Chapter 3 – The Transformation
Mit der bewusstlosen Blondine auf seinen Armen, schritt der Urvampir, etwas abseits des ganzen Geschehens, durch eine der dunklen Gassen. Nachdem er der ziemlich schwer verletzten jungen Frau, erst sein Blut gegeben und ihr danach eigenhändig das Genick gebrochen hatte, war er nun mehr auf der Suche nach einem geeigneten Versteck, wo er in Ruhe abwarten würde, bis die Blondine wieder zu sich kam.
Niklaus wusste, dass es bis dahin nicht mehr allzu lange dauern würde. Über die Jahrhunderte hatte er bereits einige Menschen in seines Gleichen verwandelt, meistens aus verschiedenen Gründen, oft jedoch weil er jemanden für irgendwelche Drecksarbeiten benötigt hatte. Er warf einen Blick auf die junge Französin in seinen Armen, auch für sie hatte er schon jetzt besondere Pläne. Ein leichtes Lächeln legte sich auf seine Lippen, die Kleine war wirklich wie geschaffen für das, was er mit ihr vorhatte.
Langsam setzte er einen Fuß vor den anderen, während er sich wieder darauf konzentrierte, ein passendes Plätzchen zu finden, da er vorhatte, soweit es möglich war in der Nähe zu bleiben. Bis zum Sonnenaufgang blieb ihnen zwar noch etwas Zeit, genauso wie bis zu dem Zeitpunkt, an dem die junge Blondine das Blut eines Menschen zu sich genommen haben musste, aber er hielt es auch irgendwie für eine Verschwendung, bei dem ganzen Blutvergießen, die Chance nicht sofort zu zugreifen.
Plötzlich tauchten, direkt vor ihnen, ein paar Gestalten auf. Es war eine kleine Gruppe, bestehend aus drei Protestanten. Auch diese hatten sich dazu entschlossen, die Stadt, noch vor Tagesanbruch zu verlassen.
Je näher er ihnen kam, umso deutlicher konnte er spüren, wie verängstigt sie waren. Normalerweise genoss er es, wenn die Menschen, bereits beim bloßen Klang seines Namens, oder durch seine Anwesenheit, vor ihm erzitterten, doch in diesem Moment beachtete er sie kaum.
Zwar konnte er noch immer, dass dröhnende Geräusch, welches die Herzen, jedes einzelnen von ihnen verursachten, nur allzu deutlich vernehmen, schaffte es jedoch trotzdem, dem Drang, jedem von ihnen, eigenhändig die Kehle aus dem Leib zu reißen, irgendwie zu widerstehen.
Stattdessen senkte er nur leicht seinen Blick, nachdem er ihre mitleidigen Blicke der Blondine, auf seinen Armen, gegenüber registriert hatte. Und deren schlaffer Körper, leblos und mit Blut durchtränkter Kleidung, bekleidet, gegen seinen eigenen Körper gelehnt war.
Er wusste, dass es für sie so aussehen musste, als ob die junge Frau, auf seinem Arm, es nicht geschafft hatte, und im Prinzip hatten sie ja auch ganz Recht mit ihrer Vermutung. Doch was sie dagegen nicht wussten war, dass die Ärmste schon sehr bald wieder zu neuem Leben erwachen würde.
Dennoch schüttelte der Urvampir nur bestätigend seinen Kopf, bevor er mit der jungen Französin, an ihnen vorbei, in der Dunkelheit verschwand.
Ohne sich noch ein weiteres Mal nach ihnen umzusehen, bog er schließlich um die nächste Häuserecke und überließ die kleine Gruppe ihrem Schicksal, wobei er ihre neugierigen Blicke in seinem Nacken spüren konnte.
Es dauerte noch einige Zeit, bis er endlich einen geeigneten Platz, etwas weiter abseits, des grausamen Massakers fand. Langsam ließ er sich mit der Blondine, am Mauerwerk entlang, auf den Boden sinken. Hier würde sie mit Sicherheit, niemand so schnell entdecken.
Behutsam strich Niklaus, der Blondine, eine Haarsträhne aus ihrem makellosen Gesicht. Obwohl ihre Augen noch immer fest verschlossen waren, konnte er seinen Blick einfach nicht von ihr abwenden.
Nachdenklich strich er vorsichtig über eine ihrer blassen Wangen. Noch immer konnte er nicht genau sagen, was ihn so, abgesehen von ihrem besonders stark ausgeprägten Überlebenswillen, an der Kleinen fasziniert hatte.
Mehr oder weniger geduldig, verharrte er ansonsten starr, mit dem Rücken gegen die Mauer hinter sich gelehnt.
Celine hatte das Gefühl, nicht wie erwartet, nach ihrem Tod, in den Himmel sondern direkt in die Hölle gekommen zu sein. Ihr ganzer Kopf schmerzte und vor allem ihr Nacken, tat ihr höllisch weh. Doch das war noch längst nicht alles, denn das spürte sie genau.
