Epilog
Hermine lag im Bett auf dem Rücken an ihr großes flauschiges Kissen gelehnt. Sie beobachtete seit einer Stunde die Flammen im Kamin und wartete auf ein ganz bestimmtes Geräusch. Es gingen ihr so viele Gedanken durch den Kopf, die sie mit Severus teilen wollte. Wie konnte sie nur? Wie konnte die Frau, die ihr das Leben geschenkt hatte so etwas tun?
Kurz nach Mitternacht hörte sie, wie Severus mit einem Schwung das Buch zuklappte.
„Fertig?", fragte Hermine.
„Fertig."
„Na endlich, ich wusste nicht, dass ich schneller lese als du. Und? Was denkst du?"
„Spannend."
„Spannend?"
„Die Geschichte ist spannend, ja und gut geschrieben", wiederholte Severus.
„Aber sie hat Fehler", sagte Hermine.
„Wenige, aber große, da gebe ich dir Recht."
„Welches ist der Größte?", fragte Hermine und sah Severus herausfordernd an. „Sag jetzt nichts Falsches."
„Ich sterbe, weil Nagini mich beißt! Ich bin Tränkemeister, verflucht. Da traut Rowling mir nicht mal zu, dass ich ein Gegengift in der Tasche habe? Ich überlebe mit links 20 Jahre Spionage bei Voldemort und soll völlig unvorbereitet in den Endkampf gehen? Das ist absurd! Und das alles nur, damit Harry der alleinige Held bleibt. Schlimm genug dass ich Albus schon aus dem Weg räumen musste für diesen Versager!", echauffierte sich Severus..
Hermine drehte sich zu Severus auf die Seite und begann an seinem Arm zu schnuppern immer weiter bis hoch zu seinem Hals.
„Was machst du da?", fragte Severus, als Hermines Nase an seinem Hals kitzelte.
„Ich finde, du riechst etwas streng, seit ich weiß, dass du tot bist!"
Hermine grinste hämisch.
„Ich werde dir gleich zeigen, wie durchaus lebendig ich noch bin, Hexe."
„Lenke jetzt nicht ab... Zurück zu den Fehlern. War dein Tod wirklich der größte Fehler dieser wunderbaren Frau, die uns beiden Leben eingehaucht hat, Severus?" Ihre Stimme klang mehr als verführerisch und Snape hatte Mühe, sich auf den Inhalt des Gesagten zu konzentrieren.
„Das klingt als wären wir Geschwister!", hauchte er in ihr Ohr.
„Ich danke den Göttern, dass dem nicht so ist..."
„Ansonsten kann ich keinen Fehler entdecken...", spottete Severus und rollte sich auf Hermine. Seine Lippen versiegelten ihren Mund. Nur mit Mühe erkämpfte sich Hermine ein wenig Freiheit, um zu sprechen.
„Im Buch sterben viel zu viele Leute vom Orden, während die Todesser alle ganz lieb gefangen genommen werden. Keiner traut sich, die Schweine zu töten. Wäre ich Fanfictionautor hätte ich mich nach diesem Band erst einmal sinnlos betrunken. Das einzige was man hier noch schreiben kann sind Geschichten, die im Jenseits spielen. Nur so hat man die interessanten Charaktere wieder beisammen."
„Gute Idee, man müsste nur noch dich über die Klinge springen lassen und schon hat man das Set für eine wunderbare Geschichte ohne störende Nebendarsteller wie McGonagall, Potter oder Weasley...", knirschte Snape zynisch.
„Es gibt noch viel mehr Fehler. Harry würde niemals seinen Sohn nach dir benennen", keuchte Hermine unter Severus, der sich nun mit vollem Gewicht auf sie legte.
„Rowling hätte wenigstens schreiben müssen, dass ich mich im Grabe umgedreht habe, als mein Name auf die Taufurkunde des kleinen Potter kam. Aber egal, das mit dem Namen können wir ja nun noch beeinflussen. Wenn unser Kind zuerst Severus heißt, wird Potter das kaum wagen..."
„Severus, ich bin bei dir, weil ich dachte du würdest mich nicht gleich mit Familienwünschen bedrängen...", grinste Hermine und zog ihre Augenbrauen hoch.
„Na, dann gehen Sie doch zurück in den 7. Band, Mrs. Weasley, wenn es Ihnen dort besser gefällt", provozierte Severus mit fiesem Grinsen.
„Wie konnte sie mich nur mit Ron verheiraten! Warum nicht wenigstens Harry?"
„Erstens hast du dir Ron selbst ausgesucht, auch in dieser Geschichte hier... und Harry - stehst du etwa auf Helden, meine kleine Hexe?", raunte er ihr ins Ohr, dass ihr alle Haare zu Berge standen.
„Natürlich stehe ich auf Helden... hör auf, Severus", sagte Hermine, während der sich langsam zu Hermines Bauch vor knabberte.
„...sonst wäre ich kaum mit dir zusammen. Rowling wusste bestimmt, dass du der wahre Held bist. Den Buchtitel konnte sie aber leider nicht mehr ändern... Und mit Ron bin ich nur zusammen gekommen, weil sich die Autorin dieser Geschichte an die Fakten des 7. Buches halten wollte."
„Ich muss zugeben, ich kann von Glück sagen, dass es diese Fanfictionautoren gibt. Während Rowling mich mit Liebeskummer im Gepäck über die den Jordan schickt, bin ich in den meisten Fanfictiongeschichten ein ziemlicher Hecht, findest du nicht?"
Snape warf Hermine einen Blick zu, an dem man genau ablesen konnte, dass ihm bewusst war, welchen Unsinn er hier verbreitete.
„Werde nicht übermütig, du bist und bleibst zynisch, alt und ungenießbar, der Albtraum-Schwiegersohn einer jeden Mutter... Mach dir bloß keine Hoffnungen, dass du noch eine andere findest...", lachte sie ihm entgegen.
Severus drang mit seinen dunklen Augen direkt zu Hermines Herz vor. Wie Recht sie doch eigentlich hatte. Und doch spürte er, wie seine Person für Hermine einen großen Wert hatte. Sie liebte viele Dinge an ihm, welche die meisten Menschen niemals wahrnehmen oder sogar verabscheuen würden.
„Ich will keine andere, Hermine, du bist für mich gemacht. Intelligent, ausdauernd, ehrlich, weise, jung und wunderschön. Was sollte ich mehr wollen?", raunte er. Seine seidige Stimme erstickte ihren Atem.
„Das heißt, ich WILL mehr... ich will, dass in 19 Jahren unsere Kinder in Hogwarts eingeschult werden."
„Das klingt attraktiv...", schnurrte Hermine „Was glaubst du, wie es jetzt mit uns weiter geht?"
„Für Antworten auf solche Fragen bist du zuständig", schnurrte Snape und küsste sich stürmisch zu Hermines Schlüsselbein vor, „sonst bewege ich mich außerhalb des Kanons und das will ja keiner..."
„Alter Spielverderber", quiekte Hermine zwischen zwei Kussattacken.
Snape erklärte die verbale Konversation für beendet indem er ihnen beiden die Decke über den Kopf zog.
Einige Minuten später fielen die beiden „DeathlyHollows-Ausgaben" unter heftigen Matratzenerschütterungen links und rechts vom Bett hinunter auf den Boden.
