Anschuldigungen

„Guten Morgen, Severus, komm herein und setze dich", ordnete McGonagall an, als sie Snape in der offenen Tür ihres Büros erblickte.

Snape hielt inne und schaute skeptisch in die Runde. Potter und Weasley saßen bereits mit den Hälsen zu ihm gedreht am großen Schreibtisch und musterten ihn mit der routinierten Antipathie. Diese beruhte wie immer auf grenzenlose Gegenseitigkeit und er fragte sich, ob es schlimmer wäre, neben Potter oder neben Weasley Platz zu nehmen. Er hatte keine Antwort darauf und bedauerlicherweise auch nicht die geringste Wahlmöglichkeit, denn nur noch links neben Potter war ein Sessel frei. Widerwillig füllte er diesen und fokussierte McGonagall eindringlich, als könne er die vielen Puzzleteilchen, die in seinem Kopf umherschwirrten zu einem Gesamtbild zusammenfügen.

„Darf ich wissen, was dieser Aufstand am frühen Morgen hier bedeuten soll?", fragte er schließlich mit gewohnt emotionsloser Stimme. Er erntete dafür einen verächtlichen Blick der Direktorin.

"Ich werde dich heute nicht mit Nebensächlichkeiten quälen, Severus. Deshalb stelle ich dir die wichtigste Frage gleich zu Beginn: Kannst du dir erklären, warum Hermine seit gestern Abend aus Hogwarts verschwunden ist?"

„Nein, kann ich nicht und ich wüsste nicht, warum ich es können sollte", erwiderte er.

"Sie haben ihr etwas angetan, geben Sie es endlich zu, Sie..., Sie..!", keifte Ron über Harrys Kopf hinweg, beherrschte sich dann aber doch krampfhaft, den im Gehirn bereits ausformulierten Satz über seine Lippen zu stoßen.

"Ron, halten Sie sich zurück oder ich entferne Sie hier auf der Stelle!", fauchte McGonagall und wandte sich mit beispielloser Disziplin wieder Snape zu.

„Severus, Hermine hat Harry gegenüber gestern Abend angedeutet, dass sie nach der Quidditch-Feier noch einmal zu dir möchte. Sie hat keinen Grund dafür genannt, aber sie hatte offensichtlich vor, zu dir zu gehen. Und seit dem ist sie verschwunden."

Snape wurde von McGonagalls Blick durchbohrt. Jeden Quadratzentimeter seines Gesichts schien sie zu scannen, um mögliche Hinweise darauf zu erhaschen, ob er etwas mit Hermines Verschwinden zu tun hatte. Seine Pupillen weiteten sich, als McGonagalls Worte sich quälend langsam in ihm ausbreiteten, um sich zu einer erschreckenden Erkenntnis zu formen. Bei Merlin, Hermine hatte doch zu ihm kommen wollen. Er rang mit sich, ob das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht war.

"War Hermine wirklich nicht bei dir, Severus?", hakte McGonagall nach.

"Nein", antwortete Snape bestimmt. „Warum sollte ich es leugnen wenn es so gewesen wäre?"

„Nun, du sahst gestern Abend durchaus – „verändert" aus..."

Snape musste einen schrägen Blick von McGonagall über sich ergehen lassen und er fühlte sich mehr wie ein Schuljunge, der von seiner Hauslehrerin saß als ein Professor vor seiner Vorgesetzten. Sein Verstand zwang ihn glücklicherweise wieder zur Ruhe und Besonnenheit. Es waren die selben Mechanismen wie bei Voldemort, die hier griffen. Mit stoischer Ruhe ordnete er seine Gedanken, brachte sich in einen okklumentikartigen Zustand und setzte an, zu sprechen.

„Minerva, du warst gestern Abend bei mir, hättest du nicht bemerkt, wenn Hermine bei mir gewesen wäre? Glaubst du ich würde sie im Keller einsperren? Was ist das hier für eine abstruse Veranstaltung? Miss Granger ist nicht auf der Karte der Rumtreiber zu finden, also ist sie auch definitiv nicht im Keller!", machte Snape nun seinen Standpunkt mit dominanter Stimme klar und stellte seine Autorität wieder her.

