Kapitel 13:

Eineinhalb Jahre später:

Aurora lief früh am Morgen durch die Haustüre in Marcus Haus. Es war inzwischen wieder Sommer und wurde früh hell. Schnell schloss sie die Türe hinter sich um die Sonne nicht ins Haus zu lassen.

Aurora war in den letzten Monaten mehrmals in die Kaiserstadt gereist und hatte sich in der großen Bibliothek der Universität umgesehen und nach weiteren Antworten gesucht und frustrierend wenig gefunden. Die einzige neue Information die sie über sich hatte, war aus einem Buch, dass die in einem kleinen Schrank gefunden hatte und leicht zu übersehen gewesen war. Aus jenem Buch hatte sie erfahren, dass sie nicht die einzige Frau war, die Molag Bal zum Opfer gefallen war. Sie wurden in der Regel Töchter von Kalthafen genannt. In dem Buch wurde auch noch von der ungewöhnlichen Sonnenresistenz berichtet. Der Rest des Buches war gefüllt mit wilden Spekulationen über Vampire im Allgemeinen.
Obwohl sie es als wenig hilfreich erachtet hatte, hatte sie es aus der Bibliothek entwendet und mit nach Bruma genommen.

Aurora hatte in den letzten Wochen immer mehr das Gefühl, das Marcus sie nicht mehr um sich haben wollte. Er war kalt und vermied es ihr unnötig oft über den Weg zu laufen. Sie hatte das Gefühl, das er etwas im Schilde führte und nicht wollte, dass sie etwas davon erfuhr.

Sie schloss die Türe zu ihrem Zimmer hinter sich und ließ ihren Mantel zu Boden fallen. Aurora hatte die Nacht außerhalb der Stadt verbracht und gejagt. Trotz des warmen Sommers waren sehr wenige Menschen unter freiem Himmel zu sehen gewesen. Sie hatte das Gefühl, dass die Bevölkerung in und um Bruma etwas von Vampiren in der Gegend wussten, denn allen denen sie Nachts begegnete, waren bewaffnet und offenbar darauf vorbereitet, ihre Waffen einzusetzen. Sie hatte in der letzten Woche niemanden ohne einen Kampf überwältigen können.

Ein Klopfen an der Türe riss sie aus ihren Gedanken und sie stand auf und lief zur Türe. Als sie sie geöffnet hatte, sah sie, dass Marcus davor stand. Er sah freundlich aus, wie immer, aber seine Augen funkelten in einer Art und Weise, die Aurora nicht beschreiben konnte.
Sie machte einen Schritt nach hinten in das Zimmer um ihm den Eintritt zu erlauben.

"Ihr seid eine Tochter von Kalthafen", sagte er mit freundlicher Stimme.

Aurora stutzte einen Moment.

Woher wusste er was sie war? Wie hatte er davon erfahren? Sie überlegte kurz, dann blitzte die Erkenntnis in ihr auf. Er musste das Buch gefunden haben und das was er aus ihm gelernt hatte in ihren Fähigkeiten wieder erkannt haben.

Sie sagte nichts sondern nickte ihm nur zu um zu signalisieren, dass er Recht hatte.

"Es tut mir leid", sagte er.

Was tat ihm leid, dass sie ein Vampir war? Was sie bei ihrer Verwandlung erdulden musste? Aurora wünschte sich, dass er sich einmal klar ausdrücken konnte. Aber um ehrlich zu sein, wollte sie nicht mit ihm darüber reden.

Sie drehte sich von ihm Weg und setzte sich auf ihr Bett. Müde begann sie damit ihre Waffen abzulegen. Sie hoffte, dass er verstehen würde, dass sie nicht reden wollte.

Sie spürte seine Präsens immer noch hinter sich. Entnervt wollte sie sich umdrehen um es deutlicher zu machen, als sich plötzlich starke Hände um ihren Hals legten und sie würgten.
Überrascht versuchte sie mit ihren Händen hinter sich zu greifen und den Angreifer zu packen. Ihre Hände fassten ins leere.

Mit der letzten Luft die sie in den Lungen hatte, rief sie nach Marcus.

Ein leises Lachen an ihrem Ohr sagte ihr, dass es Marcus war, der sie würgte.

Das leise höhnische Lachen lies die Erinnerung an Molag Bal wieder aufleben. Aurora konnte förmlich die Kälte und Hitze von Kalthafen auf ihrer Haut spüren.

Plötzlich spürte sie wie sich zwei spitze Zähne an ihre Kehle drückten und ihre Haut durchdrangen. Marcus gab gierige Geräusche von auch und begann hastig ihr Blut zu trinken. Aurora wusste, dass sie schnell handeln musste, sonst war sie tot. Sie konnte bereits spüren wie ihre Kraft nachließ. Zum Glück hatte sie erst vor wenigen Stunden zwei Menschen ausgelaugt, sonst hätte sie wohl schon das Bewusstsein verloren.

