Kapitel 7 – Aufbruch
Ich nehme die Eule, unschlüssig, was ich sagen oder tun soll. Noch nie habe ich ein Geschenk erhalten. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern. Außer von Lura. Mühsam versuche ich Damien anzulächeln. Und ein 'Danke' bringe ich auch irgendwie hervor. Mit aller Kraft bemüht freundlich zu klingen. Zum Glück kennt mich Damien, denn er dreht sich weg und wechselt das Thema. In Kurzform erklärt er mir, wie das Leben auf Hogwarts ist. Viel soll sich nicht verändert haben. Nur die Uniform, die Lehrer und die Gemeinschaftsräume. Als er fertig ist, führt er mich zu einer Bank. Dort lässt er sich raufplumpsen und sieht mich auffordernd an. Ich starre zurück. So viel nähe...so viel Zeit mit Damien...es ist mir so fremd. Kurz überlege ich, ob ich glücklich sein soll, doch dann schüttle ich unmerklich den Kopf. Stattdessen frage ich: „Und jetzt?" Diese Frage scheint ihn auch zu beschäftigen. Nach einem kurzem Blick auf die Uhr murmelt er etwas, was für mich unverständlich ist. „In fünf Minuten gehst du." Das habe ich verstanden. Und plötzlich ist da wieder dieses eigenartige Gefühl. Warum freue ich mich nicht? /Ich habe es mir doch so sehr gewünscht...Aber Warum?/ Innerlich gestehe ich mir, dass ich mich nicht verstehe. Das ich undankbar bin und egoistisch. Nervös tippe ich von einem auf den anderen Fuß und wieder zurück. Dabei spüre ich Blicke fremder Personen in meinem Rücken. „Du..." Kurz zögere ich. Soll ich ihn fragen? „Du hattest im Auto etwas angesprochen..." Schnell nickt er. „Es ist...also...naja. Harry Potter hat damals den dunklen Lord, Lord Voldemord, besiegt. Und somit die Zauberer und die Muggel – Menschen – gerettet. Dabei wurde Hogwarts zerstört. Aber nun heißt es, dass Riddle – Voldemord – einen Nachfahren hat. Und Harry soll auch einen haben-" „Ich dachte mein Vater sei Adrien?" „Ist er auch. Lass mich doch ausreden!" Er verdreht die Augen und ich verstumme. „Adrien wurde später der beste Freund Harrys. Beide suchten nach dem Nachfahren, fanden ihn aber nicht. Sie fanden nur Todesser. Dass sind und waren Voldemords Anhänger. Böse Zauberer also. Aus Rache wollten sie Harry töten. Doch Adrien warf sich dazwischen. Durch ihn gelang Harry die Flucht." /Moment!/ „Als Harry zu Angel ist, um ihr die Nachricht mitzuteilen, fand er auch dort Todesser. Harry sollte sich entscheiden. Dein Leben oder das von Angel. Eine unmögliche Wahl..." /Warte...!/ „Angel nahm ihm die Entscheidung ab. Sie brachte sich selbst um..." Alles, was ich kann, ist ihn anstarren. Brennen in meinen Augen signalisiert mir, dass ich gleich weine. Also kneife ich die Augen zusammen und halte mein Inneres Dasein aufrecht. Er sieht mich stumm an und ich ringe um Worte. „Also sind sie wegen mir gestorben. Und wegen einen Fremden, den sie als Freund bezeichnet haben." Bevor er etwas sagen kann spüre ich eine Person, die aufeinmal neben mir ist. „Ah, Damien. Hier seid ihr..." Schnell gehe ich drei Schritte zur Seite. Der Mann ist größer als ich und lächelt warm. Seine schwazen Haare scheinen nicht hören zu wollen, die Brille auf seiner Nase sieht mitgenommen auf und auf seiner Stirn zeichnet sich eine klar, rote Narbe. In Form eines Blitzes. Dann löse ich mein Blick. Stur starre ich den Boden an und ziehe meine Kapuze über den Kopf. „Harry."Damien steht auf um Harry zu begrüßen. „Ich sagte doch, wir warten hier. Harry, dass ist Riley." Die Freude in seiner Stimme ist unüberhörbar. Kurz sehe ich auf, nicke und sehe den Boden wieder an. Harry hält mir eine Hand hin. Das er mich berührt will ich nicht. Also sehe ich die Hand misstrauisch an und danach weg. „Schüchtern?" Die Frage galt Damien, der schnell und verlegen lacht. „Geht. Bei Fremden. Also dann...ihr müsst los." Damit wendet sich Damien mir zu. „Tu mir einen gefallen. Bemühe dich. Finde Freunde. Lebe." „Das ist mehr als einer" Mehr sage ich nicht, denn mir liegt ein Kloß im Hals. „Mal sehen.", antworte ich schließlich. Ungewollt nimmt Damien mich in den Arm. Ziemlich perplex über diese Nähe sehe ich gerade aus. Diese Wärme, die von ihm ausgeht...es ist schön, sie zu spüren. Damien löst sich und lächelt. „Gut. Nimm deine Sachen und halt meine Hand." Jetzt muss ich Harry doch anfassen. Als kralle ich mir beide Koffer und den Käfig mit der namenlosen Eule. Während ich nach Harrys Hand greife sehe ich Damien an. Und stelle fest, dass er weint. Plötzlich weiß ich es. Ich weiß, dass ich hier bleiben will. Bei Damien. Bei Mia. Bei meinen Eltern. Und ich weiß, es ist zu spät.
