Kapitel 11:

Zwei Wochen später.

Es war Abend und Marcus hatte Aurora angekündigt, ihr heute Nacht etwas zeigen zu wollen. Seit sie beschlossen hatte in Bruma zu bleiben, hatte sie schon einiges gelernt. Marcus hatte ihr angefangen zu lehren, wie sie dem Durst wiederstehen konnte und sich so der Zivilisation aufhalten konnte ohne jeden Menschen, den sie sah die Kehle herzureisen zu wollen.

Der Schlüssel war es wohl immer gut gesättigt zu sein. Und mit der Zeit, meinte Marcus, würde sie sich an das Brennen des Durstes, das immer aufflammte wenn sie sich einer Person nährte, gewöhnen und es ausblenden können.

Aurora musste zugeben, dass es schön war jemanden zu haben, dem sie nichts vormachen musste, zumindest nicht so viel wie allen andern. Marcus wusste immer noch nichts von ihrer wahren Herkunft und das wollte sie dabei belassen.

Als sie also bei Sonnenuntergang an der Haustüre auf Marcus wartete, dachte sie an Aela. Sie war ihre beste Freundin gewesen. Was sie wohl sagen würde, wenn sie sie so sehen würde. Manchmal bereute Aurora aus Himmelsrand geflohen zu sein.

„Ah, ihr seid pünktlich", sagte Marcus freundlich, „Ich verstehe nicht, was ihr am Tag draußen wollt?".

„Ich vermisse die Sonne", sagte Aurora. Sie hatte nach einer Woche, die sie nur nachts auf war, gemerkt, wie schwierig es für sie war ohne die Sonne zu leben. Sie vermisste die Wärme, die sie abstrahlte auf ihrer Haut und das helle Licht. Wenn sie auch nicht den gesamten Tag außen verbringen konnte, so versuchte sie es doch ein oder zwei Stunden pro Tag einzurichten.

„Na gut, gehen wir", sagte Marcus.

Wie wollen wir aus der Stadt kommen, nach Einbruch der Dunkelheit wird jeder der durch das Tor will kontrolliert?", fragte Aurora neugierig.

„Hört mir genau zu. Als Vampir beherrscht ihr einen Zauber, der den Leuten um euch herum vorgaukelt, dass ihr ein normaler Mensch wärt. Ihr könnt ihn wirken, in dem ihr daran denkt, was die Anderen um euch herum sehen sollen. Stellt euch vor, wie sie euch anschauen und ihr menschlich wärt".

„Was ist mit euch? Werdet ihr mich für einen Menschen halten?"

„Nein, auf Vampire hat der Zauber keine Auswirkungen, deshalb müsst ihr auch die Geister der anderen täuschen und könnt euch nicht selber verändern. Seid aber vorsichtig, der Zauber verlangt viel Konzentration und Magica. Ich würde davon Braten ihn im Kampf einzusetzen", antwortete Marcus, „Na kommt schon, versucht es".

Aurora tat das was er ihr erklärt hatte. Sie versuchte sich vorzustellen, wie sie von den Wachen angesehen wurde und sie als Mensch erkannten. Sie spürte wie ihre magische Energie aus ihr hinausfloss und sich in einem großen Umfeld um sie verteilte. Als eine andere Person den imaginären Radius betrat, spürte Aurora ihre Präsenz.

„Ich glaube es funktioniert", sagte Aurora.

„Ihr seid gut, konzentriert euch, dass ihr den Zauber nicht im falschen Moment fallen lasst", entgegnete ihr Marcus mit einem Lächeln, das seine Zähne zeigte.

Ohne Probleme wurden sie aus der Stadt heraus gelassen und Marcus begann in Richtung Nordwesten zu laufen.

„Wohin gehen wir?", fragte Aurora neugierig.

