Trevor

Snape positionierte seinen Zauberstab im Hinterhof von Trevors Kneipe. Sie waren über das Nachbargebäude, einem hutzeligen Antiquitätenladen, auf das Gelände gelangt.

Nach einem aufwändig langen Zauberspruch von Snape krümmte sich die Spitze seines Zauberstabes als wäre sie aus Gummi. Sie drehte sich hektisch in alle Richtungen. Mit großen Augen verfolgten alle die Bewegungen. Plötzlich verharrte die Spitze in einer Position. Der Zauberstab zeigte direkt zu Trevors Kneipe.

Der Stein war eindeutig in Trevors Haus. Wir gehen jetzt alle in die Kneipe – als Gäste. Ich werde mit Trevor ein Schwätzchen halten und ihn zwingen, mich zu Hermine zu bringen. Ich hoffe, dass er sie im Keller eingesperrt hat, aber wir werden sehen", sagte Snape.

„Warum gehen wir nicht alle?", fragte Ron empört.

„Wir können nicht den ganzen Laden auseinander nehmen, das schreckt ihn auf und gefährdet Hermine. Das Kellerfenster hier ist zu klein um durchzukommen, wir müssen also von vorne hinein. Wenn ich in fünf Minuten nicht wieder bei euch bin kommt ihr nach, verstanden?", fragte Snape und durchbohrte jeden einzelnen mit einem scharfen, keinen Widerspruch duldenden Blick. Die anderen nickten und folgten Snape vom Hinterhof in die Gasse, die zur offiziellen Eingangstür führte. Während McGonagall, Harry und Ron sich an einem Tisch in der gut besetzten Kneipe niederließen, marschierte Snape zielstrebig an der Theke vorbei. Dabei grüßte er Heather, die gerade einige Kürbissäfte zusammenmixte. Ihrem gleichgültigen Blick nach zu urteilen schien sie nicht gerade in Alarmbereitschaft zu sein was ihn betraf. Snape passierte die Toilettentüren, als Trevor sich plötzlich aus dem Nichts vor ihm aufbäumte.

„Trevor", grüßte Snape kurz und knapp.

„Was willst du hier hinten?", schnauzte der.

„Expelliarmus!", flüsterte Snape und hielt augenblicklich Trevors Zauberstab in den Händen.

„Es sieht so aus als hätten wir eine offene Rechnung, Trevor. Bringe mich zu Hermine Granger, sofort", befahl Snape und drehte Trevor gewaltsam um und stieß ihn vorwärts.

„Was willst du Severus, was soll der ganze Blödsinn?"

Immer wieder schubste Snape Trevor weiter, da dieser sich weigerte, sich selbständig fortzubewegen.

„Gib das Mädchen frei und du hast eine minimale Chance zu überleben", hauchte Snape in sein Ohr. „Du kennst mich, du weißt, dass ich nicht nur Gutes getan habe in meinem Leben und ich schwöre bei Merlin, dass ich das Dunkelste in mir aktivieren werde, um dich leiden zu lassen, wenn du mich nicht augenblicklich zu Granger bringst."

Nur mit Mühe gelang es ihm, die Kontrolle über seine Gefühle zu bewahren. Am liebsten hätte er Trevor in Einzelteile zerlegt. Aber seine Stimme klang sachlich furchteinflößend und Trevor konnte Snapes Worte mehr als gut einschätzen, er kannte seine schlimmsten Taten und zweifelte keine Sekunde daran, dass er seine Drohung in die Tat umsetzen würde. Snapes Zauberstab an seiner Kehle tat sein Übriges.

„Sie ist im Keller", knirschte er durch seine hässlich entstellten Zähne.

Trevor wurde unsanft die Kellertreppe hinuntergestoßen. Plötzlich standen sie vor einer großen oben abgerundeten Holztür. Es roch nach alten Weinfässern. Die Kneipe war zu Snapes Hogwartszeiten noch ein Weinkeller gewesen. Snape warf einen Blick über seine Schultern, um sicherzugehen, dass ihnen niemand gefolgt war.

