Teil 2,5 - Beim Leuchtturm
(Gastautor: Alpenwolf)


"Ach, hier steckste also, Kleines." durchbrach plötzlich eine Stimme die Stille; was mich ziemlich erschreckte, da ich dachte, ich wäre alleine hier.

Ich drehte mich langsam um und erspähte die große Norn, die schon wieder am Bier trinken war. "Was machst du hier? Und wie bist du so leise hier her gekommen?" fragte ich verwirrt.

Die Norn strahlte so sehr, dass selbst der ganze Schnee aus ihrer Heimat mich nicht so sehr hätte blenden können. "Eine typische Norn: Groß und rund, dauernd am Saufen, ungehobelt, laut und dumm. Trifft das ungefähr deine Gedanken über mich?"
Ich nickte nur, langsam, und sie schnaubte leicht belustigt. "Beurteile ein Buch niemals nach seinem Einband, meine Kleine. Du könntest böse überrascht werden. Und jetzt mal ehrlich: Glaubst du, Dena würde sich mit Idioten abgeben?"

"Und was ist mit diesem Charr?" erwiderte ich nur.

"Du meinst Razor? Ach, der hat nur einen furchtbaren Sinn für Humor, aber Dena respektiert ihn. Die beiden sind Freunde, ob du's glaubst oder nich." ergänzte die Norn, als sie wohl meinen skeptischen Gesichtsausdruck sah, denn das konnte ich mir wahrlich nicht vorstellen. Meine große Schwester, eine Freundin von.. so einem.

"Und du glaubst es nich, stimmts?" sagte die Norn nach einer Weile und setzte sich neben mir auf dem Dach. "Und vielleicht is das auch gut so."

"Was- was meinst du damit?"

"Deine Schwester hat einen schönen Ruf, ne?" fragte die Norn mich anstatt mir eine Antwort zu geben.

"Was soll das jetzt bedeuten?" fragte ich leicht genervt die schwarzhaarige Norn.

"Allet un nix. Allet un nix."

"Du sprichst in Rätseln." sagte ich daraufhin verärgert, was die Norn neben mir nur grinsen ließ. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass genau das der Plan war. Vielleicht lag es auch nur an ihrem komischen Dialekt. Ich starrte sie nur für eine lange Zeit an, während sie mich weiter angrinste. Nach einer Weile legte sie eine Hand auf meinen Kopf und wäre wohl durch meine Haare gegangen, wenn ich nicht verkleidet gewesen wäre. So streichelte sie mich einfach eine Weile, bevor sie sich hinlegte und den dunklen Himmel betrachtete. Ich hingegen ließ meinen Blick wieder auf das Meer des Leids und die Stadt davor fallen.

Für eine Weile war es ruhig, bis ich plötzlich viel Bewegung an der Plazza in Löwenstein bemerkte, was nur eines an diesem Tag bedeuten konnte. Es war Irrkönigstag. "Der Verrückte König ist da!" rief ich voller Vorfreude. Trotz allem, was passiert war, freute ich mich immer noch auf dieses Fest.

Die Norn neben mir setzte sich bei diesen Worten auf, aber das war mir wiederum egal. Ich stand auf und bewegte mich langsam in die Richtung der Stadt, in der Hoffung, vielleicht noch ein bisschen vom Fest erleben zu dürfen, bis ich von Amanda ein "Desa!" hörte. Irgendetwas an ihrem Ton ließ mich inne halten und Schlimmes erahnen. Ihre nächsten Worte bestätigten das auch. "Irgendwas stimmt da nich."

Ich drehte mich zu ihr um und sah die Norn mit einem Fernrohr auf dem Dach stehen. Ein ernster Gesichtsausdruck war ausnahmsweise mal auf ihrem Gesicht zu sehen. "Irgendwas stimmt da ganz und gar nich."

"Was ist los?"

"Die Festbesucher haben grade Denngar ins verrückte Reich geworfen!"

"Denngar?"

"Denngar Thorson, Kommandeur des Paktes. Und ein Norn, wie ich. Die oberste Instanz, wenn's um den Kampf gegen die Altdrachen geht. Und nebenbei auch ein Freund deiner Schwester und ein hervorragender Saufkumpane. Und wenn ichs mir recht überlege, ist er auch theoretisch dein Vorgesetzter, da du ja eine Wachsame bist und somit zum Pakt gehörst. Nich wahr?"

"Ja." antwortete ich darauf nur. "Ich gehöre zu den Wachsamen."

"Sollen wir mal nachsehen und rausfinden, ob wir irgendwie helfen können? Oder willst du lieber allein hierbleiben?" fragte sie, immer noch durchs Fernrohr guckend. "Warte mal, ist das Tassi?"

"Tassi?" fragte ich verwirrt, mal wieder.

"Magistra Tassi, Abtei Durmand, Spezialistin für Halloween und alles, was irgendwie mit dem Irrkönig zu tun hat."

"Spezialistin für Halloween?" fragte ich, während ich vermutlich große Augen dabei bekam.

"Ja, du kannst dich ja nachher mal mit ihr unterhalten, aber wenn sie da ist, weiß ich, wohin die anderen gehen werden. Also, kommste mit?"

"Ich komme mit!" antwortete ich sofort. "Ich wollte mir gar nicht ausmalen, was meine Schwestern denken würden, wenn ich nicht versuchen würde, hier zu helfen! Außerdem - eine Halloweenspezialistin - gibt es einen besseren Grund, um zu helfen?"

"Na dann, auf geht's." sagte die Norn nur, halb-lachend, und holte eine kleine Pistole heraus. Wo sie die versteckt hatte oder was sie damit vor hatte, war mir ein Rätsel, bis sie damit plötzlich auf das Gestein zielte und abdrückte.

"Wo hast du die Portalpistole her?!" fragte ich sie verwirrt, als ein Portal an der Wand erschien. "Ich meine, Wula hatte mir mal erzählt, dass diese Dinger verdammt selten waren und auch noch immer sind!"

"Da hat Wula recht, aber die hier hab ich schon seit 'ner Weile. Warum und woher... Das ist mein Geheimnis." sagte sie und verschwand durch das Portal an der Wand. Ich hatte nur die Wahl, ob ich ihr nun durch das Portal folgte, oder nicht. Nach einer kurzen Überlegung folgte ich ihr.