Kapitel 16 – Vergangenes
Der Brief ließ mir keine Ruhe, also habe ich ihn gestern Abend noch gelesen. Was definitiv ein Fehler war, denn ich habe Stunden gebraucht um einzuschlafen. Eigentlich sollte ich mich über den Brief freuen. Damien und Mia freuen sich, das ich nun endlich da bin, wo ich hingehöre. Sie meinen, dass das Lügen ihnen sehr leid tut und sie es gerne wieder gut machen wollen. Nun, da ich schon wach in meinem Bett liege – schon wieder bin ich viel zu früh wach – entschließe ich mich dazu, ihnen zu antworten. Leise klettere ich aus dem Bett, ziehe mich an und gehe in den Gemeinschaftsraum. Dort such eich mir einen Tisch, lege Papier und Feder drauf und überlege. Was bitte soll ich ihnen schreiben…? /Hey Mia, Damien. Mir geht es hier gut, nur scheint Lura eins an der Waffel zu haben. Achja, ich habe schon zweimal Ärger mit einem komischen Jungen gehabt und ein Typ aus meinem Haus steht auf mich. Ich hasse meinen Zaubertränkelehrer und er mich. Eigentlich will ich nur tot umfallen, aber wie gesagt: sonst geht's mir gut!/ Verzweifelt schüttle ich den Kopf. Dann setzte ich an.
Damien, Mia. Ich habe mich schon irgendwie über euren Brief…gefreut. Die Leute hier sind ok, wenn sie nicht gerade nerven. Im Unterricht muss ich viel nachholen, aber das ist ja verständlich. Mittlerweile habe ich schon mehr Antworten über meine Vergangenheit. Also, warum meine Eltern…ach, das Zeug halt. Ihr wisst schon. Und irgendwie weiß ich nicht, was ich schreiben soll. Wollte euch nur wissen lassen, dass es mir gut geht. Ähm…ja. Also…ja…hm…keine Ahnung, viel Spaß…oder so.
Ich betrachte den Brief. Na der ist ja toll geworden. Kurz zögere ich, dann setzte ich noch einen Smiley drunter. Schnell räume ich alles auf und gehe raus. Leider habe ich nicht die leiseste Ahnung, wo die Eulerei ist. Müde laufe ich den Gang entlang. Erst, als ich Schritte höre, sehe ich auf. „Hey. Morgen. Was machst du denn schon so früh hier?" „Ich, ähm…suche die Eulerei." „Die Eulerei? Da bist du hier ziemlich falsch, du Dödel." Grinsend sieht mich Sebastian an. Seine Haare stehen ab und seine braunen Augen mustern mich genau. „Wie bitte?" Fassungslos sehe ich ihn. „Ich weiß, du bist neu…aber hier geht es zur großen Halle, heißt nach unten. Da ist die Eulerei bestimmt nicht." Er wuschelt mir durch die Haare, immer noch grinsend. Stumm sehe ich ihn an. „Ahja. Danke für die Info." „Was denn?" „Nichts." Damit will ich an ihm vorbei. Doch da fallen mir Harry's Worte ein. „Würdest du mich…ähm…hinbringen?" „Klar." Sein Lächeln wird breiter und er deutet mir, ihm zu folgen. „Wie findest du es bisher? Also hier, in Hogwarts? Also allgemein." Stur verkneife ich mir ein seufzen. „Passt." Leise folge ich ihm, darauf bedacht, ihn nicht anzustarren. Harry will also, dass ich mit ihm rede. Gut. „Es ist eigentlich ganz okay hier, nur will mir niemand Antworten auf meine Fragen geben…und irgendwie stecke ich bis zum Hals in Problemen." Sofort sieht Sebastian mich neugierig an. „Fragen? Probleme? Was denn? Ich meine, wir kennen uns zwar nicht wirklich, aber ich helfe gern." Seine Freundlichkeit versetzt mir Herzstiche, die ich nicht zuordnen kann. Geschickt ignoriere ich sie. „Ja. Über meine echten Eltern…warum ich hier bin…was mit Lura ist und…alles halt." Kurz bildet sich eine Falte auf seiner Stirn, doch dann scheint er aufzugeben. Gut für mich. „Naja. Deine Eltern schreiben halt zusammen mit Harry Potter und Dumbledore Geschichte. Adrien und Angel sind die Retter von Harry. So gesehen. Naja. Adrien ist ein entfernter Verwandter von Sirius Black. Also die sind aus einer Familie. Und Sirius war Pate von Harry. Doch durch Voldemord starb er. Später, als Harry Adrien kennen