Kapitel 11 - Sternenhimmel

Während Prof. Snape irgendetwas von den Schulregeln erzählt, sehe ich mich um. Sein Büro ist nicht gerade groß. An den Wänden stehen Regale mit gruseligem Zeugs darauf und gegenüber der Tür – an der Wand – steht sein Schreibtisch. Snape funkelt uns abwechselnd böse an und lehnt sich an den Tisch. „…haben Sie verstanden?" Erwartungsvoll wandert sein Blick zwischen Lura und mir hin und her. „ja, Sir." Lura tut alles, um ihn nicht ansehen zu müssen. Severus sieht nun mich an. „Und Sie, Miss Blow?" „Was?" Ich hebe eine Augenbraue und sehe ihm direkt in die Augen. „Ob Sie mich verstanden haben." Mit kaltem Blick mustert er mich. „Tut mir leid, hab nicht zugehört." /naja…leid tut es mir ja irgendwie doch nichts…/ „Ach? Und Sie denken, dass das ungestraft bleibt?" „Habe ich das gesagt?" Genervt sehe ich ihn an. /elender Klugscheißer/ „Fünf Punkte Abzug. Für Gryffindor." Verwirrt sehe ich meinen zukünftigen Lehrer an. „Und jetzt?" „Zehn Punkte. Zügeln Sie Ihre Zunge, Miss Blow." „Wir können ja wetten. Ich setzte Zwanzig!" „Professor…Riley versteht das Punktsystem noch nicht. Es wäre nett, wenn Sie-" „Mischen Sie sich da nicht ein, Anderson! Ich glaube, Miss Blow kann schon alleine handeln." „Professor, Riley ist unter anderen Umständen-" „Ich bin über Ihre Umstände durchaus im klaren. Aber, Mr. Anderson, eventuell möchten Sie ja Miss Blow über die Umstände-" „Professor!" „Schreien Sie mich nicht an! Ich finde, wir sollten Miss Blow aufklären, weshalb Adrie-" „Wagen Sie das nicht, Severus! Ich werde- " „Klappe halten! Alle Beide!" Von wo ich den Mut nehme, sowohl meinen Lehrer, als auch meinen Bru- ähm…Lura anzuschreien, weiß ich nicht. Aber es hilft. Beide sind leise. „Ihr könnt doch nicht über meinen Kopf hinweg reden! Ich bin anwesend und höre alles!" „Hervorragende Idee, Miss Blow. Ich ziehe Ihnen fünfzehn Punkte ab undnun verlassen Sie bitte mein Büro." „Was?" Wut macht sich in mir breit. „Ich möchte mit Anderson unter vier Augen reden." Mit offenem Mund starre ich beide an. „Aber Lura wollte mich zu Harr-" „Ich bringe dich danach hin. Warte draußen." Es klingt nicht wie eine Bitte. Also drehe ich um und gehe langsam – extrem langsam – auf die Tür zu. /Idiot! Ich hasse ihn! Ich hasse alle! Ich hasse alles! Ich hasse es!/ Wütend reiße ich die Tür auf und trete aus dem Büro hinaus. Danach lasse ich die Tür kräftiger als nötig ins Schloss fallen. Kurz verharre ich vor der Tür, überlege, wohin. Dann laufe ich den Gang entlang, immer weiter, ohne eine Ahnung, wo ich landen werde. Mit jedem Schritt versinke ich mehr in Gedanken. Und als ich wieder ‚wach' werde, stehe ich in der großen Halle. /Anscheinend komme ich doch schneller klar als gedacht./ Sie ist dunkel, leer, verlassen. Das Gelächter und die Freude von dem Essen sind verschwunden. Die Halle wirkt kalt und leer. Richtig einsam. Nur an der Decke leuchtet ein klarer Nachthimmel. Eine klare Sternennacht. Als Kind habe ich oft die Sterne beobachtet. Weil sie mich daran erinnert haben, dass es mehr gibt. Mehr, als mein Leben. Mehr, als Trauer und Einsamkeit. Doch nun bin ich älter geworden. Es gibt nicht mehr. Schmerz und Leid gehört zum leben. Und jeder, der denkt, dass das Leben rosa-rot sein kann, hat die Realität noch nicht begriffen.

Ich sitze in der Halle, betrachte die Sterne und weine. Weine all den Schmerz heraus. Wie gerne würde ich schreien und brüllen, schlagen und treten, weinen. Einen Schuldigen finden, ihn bestrafen, ihn hassen. Aber es gibt keinen. Ich kann niemanden verurteilen. Denn wie willst du die Realität bestrafen? Es tut weh, zu wissen, dass alles, was ich erlebt habe, gelogen war. All die Erinnerungen und Momente. Nichts war ehrlich. Auf einmal habe ich keine Eltern mehr. Und keinen Bruder. Mein Leben ist…verschwunden. Weg. Und alles, was mir bleibt, ist die Geschichte meiner wahren Eltern, die mir keiner richtig erzählt hat. Warum interessiert es keinen? Warum…bin ich alles egal? Warum haben alle gelogen? /Warum? Warum…? Warum!/ Es tut einfach so weh. Und ich kann nicht aufhören zu weinen. Mit entfährt immer wieder ein Schluchzen. Jedesmal, wenn ich fast aufgehört habe, fällt mir ein neues Moment ein. Ein Moment, an dem ich glücklich war. Und dann fällt mir ein, dass er gelogen ist. Alles ist gelogen. Wut, Trauer, Angst, Einsamkeit, Verzweiflung…all diese Gefühle sind in mir. Und ich kann sie nicht verbergen. Vor niemanden. Nicht einmal vor mir. Und während ich da so sitze, und weine, bemerke ich nicht, wie sich eine Schattenhafte Person anschleicht…