„Mach auf, na wird's bald oder muss ich dir die Eingeweide aus dem Körper hexen!", forderte Snape.

„Nicht so ungeduldig, der Keller ist nicht mit einem Schlüssel gesichert, ich bin kein Dilettant. Seit Jahren habe ich mich hier unten ein wenig um die schwarze Magie gekümmert, damit ich nicht ganz einroste. Nachdem ihr mich ja nie dabei haben wolltet."

Trevors Stimme klang bitter und gleichzeitig ein wenig mit Stolz behaftet, weil er Snape nun vorführen konnte, dass er nicht der Taugenichts war, zu dem ihn Voldemort und die anderen Todesser immer abgestempelt hatten.

„Öffne die Tür!", forderte Snape erneut mit eiskalter Stimme.

„Ich brauche den Zauberstab, sonst wirst du deine Kleine garantiert nicht wieder sehen."

Mit einem genugtuenden Grinsen hielt er seine Hand auf.

„Ich warne dich, ein falsches Wort und du wünschst dir niemals auf die Welt gekommen zu sein!"

„Das habe ich mir schon zu oft gewünscht, Severus, gib mir endlich den Stab!", forderte er mit eiskalter Stimme.

In diesem Moment erkannte Snape, dass es sich um den Elder Wand handelte. Bei Merlin, das bedeutete, dass ER nun der wahre Besitzer des Elder Wand war.

„Falls du vorhast, dich mit mir zu duellieren, ich habe dich entwaffnet, ICH bin also nun sein rechtmäßiger Besitzer", sagte Snape mit aalglatter Stimme und reichte ihm den Stab.

„Du mieses Stück Dreck, ich werde ihn mir wieder holen, das schwöre ich dir!"

Trevor hielt Snapes Zauberstock gegen das Schloss und murmelte mehrere lange Zaubersprüche, die Hälfte davon so, dass Snape sie kaum verstehen konnte. Aber ihm wurde klar, dass Trevor in der Vergangenheit in der Tat mehr gemacht hatte als Butterbiere und Kürbissuppen verkauft. Die Entschlüsselungszauber waren Schwarze Magie der Extraklasse.

Mit einem Klack sprang das Schloss auf und Trevor schob die Tür auf. In derselben Sekunde entwaffnete Snape Trevor erneut, um den Elder Wand wieder an sich zu nehmen.

Die Tür fiel ins Schloss. Es roch modrig und die Kälte und Feuchtigkeit des Kellergewölbes breitete sich unangenehm auf Snapes Haut aus. Den Zauberstab immer noch auf Trevor vor sich gerichtet gingen sie weiter nach unten, bis Snape ganz hinten Hermine am Boden zusammengekauert liegen sah. Sie rührte sich nicht. Sein Herz zog sich in diesem Moment schmerzvoll zusammen, doch er ließ sich nichts anmerken.

Sofort hexte Snape Trevor an einen Holzpfeiler unweit von Hermine und er eilte zu ihr.

„Hermine", flüsterte er und strich ihr dreckiges zerzaustes Haar aus ihrem Gesicht. Ihre Wangen schienen eingefallen und ihre Haut war aschfahl. Wie in Trance öffnete sie ihre Augen und sah ihn an als wäre er eine Gestalt aus einer anderen Welt.

„Hermine, ich bin es, Severus."

Schnell zog er aus seiner Tasche eine kleine Phiole heraus, die er noch in Hogwarts genau für diesen Augenblick vorbereitet hatte.

„Öffne deinen Mund, Hermine, öffne ihn", forderte er sie auf und legte seine zitternde rechte Hand in ihren Nacken, um sie etwas zu stützen.

