Kapitel 8 – Freak
Als ich Harrys Hand wieder loslasse, stehen wir in einem Raum, der mir vollkommen fremd ist. Schnell wische ich mir die Tränen, die ich nicht zurückhalten konnte weg. „Gut, da wären wir. Ich bin Harry Potter, der Schulleiter von Hogwarts." Nochmals lächelt er mich an. Nachdem ich dem keine Beachtung schenke und nur meine Schuhe anstarre, höre ich, wie eine Tür geöffnet wird. „Ah, Minerva, Severus, Neville und Mine. Schön das ihr da seid. Wir sind gerade angekommen." Vier Personen – davon zwei weiblich, zwei männlich – kommen auf uns zu. Zwei von ihnen wirken älter als Harry selbst, die anderen gleichalt. „Riley, dass sind Prof. McGonagall, Prof. Snape, Prof. Longbottom und Prof. Granger. Sie leiten jeweils eines der Häuser. Minerva McGonagall ist für Gryffindor, Severus Snape für Slytherin, Neville Longbottom ist für Hufflepuff und Hermine Granger für Ravenclaw zuständig. Wir werden jetzt festlegen, wo du hingehörst. Danach bringt dich der jeweilige Leiter in den Gemeinschaftsraum und erklärt dir alles Wichtige." Stumm sehe ich alle fünf an. Harry lässt sich davon nicht irritieren und holt einen Hut. Prof. Granger beginnt zu kichern und auf Prof. Longbottoms Miene hellt sich kurz auf. Die anderen zwei stehen da und schauen gelangweilt und doch zugleich interessiert. „Gut. Setzt dich bitte hier hin", meint Harry und deutet auf einen Stuhl. Unbehagen quält mich, doch ich lasse mir nichts anmerken, verstecke meine Gefühle perfekt hinter meiner Maske. Unter den Blicken dieser fünf Erwachsenen wird mir der Hut auf den Kopf gesetzt. Zuerst fühle ich mich total verarscht und komme mir dämlich vor, doch dann beginnt er zu reden und ich habe das Gefühl, in einem Irrenhaus gelandet zu sein. „Oh-Ah…Ich dachte, die Zeremonie wäre vorbei…und, oh-ah, wie alt du doch bist. Du kommst spät, sehr spät…hm…und du bist neu, sehr neu…" Es ist eine alte Stimme. In ihr stecken Weisheit und Erfahrung. „Dieser Hut sieht in dein inneres und sagt dann, welches Haus für dich geeignet wäre", erklärt mir Prof. Granger. Irgendwie nicke ich. /Ihr seid doch alle bekloppt!/ „Oh, aber nein, nicht doch, nicht doch…", setzt der Hut wieder an. „Es ist schwierig, äußerst schwierig. Du glaubst das alles hier nicht…denkst, du gehörst nicht hier her…du hast keine Ahnung von deinem Talent, deiner Bestimmung! Und doch versteckst du alles, willst nicht, dass man es sieht. Dass man dich sieht. Die Wahrheit über das, was tief in dir steckt…" /Was?/ Krampfhaft versuche ich, meine Panik zu unterdrücken. Die Tatsache, dass dieser Hut mich so gut zu kennen scheint, beängstigt mich. Niemand kennt mich. Deswegen verstecke ich mich. Niemand soll mich kennen. Mich und meine Gefühle. Doch dieser Hut durchdringt meine Barriere, mein Schild, meine Maske. Er sieht hinter diese Lüge, deckt die Wahrheit auf. Und damit komme ich nicht klar. Die Versuchung, ihn vom Kopf zu reißen, ihn anzuschreien, er solle leise sein, ist so groß. Und es kostet viel Selbstbeherrschung, dies nicht zu tun. „Du bist sehr impulsiv…sehr, sehr. Und doch so schlau. Du bist begabt, geistreich…klug. Und dennoch bescheiden. Du würdest andere Schützen…du passt perfekt. Und du hast Mut. Viel Mut, großen Mut. Dennoch…du bist unwissend, dumm….klein!" Unmerklich zucke ich zusammen. „Deine Ängste sind groß, nachvollziehbar, klar…deine Bestimmung ist…einzigartig…" /Welche Bestimmung? Was laberst du da?! Raus aus meinem Kopf!/ „Aber, aber…nicht doch, nicht…Es passt alles, es ergibt alles Sinn…du solltest nach…" Plötzlich merke ich, wie angespannt es im Raum ist. Die erdrückende Stille, die Aufmerksamkeit, die man mir und dem Hut widmet. „…Gryffindor", er flüstert es, mehr zu mir, als zu den anderen. Doch sie hören es trotzdem. Harry lacht auf, freut sich, lächelt. Prof. McGonagall nickt mir zu, Prof. Granger und Longbottom wünschen mir Glück. Und Prof. Snape sieht mich finster an. Stumm sehe ich zurück, schaue dann weg und betrachte den Boden. Mein Herz hämmert wie wild gegen meine Brust. McGonagall legt mir eine Hand auf die Schulter und ich zucke zusammen. Schnell entziehe ich mich ihrer Berührung. „Gut. Ich zeige ihnen alles, danach gehen wir in die große Halle, es gibt Abendessen." Ohne auf meine Antwort zu warten geht sie zur Tür. Harry beugt sich vor und erwähnt leise: „Lass deine Sachen hier, du musst eh nochmal her. Wegen deiner Frage…" Wieder halte ich den Atem an. Woher weiß er das? Woher weiß er, was mich beschäftigt? Noch ehe ich etwas sagen kann räuspert sich Minerva und ich stehe auf um ihr zu folgen. Sie sieht nicht so auf, als ob man sich mit ihr anlegen sollte.
