und warf mein leuchtend rotes Haar zurück. Es wirbelte im Wind, wie ein kleiner Tornado um sie herum, und ich lachte laut auf.
Ich blickte nach unten, grinste ihn breit an und rannte los. Meine Bewegungen waren kraftvoll und schnell. Elegant. Voller Energie und Freude.
Wieder hallte mein Lachen über die weite Wiese und das Zwitschern der Vögel wurde leiser.
Ich rannte, ohne mich umzublicken. Ich wusste, dass er mir folgte.
Um mich herum verschwommen die Farben. Das Einzige was ich sah, war der blaue Himmel über und das saftige, grüne Gras unter mir. Ich sah nicht die zahlreichen Blumen um mich herum oder die Bäume in der Entfernung. Auch sah ich nicht die feinen, weißen Wolken am Himmel. Ich war zu schnell.
Ich rannte so weit, als wenn die Welt nie enden würde. Ich rannte so schnell, als wenn das Ziel in weiter Ferne liegen würde. Ich rannte mit einem so lauten Lachen, als wenn jeder es hören sollte.
Doch plötzlich fiel ich.
Ein Arm hatte sie um mein Hüfte geschlungen, und mich auf das Gras gezogen. Wir beide fielen, und ich landete weich auf seiner Brust.
Grinsend strich ich mir die Haare aus dem Gesicht und schaute zu ihm auf. Seine Brille war leicht verrutscht und auch er lächelte mich schief an. Mein Lieblingslächeln.
Ein Seufzer kam über meine Lippen und mein Ausdruck wurde liebevoll.
Wir waren jetzt seit einem halben Jahr zusammen, und ich konnte immer noch nicht fassen, wie ich dieses Glück verdient hatte. Ihn...
„Worüber denkst du nach?"
Verwirrt schaute ich ihn an, noch immer ganz in Gedanken versunken. „Über nichts."
Ich drehte mich neben ihm auf den Rücken und blickte nach oben. Hinauf in den strahlend blauen Himmel. Die Sonne schien warm auf mich hinab, und das Zwitschern der Vögel wurde wieder lauter.
„Wenn du es mir nichts sagst, muss ich es wohl aus dir herauskitzeln." Ich kreischte auf, als er begann mich leicht in die Seiten zu kneifen. „Nein, bitte nicht."
Er rollte sich herum, und legte sich auf mich.
„Ich liebe dich." Meine Stimme war so leise, wie ein Flügelschlag, so sanft, wie eine Feder, und so voller Liebe, dass man sie fast schon spüren konnte.
„Du bist das Wichtigste in meinem Leben." Er sah mich an und es begann in mir zu kribbeln. Egal wie oft er es sagte, ich konnte es nie fassen.
Langsam beugte er seinen Kopf und legte seine Lippen sanft auf meine. Der Kuss war voller Wärme.
Meine Finger glitten in sein Haar und streichelten es sanft. Seine Arme hingegen stützten sich auf den Boden neben mir, um mich nicht mit seinem Gewicht zu belasten.
Mit einem tiefen Seufzen seinerseits, nahm er den Kopf wieder hoch und grinste mich an. „Langsam müssen wir zurück. Die Sonne geht schon unter, und wir müssen ein ganz schönes Stück laufen."
Er stand auf und streckte mir eine Hand entgegen.
Ich packte sie und ließ mich von ihm hochziehen.
Sobald ich stand, strich er mir eine Strähne meines langen Haars aus der Stirn. Seine Hand verweilte an meiner Wange, und mit seinem Daumen malte er meinen Wangenknochen nach.
„Was wäre ich bloß ohne dich?" Er murmelte die Worte mehr zu sich selbst, als das er sie laut aussprach. Er beugte sich vor und drückte mir einen Kuss auf die Stirn.
„Und jetzt los." Er nahm meine Hand und zog mich sanft in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Links von uns ging langsam die Sonne unter.
Ich lächelte ihn an. Er lächelte zurück. Er... Mein Harry. Seine Narbe glänzte in der untergehenden Sonne rot und ich dachte an den Moment zurück, indem er mir das erste Mal gesagt hatte, dass er mich liebte.
Und auch ich liebte ihn. Schon lange, ohne Zweifel, dass wir füreinander bestimmt waren.
Oft setzte ich mich hin, und dachte an diesen Tag zurück. Der Tag, den man als perfekt einstufen konnte.
Er hatte mich geliebt, das war mir bis heute klar. An diesem Tag, und höchstwahrscheinlich auch die Zeit davor, hatte er mich geliebt. Doch die Wochen danach hatte sich vieles zwischen uns verändert...
Ich wünschte es mir zurück. Diesen Tag. Diese Liebe. Diesen Menschen. Ihn. Harry.
Ich schloss die Augen und legt meine Hände auf meinen Bauch. Die Bauchschmerzen waren zurückgekehrt, und hatten mich damit von der Erinnerung befreit.
Langsam öffnete ich wieder die Augen und schlug die Decke zurück, unter der ich lag. Mein Bett stand direkt neben der Tür zum Bad, und so konnte ich ohne jemanden zu wecken, hinein gehen... Zumindest normalerweise.
Ich stand auf und nahm meine Schulkleidung. Letzte Woche hatte ich sie etwas enger zaubern müssen. Ich war gleichermaßen verwirrt, wie auch erfreut. Verwirrt, weil ich die Veränderung meines Körpers nicht bemerkt hatte. Erfreut, weil ich nun meinem Ziel näher kam.
Langsam stellte ich die Füße auf den kalten Boden. In meinem Kopf drehte sich alles und ich musste mehrmals blinzeln.
Ohne auf meinen Magen zu achten, der wild protestierte, stand ich auf und tappte Richtung Bad.
Ich hob meine Füße kaum an, und mein Blick war immer noch verschwommen. Plötzlich stolperte ich und fiel auf meine Knie.
Ich schlug laut auf dem Holzfußboden auf, und verstreute meine Sachen vor mir.
Vorsichtig lugte ich hinter meinen Haaren hervor, die vor meinem Gesicht hingen, und schaute mich um. Nirgendwo konnte ich erkennen, dass jemand wach geworden war.
Langsam versuchte ich mich am Bettpfosten hochzuziehen, aber meine Hand rutschte schlaff wieder herunter.
„Hey Ginny, was ist denn los?"
Amber kam aus ihrem Bett gesprungen und lief verschlafen auf mich zu.
„Ich... ich bin nur... nur hingefallen." Die Worte kamen zögernd über meine Lippen.
„Ach so, ich helf dir auf." Amber nahm meine Hand und zog mich hoch. Dann legte sie einen Arm um meine Schultern. „Mensch Ginny, was ist denn mit dir los?"
Erschrocken strich die Braunhaarige mir das Nachthemd über die Schultern. „Hilfe, was ist denn mit dir passiert?"
Geschockt starrte sie auf die Knochen, die sich deutlich unter meiner Haut abzeichneten.
„Nichts." Schnell schob ich mir wieder das Nachthemd hoch und sammelte meine Sachen zusammen.
„Wie du meinst." Ambers Stimme war voller Misstrauen, und ich spürte ihren Blick auf mir. Ich drehte mich noch kurz um, und sah wie die blauen Augen mich besorgt musterten.
Ich nickte kurz und ging schnell zur Badezimmertür.
Ich schloss sie hinter mir. Erleichtert atmete ich auf.
Noch immer starrten die blauen Augen der Anderen auf die Stelle, an der ich gerade gestanden hatte. Sie starrten besorgt. Misstrauisch. Verletzt. Verängstigt.
