Kapitel 14:

Zwei Wochen später:

Aurora schaute sich um, das Land in dem sie war, war trostlos und zugleich wunderhaft. In der Ferne konnte sie den Roten Berg sehen, wie er in die Höhe aufragte und alle anderen Berge weit übertraf. Aus ihm schwebten dünne graue Rauchschwaden empor, die weit über das von Asche grau gefärbte Land zogen. Riesige Pilze sprossen aus dem Boden bis in die Höhe eines mehrstöckigen Gebäudes. In manchen von ihnen waren sogar Behausungen zu erkennen. Aurora war als Kind schon einmal hier gewesen, aber hatte sich Nichteisens erinnert, wie fantastisch dieses Land war. Es wirkte so ungewöhnlich, dass sie Schwierigkeiten hatte es zu erfassen.

Vor ihr erhoben sich hohe schwarze Mauern und ein Tor öffnete sich in dem Gemäuer. Als sie langsam darauf zu lief, immer darauf achtend, die Kapuze auf dem Kopf zu behalten, sah sie, dass einige Dunmer-Wachen vor dem Eingang in die Stadt standen.

Aurora spürte, wie der Durst in ihr aufflammte, sie hatte seit mehr als vier Tagen keinen Tropfen Blut mehr getrunken und es viel ihr schwer ihre Beherrschung zu bewahren. Mit viel Mühe schaffte sie es ihren Täuschungszauber um sich aufzubauen und würde in die Stadt eingelassen. Obwohl eine der Wachen wirklich gut gerochen hatte, wusste Aurora, dass sie darauf keine Rücksicht nehmen konnte, sie musste auf die richtige Gelegenheit warten um ihren Durst zu stillen, ansonsten konnte sie sofort wieder Weiterziehen.

Langsam und mit offenen Augen und geschärften Sinnen, bewegte sie sich durch die Straßen von Silgrad. In einer kleinen Nebengasse sah sie einen alten Dunmer sitzen. Er war vollkommen schutzlos. Es war eigentlich nicht Auroras Art sich vollkommen wehrlose Opfer zu suchen, aber ihre geringen moralischen Bedenken wurden schnell vom Durst verdrängt.

Langsam schritt sie auf ihn zu und schaute von Oben auf seine sitzende Gestallt herab. Es war inzwischen später Abend und er schlief. Sie konnte sehen, dass er vor Kälte zitterte.

Sie streckte ihre Arme aus und packte ihn am Kragen seines Mantels. Als sie ihn nach oben auf seine Beine zog, stellte sie fest, dass er viel zu wenig wog für sein Gewicht. Er wachte schlagartig auf und schaute sie ängstlich an. Nun vollkommen vom Durst übermannt, senkte sie ohne lange zu überlegen ihre Zähne in seinen Hals.

Sein Blut schmeckte fad und dünn, es spiegelte seine äußere Erscheinung gut wieder. Als sie ihn bis auf den letzten Tropfen ausgesaugt hatte, setzte sie seinen toten Körper wieder auf den Boden. Jetzt da sie wieder klar denken konnte, merkte sie, dass sie einen Armen. Bettler getötet hatte.

Kopfschüttelnd drehte sie sich von ihm ab und schaute zurück in Richtung der Hauptstraße. Eine kleine Gestalt, fing ihren Blick. Sie konnte trotz der Dunkelheit erkennen, dass es sich um ein kleines Dunkelelfen-Kind handelte. Der Junge war vielleicht fünf Jahre alt. Seinem erstarrten und verängstigtem Blick konnte sie entnehmen, dass er wusste was sie war.
Sie würde ihn töten müssen. Wenn sie hier bleiben wollte, dann musste er streben. Sie hatte keine Zweifel daran, dass er jeden. Moment in Richtung des nahegelegenen Süd-Tores der Stadt rennen würde um Hilfe zu rufen.

Langsam machte sie einen Schritt auf ihn zu. Er war wie erstarrt und bewegte sich nicht. Sie hatte viel ihrer. Menschlichkeit verloren seit sie ein Vampir war, aber war sie wirklich in der Lage ein Kind zu töten, einfach nur, weil es im falschen Moment am falschen Ort war? Ihr Instinkt sagte ihr ja, sie war dazu fähig. Aber ihr Verstand wehrte sich dagegen.

Ohne dass die es merkte, machte sie einen weiteren Schritt auf ihn zu. Plötzlich begann er zu rennen und schrie um Hilfe.

"Hilfe, Blutsauger! Hier ist ein Vampir!", hallte seine hohe Stimme durch die Stadt.