Hermines Unterlippe bewegte sich quälend langsam nach unten, so dass Snape ihr endlich Tropfen für Tropfen den wasserbildenden Trank einflößen konnte. Er wusste, wie sie sich jetzt fühlte, genauso hatte er vor einigen Monaten am Boden gelegen, als sie ihm das Blutbildungsserum verabreicht hatte.

Gerade als der letzte Tropfen Hermines Lippen berührte, zerplatzte seine Erleichterung darüber, Hermine lebend gefunden zu haben wie eine Seifenblase.

„Expelliarmus!", hörte er eine Stimme hinter sich rufen. Es war definitiv nicht Trevor, DER versuchte immer noch vergeblich, seine magischen Fesseln am Holzpfahl zu lösen.

Die beiden Zauberstäbe neben Snape wirbelten durch die Luft und schienen einige Meter von ihm entfernt einfach in der Luft zu schweben.

„Guten Tag, Professor Snape", sagte eine immer noch unsichtbare Stimme, doch Snape erstarrte, als sein Hirn endlich die Stimme einzuordnen wusste.

Und dann erschien Stück für Stück eine menschliche Gestalt vor Snape.

„Jaden Carris!", sagte er und seine Augen weiteten sich.

„Ja, guten Tag, Professor. Ich bin nun im Besitz eines Tarnumhangs, das hat gewisse Vorteile, wie Sie sehen." Jadens Gesicht war mit einem fiesen Grinsen bedeckt. Mit einem kurzen Gegenzauber befreite er Trevor.

„Gut gemacht, Jaden. Wie ich sehe hast du den Umhang wirklich verdient... Severus, wer hätte das gedacht, dass dir die Kleine so den Kopf verdreht. Habe mir gleich gedacht, dass da was läuft, als du händchenhaltend mit ihr am Tisch saßt."

Snape tobte innerlich und wäre am liebsten mit bloßen Fäusten auf Trevor losgegangen, doch einmal mehr beherrschte er sich.

„Crucio!", schrie Trevor Snape mit sichtlicher Genugtuung entgegen. Hermine, die inzwischen durch den Trank ein klein wenig zu Kräften gekommen war, krächzte ein „Nein!", als sie Snape mit einem lauten Stöhnen zu Boden gleiten sah.

„Na, Kleine, wie ist es zu sehen, dass es nicht nur mit dem eigenen sondern auch mit dem Leben des Liebhabers zu Ende geht...". Trevors Stimme triefte vor Trotz.

„Lass sie in Ruhe, sie hat dir alles ermöglicht. Du hast alles bekommen was du wolltest", keuchte Snape vom Boden und wandte sich vor Schmerzen.

„Und dazu ein paar Zeugen zu viel, die ich nicht mehr brauche. Tut mir Leid um dich Severus, dich hatte ich nicht auf der Rechnung. Du warst einer der wenigen, der sich nie abfällig über mich geäußert hat. Aber du stehst mir im Weg."

In Snape rasten die Gedanken. Verfluchter Mist, er hatte sich von seinem eigenen Schüler aushebeln lassen und nun war dieser Flegel auch noch im Besitz des Elder Wand. Zehn Minuten mussten um sein, es wurde Zeit für Held Potter, dachte er zynisch. Er wusste, die Karten standen nicht gerade bestens für ihn und Hermine. Zwei zu zwei, er und Hermine unbewaffnet, das sah alles andere als gut aus.

„Warum wolltest du alle drei Gegenstände?", fragte Snape. Er wollte Zeit gewinnen, jede Sekunde zählte und er kannte Trevor seit Jahren, er erzählte mehr als gern.

„Der Mantel ist der Lohn für Jaden. Er wollte das Ding seit Jahren von Potter. Aber seit wir wussten, dass er einer der Tödlichen Heiligtümer ist, bekam die Sache natürlich eine ganz andere Dimension. Nun, der Elder Wand ist das eigentliche Ziel, nicht wahr? Endlich kann ich all die Arschlöcher herausfordern, die mich nie als Todesser dabei haben wollten. Jeden einzelnen werde ich mir vorknöpfen. Bei einigen werde ich vielleicht einige Jahrzehnte warten müssen, bis sie aus Askaban raus sind, aber ich habe Geduld", lachte er hasserfüllt.

