Kapitel 9 - Dumbledore

Prof. McGonagall läuft einen Gang entlang und das mit eiligen Schritten. Ich folge ihr stumm. /Wie schnell sich alles verändern kann.../ Mir entfährt ein Seufzen und McGonagall schaut mich kurz durch ihre Brille hindurch an. Irgendwie hat sie etwas freundliches, doch ihre strenge Miene macht alles kaputt. „Den Gemeinschaftsraum lassen wir aus. Hier Ihr Stundenplan und die regeln sind auch einfach. Sie können für ihr Haus Punkte gewinnen und verlieren. Natürlich ist es besser, wenn Sie Punkte gewinnen. Am Ende des Schuljahres wird der Hauspokal vergeben. Das Haus mit den meisten Punkten gewinnt. Ganz einfach. Ihr Stundenplan bekommen Sie nachher von Mr. Potter. Im Kerker befinden sich beispielsweise die Räume für Zaubertränke. Achten Sie auf Pünktlichkeit, Mrs. Black." „B-Blow." Um ehrlich zu sein traue ich mich nicht, ihr zu widersprechen. Aber in meinen Augen bin ich immer noch Riley Blow. „Gewiss. In der großen Halle gibt es Frühstück, Mittag und Abendbrot. Den restlichen Tag haben Sie Unterricht oder – wenn dies der Fall sein sollte – frei. Wir haben eine Bibliothek, in der Sie ungestört Hausaufgaben machen können. Ihrer Schuluniform fehlt noch die Krawatte. Diese trägt das Hauszeichen. Bei uns ein Löwe." Der Stolz in ihrer Stimme ist unverkennbar. „Noch fragen?" „Gibt's hier W-Lan? Und Steckdosen?" „Was?" Verwirrt sieht sie mich an. /Na toll.../ „Vergessen Sie's. Verzeihung. Nein, keine Fragen." „Ähm...gut. Um 22 Uhr ist Nachtruhe. Ich rate Ihnen, sich in Ihrem Bett zu befinden. Nun gehen wir essen." Ich nicke, obwohl es keine Frage ist. Sofort setzt sich Prof. McGonagall in Bewegung und rennt förmlich in einen riesigen Raum. Er ist voller Treppen. Und zu meinem Entsetzten bewegen sich auch noch die Abschnitte der Treppen. Nun bin ich sicher, dass ich verrückt bin. Mit offenem Mund sehe ich mich um, fange mich aber gleich wieder und verstecke mein Staunen hinter meiner Maske. „Die wandelnden Treppen ändern gerne ihre Richtung. Passen Sie also auf." Ohne ein weiteres Wort läuft sie los. „Und wie soll ich meine Klassenräume finden?" Sie wirft mir einen flüchtigen Blick zu und läuft die Treppen runter. „Vielleicht gibt Prof. Potter Ihnen ja eine Karte." Anscheinend wird sie mir in diesem Punkt nicht helfen. „Muss ich die Uniform jeden Tag anhaben?" „Natürlich." „Aber-" „An den Wochenenden nicht. Ach ja, an einigen Wochenenden gehen wir nach Hogsmeade. Ein Zaubererdorf hier in der Nähe." Mit diesen Worten betreten wir die Halle und ich kann mich nicht mehr an die Frage erinnern, die ich eben noch stellen wollte. Die Halle ist hell erleuchtet von Kerzen, die aussehen, als ob sie schweben. An der Decke sehe ich Wolken, die nach Regen aussehen. Viele Kinder – und Jugendliche – reden lauthals miteinander, lachen und essen. Auf der anderen Seite ist ein Tisch, der anscheinend nur für Lehrer ist. Die anderen vier Tische sind riesig. Mein Herz hüpft aufgeregt. „Jeder Tisch ist für ein Haus." Das erklärt einiges. Doch am meisten fasziniert mich das Bild, dass mir direkt gegenüber aufgehangen wurde. Am anderen Ende des Raumes. Das Bild von einem Mann mit sehr langem, weißen Haar und einem ebenso weißen Bart. Er trägt eine kleine Brille und seine Augen lächeln mit entgegen. Das vertrauen, das in seinen Augen liegt, sorgt für eine Wärme in mir und erst jetzt fällt mir auf, wie kalt mir war. „Das ist Prof. Dumbledore. Er war vor Harry Schulleiter. Leider starb er im Kampf gegen Voldemord." Der Mann auf dem Bild zwinkert mir zu. Eigentlich müsste es mich wundern, dass ein angeblich toter Mann mir zuzwinkert, doch es kommt mir ziemlich normal vor. Einige Schüler starren mich an, andere zeigen auf mich und tuscheln. „Setzten Sie sich" Der Mut, den mir Prof. McGonagall machen möchte, erreicht mich zwar nicht, doch ich gehe auf den Tisch ganz rechts zu und setzte mich zögernd hin. Zuerst verstummen die Gespräche um mich herum, dann alle. Harry ist aufgestanden und hat sich vor einem Podest aufgestellt. „Herzlich Willkommen. Schon wieder. Ich weiß, eigentlich sollte ich nicht noch eine Rede halten, doch ich möchte noch einmal um Aufmerksamkeit bitten. Wie Ihr seht, haben wir Zuwachs erhalten. Ich bitte darum, dass Ihr Mrs. Blow helft, sich an all dies hier zu gewöhnen. Denn...sie ist auf persönlichen Wunsch von Dumbledore hier. Danke" Damit setzt er sich wieder an seinen platz, hebt seinen goldenen Krug an und lächelt mir zu. Ich bemerke, wie starr ich dasitze und sehe auf das Essen vor mir. Daher mir durch all die Geschehnisse der Appetit und der Hunger vergangen sind, nutze ich die Zeit und sehe ich noch einmal in der Halle um. Sie ist wahrscheinlich der größte Raum, den ich je gesehen habe. /Und ich soll jetzt täglich hier ein Brot in mich rein stopfen?/ Widerwillig seufze ich. „Entschuldigung, aber...du kennst Dumbledore?" Die Stimme eines Mädchens lässt mich zusammenzucken. Kurz mustere ich sie, dann schaue ich auf den Teller vor mir. „Nein." „Achso, schade." Trotzdem schaut sie mich weiterhin an. /Wie ein Tier im Zoo/ „Lasst sie doch mal!" Wieder sehe ich auf. Diesmal redet ein Junge. Seine Haare leuchten feuerrot. „Hey. Ich bin James. James-Albus Potter." Sein freundliches Lächeln macht mir Angst. „Harry Potters ältester Sohn" Stolz schwingt in seiner Stimme mit und ich nicke. „Riley Blow." „Nett, dich kennen zu lernen. Das ist Lucy und das hier ist Liam." Er zeigt erst auf das Mädchen, dass mich immer noch angafft und danach auf einen Jungen mit braunen Haaren. „Mhmm." „Willkommen in Hogwarts. Lura wird sich bestimmt gleich um dich kümmern." Sofort erstarre ich. „L-Lura...?" „Ja. Kennst du ihn?" Unfähig etwas zu sagen, starre ich James an. Und dann, als ich es endlich schaffe mich abzuwenden, sehe ich ihm direkt in die Augen.