Dich Wiedersehen

'Claire', dachte Jamie. Ein Schauer durchlief ihn. Die ganze Zeit hatte er auf diesen Moment gewartet. All die Jahre hatte er gebetet und gehofft, dass er sie wiedersehen würde. All die Jahre. Einmal dachte er, sie wäre wieder da. Damals war er aus dem
Gefängnis ausgebrochen, um sie zu finden. Doch es stellte sich heraus, dass es ein falscher Hinweis war. Lange hatte er gehofft und vor kurzem hatte er die Hoffnung aufgegeben. Er hatte sich umbringen wollen, um im Himmel wieder mit ihr vereint zu
sein. Irgendwann, wenn sie nach 200 Jahren auch verstorben sein sollte. Doch Jenny, seine Schwester, rettete ihn. Sie und ihre blonde Freundin, die er nun geheiratet hatte. Jenny hatte ihm klargemacht, dass er jemanden brachen würde, um wieder leben
zu können. Er musste sie nicht lieben, das würde mir der Zeit kommen, sagte sie. Mit Claire war es ja ähnlich gewesen. Ihm war damals alles egal gewesen. Er hatte nichtmehr leben wollen. Also schien es ihm ein Kompromiss. Seine Schwester war
beruhigt und er konnte weiter vor sich hintentrauern.

Nun war aber glücklich. Nicht so glücklich wie mit Claire, aber so glücklich wie ein werdender Vater eben sein kann. Fiona, seine zweite Frau, war schwanger mit seinem Kind. Diesmal mit einem, welche er halten und aufwachsen sehen konnte. Jamie
hatte mit allem gerechnet. Aber nicht, dass er Claire vor seinem Tod Wiedersehen würde. Doch war sie es wirklich? Er muss einen Geist gesehen haben.

"Jamie", hauchte sie. Ihre wundervollen Lippen formten seinen Namen. Langsam bewegte er sich auf seine einzig wahre Liebe zu. "Ich bin es, Claire". Mit großen Augen und offenem Mund fasste er sie vorsichtig an, um zu testen ob sie wirklich in Fleisch
und Blut vor ihm stand. Als er den Wiederstand an seinen Händen fühlte, fiel ihm ein Stein vorm Herzen. Sie war es wirklich. Jamie drehte es. Ihm wurde schwarz vor Augen, aber nur kurz, sodass er sich fangen konnte. "Claire... Wie?", stammelte er.
Langsam bewegte er sich rückwärts auf sein sicheres Zuhause zu. Sie folgte ihm. Innen angekommen lief er sich auf sein Sofa fallen, ein handgefertigte Exemplar. "Jamie", versuchte Claire nochmal ein Gespräch anzufangen, "es tut mir so leid. Ich dachte
du wärst tot. All die Zeit ..."
"Und ich dachte ich seh dich nie wieder, Sassenach", hauchte er immernoch fassungslos. Jamie stand langsam auf und beugte sich zu ihr. Seine großen Hände strichen über ihre Wangen und strichen ihr die dunklen Locken aus dem Gesicht. Wortlos fanden seine
Lippen die ihren und verharrten dort. Es war ein langsamer Kuss. Seine Lippen waren wie ein Hauch auf ihren. Claire seufzte vor Erleichterung und schlang ihre Arme um ihren verstorben geglaubten Ehemann. Jamie löste sich nach der innigen Umarmung.
"Du kannst nicht bleiben. Ich muss nachdenken.", sagte er streng zu ihr. Claire schaute ihn entsetzt an. "Aber ich habe dich gerade erst wiedergefunden!" Jamie gab seinen schottischen Grolllaut von sich und verzog sein Gesicht. "Ich weis, mein Mädchen.
Aber ich bin verheiratet mit einer anderen und die Situation erstmal verdauen. Ich treff dich morgen früh am Brunnen." Er strich ihr über den Kopf. "Dann reden wir über alles."