Erschrocken riss sie ihre grau-blauen Augen auf und rang nach Luft, bevor sie vorsichtig versuchte, sich ihren noch immer ziemlich heftig schmerzenden Nacken zu reiben. Dabei fiel ihr zunächst auf, dass sich die Geräusche um sie herum, zu verändern schienen und sie diese noch nie zuvor in ihrem Leben, so klar und deutlich, wie jetzt gerade in diesem Moment, hatte wahrnehmen können. Was zur Hölle passierte nur mit ihr?
Aber auch ihre restlichen Sinne hatten sich verändert. Vollkommen verwirrt, musste die junge Französin feststellen, dass sich außer ihrem Gehör, auch ihr Geruchssinn um ein vielfaches verbessert hatte.
Überall um sie herum, schwebte der unverkennbare Geruch von Blut in der Luft und auch die vielen verschiedenen Geräusche um sie herum, schienen mit jeder Minute lauter zu werden.
Das war zu viel für die Blondine. Hastig versuchte sie auf ihre Beine zu kommen, egal was da gerade auch mit ihr vorzugehen schien, sie musste unbedingt von hier verschwinden und das am besten so schnell wie möglich.
Leicht amüsiert, beobachtete der Vampir, wie die Blondine versuchte sich wieder aufzurichten. Es war doch immer wieder ein ganz besonders amüsanter Anblick, eine neue Kreatur der Nacht, auf die Welt kommen zu sehen.
Erst als er bemerkte, dass sie vor hatte zu verschwinden, griff er ein und packte Celine bei ihren zierlichen Schultern, sodass er sie bestimmt weiter am Boden halten konnte.
Nicht wirklich sanft, drehte er die Französin zu sich, was jedoch alles andere als leicht war, so wie diese in blinder Panik und voller Unbehagen um sich schlug.
So panisch wie sie war, bemerkte die Blondine zuerst nicht, dass sie nicht alleine war, sondern erst, als die Person sie nicht gerade sanft festhielt und sie schließlich dazu zwang ihn anzusehen. Wie so oft wusste sie sofort, dass sie es nicht mit einer anderen Frau zu tun haben musste.
Ihre Augen hatten sich längst an die Dunkelheit gewöhnt, als ihr Blick auf seinen traf und ihr klar wurde, dass es ihr unmöglich war sich noch weiter dagegen zu wehren.
„Schon gut Liebes...", flüsterte er bestimmt und leise zu gleich, den eigenen Blick dabei starr auf die Augen der Französin gerichtet.
„Hier bist du in Sicherheit...bleib einfach hier, und warte auf mich...", fuhr er fort und ließ sie auch weiterhin nicht aus den Augen.
Wie hypnotisiert erwiderte die Blondine seinen Blick, solange bis er ihn von ihr nahm.
Langsam ließ er ihre Schultern los und richtete sich wieder auf, bevor er sich schließlich umdrehte und verschwand. Zurück blieb eine noch immer ängstliche junge Frau.
Noch immer völlig verwirrt, verkroch Celine sich in die dunkelste Ecke, der kleinen Gasse, welche direkt neben ihr zu enden schien. Vorsichtig lehnte sie sich gegen die Mauer hinter sich und zog ihre Beine so nah wie möglich an sich heran.
Auch wenn sie immer noch keine Ahnung von dem hatte, was gerade mit ihr passierte, oder wie sie überhaupt hier her gekommen war, spürte sie dennoch, dass sie an diesem Ort sicher war.
Die Blondine wusste nicht, wie lange sie so dagesessen und mit geschlossenen Augen versucht hatte, die immer unerträglicher werdenden Geräusche, einfach zu ignorieren. Doch so sehr sie es auch immer wieder versuchte, umso weniger wollte es ihr gelingen.
Währenddessen hatte der Urvampir, sich erneut unter die fliehenden Menschen gemischt und mit nahezu ritterlichem Charme, einer jungen brünetten Frau, angeboten ihr, bei ihrer Flucht zur Seite zu stehen.
Naiv wie die dunkelhaarige war, glaubte sie ihm jedes seiner Worte und folgte ihm schließlich, bis zu der kleinen Gasse, an dessen Ende, er die verwirrte Blondine zurück gelassen hatte.
„Du wirst tun, was ich von dir verlange...", flüsterte er leise und fixierte ihren Blick mit seinen blau-grün schimmernden Augen.
Sie war wie geschaffen für das was er mit ihr vorhatte, weshalb es ihm auch keineswegs leid tat, dass gleich ihr letztes Stündchen geschlagen hatte.
„Du wirst auch nicht um Hilfe schreien...", fuhr er fort und zerrte sie danach bis zum Ende der schmalen Gasse.
Celine wagte kaum noch zu atmen, als sie die näher kommenden Schritte bemerkte. Am liebsten hätte sie sich sofort noch weiter in die Dunkelheit zurückgezogen, da dies allerdings nicht mehr möglich war, konnte sie nur hoffen nicht entdeckt zu werden.
