Warnung: Body Horror, Gore, Reprogrammierung
Jeder trägt manchmal eine Maske.
Sie hörte das Kratzen von Metall auf Resin, als Reaper seine Hände zum Gesicht hob.
Es war ein schlichtes, aber modernes Hotelzimmer, das sie für die Dauer das Auftrags bewohnten, eines mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Karlsbrücke und das dunkle Wasser der Moldau. Sie hatte das Gefühl, dass es nicht ihr erster Besuch in Prag war, aber wann sie schonmal hier gewesen sein sollte wusste sie nicht.
Mit ruhiger Hand begann sie, das Scharfschützengewehr, das vor ihren Knien auf dem Boden lag, zu zerlegen und die Einzelteile zu säubern. Nur ganz dezent mischte sich der Geruch nach Verwesung in den von Teppichreiniger und Ballistol.
Als Widowmaker aufsah, hatte ihr Partner seine Maske abgenommen. An seiner Stirn und dem rechten, ihr zugewandten Jochbein konnte sie kleine, jetzt blutig ausgefranste Löcher ausmachen, wo die Halterung in seinem Knochen verankert war. Angewidert verzog sie das Gesicht.
"Mon dieu, konntest du die Maske nicht auflassen? C'est... inquiétant."
Der Mann mit der zerstörten Mimik hob eine noch immer behandschuhte Hand, steckte sich eine Zigarette in den verbliebenen Mundwinkel. Mit einem Klicken bediente er das Feuerzeug, nahm einen Zug und sah sie an. Die linke Gesichtshälfte war heute fast völlig zerfallen, weiße Backenzähne blitzten unter schwärzlich-violetter Haut hervor, der Rauch, den Reaper inhaliert hatte zog zwischen ihnen in dünnen Fäden gen Decke.
"Es reicht doch, wenn einer von uns eine trägt."
Damit, das wusste sie, war das Gespräch beendet. Gabriel Reyes hatte schöne Augen gehabt, die immer ein bisschen zu sanft für den Rest dieses Mannes gewesen waren. Der milchige Rest dieser Augen nahm den Blick von ihr und schweifte wieder hinaus, über die sich kräuselnden Wellen des Flusses. Widowmaker wusste nicht, woran er dachte, und es war ihr egal. Nahe fühlte sie sich ihm nur, wenn sie Seite an Seite töteten.
