A/N: Hehe^^ Danke! Ich freue mich. Und hoffe, dieses Kapitel - kurz und knapp und weniger süß - gefällt dir. Hm. Für das nächste muss ich eine etwas fluffigere Geschichte heraussuchen, wie mir scheint... Ich hoffe, ich habe so etwas noch auf Lager.


Cold Case – Frühling. Eine ganze Welt

Plötzlich klang ihr der eigener Name seltsam fremd in ihren Ohren.

Wie ein Fremdkörper in einer Tasse Kaffee, ein Unbekannter in der eigenen Wohnung oder eine falsche Ziffer in der eigenen Telefonnummer. Wie eine Kugel in einer offenen Wunde.

Ihr Name.

Manchmal hatte sie das Gefühl, dass jeder, der sie kannte, sie unter einem anderen Namen kannte. Und jeder Name war eine andere Frau. All die Leute, die sie mit jemandem verwechselten – die sie für ihre Schwester Christina hielten oder für ihre Mutter oder für jemanden, den sie nicht kannte. Die Leute, die sie einfach mit einem anderen Namen ansprachen, weil sie sich nicht an ihren Namen erinnern konnten. Die Leute, die sie mit ihrem Nachnamen – Rush – ansprachen, die Menschen, die ihr verschiedene Spitznamen gaben.

Eiskönigin.

Hexe.

Dumme Pute.

Zicke.

Liebling des Chefs.

Hure.

Mörderliebhaberin.

Oder diejenigen, die ihren Namen aussprachen, sie jedoch gar nicht meinten, oder diejenigen, die einen Namen riefen, der dem ihrem so ähnlich klang, dass sie sich unwillkürlich umdrehte.

Aber all diese Leute hatten eines gemeinsam: sie benutzten nur Umschreibungen für ihren Namen.

"Ich weiß nicht, wie lange es noch dauern wird, Lilly."

Sein gereizter, entnervter Gesichtsausdruck. Der drohende Donner in seiner Stimme, als er diese Worte äußerte, durch den unterliegenden Klang der Worte eindeutig klar machte, dass er sich durch ihre Anwesenheit gestört fühlte… Scotty war wütend – auf sie – und Lil wusste es.

Das Wissen um diese Tatsache überfiel sie mit einer solchen Wucht, dass sie zunächst instinktiv reagierte.

„Dann bis nachher!", hatte sie gesagt und den Raum verlassen.

Erst draußen war sie losgerannt, eine Hand auf ihren Brustkorb gedrückt, ohne dass sie wirklich wusste, warum. Der Schmerz überfiel sie in aller Härte, zusammen mit der Erkenntnis: Mehr als alles andere hatte Scottys Benutzung ihres vollen Namens diese Reaktion in ihr hervorgerufen. Nicht die Wut, die in seinen Augen schimmerte, nicht der scharfe Unterton seiner Stimme. Sie wusste, dass er angespannt war, genau wie sie alle. Dass der Fall an ihm zehrte – genau wie an ihnen allen. Dass er sich nur durch ihre wiederholten Fragen gestört gefühlt hatte und dass seine Geduld ihn für eine Sekunde verlassen hatte – er hatte es nicht böse gemeint. Genau wie sie wusste, dass er nervlich am Ende war, wusste er, dass es ihr ebenso ging. Genau wie sie ihm einräumte, dass die Woche hart gewesen und ihre Nerven zum Zerreißen gespannt waren, räumte er ihr dies ein. Sie nahm ihm diese momentane Gereiztheit nicht übel. Scotty war ein freundlicher Mensch, jemand, der immer zuvorkommend blieb. Wenn er so gereizt reagierte, tat er dies nicht absichtlich. Dennoch tat es weh. Unglaublich weh.

Wie gewohnt man es doch war, den Klang des eigenen Namens – der Koseform des eigenen Namens – aus dem Munde derer zu hören, die man als seine Freunde bezeichnete.

Lilly.

Lil.

Zwei Buchstaben Unterschied, die hier die Welt bedeuteten.

Eine ganze Welt und das Wissen, dass er sie nicht wirklich verabscheute… Das Wissen und der stechende Schmerz in der Brust, dass sich irgendetwas verändert hatte.