„Alles Andere ist eine Sache zwischen Miss Granger und mir. Sie erhält seit Wochen Nachhilfe von mir und da jeder einzelne von euch sie bestens zu kennen scheint, weiß gewiss auch jeder, dass sie sich stets mehr engagiert als sie müsste und sie mir deshalb schon mehr als einmal unangemeldet einen Besuch abgestattet hat! Durchaus nicht zu meiner Freude, was ich sicher nicht extra erwähnen muss."

Die Lüge war formuliert. Es kostete Snape keine Überwindung. In solchen Angelegenheiten war er Routinier und an seiner starren Mine konnte man nicht die geringste Gefühlsregung ablesen.

„Es ist in Ordnung, Severus", sagte McGonagall nun versöhnlicher klingend.

„Ich glaube ihm kein Wort, Professor McGonagall! Hier!", schnaubte Ron und knallte eine kleine Holzbox Mitten auf McGonagalls Tisch, nicht ohne Snape dabei einen hasserfüllten Blick zuzuwerfen.

„Was ist das?", fragte die Hauslehrerin und auch Harry und Snape starrten gebannt auf die Kiste.

„Öffnen Sie es, es sind ein rotes Haargummi und jede Menge lange braune gelockte Haare! Ein ganzer Büschel! Ich bin den ganzen Weg hinab vom Gryffindorturm bis zu Snapes Kerker abgegangen und habe in einer Nische kurz vor Snapes Büro die Haare am Boden gefunden. Sie sind eindeutig von Hermine! Wer treibt sich außer Ihnen noch nachts freiwillig in den Kerkern herum, Professor Snape, sagen Sie es mir!"

Ron hatte sich erneut aufgebäumt, um Snape über Harry hinweg besser attackieren zu können.

"Ron, bitte", versuchte McGonagall erneut einzugreifen, während sie die Haare durch ihre Finger gleiten ließ. Ihren Sorgenfalten zu entnehmen handelte es sich in der Tat um Hermines Haare.

„Ist das Hermines Haarband?", fragte McGonagall.

„Ja, definitiv", antwortete Harry bevor es Ron tun konnte.

Snapes Haut färbte sich weiß wie ein Bettlaken. Er hatte zwar Kontrolle über seine Mimik, seiner Hautfarbe vermochte er jedoch nichts vorzumachen. In diesem Moment überkam ihn die erstickende Erkenntnis, dass Hermine ihrer Verabredung nicht freiwillig fern geblieben war. Zum einen spendete ihm diese Tatsache Trost, gleichzeitig stieg ein Gefühl in ihm auf, an das er sich kaum erinnerte – Angst um einen anderen Menschen.

"Hast du ihr Zimmer angesehen?", fragte Snape immer noch in Gedanken.

"Nein, ich hielt es bisher nicht für angebracht in ihren Sachen herumzuschnüffeln", sagte McGonagall.

"Ich halte es für eine gute Idee", gab Harry zu bemerken und Snape zog vor Überraschung eine Augenbraue hoch.

"Einverstanden, ich sehe auch keinen anderen Weg, lasst uns zu ihr gehen", ordnete McGonagall an.

"Es sieht nicht so aus, als wäre irgend etwas anders als sonst", bemerkte Ron nach einer Viertelstunde intensiver Suche in Hermines Zimmer.

Snape streifte das schmale aber prall gefüllte Bücherregal bereits das dritte Mal entlang. Er konnte Hermine in diesem Zimmer riechen und dieser Geruch benebelte seine Sinne. Er wollte sie mehr als nur riechen, er wollte sie wieder sehen und sie spüren. Es machte ihn verrückt, nicht zu wissen, wo er sie finden konnte und dass er trotz aller Indizien nicht hundertprozentig sicher er ein Buch, dass sie wirklich hatte zu ihm kommen wollen. Zum wiederholten Mal fixierte er ein Buch, das sich direkt auf seiner Augenhöhe befand. Es lag mit dem Buchrücken zur Regalwand flach oben quer auf einer Reihe diverser Lexika. Es war nur der Rand des ockerfarbenen Einbands sichtbar und doch erregte diese Farbe Snapes Aufmerksamkeit. Sie kam ihm bekannt vor. Er nahm das Buch in die Hand und öffnete es.