In unfassbar kurzer Zeit waren die Wachen zu ihm geeilt und er zeigte auf sie. Aurora hatte gerade genug Zeit ihr Schwert aus der Scheide an ihrem Rücken zu ziehen um einen Schlag der ersten Wache abzulenken.

Es gelang ihr eine Wache zu töten, dann waren schon vier weitere um sie herum. Ihr Instinkt übernahm und sie tötete weitere zwei der Ordnungshüter. Inzwischen standen sicherlich zehn Wachen um sie herum. Sie behinderten sich zwar in ihrer Zahl, aber Aurora wusste trotzdem, dass sie hilflos unterlegen war. Sie musste fliehen, die gesamten Wachen der Stadt waren hinter ihr her.

Mit einem großen Sprung befreite sie sich aus der Menge der Wachen und begann in Richtung des Tores zu fliehen. Auf einmal kamen ihr weiter zwanzig Wachen entgegen und schnitten ihr den Weg ab.
Aurora schaute sich um. Auf ihrer linken sah sie Häuser und ein Netz aus Straßen in dem sie sich nicht auskannte, auf der anderen Seite erhob sich die Mauer etwa fünfundzwanzig Meter in die Höhe. Die Mauer war aus großen groben Steinen gebaut worden und bot reichlich Möglichkeiten nach oben zu steigen.

Sie entschied sich dafür, die Mauer zu übersteigen. In großen Sprüngen begann sie an der Mauer empor zu klettern. Als sie schon glaubte es geschafft zu haben, hörte sie ein surrendes Geräusch und auf einmal explodierte ein brennender Schmerz in ihrer rechten Schulter. Sie zuckte zusammen und verlor den Halt mit der Hand. Zum Glück hatte ihre linke Hand einen guten Griff und sie schaffte es sich mit einem kräftigen Ruck nach oben auf den Wehrgang zuziehen.

Plötzlich brach eine Türe zu ihrer Rechten auf und ein Soldat stürmte auf sie zu. Aurora schnellte nach vorne und brach ihm mit der Linken. Hand das Genick. Sie warf eine Blick nach unten in die Stadt und konnte gerade noch einem fliegen dem Pfeil ausweichen. Am Füße de Mauer sah sie wie ein Teil der Wachen in der Mauer verschwand und sich offenbar auf den Weg nach oben machte.

Sie würde wieder fliehen müssen, es gab keine andere Möglichkeit. Entschlossen packte sie den noch leben den Mann am Boden des Wehrgangs und schlug ihre Zähne in seinen Hals. Sie spürte wie der Schmerz in ihrer Schulter nachließ. Entschlossen packte sie mit einer Hand nach dem Pfeil und zog ihn heraus.
Als sie alles Blut der Wache getrunken hatte, sprang sie geschmeidig von der Mauer auf die Ebene, die zum Glück schnell in Wald überging, und begann zu Rennen. Zwei Pfeile flogen hinter ihr her, dann es sie außer Reichweite der Bogenschützen.

Frustriert sank Aurora an einem Baum zu Boden. Sie war nicht einem eine Woche in Morrowind gewesen, bis sie einen Fehler begangen hatte und wieder fliehen musste. Es war einfach unmöglich. Warum hatte Molag Bal ihr das angetan? Sie würde den Rest ihres unendlichen Lebens auf der Flucht sein. Warum hatte er sie nicht einfach töten können?

Offenbar war sie eingeschlafen, denn als sie ihre Augen wieder aufschlug, dämmerte der Morgen. Aber was sie geweckt hatte, war nicht die Sonne sondern das Gebell von Hunden, dass sich ihr schnell nährte.

Aurora sprang auf und begann zu Rennen. Am Stand der Sonne konnte sie sehen, dass sie sich nach Südwesten begab. Sie wusste, dass sich dort die Grenze zu Himmelsrand befand, aber im Moment hatte sie keine andere Möglichkeit, wenn sie einen Kampf vermeiden wollte. Erleichtert stellte sie fest, dass sich ihre Schulter regeneriert hatte und nur noch ein wenig stach, so als hätte sie Muskelkater. Schnell ließ sie die Jäger hinter sich und nährte sich der Grenze.

Sie war die gesamte Strecke so schnell gerannt, wie sie nur konnte. Noch nie hatte sie ihre Kräfte so vollkommen ausgereizt. Aber zu ihrer Überraschung verspürte sie kein Müdigkeitsgefühl oder Erschöpfung. Sie hatte in weniger als einem halben Tag die über hundert Meilen bis zur Grenze zurückgelegt.

Jetzt wo sie vor dem Pass stand, der sie zurück in ihr Heimatland bringen würde, verspürte sie den Drang, genau dorthin zurückzukehren.