Kapitel 6
Am Morgen verließ sie die Taverne in Begleitung der jungen Frau und machte sich auf den Weg zum Gemischtwarengeschäft der Stadt. Ihren Umhang hatte sie sich dicht um den Körper geschlungen und die Kapuze tief in die Stirn gezogen. Sie wollte Handschuhe kaufen und war deshalb bereit, die Sonne in Kauf zu nehmen.
Nach dem sie ein schönes, schwarzes Paar Lederhandschuhe gefunden hatte, die eng saßen aber trotzdem gut passten und sie nicht beim kämpfen behinderten, machte sie sich immer noch in Begleitung auf den Weg aus der Stadt. Sie fühlte sich jetzt viel wohler, da die Sonne sie jetzt auch nicht mehr an den Händen traf und sie deshalb kaum noch die Auswirkungen spürte.
Ihr war klar, dass sie das von anderen Vampiren unterschied. Sie hatte Vampire in der Sonne zu Asche verbrennen sehen.
Als sie an der Stadtgrenze angekommen waren, drehte sich Aurora zu der jungen Frau um und schaute ihr in die Augen.
„Du darfst nun gehen", sagte sie und wandte sich zum Gehen.
„Danke", hörte sie noch die Frau sagen, dann war sie außer Hörweite.
Aurora war eine halbe Stunde gelaufen, als sie einige Menschen roch. Sie schienen zu kämpfen, nach den Geräuschen, die sie jetzt auch hören konnte, zu urteilen. Mit Vampir Geschwindigkeit legte sie den Weg bis um die nächste Straßenecke zurück. Vor ihr erhob sich ein Hügel und die Straße führte über ihn hinüber.
An der steilsten Stelle hatten einige Banditen eine Brücke über die Straße gebaut um Reisende zu überfallen. Einige Personen standen oben auf der Brücke und schossen Pfeile auf einen einzelnen Mann, der sich hinter einem Schutzzauber in Deckung hielt. Aurora beschloss, ihm zu helfen.
Sie zog ihr neues Schwert aus der Scheide, die unter ihrem Mantel verdeckt trug und rannte in normaler Geschwindigkeit auf den Aufgang der Brücke zu. Sie nutzte ihre Vampirreflexe um fliegenden Pfeilen auszuweichen. Der erste der Angreifer ließ seinen Bogen fallen und zog einen Dolch. Mit einem schnellen Stich in seine Brust, besiegte sie ihn, noch bevor er eine Chance hatte sie anzugreifen.
Aurora bewegte sich weiter auf die Brücke und kam in Reichweite eines weiteren Angreifers. Er hob seine große Kriegsaxt hoch über den Kopf und schlug mi einer Wucht zu, die Aurora überraschte. Nur mit Mühe konnte sie dem Schwung rechtzeitig ausweichen. Geschickt schlüpfte sie an ihm vorbei und enthauptete den dritten Banditen auf der Brücke mit einem schnellen und gut gezieltem Schwung, der direkt seinen Hals traf.
Sie war lange genug abgelenkt, dass der große Nord seine Axt auf sie herabfahren lassen konnte. Sie schaffte es in letzter Sekunde ihre Klinge zwischen die Schneide der Axt und ihren Kopf bringen, um zu verhindern, dass ihr Kopf gespalten wurde. Allerdings verlor sie ihr Schwert aus dem Griff und hörte es zu Boden fallen und durch einen Spalt in der Brücke, so dass es schließlich auf der Straße landete. Sie selber war zu Boden gegangen. Sie konnte sehen, dass der Mann wieder mir seiner Axt ausholte, gleich würde er verwundbar sein. Als er seine Arme weit über den Kopf erhoben hatte, um sein Werk zu vollenden, schnellte Aurora vom Boden der Brücke nach oben und packte ihn an der Kehle. Seine Beine baumelten frei in der Luft und er gab gurgelnde Geräusche von sich, als seine Hände Auroras Hand um seiner Kehle fassten.