"Jetzt erklärt sich einiges... "Schwarzmagische Gegenstände sicher orten, eine praktische Anleitung", zitierte er den Buchtitel.

"Wie bitte?", fragte McGonagall ahnungslos.

Harry, Ron und Snape sahen sich eingehend an. Für einen Moment war der private Twist zwischen den Dreien unsichtbar und alle schienen gleichzeitig zu kapieren, was Hermine mit diesem Buch getan hatte.

"Erzählen Sie es ihr, Professor," forderte Harry Snape auf. Ich weiß, dass Sie die ganze Geschichte kennen und ich denke, Professor McGonagall sollte nun auch eingeweiht werden. Vielleicht hat es mit Hermines Verschwinden zu tun."

"Du kennst die Sage über die drei Brüder und die Heiligtümer des Todes?"

McGonagall sah Snape mit großen Augen an und Snape begann, ihr all das zu erzählen, was Hermine ihm in Trevors Kneipe in Hogsmeade anvertraut hatte.

„...Miss Granger hat in einer wie wir nun wissen geheimen Großaktion den Wiederkehr-Stein, den Potter versteckt hatte, wiedergefunden. Wo genau hatten Sie ihn eigentlich versteckt, Potter?"

McGonagall schaute völlig verwirrt.

"Sie meinen DEN Wiederkehr-Stein? Den aus der Sage?" Ihre Augen öffneten sich weit.

"Ja, genau den, Hermine hat ihn für Professor Snape wiederbeschafft, um ihm eine Begegnung mit meiner Mutter zu ermöglichen. Ich hatte ihn im Verbotenen Wald vergraben. Es war so gut wie ausgeschlossen, dass ihn jemals jemand wiederfinden würde, selbst wenn man intensiv danach gesucht hätte", erklärte Harry beinahe entschuldigend. „Ich wollte die Tödlichen Heiligtümer aus meinem Leben entfernen, - zumindest den Stein und den Elder Wand."

„Sie haben Miss Granger unterschätzt, Potter", stellte Snape tadelnd fest.

McGonagalls Mund war immer noch voller Schock geöffnet.

"Bei Merlin, es ist wahr, es gibt die Tödlichen Heiligtümer – und den Stein? Severus, hast du... – hast du Lily - getroffen?"

Snape nickte, als Bilder von Lily vor ihm auftauchten und ihm die ganze Tragweite von Hermines Aktion erneut bewusst machten.

"Ein Grund weniger, sie zu ermorden!", brachte Snape es auf den Punkt. "Wie ist sie nur an das Buch gekommen? Es gehört mir", fügte er hinzu.

"Sie hat es bei Ihnen geklaut? Ich bin mir immer sicherer, dass Sie sie verflucht haben, damit sie solche Dinge tut! Hermine würde niemals klauen!", warf Ron ein.

Die Hormone hatten endgültig Besitz von ihm ergriffen und verwährten ihm jegliche rationale Handlung.

„Und was war mit den Zutaten für den Vielsafttrank zu Beginn ihrer Schulkarriere hier in Hogwarts? Können oder wollen Sie sich nicht mehr daran erinnern, Weasley? Denken Sie darüber nach, ob es nicht IHR Einfluss ist...", keifte Snape mit derart fieser Stimmlage, dass selbst McGonagall ein Schauer über den Rücken lief.

„Hört auf, ihr Streithähne, das bringt keinen weiter!", versuchte McGonagall zu schlichten.

Snape stand auf und ging mit konzentrierter Mine im Zimmer hin und her. Es machte alles keinen Sinn. Hermine hatte zu ihm ins Büro kommen wollen. Niemals hätte sie sich dann davon abbringen lassen. Einen plötzlichen Sinneswandel konnte er ausschließen – zu 99 Prozent...