„Warum der Stein? Der Vollständigkeit halber?", streckte Snape erneut das Gespräch und nutzte es aus, dass Trevor voller Stolz seine Geschichte erzählen wollte.

„Du weißt nichts über mich, Severus. Ich bin der Urenkel von Grindelwald, sein einziger, wohlgemerkt. Ich habe immer gewusst, dass es die Tödlichen Heiligtümer gibt nur wo, das blieb mir immer verborgen. Mein Urgroßvater hat das Geheimnis mit ins Grab genommen, als Voldemort ihn tötete. Ich werde ihn wiedersehen und mit ihm all seine Pläne besprechen, die er nie in die Tat umsetzen konnte. Ich werde das nun für ihn übernehmen."

Trevors Augen leuchteten.

„Als ich dann das Wort Elder Wand bei deinem Rendezvous mit der Kleinen hörte habe ich euch belauscht, der Korb mit den Keksen registrierte jedes eurer Worte. Und so bin ich am Ende sogar noch äußerst dankbar, dass du auf das Schlammblut stehst, kurios, nicht wahr?"

„Ich wusste immer, dass man bei dir nichts essen sollte", sagte Snape sarkastisch.

„Du wirst dir nicht mehr viele Gedanken über Essen machen müssen, mein Lieber. Eine Henkersmahlzeit werde ich dir leider auch nicht gönnen. So, dann werde ich mich jetzt leider von euch verabschieden müssen – Jaden, sieh gut zu, hier kannst du etwas lernen."

„Zuerst der Gentleman? Falls du auf Hilfe von deinen reizenden Begleitern von oben wartest, der Raum hier ist dicht versiegelt mit Zaubersprüchen der finsteren Art, wenn du verstehst, was ich meine... Deine Hogwarts-Freunde können sich mit ihren weißmagischen Attacken versuchen bis sie buchstäblich schwarz werden", lachte er so höhnisch, dass der ganze Keller erschallte.

„Crucio!", hetzte er Snape erneut und ohne Vorwarnung einen Unverzeihlichen an den Hals. Der Schmerz traf Snape mitten im Körper. Er schrie lauthals auf und sackte erneut in sich zusammen.

„Neeeeeeiiiin!", schrie Hermine entsetzt. Ihre letzten Kräfte und der unbändige Wille zu überleben kämpften wie ein Löwe in ihr.

„Was ist Püppchen, tut es dir Leid um ihn? Glaube mir, er ist nicht so romantisch wie du ihn gesehen hast. Ich weiß alles über seine Taten als Todesser. Ich habe Buch geführt über alle Aktionen. Ich war sozusagen ein Fan ihrer Handlungen, obwohl ich jeden einzelnen von ihnen abgrundtief gehasst habe."

Trevor näherte sich Hermine und tippte sie grob mit seinem Stiefel an.

„Hat er dir erzählt, dass er reihenweise Frauen missbraucht und getötet hat? Oder hat er das galant verschwiegen? Na, ich höre keine Antwort?" Ein höhnisches Lachen ließ erneut die Wände erbeben.

Hermine schossen Tränen in die Augen. Es war entsetzlich, Snape so leidend vor ihr zu sehen, aber noch schrecklicher war es, solche grausamen Details aus seiner Vergangenheit zu hören und dazu noch von jemandem Fremden. Wie sehr hätte sie sich gewünscht, mit Snape selbst über die grausame Vergangenheit zu sprechen und ihm jede Möglichkeit geben zu können, sich zu erklären und zu verteidigen.

„Hören Sie auf!", flehte sie ihn an.

„Glaubst du im Ernst, er hat alles nur für das Gute getan? Vergiss es!", höhnte Trevor weiter.

