Warnung: Hurt/Comfort, Sex als Mittel zum Umgang mit Trauer, evtl. ein bisschen Angst, sexueller Inhalt
Gabriel tut das, was er am besten kann. Die Dinge in Ordnung bringen, an die Jack sich nicht wagen kann.
Es war kein Zufall, dass er ausgerechnet heute mit den Berichten vor Anas Zimmer aufgetaucht war. Sie bewohnte mit Fareeha eine kleine Einliegerwohnung auf dem Gelände in Gibraltar. Heute war die Kleine das erste Mal seit dem Zwischenfall wieder zur Schule gegangen. Er konnte sich vorstellen, wie schwer es der Ägypterin fallen musste, ihre Tochter gehen zu lassen.
Ana bat Gabriel herein, genau wie vor vier Tagen, als er, ernst und gefasst, das erste Mal vor ihrer Tür gestanden hatte. Das kleine Blackwatch-Symbol prangte neben dem von Overwatch auf seiner Brust, noch neu und ungewohnt. Ana und Fareehas Vater lebten schon lange getrennt. Das hatte Gründe. Gründe, die niemanden bei Overwatch etwas angingen. Es lag nun einmal in der Natur seiner Arbeit, dass er über Neuigkeiten wie diese stolperte.
Auch damals war Ana einfach nur zur Seite getreten, wortlos und angespannt. Sie wusste es schon.
Woher, das war selbst Reyes ein Rätsel.
"Er ist tot."
Seine Worte standen im Raum, wuchsen in das Schweigen zwischen ihnen. Und die Soldatin hatte genickt. Nur einen Augenblick lang hatte er die Andeutung einer Träne in ihrem tätowierten Augenwinkel schimmern sehen, dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle.
Die Akten, fein säuberlich versiegelt und in einen dunkelgrünen Pappordner gefasst, fielen auf den niedrigen Tisch vor dem Sofa.
"Ich bleibe, solange das nötig ist." So viel schuldete er seiner Freundin.
"Danke." Die sonst so volle Stimme der Frau klang spröde.
Sie setzten sich. Schwiegen. Lehnten sich aneinander. Irgendwann schlang Gabriel seinen Arm um Anas Taille und zog sie auf seinen Schoß, sie schmiegte sich an ihn, bettete den Kopf an seine Schulter. Seine Hände strichen über ihren Rücken, der jetzt, als die Tränen endlich kamen, ruckartig zu zucken begonnen hatte.
Ihr Mund schmeckte bitter, ihre Wangen waren feucht.
Es war Beerdigungssex. Nicht mehr als ein Versuch, sich zu beweisen, dass man noch lebte.
Gabriel tat das, was er immer tat. Das, was Morrison nicht konnte. Ana war Jacks Second in Command, sie war tabu. Und ehrlich gesagt war er sich auch nicht sicher, ob Jack das alles nicht geschmacklos und furchtbar gefunden hätte. Reinhardt hätte es. Der Deutsche war zwar da, still, höflich auf Abstand bedacht. Aber er war emotional involviert. Er hätte niemals mit Ana schlafen können, ohne das Gefühl zu haben, ihre Trauer auszunutzen. Und Reyes wusste nicht einmal, ob Amari die anderen überhaupt eingeweiht hatte. Blackwatch hatte sämtliche Informationen augenblicklich verschwinden lassen, die Akten, die nun wie vergessen auf dem Holz der Tischplatte ruhten waren das Letzte, was noch übrig war.
Er war nicht sonderlich zärtlich und sie forderte das auch nicht. Sicherlich hatte ihr Zusammentreffen Spuren auf ihrer dunklen Haut hinterlassen. Kratzer auf Gabes Rücken, ein blauer Fleck in Anas Halsbeuge.
Er blieb, solange es nötig war. Ohne etwas zu sagen hörte er zu, wie sich das schwere Atmen der Frau in seinen Armen beruhigte, bis es nur noch gelegentlich von kleinen Schluchzern unterbrochen wurde. Ihr nackter Körper lag noch immer halb über seinem, die schlanken Beine an seine eigenen gepresst, ein Arm um seine Schulter geschlungen, so als wollte sie nicht loslassen. Sie schlief ein, ohne ihre Position zu wechseln. Und erst nach einer ganzen Weile schob Gabriel Ana sanft von sich und deckte sie zu, bevor er das Apartment verließ.
Sie sprachen nie wieder darüber.
