Warnung: explizite Darstellung von Folter, angedeuteter sexueller Inhalt, ungesunde Beziehung.

Manchmal gibt es nicht die richtigen Worte für eine Situation.


Es war ruhig geworden. Nur gelegentlich schnitt ein Atemzug oder das rhythmische Tropfen von Wasser durch die Stille des Raumes.
Ganz ähnlich wie Wasser, doch im halbdunkel schwärzlich glänzend war Blut über die Tischplatte und das Tischbein gelaufen und auf den Boden gesickert. Ihre Hände waren ineinander verschlungen.

Sein Griff hatte einige Finger gebrochen, aber das änderte am Bild der Zerstörung ohnehin nicht mehr viel. Fein säuberlich, so als trotzten sie der Unordnung der verschmierten, halb geronnenen Blutpfütze, lagen auf der Tischplatte fünf Fingernägel aufgereiht, die Zange neben ihnen war noch das winzigste bisschen geöffnet, sah so aus, als sei sie auch ohne führende Hand jederzeit bereit, ihr Werk wieder aufzunehmen. Die Hautfetzen, die sich als kleine, hellrote Schnipsel kaum von der vollgesogenen Maserung des Holzes abhoben waren weiter verteilt. Da hatte er noch gezuckt. In dieser Phase hatte er wahrscheinlich auch die Knochen gebrochen. Sie hatten so viel geredet. Das Wenigste davon ergab jetzt noch einen Sinn.

Jesses Finger lagen bloß, kaum mehr als offene Nervenenden und rohes Fleisch. Auch in diesem Zustand waren sie noch schön, fast noch eleganter als sie es mit Haut gewesen waren.

Er hatte geschickte Hände. Einen Tastsinn, der fast genauso aufmerksam war wie seine Augen. Und eben jener Tastsinn schrie nun bei jeder noch so sanften, flüchtigen Berührung. Gabe legte seine Finger auf den zitternden Handrücken, spürte die zum Zerreißen gespannten Sehnen und zog die Hand seines Gegenübers zu sich, bis sich die Kette der Handschelle straffte.

Mit geschlossenen Augen hauchte er einen Kuss auf die Fingerkuppen, schmeckte das Blut und ließ seine Zunge langsam über die Verletzung gleiten. Er war sich sicher, dass er sich das atemlose Stöhnen des anderen nur einbildete, doch das reichte für den Moment.
Es war nicht so, als hätten sie noch irgendetwas zu bereden gehabt.