„In der Nähe befindet sich eine alte Alyden-Ruine. Die Leute hier nennen sie Rielle. Es haben sich einige Vampire dort eingenistet, sie bedrohen unseren Frieden hier. Wir werden sie auslöschen, bevor sie zu einem Problem werden, dass die Stadt zu ehr Vorsicht veranlasst".

Sie verstand seine Logik, es war einleuchtend. Allerdings hatte sie nicht erwartet, dass er so gnadenlos vorgehen würde um seine Existenz zu schützen.

Er hatte ihren nachdenklichen Ausdruck wohl gesehen, denn er sagte noch etwas.

„Habt ihr ein Problem damit?", seine Stimme klang leicht enttäuscht.

„Nein, ich war nur überrascht. Ihr habt mich aufgenommen, ich hatte nicht gedacht, dass ihr um unser Überleben sicherzustellen einfach andere Vampire töten würdet".

„Wir müssen tun, was immer nötig ist. Egal ob es bedeutet Vampire zu töten oder neue zu erschaffen", sagte er mit Nachdruck und schaute ihr mit festem Blick in die Augen.

„Wie erschaffe ich einen anderen Vampir?", fragte Aurora einer plötzlichen Eingebung folgend.

„Nun, ihr müsst den Auserwählten beißen", sagte er.

„Offensichtlich, aber es muss mehr dahinterstecken, sonst wäre euer Keller voller Vampire", antwortete sie ihm mit einem Lächeln.

„Ihr habt recht", fuhr er fort ebenfalls ein Lächeln auf den Lippen, „Ihr müsst euch bewusst dazu entschieden einen Vampir zu erschaffen. Es ist anders als einfach nur Blut zu trinken. Euer Opfer muss ebenfalls etwas eures Blutes erhalten. Das ist der Grund warum ich glaube dass euer Erschaffer sehr mächtig war. Ihr habt durch sein Blut einen Teil seiner Macht übernommen".

Das war interessant. Sie versuchte sich zu erinnern ob Molag Bal ihr ein wenig seines Blutes zugeführt hatte. Sie versuchte ruhig zu bleiben, als sie ihre Erinnerungen an ihn durchforstete. Sie erinnerte sich nur sehr verschwommen an alles.

Aber ja, er hatte seine Kopf in ihre Brust gesteckt und sie angesehen, dann hatte er ihn wieder heraus gezogen und sie angelächelt. Danach hatte er ihr in ihr Herz gebissen, aber er hatte noch etwas anders getan, er hatte ihrem linken Arm mit einer seiner Krallen eine Schnittwunde zugefügt. Und als er den Raum verlassen hatte, kurz bevor sie das Bewusstsein verloren hatte, hatte sie an seinem rechten Arm eine ähnliche Verletzung gesehen.

„Wie muss ich der Person das Blut zuführen?", fragte sie und zwang ihre Gedanken zurück zu Marcus.

„Vollkommen egal, es ist nur wichtig, dass es in den Kreislauf des Sterblichen gelangt. Er oder sie kann es schlucken oder durch eine Verletzung in der Haut bekommen, es ist egal. Aber vergesst nicht, ihr Müsst da Opfer beißen. Dieser Teil der Verwandlung ist ebenso wichtig wie euer Blut".

Aurora nickte und lief schweigend neben ihm her. Sie hatte endlich ein wenig mehr erfahren, was sie war. Wen ihre Verwandlung so viele Übereinstimmungen hatte, wie die Verwandlung eines normalen Vampirs, dann unterschied sie sich vielleicht gar nicht so sehr von Marcus wie sie gedacht hatte.

Aber Marcus war über zweihundert Jahre alt, er hatte seine Selbstbeherrschung mühsam lernen müssen, sie beherrschte sie schon nach wenigen Wochen fast so gut wie er. Was hatte Molag Bal gesagt, als er ihr in den Altarraum gefolgt war?

Du bist ein reinblütiger Vampir. Ein Fürst unter deiner Art.

Aurora war ratlos. Schweigend legten sie den restlichen Weg zurück.