Kapitel 5 – Goodbye
Früh am Morgen klopft es an meiner Zimmertür. Damien steckt seinen Kopf durch die Tür und sagt, dass ich aufstehen muss, denn wir müssen Schulsachen besorgen. Kaum ist er draußen, ziehe ich die Decke über meinen Kopf. Das Leben erscheint mir plötzlich sehr sinnlos. Nach weiteren fünf Minuten stehe ich auf und gehe in das Badezimmer. Unter der Dusche lasse ich abwechselnd heißes und kaltes Wasser auf meinen nackten Körper rieseln. Als ich fertig bin, stelle ich das Wasser ab, wickel mich in ein Handtusch und sehe in den Spiegel. /Wie eine Leiche…/ Schnell föhne ich mir die Haare und ziehe mir eine blaue Jeans an, die schon ziemlich mitgenommen aussieht. Dazu weiße Socken und einen zu großen, grauen Pullover mir Kapuze. Dann schaue ich noch einmal in den Spiegel. Meine blasse Haut hat unter meinen grün-blauen Augen blaue Ansätze. /Klasse, Augenringe -.-/ Wie immer führen meine braun-schwarzen Haare ein Eigenleben. Sie sind irgendwas zwischen gelockt und glatt. Ich weiß nicht wieso, aber ich überlege kurz, ob ich mir eine Schicht Make-Up verpassen soll. Langsam gehe ich aus dem Bad und sehe mich noch einmal in meinem Zimmer um. All meine Bücher und die Hälfte meiner Klamotten sind verschwunden. Der Nachtschrank neben meinem Bett ist leer und es stehen auch keine Fotos mehr darauf. Früher hatte ich alles mit Fotos von Lura und mir voll. Jetzt wirkt das Zimmer leer, fast kahl. Müde drehe ich um. Während mein Blick ein letztes Mal durch das obere Stockwerk streift, schlürfe ich die Treppe runter. Unten in der Küche stehen Mia und Damien eng neben einander. Mia sieht aus, als hätte sie die ganze Nacht geweint. Aus irgendeinem Grund bin ich sogar davon überzeugt. Trotzdem ignoriere ich sie und begutachte das Frühstück, das auf meinem Platz steht. „Kein Hunger." Ein kurzer Blick zu den Zwei sagt mir, dass es sie enttäuscht. Doch es ist mir egal. Oder? /Natürlich!/ Kurz frage ich mich, vorher meine Zweifel kommen, dann gehe ich zur Tür und ziehe meine abgetragenen Chucks an. Damien geht an mir vorbei und trägt meine Koffer – einen für Kleidung, einen für Bücher – zum Auto. Mia und ich bleiben im Flur. „Es tut mir leid. Ehrlich." Ihre Stimme zittert und sucht Hoffnung. Verzweifelt schließe ich die Augen, atme tief durch, suche Worte. „Ich weiß. Mia…ich habe dich nie gehasst." Mein Blick wandert zu ihr, in ihr Gesicht. Sie weint wieder."Ich habe euch Probleme bereitet, dass tut mir leid. Ich werde es wieder gut machen. Vorausgesetzt, ich darf während der Ferien hier sein." Mit offenem Mund sieht Mia mich an. „N-N-Natürlich…" Es ist nicht schwer zu erraten, dass sie glücklich ist. Mit meiner aufgesetzten Maske fällt mir der Abschied leichter. Würde ich weinen und sagen, wie sehr ich sie liebe – wobei ich mir da immer noch nicht ganz sicher bin – wäre es tausendmal schlimmer. Schnell ziehe ich die Kapuze über meinen Kopf, gehe raus und setzte mich auf die Beifahrerseite der schwarzen BMWs von Damien. Wortlos fahren wir los. Um ein Gespräch zu vermeiden stopfe ich die Kopfhörer meines Handys in meine Ohren und lasse die Musik auf der lautesten Stufe laufen. Die Fahrt über sehe ich aus dem Fenster. Verdammt, dass ist ein Abschied von meinem bisherigen Leben! /Wenigstens muss ich mich nicht von Freunden verabschieden/ Freunde hatte ich noch nie. Nein, ich bin der typische Einzelgänger, der sich von jedem fernhält. Trotzdem fühle ich mich unwohl. Äußerlich zeige ich es jedoch nicht. Das tue ich nie. Nur bei Lura…doch der ist ja auch nicht hier. Nachdem wir unser Haus schon Meilen hinter uns gelassen haben, fahren wir eine einsame Landstraße entlang. Die Bäume verschmelzen mit dem Himmel und es entsteht ein wunderschönes Farbenspiel. Zwischendurch mischen sich bunte Blumen in das Gemisch aus blau und grün. Wäre es nicht so eine deprimierende Stimmung gewesen, würde ich lachen…oder lächeln. Doch danach ist mir jetzt erst recht nicht zu Mute. Nein. Erfolgslos versuche ich, meine Gefühle in den Griff zu bekommen oder sie wenigstens zu Sortieren. Soviel ist mir noch nie durch den Kopf gegangen. Ich hasse Gefühle. Und ich hasse Liebe! Und…Mia…/Es tut mir leid./