Nachdem er, mit der dunkelhaarigen an seiner Seite zurückkehrt war, schaute Niklaus sich nach der Blondine um und fand sie schließlich, zusammen gekauert, in einer Ecke, am Boden sitzend.
Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, als er seinen Blick wieder auf die brünette neben sich richtete, und diese schließlich nachdenklich betrachtete. Für den Bruchteil von genau einer Sekunde, sah es sogar ganz danach aus, als ob er seine Entscheidung noch einmal überdenken würde, in dem er seine Hände auf ihre Wangen legte, aber dann ging alles ganz schnell.
Mit einer schnellen Bewegung zur Seite, brach der Vampir, seinem Opfer das Genick, so wie er es nur wenige Stunden zu vor mit der, ihn nun mit vor Angst weit aufgerissenen Augen anstarrenden Blondine getan hatte.
Diese konnte im ersten Moment nicht glauben, dass sie soeben Zeuge eines kaltblütigen Mords geworden war. Ängstlich beobachtete Celine, wie der nur wenige Jahre ältere Mann, der nun toten dunkelhaarigen seine Zähne in den Hals schlug. Überfordert schloss sie ihre Augen, als ihr klar wurde, dass sie sein nächstes Opfer werden würde.
Derweil gruben sich die messerscharfen Reißzähne, des Vampirs immer tiefer in das Fleisch seines Opfers, bis er das Blut der dunkelhaarigen schmecken konnte. Genau dann ließ er von ihr ab und warf sie zu Boden, sodass sie genau neben der Blondine landete.
„Trink...", forderte er sie auf und wischte sich dabei, dass noch frische Blut von seinen Lippen.
Celine zuckte leicht zusammen, als der leblose Körper der jungen Frau, direkt neben ihr landete. Vorsichtig öffnete sie ihre Augen. Noch immer konnte sie nicht glauben, was sie soeben gesehen hatte.
Abermals riss sie ihre blau-grauen Augen weit auf und sah ihn an, bevor ihr Blick schließlich langsam zu der toten brünetten glitt, deren Blut, nur so aus der Bisswunde an deren Hals strömte.
Es war wirklich widerlich, doch je länger ihr Blick auf der Wunde lag, umso mehr verbreitete sich tief in ihr ein Verlangen, was sie so bisher noch nie verspürt hatte und es wurde mit jedem Tropfen Blut schlimmer und schlimmer.
Sie versuchte dagegen anzukämpfen, musste jedoch früher oder später doch, diesem unheimlich starken Verlangen nachgeben.
Blitzschnell griff sie nach dem toten Körper und schlug ihre spitzen Eckzähne in die noch immer frische Wunde.
Amüsiert ging Niklaus neben der Blondine in die Knie und beobachtet, wie diese gierig das Blut zu sich nahm. Darauf hatte er nur gewartet, endlich war ihre Verwandlung abgeschlossen.
Es war vollkommen verrückt, doch mit jedem weiterem Schluck Blut, den sie zu sich nahm, fühlte Celine sich stärker, als sie es je in ihrem noch jungem Leben gewesen war. Der metallische Geschmack in ihrem Mund, war zu Anfang zwar noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber es gefiel ihr, wenn auch aus einem für sie noch unerklärlichem Grund, sodass es ihr unmöglich war, damit aufzuhören. Erst als sie jeden noch so winzigen Tropfen in sich aufgenommen hatte, ließ sie von der bereits toten ab.
„Es wird Zeit, wir sollten von hier verschwinden...", mit diesen Worten griff Klaus nach ihrer Hand, und zog die Blondine wieder auf ihre Beine.
In kürze würde die Sonne aufgehen und der Vampir wollte auf keinen Fall riskieren, das die Französin, mit deren tödlichen Strahlen in Berührung kam. Also zog er sie ohne sie dabei zu Wort kommen zu lassen, hinter sich her, fort aus der kleinen Gasse.
Fragend hatte sie ihn angesehen, als er sie auf ihre Beine zog, folgte ihm jedoch, wenn auch noch etwas unbeholfen. Sie wusste, dass sie wohl keine andere Wahl hatte. Dennoch stellte sie auch keine Fragen, als er sie von einer kleinen Gasse in die nächste zerrte.
Umso erstaunter war sie jedoch, als er sie schließlich zu einer der Öffnungen oberhalb der Steinbrüche geführt hatte.
Zielsicher hatte der Vampir, die Gänge der Steinbrüche unterhalb der Stadt angesteuert. Von dort aus würden sie ungesehen und auch geschützt vor der aufgehenden Morgensonne, sicher das Gebäude, in dem sich seine beiden Geschwister und er niedergelassen hatten, erreichen.
„Wir müssen hier entlang...", sagte er, bevor er sie erneut hinter sich her, hinunter in den kalten Stollen zog.