Die Haare – McGonagall hatte die kleine Holzschachtel mit in Hermines Zimmer gebracht und sie auf dem Bücherregal deponiert. Snape näherte sich dem Schachtelinhalt, und nahm den Büschel Haare in die Hand. Er ignorierte, dass die anderen ihn beobachteten. Langsam führte er seine geöffnete Hand mit den Beweisstücken an seine Nase. Er musste es tun, er musste sich einfach sicher sein, dass es Hermines Haare waren. Der kaum auszumachende Geruch von Sandelholz bahnte sich seinen Weg über die Nase in sein Gehirn. Seine Zweifel waren weggewischt.

„Geilen Sie sich nun auch noch an ihren Haaren auf, lassen Sie sie sofort los!", kreischte Ron hysterisch und wurde gerade noch von Harry zurückgehalten, auf Snape loszugehen, um ihm die Haare aus der Hand zu reißen.

„Jetzt reiß dich zusammen, Ron!", fluchte Harry, der sich mit schmerzverzerrter Mine den rechten Arm hob, den Ron gerade eben verdreht hatte.

Snape ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Als hielt er einen kostbaren Schatz in den Händen legte er alles zurück an seinen Platz, doch seine Nase konnte Hermines Sandelholzduft immer noch wahrnehmen. Sein Inneres zog sich zu einem großen dicken Knoten zusammen. Nur mit Mühe bekam er Luft. Seine Instinkte sagten ihm, dass Hermine zu ihm gekommen wäre, wenn sie nicht gewaltsam aufgehalten worden wäre. Sie war eine Gryffindor, mutig, bei Merlin und unerschrocken. Sie war einfach nicht der Typ für einen Rückzieher. Auch wenn er sie dazu aufgefordert hatte, nicht zu kommen, er hatte ihre hungrigen Augen gesehen. Weasleys Zorn erfülltes Gesicht brachte ihn zurück in die Realität.

„Benehmen Sie sich einmal wie ein Mann, Weasley, und versuchen Sie, sie zu finden anstatt immer ihren Freund die Drecksarbeit machen zu lassen."

Snape wusste, dass er Weasley an seinem wunden Punkt gepackt hatte. Er war immer im Schatten von Potter gestanden.

„Ich würde sagen, wir treffen uns nach dem Mittagessen noch einmal. Vielleicht haben wir bis dahin etwas Neues erfahren. Ihr könnt jetzt alle gehen", sagte McGonagall leicht überstürzt und schob alle in Richtung Tür. Sie ahnte wohl, dass Snape und Ron keine zwei Minuten länger ohne Handgreiflichkeiten ausgekommen wären.

Snape hatte Mühe, Geschmack am Mittagessen zu finden. Seine Gedanken kreisten zweiteilig um Hermine. Da war zum einen eine mögliche Entführung, zum anderen trotz allem ein kleiner Rest der Unsicherheit, ob sie ihre Verabredung tatsächlich hatte wahrnehmen wollen. Er versuchte, diesen lästigen Gedanken abzuschütteln, doch er klebte wie Pech an seinen Fersen. In diesem Moment hasste er sich dafür, dass er immer nur 100 Prozent gelten lassen konnte. Er wollte nicht glauben, dass Hermine gekommen wäre, er musste es wissen und zwar von ihr persönlich. Zum ersten Mal seit langer Zeit war er froh McGonagall auf ihn zukommen zu sehen. Sie trat hoch an den Lehrertisch und flüsterte leise zu ihm hinüber.

„Ich muss dich sprechen, es ist dringend."

„Oh, was gibt es denn wieder für süße kleine Geheimnisse in Hogwarts? Ach bitte, lasst mich doch auch daran teilhaben. Gibt es irgendetwas, das ich voraussehen könnte? Ich habe schon so unendlich lange keine Voraussehung mehr gemacht", klapperte Trelawney mit ihren grünen Augendeckeln und lächelte so zuckersüß, dass sogar McGonagall speiübel wurde.

„Sofort", antwortete Snape, genervt von Trelawneys Auftritt und stand noch kauend vom Tisch auf. McGonagall folgte ihm.