„Halt endlich dein verdammtes Maul!", rappelte sich Snape langsam wieder auf.

„Erspare ihr die Details, ist das nötig, wenn du uns sowieso tötest? Du hattest nie Anstand, schon damals in Hogwarts nicht."

„Geh zu ihr rüber, los, oder besser noch, KRIECHE, Severus!"

Trevor verpasste Snape einen kraftvollen Fußtritt in die Rippen. Trotzdem schob Snape sich immer weiter zu Hermine hinüber. In diesem Moment hatte er Mühe, daran zu glauben, dass McGonagall, Ron und Harry die Schutzzauber noch rechtzeitig würden überwinden können.

Er fasste Hermines Hände und etwas wie heilende Ruhe durchströmte ihn. Es tat unendlich gut, ihre Haut zu spüren, sie zu riechen. Sein Überlebenswille wich in diesem Augenblick dem puren Moment, den er auf perverse Art und Weise versuchte zu genießen. Er wusste, dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit die letzte Minute seines Lebens war, es gab nichts mehr zu verlieren. Trevor war weit weg, er verdrängte, dass er in diesem Raum überhaupt anwesend war.

Stattdessen blickte er in wässrige rehbraune Augen, die getränkt waren mit Liebe und Verzweiflung. Snape war sich sicher, dass Trevor eben dafür gesorgt hatte, dass Hermine zum ersten Mal verstanden hatte, dass er in der Tat kein netter Mensch war. Trotzdem legte Hermine ihre Arme um ihn und flüsterte mit erstickter Stimme in sein Ohr.

„Ich... wollte kommen.. am Freitag..."

Snape drückte sie so fest an sich wie er konnte. Waren das nicht genau die Worte, die er die letzten Tage hatte hören wollen? Die bestätigenden Worte, dass sie sich für ihn entschieden hatte an jenem Abend? Und nun? Es war nicht mehr wichtig und trotzdem erfüllten ihn diese Worte auf eine ihm unbeschreibliche Art und Weise mit Gewissheit. Sein Kopf lehnte sich an ihre Brust, als ein erneuter Crucio ihm das Bewusstsein raubte und er endgültig widerstandslos wie ein Sack Kartoffeln neben Hermine auf den Boden sank.

„Severus, NEEEEEEEIN!", flüsterte Hermine, weil ihre Kräfte einfach kein Schreien erlaubten. Ihr Geist aber schrie die ganze Welt zusammen, es durfte nicht sein, sie wollte ihn nicht schon wieder dabei beobachten, wie er ihr entglitt.

Trevor beobachtete dieses Schauspiel mit Genugtuung.

„Haha, gefällt dir die Vorstellung, Kleine? Na, dann bereiten wir der Sache mal ein Ende, soll ich ihn endlich erlösen, komm, sag es mir."

Trevor erhob den Elder Wand und richtete ihn auf Severus Körpermitte.

„Nicht, bitte...", flehte Hermine, während breite Tränenbäche ihre Wangen hinunterliefen.

„Avada..."

Ein lauter Rums riss Trevor aus seinen sadistischen Glücksgefühlen.

„Sectumsempra!", schrie eine aalglatte Stimme und augenblicklich fiel Trevor in sich zusammen.

„Expelliarmus! Expelliarmus!", schleuderte die Stimme sofort dem völlig perplexen Jaden und dem zusammengefalteten Trevor entgegen. Hermine sah fassungslos die Silhouette einer Gestalt mit langen Haaren die Treppe hinunter kommen, er hielt Jaden's und Trevors Zauberstäbe in der Hand. Sie konnte immer noch nicht fassen, dass die Kellertür soeben aufgebrochen worden war.

„Severus!", keuchte Malfoy, als er mit wehendem Umhang auf sie zugestürzt kam.

Schnell beugte er sich über seinen Freund.

