Warnung: expliziter sexueller Inhalt, Andeutung einer ungesunden Beziehung (?)

Unterwegs auf der Jagd nach einem Phantom gönnt sich Jesse einen kostbaren Moment Ruhe vor seinem Commander.


Das war nicht gut. Überhaupt nicht gut.
Seit gut drei Wochen waren sie auf dieser hirnrissigen Mission und mittlerweile war nicht einmal er sich sicher, ob Reyes nicht vielleicht doch nur einem Phantom hinterher jagte. Sie hatten im Auto geschlafen, in billigen Motels am Straßenrand, in heruntergekommenen kleinen Hotels in den Bahnhofsvierteln irgendwelcher Großstädte, die für ihn mittlerweile gleich aussahen. Nicht einen Moment Ruhe hatte der Alte ihm gegönnt, nicht eine Sekunde Privatsphäre. Und auch wenn das Gabriel nichts auszumachen schien, es fraß an Jesses Nerven.
Die Dusche hatte genau zwei Einstellungen: Kochend heiß und Eiswasser.
Er hatte sich letztlich für Ersteres entschieden, in der Hoffnung, dass die Wärme seine verspannten Muskeln lockern würde, jetzt stand er seit gut fünf Minuten unter dem unregelmäßigen Strahl und spürte, wie das Wasser über seine Haut hinweg spülte. Nur langsam machte seine eigene Hand sich auf die Wanderschaft, glitt über feuchte Haut, spürte die Muskeln darunter. Was würde er dafür geben, wenn es nicht seine Hand wäre, die für einen Augenblick an seinem Brustbein hängen blieb, wie zufällig an seinen Rippen entlang strich und an seiner Hüfte inne hielt. Was, wenn es eine größere Hand wäre? Eine, an deren Knöcheln Narben waren, eine mit einer kleinen Schwiele am Zeigefinger, genau da, wo ein Stift lag?
Jesse stöhnte, schon bevor er sein Glied überhaupt berührt hatte. Mit einer Hand stützte er sich an den altmodischen Fliesen ab, mit der anderen fasste er sich an, die Augen fest geschlossen, gefangen in der Vorstellung, dass er es nicht selbst war.

Ruckartig wurde sein Kopf in den Nacken gerissen, das heiße Wasser plätscherte auf sein Gesicht, blendete ihn, als er, mehr aus Reflex, seine Augen öffnete. Er hustete, atmete mehr Wasser ein, krallte nach der Hand, die sich in sein Haar gewunden hatte.
"Du brauchst ewig hier drin." Er kannte die Stimme. Und er kannte den Tonfall. Langsam rang Jesse sich dazu durch, seine Befreiungsversuche zu beenden, Gabriel noch wütender zu machen war keine gute Idee. Erst als er, wenn man von den heftigen Hustenkrämpfen und dem Ringen nach Luft absah, völlig still hielt wurde er einen Schritt weit zurück gezogen, stolperte in der Bewegung fast über seine eigenen Füße. Seine Linke streifte flüchtig warme, trockene Haut, er zog sie zurück als hätte er einen Schlag bekommen. Natürlich war Reyes nicht bekleidet hier hinein spaziert, um ihn fast unter der Dusche zu ertränken.
"In vier Minuten bist du unten am Fahrzeug. Kontakt mit dem Zielobjekt gegen 23:20." Er wollte sich gerade beklagen, wollte den anderen Agenten wissen lassen, wie unfassbar albern er diese viel zu genauen militärischen Zeitstempel fand, doch als er Atem geholt und das verbliebene Wasser aus seiner Nase hatte laufen lassen hörte er bereits das Klappen der Tür.
An seiner Anspannung hatte sich überhaupt nichts geändert.