Kapitel 13 – Snape

Der Professor stellt sich vorne an den Tisch und mustert die Klasse. Sein Blick ist kalt und abweisend. Scheint, als hätte er einen ziemlich miesen Tag gehabt. „Guten Tag", zischt er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Einige aus der Klasse murmeln Dinge wie „Guten Morgen" oder „Hallo Prof. Snape". Ich hingegen bleibe stumm und widme meine Aufmerksamkeit dem Blatt vor mir. Pergament. Ein Federkiel. Ein Tintenfässchen. Bücher. Augenblicklich komme ich mir vor, als würde ich im Mittelalter zur Schule gehen. /Oh, wow./ Schule ist ätzend. Einfach nur ätzend. „Gut. Nun, worüber haben wir das letzte Jahr geredet?" Ahnungslos lehne ich mich zurück. Zwei Hände schieben sich zögernd in die Höhe. Nur eine Person meldet sich selbstbewusst. Langsam sehe ich nach rechts. Liam. Mit einem Grinsen auf den Lippen betrachte ich ihn. Erst jetzt fällt mir auf, wie wenig er eigentlich spricht. „Mrs. Blow?" Ungewollt zucke ich zusammen. „Hm?" „Also?" Snape hebt eine Braue. „Ähm…keine Ahnung?" Genervt verschränke ich die Arme vor der Brust und sehe ihn desinteressiert an. „Haben Sie keine Ahnung?" „Nope." „Warum?" „Weil ich nicht da war,-" /-du Idiot!/ Doch ich breche ab und verkneife mir den Rest. „Und Sie halten es nicht für nötig sich zu erkundigen?" „Wissen Sie, Professor, ich hätte mich ja erkundigt wenn ich nicht erst gestern hier angekommen wäre und mich ein nerviger Typ mit Regeln bombardiert hätte." Mir ist klar, dass Prof. Snape weiß, dass ich ihn meine. Aber es ist mir egal. Grinsend beobachte ich, wie sich seine Augenbrauen zusammen ziehen, er sich vorsichtig über seinen Tisch beugt und dort abstützt. „Und wie würden Sie diesen Typ noch beschreiben, Mrs. Blow?" „Sind Sie sich sicher, dass Sie das verkraften, Prof. Snape?" Mein Grinsen wird breiter. Gereizt richtet sich Snape auf und kommt zu meinem Tisch. In seinen Augen spiegelt sich alles und seine Aura scheint kälter zu sein als alles, was ich kenne. „Wissen Sie, Mrs. Blow, Sie dürfen diesen Unterricht gerne verlassen. Mit mir, versteht sich. Dann können Sie mir detaillierter erklären, was für ein Typ Sie bombardiert hat." Kurz muss ich schlucken. Er erinnert mich mehr an eine Schlange. Nachdem ich mich wieder gefangen habe stehe ich auf, greife nach meinen Büchern und will sie einpacken. „Nein." Snape' Hand liegt auf meiner und hindert das Einpacken. „Die können Sie danach holen." Kurz sehe ich ihn prüfend an, dann drehe ich um und gehe locker zur Tür. Draußen dreh eich mich wartend um. Er muss der Klasse noch sagen, was sie in der Zeit tun soll. Müde lehne ich mich an die Wand. Als er dann vor mir steht glüht sein Blick voller Feindseligkeit. „Mrs. Blow. Ich verstehe, dass das alles für Sie eine riesen Umstellung sein muss, doch wagen Sie es nicht, sich mit mir anzulegen." Das ganze klingt ehr wie ein gut gemeinter Rat. Ungläubig schießen meine Brauen in die Höhe. „Wissen Sie, Professor, ich bezweifle, dass Sie schon mal etwas verloren haben, das Ihnen mehr bedeutet als ihr Leben." In seinen Augen spiegelt sich ein Gefühl, das ich nicht zuordnen kann und eine Sekunde lang wirkt er so, als wüsste er genau, wovon ich rede. Doch dann ist da nur sein hämisches Grinsen. „20 Punkte Abzug. Nun, Sie werden wohl etwas Nachhilfe brauchen. Ich biete diese Ihnen an. Heute Abend um 19 Uhr." Damit geht er auch schon wieder rein. /Was zur Hölle-? Der Typ is ja nicht grad der gesprächigste, was?/ Kurz balle ich die Fäuste, dann gehe ich rein.