„Sind Sie in Ordnung, Granger?", blickte er dann auch zu Hermine herüber, „was hat er?"

„Dreimal Crucio", flüsterte sie kraftlos aber dennoch schnell wie aus der Pistole geschossen.

In diesem Moment krachte es erneut und Harry, Ron und McGonagall kletterten durch ein aufgesprengtes Kellerfenster.

„Das war knapp", kommentierte Malfoy die Ankunft der Dreien mit einem Grinsen. Er stand aristokratisch mit verschränkten Armen im Raum, während sich seine einstigen Erzfeinde den Staub aus den Umhängen klopften.

„Hermine, Sie leben! Dem Himmel sei Dank!", schrie McGonagall euphorisch.

„Hermine!", kreischte Ron und stürzte auf Hermine, die nur die Augen schloss, um diese körperliche Nähe in diesem Moment nicht auch noch sehen zu müssen. Sie konnte sich nun gehen lassen, die Gefahr war gebannt. Ihr Körper quittierte dies mit einer sofortigen Ohnmacht.

„Was ist mit Severus, mein Gott, sagen Sie nicht dass er...", McGonagall verschlug es die Sprache als sie den Gedankengang zu Ende brachte.

„Keine Panik, er wird es schaffen, dreimal Crucio sind ein Picknick für ihn glauben Sie mir!", lachte Malfoy.

„Halt die Klappe Lucius", stöhnte Snape mit schwacher Stimme dem Steinboden entgegen. Jeder einzelne seiner Knochen fühlte sich an als wäre er an der falschen Stelle festgemacht, jede Bewegung verursachte Höllenqualen. Trotzdem hatte er sich in seinem gesamten Leben noch nie so gut gefühlt wie in diesem Moment.

„Lasst uns so schnell wie möglich mit den beiden in den Krankenflügel apparieren, sie brauchen dringend medizinische Versorgung", ordnete McGonagall an. „Ich werde sofort die Auroren informieren, dass sie Trevor und Jaden abholen."

„Nicht nötig, die warten schon draußen. Ich habe jemanden gebraucht, der mich temporär aus meinem eigenen Haus befreit hat...", säuselte Malfoy. Dann kniete er sich zu seinem Freund hinunter auf den Boden und gab ihm einen fürsorglichen Klaps auf die Schulter. Snape zuckte vor Schmerz zusammen und schien sein Gesicht noch tiefer in den kalten Steinboden drücken zu wollen. Trotzdem gab er keinen Laut von sich.

„Wieder einmal hast du es geschafft an allen Fronten gleichzeitig zu kämpfen und überall das Maximum herauszuholen. Wie machst du das nur, Sev?"

Malfoy schüttelte hochachtungsvoll den Kopf während ein feines Grinsen seine Mundwinkel umspülte, als er die Auroren die Treppe hinabtraben hörte. Dann wurden seine Gesichtszüge wieder ernst.

„Danke, mein Freund", flüsterte er, richtete sich auf und ging erhobenen Hauptes den drei Auroren entgegen.

McGonagall hatte Malfoy gespannt beobachtet. Auch wenn sie es nie zugegeben hätte, sie wäre ihm für die Rettung von Hermine und Snape am liebsten um den Hals gefallen. Trotzdem hatte Malfoys Verhalten nichts darüber verraten, ob er wirklich Snape und Hermine hatte retten wollen oder lediglich die Gunst der Stunde nutze, um beim Ministerium für seinen Prozess zu punkten. Für McGonagall war es glasklar, dass es nach dieser Aktion ungleich schwerer würde für die Juroren, Malfoy hinter Gitter zu bringen, nachdem er einen der Helden des Endkampfes und dazu noch ein Schlammblut vor einem gedanklichen Todesser gerettet hatte. Das ließ kaum Raum für Anklagepunkte.

Die beiden Patienten wurden in einen Schwebezauber transportiert. McGonagall wich nicht von Hermine, die immer noch bewusstlos war