lernte, erkannte er in ihm ein Teil von Sirius. Die beiden bauten eine tiefe Freundschaft auf. Dann heiratete Adrien Angel. Und sie bekamen ein Kind…" Den Teil der Geschichte kenne ich, also winke ich ab. „Ich weiß. Dann kamen diese Totgegessenen und bla bla bla." Sebastian schnaubt leise. Naja, es ist ehr ein grunzen. Verwirrt sehe ich ihn an. „Totgegessenen?" Lachend hält er sich den Bauch. „Eigentlich ist das ein total ernstes Thema aber…sorry…" Genervt verdrehe ich die Augen. Nachdem er sich eingekriegt hat, erzählt er weiter. „Naja. Genau. Angel und Adrien starben halt…wegen den Todessern. Zumindest dachten das alle. Ich weiß nicht wie, aber Adrien konnte sich retten. Ich glaube ja, es waren Horkruxe." „Hor- Was?" „Horkruxe. Horkruxe sind Objekte, in denen ein schwarzer Magier einen Teil seiner Seele außerhalb seines Körpers aufbewahrt. Wer einen Mord begeht, spaltet seine Seele und kann einen Teil davon behalten und den anderen durch einen schwarz-magischen Zauber in einen Gegenstand einschließen. Auf diese Weise lebt nicht seine ganze Seele in seinem eigenen Körper, sondern nur ein Teil von ihr. Der andere Teil der Seele ist nicht sicher in einem Horkrux aufbewahrt. Wenn eine Person getötet wird, die einen Horkrux von sich hergestellt hat, bleibt ihre Seele erdgebunden, weil ein Teil von ihr in einem unversehrten Horkruxkörper erhalten ist. Deshalb wird diese Person entleibt ohne zu sterben. Die verbliebene Rumpfseele aus dem jetzt toten eigenen Körper kann sich in fremde Körper einnisten oder sich mit fremder Hilfe wieder einen eigenen, handlungsfähigen Körper schaffen. Und genau das hat dein Vater garantiert getan!" Begeistert lächelt mich Basty an. „Er soll gemordet haben? Scheint ja echt ein super Vater zu sein. Richtiger Held." Nun ist er verwirrt, kann nicht verstehen warum es mir missfällt. „Dein Vater hat geholfen praktisch die ganze Welt zu retten! Wenn er es nicht getan hätte, wer dann?" Mein Körper versteift. „Und dafür musste seine Familie sterben? Er hat alle verloren, die ihm etwas bedeuten! Wer ist hier ein Held? Derjenige, der den Dank tausend Fremder kassiert und Geschichte schreibt oder der, der seine Familie beschützen kann OHNE sie zu verlassen?" Stockend atme ich, mein Herz rast. Zitternd starre ich Sebastian an. Woher nimmt er es sich, einfach meinen…. 'Vater' als Held hinzustellen? Anscheinend will er jedem Streit aus dem Weg gehen. „Ist gut. W-Wir wollten zur Eulerei, oder?" Schnell nicke ich, senke meinen Blick und verstumme komplett. Basty läuft vor, versucht immer wieder mich in ein Gespräch zu verwickeln doch ich blocke ab, will mich nicht unterhalten. Als wir in dem Turm, der Eulerei, ankommen, wendet er sich zum gehen. „Zurück findest du bestimmt alleine, oder?" Nickend gehe ich los, suche meine Eule. Mir fällt auf, dass sie immer noch keinen Namen hat. Bald finde ich die schwarze Eule, die mich neugierig ansieht. „Na?" Zögernd knie ich mich zu ihr und streiche langsam über ihr Gefieder. Es scheint ihr zu gefallen, sie kommt näher. Nach eine halben Stunde sitze ich an die Wand gelehnt da und die kleine Eule sitzt auf meinem Knie. Ihre Krallen rammen sich in meine Haut, bringen sie zum bluten und brennen, doch es ist mir egal. „Also. Wie nennen wir dich, hm?" Ich gehe in Gedanken viele Namen durch. Sehr viele. Doch keiner scheint zu passen. Andere Eulen kommen in den Turm geflogen, machen es sich bequem und starren uns an. Eigentlich dachte ich, es würde mich stören, doch bei Tieren ist es anscheinend anders. Es ist mir…nicht unangenehm. Dann fällt mir ein Name ein, der passt. „A-Adrien…?" Zufrieden schmiegt sich der Kopf der Eule gegen mein Knie, schließt genüsslich die Augen. „Also Adrien."