Nach der Stunde und – leider Gottes – drei weiteren, gehen wir in die große Halle. Dort wartet ein riesen Buffet mit Essen. Doch Hunger habe ich keinen. Also sitze ich stumm neben Liam, Lucy, James und Co, betrachte meinen Ast und denke an die Sprüche, die ich heute ansatzweise gelernt habe, Anwenden kann ich keinen. Sprechen ja, zaubern nein. Mein Kopf landet auf dem Tisch. „Du solltest doch zu Mr. Potter? Hat Lura dich schon hingebracht?" Ich sehe James an. Leicht schüttle ich den Kopf. „Nope." „Ich könnte Susan fragen." „Und wer bitte ist Susan?" „Naja…sie ist in Ravenclaw. Sie kennt auch das Passwort zu Dad." „Und du als sein Sohn weißt das nicht?" „Nein. Das sind die Regeln von Hogwarts…" „Weißt du…nicht böse gemeint, James, aber ich geb ein fic-…mir sind die Regeln egal. Im Grunde ist es hier genauso gut wie unter jeder Brücke. Also." Ohne auf etwas zu achten stehe ich auf und gehe raus. Vor der riesen Tür treffe ich auf Severus. Eigentlich hätten wir uns super ignoriert, doch natürlich stolpere ich genau in diesem Augenblick und ramme Snape – ausversehen – meine Schulter gegen die Seite. „Ach, Mrs. Blow…Sie lassen sich aber oft sehen. Brauchen Sie Aufmerksamkeit?" Seine Augenbrauen heben sich und seine Augen verschlingen mich. „Keine Sorge, es gibt wichtiges als Sie zu nerven, Professor." Schnell will ich weiter, doch er stellt sich mir in den Weg. „Denken Sie an den Temin heute…und vorher sollten Sie Mr. Potter aufsuchen…das ist keine Bitte." Damit geht er und ich sehe ihm nach. /Sind denn hier alle bekloppt?/ Doch irgendetwas beunruhigt mich, also beschließe ich, heute zu Harry zu gehen. Ein Schauer läuft meinen Rücken runter und ich gehe hoch. Die Treppen sind ein guter Sport, aber ich bin unsportlich. Also muss ich öfters irgendwo eine Pause machen. Dann sehe ich etwas, das mir den Magen umdreht. Küssen ist nicht meine Welt. Wenn Lura und Dawn geknutscht haben, musste ich schon würgen, aber DAS toppt alles. Skorpion oder wie der Junge auch heißt, küsst gerade Sam. /Die ist doch mit dem Jungen zusammen?/ Alles dreht sich. Schnell sehe ich weg und laufe gezielt in einem Bogen um die Zwei. Als ich sie hinter mir lasse, muss ich erstmal husten. „Du kannst ruhig auch." „Jetzt ist mir ganz schlecht." Ich muss den Blick etwas heben um ihm in die Augen sehen zu können. „Wieso denn? Du bist also die NeueRiley… ich dachte, du wärst ein Junge." Sein Blick gleitet an meinem Körper hinunter. „Und ich dachte du bist ein Spanner…oh, ich hatte recht." Gereizt will ich an ihm vorbei, doch er hält meine Hand fest und stellt sich vor mich. „DU hast mir vorhin ganz schön weh getan, Rey…" „Riley", zische ich. „Achja. Nur dein Bruder darf dich so nennen. Ach, halt…er ist ja gar nicht dein Bruder!" Sofort tritt er zurück, denn ich hebe mein Knie um ihn zu treten. Plötzlich zeigt er mit der Spitze seines Stabes auf mich. „Leg dich nicht mit mir an, Kleine." „Du drohst mir mit einem…Ast?" „Sicher, dass das nur ein Ast ist." In der nächsten Sekunde schreit er ein Wort, mich reißt etwas auf den Boden und ein ohrenbetäubender Lärm ist zu hören. Langsam öffne ich ein Auge. Mein