Kapitel 4 – Vergangenheit

Nachdem ich lange mit meinem Vater geredet habe, sitze ich in meinem Zimmer und starre die Wand an. Mia kramt in meinem Kleiderschrank und sucht mir ein paar Klamotten heraus. Unbehagen quält mich und ich kann nichts dagegen unternehmen. Mit einem leisen Summen wirft Mia meine Pullover aus dem Schrank. Dann macht sie ein Geräusch, dass ich nicht deuten kann. Stirnrunzelnd sehe ich sie an. „Warum trägst du das nie?" Sie hält mir ein rotes Kleid hin, das hinten offen ist und mir bis zu den Knien geht. „Warum sollte ich", augmentiere ich abweisend. „Du könntest ruhig öfter zeigen, dass du ein Mädchen bist. Auf Hogwarts gibt es Bälle. Da brauchst du so etwas." „Und wenn ich erst gar nicht hingehe?" „Das wirst du!" Diesmal ist es Damien, der antwortet. Genervt verdrehe ich die Augen. Es hat keinen Sinn zu diskutieren, dessen bin ich mir bewusst. Also stehe ich auf und gehe an beiden vorbei. /Warum stört es mich so? Ich habe doch was ich will…ich darf gehen!/ Verwirrt über meine Gefühle und wütend auf meine Eltern gehe ich auf Luras Zimmer zu. Doch dann fällt es mir ein. Er ist nicht da. Mit wem soll ich denn reden? /Warum jetzt? Warum ich? Warum?!/ Kopfschüttelnd laufe ich zur Treppe und lehne mich an das Geländer. Jemand legt eine Hand auf meine Schulter und ich zucke unwillkürlich zusammen. „Riley…ich weiß, das ist schwer…aber verstehe doch bitte, dass-„ „Dass was?", fahre ich ihn an. „Ihr wollt mich loswerden? Okay. Kein Problem. Ihr hasst mich doch eh!" Langsam steigen mir Tränen in die Augen. /Nein!/ „Riley…" Mias flehende Stimme lässt mich unberührt. „Wir hassen dich nicht…" Es verwundert mich, dass ihre Stimme so sanft ist. Keine Abneigung, kein Hass. Trotzdem sehe ich weder Damien noch Mia an. Nein, ich starre stur an die Wand, die mir gegenüber liegt. „Weißt du…wir…wir…Damien!" Damien seufzt leise. „Wir haben dir etwas mitzuteilen." /Was kommt denn jetzt noch?/ Widerwillig drehe ich mich um, sehe ihnen in das Gesicht. „Du…hast sicherlich gemerkt, dass du hier…nicht reinpasst." „ach was", murmel ich niedergeschlagen, setzte aber meine Maske auf, so, dass ich keinerlei Gefühle zeige. Mit kaltem Blick sehe ich beide an. „Es ist so, dass man nur…also…die Zauberei wird durch das Blut vererbt. Das heißt, deine Eltern müssen Zauberer sein. Oder mindestens einer von ihnen. Bei uns ist es so…keiner von uns hat magisches Blut." Für einen Moment bröselt meine Fassade, dann richte ich sie jedoch wieder auf. „Ich bin adoptiert." Die Worte sind aus meinem Mund, ehe ich sie gedacht habe. Auf sie folgt eine unangenehme Stille. Mia sieht mich schuldig an, Damien erwidert nur meinen kalten Blick. „Fein", murmel ich - mehr zu mir selbst – und gehe an beiden vorbei in mein Zimmer. „Riley!" Unsicher versucht Mia mich aufzuhalten. „Es…Es tut mir leid!" „Egal." „Was?" Ich sehe Mia in die Augen. Sind da Tränen? Ja, sie weint. Aber wieso? Verwirrt schüttle ich den Kopf. „Lass uns einfach meine Tasche packen." Dann drehe ich mich um und gehe in mein Zimmer. Mit leerem Blick sehe ich den Koffer auf dem Boden an. Wenn ich meine Gefühle nicht kontrollieren kann drehe ich durch. Wie jetzt. All diese Informationen….für einen Außenstehenden mag es nicht schlimm sein, aber für mich ändert sich alles. „Wer waren meine Eltern?" Anscheinend ist Damien verwundert, dass ich ihn bemerkt habe, denn er zieht scharf die Luft ein. Langsam antwortet er. „Große Zauberer. Black. Angel und Adrien Black. Sie gelten als eine Art Legende…" Alles was ich kann, ist nicken. Nebenbei werfe ich Pullover, T-Shirts und Hosen in den Koffer. Mia kommt mit einer Hand voll Unterwäsche herein. Die restliche Zeit ignoriere ich die Zwei, so gut es geht.