Sie spürte, wie sie die Beherrschung wieder verlor, aber solange sie sich gegen Abschaum wie ihn richtete, konnte sie damit leben.
„Lass mich herunter, du kleine Hure", schrie er sie an, „Ich bring dich um".
Aurora Antwortete ihm nicht sondern fauchte ihn nur an und zeigte ihre Zähne. Mit aller Kraft, die sie hatte, schleuderte sie den Mann über das Geländer der Brücke und sprang ihm hinterher. Er landete gute dreißig Meter den Hügel hinunter, Aurora nur Momente später auf ihm. Sie hörte wie er schwer atmete. Er musste sich zahllose Knochen gebrochen haben. Sie setzte sich auf seine Brust und hörte wie sich seine Knochen gegeneinander verschoben.
Sie fauchte ich ein letztes Mal an und senkte dann ihre Zähne in seinen Hals und saugte alles Blut aus ihm.
Als sie mit ihm fertig war, rannte sie so schnell wie möglich zurück zu dem Reisenden, den sie eigentlich beschützen wollte, sie war sich ziemlich sicher, ihre Blut-Lust unter Kontrolle zu haben.
Als sie näher kam, sah sie, dass sein Gesicht von Furcht gezeichnet war.
„Habt keine Angst, ich werde euch nichts tun", sagte sie beruhigend. Oder zumindest hoffe ich das, dachte sie.
Der Mann hob seinen Kopf langsam und nickte in ihre Richtung.
„Danke, nehme ich an", sagte er vorsichtig, „Ich komme aus der Akademie von Winterfeste und bin es nicht gewöhnt zu Reisen. Obwohl ich eigentlich gut auf mich aufpassen kann, waren das einfach zu viele auf einmal", erklärte er während er seine Robe glatt strich. „Hier, ich denke das gehört euch", sagte er und reichte Aurora ihre Klinge.
Sie nickte dankend und nahm das Schwert entgegen.
„Was macht ein Magier hier alleine, so weit von der Akademie entfernt?", fragte sie neugierig.
Er schien kurz zu überlegen, dann antwortete er.
„Ich bin auf der Suche nach dem großen Stab der Bezauberung. Ich muss ihn in meinen Besitz bringen, um ihn gegen etwas Persönliches einzutauschen. Er befindet sich im Bollwerk der Wimmerwinde".
Aurora musste sich eingestehen, dass sie nur gefragt hatte um höflich zu sein.
„Dann wünsche ich euch viel Glück bei eurer Aufgabe", sagte sie und begann sich auf der Straße davon zu bewegen.
„Wartet", rief der Nord ihr hinterher, „Ich könnte eure Hilfe gebrauchen. Ihr habt mich kämpfen gesehen. In der Ruine sollen Vampire leben".
Aurora blieb stehen, das war interessant, sie wollte mehr wissen, aber sie wollte auch, dass er verstand, dass sie ihm nicht seinetwegen helfen würde.
„Und was geht mich das an, wie kommt ihr darauf, dass ich mich gegen meine eigene Art stellen würde?"
„Ihr seid offenbar kein gewöhnlicher Vampir, es ist Tag und euch geht es gut. Ich glaube außerdem, dass ihr nicht genau wisst, was ihr seid. Seht es als Chance mehr über euch zu erfahren".
Er hatte einen scharfen Verstand, das musste sie ihm lassen.
„Wie weit ist es den von hier entfernt?", fragte sie mit einem Lächeln auf den Lippen, das ihre Zähne zeigte.
„Es ist gleich dort oben", sagte er und deutete auf einen Berg, „Vielleicht eine halbe Stunde entfernt".
„Also gut, ich werde euch begleiten, aber danach seid ihr wieder auf euch allein gestellt. Kommt mir nicht in den Weg".
A/N: Ich hoffe euch gefällt die Geschichte soweit, wie immer freu ich mich über Reviews.