Körper zittert und mein Herz hyperventiliert. Lura steht vor mir, seinen Stab auf den anderen Jungen gerichtet. Verwirrt fasse ich an meinen Kopf. Nass. Etwas warmes, Klebriges läuft meine Stirn hinunter. Blut. Wütend schreien sich die Jungen an, doch ich höre nur einen Piep-Ton. Alles verschwimmt und ich kann kaum etwas erkennen. Meine Sicht ist getrübt und mir ist schwindelig. „W-Was?" Doch keiner der beiden scheint mich zu hören. Immer wieder krachen Dinge vor meinen Augen zusammen, die ich nicht erkenne. Als ich den blonden Jungen betrachte, sieht er mich mit wutverzerrtem Gesicht an, richtet seinen Zauberstab auf mich und schreit etwas. Wieder sehe ich eines dieser bunten Dinger. /Ich muss irre sein…/ Plötzlich steht da wieder Lura. Auch sein Gesicht ist wutverzerrt. Langsam höre ich etwas. „DU wagst es…! Ich zerreiße dich, du elendes Miststück!" Beide machen mir Angst, also weiche ich zurück. Doch da ist etwas hinter mir. Keine Wand, ein Bein. Eine Person. Schnell – naja, für meine Verhältnisse schnell – drehe ich mich um und sehe meinem Zaubertränkelehrer in das Gesicht. Dass ich mich über ihn freuen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Kurz sieht er mich Prüfend an, dann wendet er sich den anderen Jungs zu. Da er leise redet, verstehe ich ihn nicht. Noch immer wirken meine Ohren wie tot. Blondie geht langsam und Lura sieht mich mit einem Blick an, wie ein Mörder sein Opfer. Das ist nicht mehr der Lura, den ich kenne. Früher hat er mich auch geholfen, aber nie so. „Mr. Anderson…Sie gehen auch." „Nein." Lura knurrt leise, wendet den Blick nicht von mir ab. Und ich liege da auf dem Boden, wie so ein Trottel, zitternd mit dem Rücken an die Beine meines Lehrers gelehnt. „Doch." „Nein! Sie haben mir gar nichts zu sagen, Severus!" „Oh doch. Gehen Sie nun." Der Hass, den ich aus seinen Augen lesen kann, macht mir mehr Angst als alles andere in meinem Leben. Kaum ist er weg, herrscht Stille. Dann beugt sich Snape zu mir hinunter. „Können Sie aufstehen?" Gerade besorgt klingt er nicht, doch das ist mir egal. Verdattert nicke ich. Seine Hand schließt sich um meinen Oberarm und er zieht mich hoch. Systematisch reiße ich mich los und will alleine gehen, doch ich schwanke und kippe vorne über. Zum Glück – oder Pech, je nach dem, wie man es sieht – fängt er meinen schwachen Körper auf. „Sie sollten nicht immer alles alleine Regeln. Manchmal sollten Sie Hilfe einfach akzeptieren." „W-Was war da bitte los?" Ja, ich habe Angst. Und aus irgendeinem Grund bin ich froh, das Snape hier ist. Wahrscheinlich, weil er so etwas nicht weiter sagt…so wirkt er nicht. „Das war ein unerlaubtes Duell." „Aber…nein, w-was war das in Lura?!" Snape antwortet nicht, nein, er seufzt nur tief. „Ich rate Ihnen, reden Sie mit Harry." Der Unterton, den seine Stimme mit sich bringt, lässt mich zittern. /Das tut meinem Herz echt nicht gut…/ Vorsichtig gleitet meine Hand über meine Stirn. Alles ist warm, klebrig, nass. Genauso mein Hinterkopf. Mein Lehrer begleitet mich zu einem Raum und ich folge leise. Ich werde das Gefühl nicht los, dass auch Snape in die Sache verwickel ist…