Warnung: Body Horror, Flashbacks, Gore

Ein Morgen im Leben des Mannes, der sich Reaper nennt.


Manche Tage waren besser. Dieser nicht.

Der Mann, der sich Reaper nannte schlug die Augen auf, sein Mund war mit dem omnipräsenten Geschmack nach Verwesung gefüllt, jeder Atemzug machte es schlimmer. Das Bettzeug hing feucht an der Ruine, die er seinen Körper nannte, war hier und da bräunlich schwarz verfärbt, wo über Nacht ein Stück Muskel zerfallen und wieder nachgewachsen war.

Er stand auf, stolperte zu seiner Kleidung, die er am Abend wie immer sorgfältig gefaltet hatte und zog sich an. Seine Haut war fahl. Lebte er? Um in seine Hose zu steigen musste er sich an der Wand anlehnen, hinterließ auf der nikotinverfärbten Gipskartonwand einen weiteren dunklen Fleck, Haut gemischt mit halb geronnenem Blut.

Sie hatten ihn zum Sterben zurück gelassen. Und ihm dann nicht mal das gegönnt.
Den Blick in den Spiegel vermied er, es war kein schöner Anblick und machte außerdem keinen Unterschied. Die Ecken und Grenzen seines Körpers verschwammen, unisono mit seiner Persönlichkeit. Gabriel Reyes, der Mann, der sich Reaper nannte. Reaper. Wo war er? Wie war er hierher gelangt? Die Maske dämpfte das schmerzhaft helle Licht, ein kleiner Reiz, der aus schmerzenden Nervensträngen und dem Brodeln dieses widernatürlichen Organismus herausfiel. Die Stimme einer alten Frau, kleine, knochige Hände, eine Decke über den Knien. Schleiereulen stehlen das Lampenöl aus den Leuchtern in der Kirche. Die Heiligen stehen dann im Dunklen. Er lacht. Was für ein köstlicher Streich. Die Frau lacht nicht. Sie sind böse, Gabriel, warnt sie eindringlich und dann ist da ein Lachen, lauter, tiefer als seins zuvor.
Eine Hand auf der Schulter. Oma erzählt wieder Geschichten.

Geschichten. Es galt, Geschichte zu schreiben. Und das Töten half gegen die Schmerzen, ließ ihn manchmal für einen Moment das Schaben hinter seiner Stirn vergessen.

Die Waffen waren geladen, wie immer, eine Patrone im Lauf, zwei im Magazin.