Warnung: Dubcon, ungesunde Beziehung, angedeuteter sexueller Inhalt
Jesse stellt seinen Wert im Leben von Gabriel Reyes infrage.
In den Jahren an Gabriel Reyes' Seite hatte er gelernt, ihn besser zu lesen als jeden anderen Menschen. Er kannte die Maske, die er während verdeckten Missionen trug, die Momente, in denen er sich bemühte sympathisch, jovial oder ruhig zu sein. In Wahrheit war er nichts davon, doch es gelang ihm, im Umgang mit Fremden seine Eigenschaften zu diesen Dingen herunterzukochen. Aus seiner einnehmenden, herrschsüchtigen Persönlichkeit wurde jene Art von Beredtheit, die einem Gesprächspartner Interesse an dessen Person suggerierte, aus seinem paranoid angehäuften Erfahrungsschatz wurde der Nährboden für tiefsinnige, spannende Konversationen, aus seinem Willen, eiskalt und rational zu handeln wurde eine fast ansteckende Ruhe.
Anders als McCree war Reyes jemand, der sich seiner Ressourcen und Optionen zu jedem Zeitpunkt absolut bewusst war. Das machte ihn anfällig für absurde Zufälle, aber es erlaubte ihm auch die Kontrolle über fast jede einigermaßen denkbare Situation.
Es gab wenige Momente, in denen der Agent seine Maske fallen ließ. Einer davon, und das war Jesse plötzlich und unangenehm bewusst geworden, war der Moment, wenn er einen Gefangenen an seine Zerreißgrenze brachte, durch Gespräche oder Folter. Dann wich der kontrollierte Ausdruck einen winzigen Moment lang einer distanzierten Faszination.
Die warmen Hände des Mannes hatten sich um seine Hüfte gelegt und er wand sich, um die Schmerzen die das verursachte irgendwie zu lindern. McCree spürte schon jetzt, dass die Berührung blaue Flecken hinterlassen würde. Natürlich, er hatte es drauf angelegt, aber jetzt, da Reyes wirklich auf die Provokationen reagierte, bereute er es. Der Bart des älteren Mannes kratzte auf seiner Haut, Lippen und Zunge waren zu warm, brannten förmlich. Hilflos schlang er die Arme um Gabriels Nacken und klopfte zweimal mit der flachen Hand auf seine Schulter, genau wie er es beim Sparring getan hätte.
Jesse kam die Faszination im Blick des Anderen bekannt vor.