Mit einer gezieltem Schlag ihrs Kopfes traf sie Marcus direkt auf der Nase du spürte wie er zurückzuckte.
Seine Zähne waren noch immer in ihren Hals gesenkt, so dass er beim Zurückgehen mit seinem Kopf ein Stückchen ihrer Haut mit sich riss.
Aurora brauchte einen Moment um sich zu sammeln. Nach wenigen Augenblicken nahm sie eine abwehrende Haltung ein und wartete darauf, dass Marcus sie Angriff.

Als er auf sie zustürmte schnellte ihre Hand nach vorne und gab ihm einen Stoß direkt auf das Brustbein. Mit einem dumpfen Geräusch flog er nach hinten und durch die Wand von Auroras Zimmer in den Wohnbereich des Hauses.

Sie stieg durch das Loch in der Wand und stellte ich über ihn, ihren Fuß auf seiner Kehle.

"Warum?", fragte sie ihn langsam.

"Könnt ihr euch das nicht denken? Euer Blut ist mächtig. Ich habe euch geleert nur an euch zu denken", sagte er in seiner gewohnt höflichen Stimme.

"Dachtet ihr wirklich, ihr könntet mich besiegen?", fragte Aurora und drückte ihn Fuß stärker auf seinen Hals.

"Das denke ich immer noch", entgegnete er ihr und packte mit beiden Händen ihren Fuß am Knöchel.

Mit einem plötzlichen Ruck verlor sie ihr Gleichgewicht und schlug hart mit dem Rücken auf dem Boden auf. Mit einem Mal war Marcus wieder über ihr und versuchte erneut seine Zähne in ihren Hals zu schlagen. Mit einem ihrer Füße versetze Aurora ihm einen harten Tritt unter die Gürtellinie und er flog mit einem lauten Schmerzensschrei auf den Herd. Seine Kleidung fing Feuer und verbrannte seine Haut.

Aurora nutzte seine Ablenkung und umfasst nun ihrerseits seine Kehl mit ihren Händen. Sie Spürte, wie das Feure, dass an ihm brannte, begann durch ihre Lederrüstung zu dringen.

Mit einem starken Druck ihrer Hand brach sie ihm das Genick. Eine schnelle Bewegung ihrer Hand später und sein Kopf flog aus der Küche in den Wohnbereich. Seine brennenden Haare steckten schnell den großen, luxuriösen Sessel in Brand.

Aurora hatte im Bruchteil einer Sekunde eine Entscheidung zu treffen. Würde sie bleiben oder fliehen?
Sie schaute hinab auf die brennende Leiche von Marcus und entschied sich zu fliehen. Die Wachen würden den Keller durchsuchen und herausfinden was Marcus war. Sie war nun schon über ein Jahr in der Stadt und es war bekannt, dass sie zu dem nun totem Vampir gehörte.

Schnell bahnte sie sich einen Weg durch die Flammen in ihr Zimmer und begann ihre Sachen zu packen. Nach nicht einmal einer Minute verließ sie das brennende Haus und begab sich Richtung West-Tor.

Zum Glück war es noch so früh am Morgen und die Straßen leer waren, dachte Aurora während sie sich ihre Kapuze tieferer in die Stirn zog. Ohne Probleme verließ sie die Stadt und begann auf der Straße Richtung Süden zu laufen.

Nach dem sie sich ein wenig von der Stadt entfernt hatte, setzte sie sich unter einen Baum in den Schatten und begann darüber nachzudenken, wohin sie jetzt gehen sollte.

Sie war dumm genug gewesen, ihren echten Namen zu benutzten und würde sicherlich bald gesucht werden. Wenn sie die Lage richtig einschätzte, dann würde sie sich bald in ganz Cyrodiil nicht mehr sehen lassen können. Die Menschen waren sehr paranoid wenn es um Vampire ging. Sie musste also das Land verlassen, aber wohin? Als erstes viel ihr Hochfells ein, immer hin war sie eine Bretonin, oder ihr Vater war einer gewesen. Aber um dort hinzugelangen müsste sie durch Himmelsrand reisen, auch noch in der Nähe von Markarth und das wollte sie um jeden Preis vermeiden.

Morrowind wäre perfekt, sie war schon einmal dort gewesen als Kind. Sie wusste zwar, dass sie als Mensch unter den Dunkelelfen auffallen würde, aber es erschien ihr trotzdem die beste Möglichkeit zu sein.

Um in das Land der Dunkelelfen zu kommen, würde sie nach Cheydinhal reisen müssen um dort über die Grenze gehen zu können. Sie wusste nicht genau wie groß das Herzland war, aber sie schätze, dass sie mindestens eine Woche benötigen würde, da sie es nicht riskieren wollte am Tage zu reisen.

Zufrieden und müde lehnte Aurora sich an den Baum und schloss die Augen. Es dauerte nicht lange, dann schlief sie ein.