„Warte, Severus. Es sieht aus, als hätten wir es bei Hermine mit etwas Größerem zu tun."

„Was weißt du?", fragte er und McGonagall konnte ernstes Interesse in seinen dunklen Augen erkennen.

„Komm mit."

Sie schob ihn in ihr Büro und schloss flink die Tür. Dann zog sie ein Stück gerolltes Pergament mit einer schwarzen Schleife aus ihrem Umhang und reichte es Snape.

„Das hat mir Harry gerade gebracht, sieh es dir an. Bei allen Göttern, ich glaube immer noch nicht, dass die Sage wahr ist."

„Nur wer die Heiligtümer erlebt hat, kann sie begreifen. Gib her das Pergament."

Snape riss McGonagall das Papier aus der Hand und las.

Potter, besorgen Sie den Elder Wand und Ihren Tarnumhang, wir haben ihre schlammblütige Freundin. Sie bekommt kein Wasser, höchstens unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, also beeilen Sie sich. Weitere Informationen folgen.

Seine Hand quetschte das Pergament zusammen, als könne er Hermine damit heraufbeschwören.

„Verdammt!", fauchte er und ließ seinen Kopf nach hinten fallen.

„Wie ich sehe, geht es dir sehr nahe", stellte McGonagall beinahe flüsternd fest.

„Was weißt du schon, Minerva", entfuhr es Snape und eine Sekunde später bereute er es bereits.

McGonagall betrachtete Snape eindringlich und ernst.

„Ich verstehe mehr als du glaubst, Severus. Ich – ich weiß, ich habe nach deiner Rettung durch Hermine versäumt, dich als veränderten Menschen zu sehen."

„Ich bin kein „anderer Mensch" geworden nur weil ich Voldemort überlebt habe, Minerva", spie Snape ihr entgegen. Das letzte, was er nun gebrauchen konnte, war das sentimentale Geschwätz von Minerva.

„Das meine ich nicht damit. Du hast dich aber verändert. Ich habe das nicht erkannt und dich behandelt wie all die Jahre zuvor. Das bedaure ich zutiefst. Ich hätte es zumindest versuchen müssen."

McGonagalls Mundwinkel formten ein verzweifeltes Lächeln.

„Nun, du bist nicht gerade ein Mensch, der es einem leicht macht, mit dir in Kontakt zu treten, deshalb habe ich es wohl dabei belassen."

„Ich bin der letzte, der dir Vorwürfe macht", sagte Snape mit einer ordentlichen Portion Zynismus in der Stimme. Das Thema sollte so schnell wie möglich beendet werden.

„Du hast in der Tat niemals jemandem Vorwürfe gemacht... Aber du sollst wissen, dass es mir viel bedeutet, dass du zurückgekehrt bist, nicht nur nach Hogwarts, sondern in ein neues Leben."

McGonagall ging auf Snape zu und lehnte sich vor ihn an ihren Schreibtisch.

„Ich weiß sehr wohl, dass Hermine außergewöhnliches Talent besitzt, mit dir... – mit dir zu kommunizieren. Und anders als Ron spüre ich mehr als deutlich, dass du Hermine nie verletzen würdest – im Gegenteil."

Die letzten Worte trafen Snape wie ein Dolch in die Brust. Sein Blick kreuzte den von Minerva und diese Art der Kommunikation erklärte mehr als tausend Worte. Auf eine gewisse Weise strahlte Snape von McGonagall eine Wärme entgegen, von der er nicht wusste, ob er sie gutheißen oder verfluchen sollte. Es gab durchaus Momente, in denen Snape sich Minervas Zuspruch gewünscht hätte, aber ausgerechnet jetzt?

„Sie bedeutet dir mehr als alle anderen hier in Hogwarts, habe ich Recht?", fragte sie sanft.

„Du sagst es, als sei das ein Verbrechen", antwortete er.

„Vielmehr ein unverhofftes Wunder würde ich sagen."

McGonagall ging zurück zu ihrem Sessel und legte im Vorbeigehen kurz ihre Hand auf Snapes Schulter.