Kapitel 15:
Das ständige Herbstklima im Rift hieß Aurora in Himmelsrand willkommen. Sie war noch etwa eine halbe Tagesreise von Rifton entfernt. Genau das war auch ihr Ziel. Sie war nur ein paarmal in der Stadt gewesen und dort relativ unbekannt. Außerdem kannte sie sich im Rattenweg gut aus, da sie einen Auftrag für die Gefährten dort erledigt hatte und vorerst konnte sie sich dort verstecken.
Sie wusste ehrlich gesagt nicht, was sie tun sollte, wenn sie erst mal in Rifton war, aber sie freute nach beinah zwei Jahren wieder in Himmelsrand zu sein.
Eine Woche später:
Aurora saß an einem kleinen Tisch, ihr gegenüber befand sich ein alter Mann. Vor ihm auf der Tischoberfläche lag das Schwert, dass sie in der Ruine des Wolken-Herrscher-Tempels gefunden hatte. Mit interessiertem Blick begutachtete er die Klinge.
Arora war ihm aufgefallen, als sie durch die größte Halle der Rattenwege gelaufen war und er sie, oder vielmehr das Schwert, aus seiner Türe heraus gesehen hatte.
„Wie war euer Name doch gleich gewesen?", fragte sie ihn.
„Oh, mein Name tut nichts zur Sache, aber mich würde interessieren, wo ihr diese Klinge gefunden habt", antwortete er ihr mit einer freundlichen aber distanzierten Stimme.
Aurora überlegte ob sie ihm die Geschichte erzählen sollte. Sie entschied sich dafür. Wenn sie ihm nichts über sich erzählte, dann würde es nicht schaden und sie konnte vielleicht ein wenig mehr über das Schwert erfahren.
„Ich habe es in der Nähe von Bruma gefunden", sagte sie.
„In der Nähe von Bruma?".
„In einer Ruine etwa zwei Stunden nördlich der Stadt, wenn ich mich nicht täusche stand dort vor dem großem Krieg der Wolken-Herrscher-Tempel".
„Ihr wart bei der Ruine des Tempels?", fragte er ungläubig, „Waren dort keine Thalmor?".
Aurora nickte.
„Es war eine Patrouille dort, sie suchten nach zwei Menschen. Die Namen die sie nannten, waren Esbern und Delphine. Botschafterin Elewen wollte sie offenbar gefangen nehmen lassen".
Aurora konnte sehen, wie sich sein Gesicht kurz veränderte. Sorge spiegelte sich auf ihm wieder.
„Wisst ihr warum nach ihnen gesucht wird?", fragte Aurora.
Sie konnte sehen, dass der Man vor ihr kurz überlegte bevor er sprach.
„Es heißt, sie wären die letzten Mitglieder der Klingen", sagte er und begann damit das Schwert genauer zu betrachten. So wie er es in der Hand hielt und damit umging war zu sehen, dass er schon oft ein Schwert geführt haben musste.
Seine Bewegungen waren sicher und er routiniert, als er sich die Waffe unter die Augen hielt um den Griff genauer zu betrachten. Sie schaute einige Minuten zu, bevor sie zu sprechen begann.
„Wie kommt es, dass ihr euch so gut mit diesem Schwert auskennt?", fragte Aurora.
„Ich bin auf meinen Reißen viel herumgekommen, allerdings nicht so viel wie dieses Schwert", sagte er und legte es zurück auf den Tisch.
Er log, Aurora konnte nicht erklären warum sie es wusste, aber er log.
„Es stammt noch aus Akaviir, die Drachentöter haben es damals mit Tamriel gebracht. Es sehr alt, aber ungebrochen strak. Eine wunderbare Waffe. Ein Meisterwerk der Akaviiri-Schmiedekunst", sagte er.
Er nahm das Schwert ein letztes Mal in die Hand, dann steckte er es zurück in die Scheide und schob es zurück über den Tisch, so dass Aurora es entgegen nehmen konnte.
„Passt gut darauf auf, es ist ein Vermächtnis das nicht verloren gehen darf".
Sie wollte ich gerade darauf ansprechen, dass er gelogen hatte, da wurde draußen auf in der Halle Geschrei laut und sie erhob sich um zu sehen was den Tumult verursacht hatte.
Sie schaute durch das kleine Fenster in der Türe und konnte eine kleine Menschenraube auf der untersten Eben des Raumes sehen. Sie öffnete die Türe und begab sich nach unten, immer darauf achtend, ihren Illusionszauber aufrecht zu erhalten. Als sie unten angekommen war sah sie, dass ein Orc in Schwerer-Rüstung über einer Leiche stand. Sie musste sich nicht weiter nähren um zu sehen, dass es sich bei dem totem um einen Vampir handelte. Der widerliche Geruch seines Blutes verriet ihr, dass es ich um einen sehr jungen und wilden Vampir handeln musste. Wahrscheinlich war er nach unten gekommen um sich zu nähren, war aber zu unvorsichtig gewesen.
Der Orc begann zu sprechen.
„Die Dämmerwacht hat alles unter Kontrolle, geht weiter, hier gibt es nichts mehr zu sehen".
Dämmerwacht? Sie hatte noch nie davongehört, aber der Name klang eindeutig nach Vampirjägern, sie würde wohl mehr in Erfahrung bringen müssen.
Es war inzwischen schon später Abend und sie beschloss sich hinauf in die Stadt zu wagen um Informationen über die Dämmerwacht zu erlangen. Schnell begab sie sich zurück in den Raum des alten Mannes, verabschiedete sich und befestigte ihr Schwert wieder auf dem Rücken.
Die Straßen der Stadt waren leer, wie es in Rifton üblich war, niemand wollte der Diebesgilde mehr Chancen geben, als unbedingt nötig. Sie spazierte in Richtung der Taverne, wenn man etwas über diese Leute erfahren konnte, dann dort, dachte sie.
Auf dem Weg kam ihr eine Wache entgegen und sprach sie an. Es musste wohl sehr langweilig sein, wenn er sie so offen anging. Sie konnte ihm anmerken, dass er geradezu darauf drängte ein Gespräch mit ihr anzufangen.
„Habt ihr schon gehört, sie wollen die Dämmerwacht wieder ins Leben rufen. Vampirjäger. Wäre vielleicht auch was für mich", sagte er voller Enthusiasmus.
Aurora schaute in sein Gesicht, er war jung, vielleicht achtzehn Jahre alt.
„Was wisst ihr über die Dämmerwascht?", fragte sie ihn und lächelte ihm zu.
„Sie sitzen in einer alten Festung, östlich von Rifton. Einst waren sie bekannte Vampirjäger, aber jetzt sind sie in Vergessenheit geraten. Nur noch einige Leute im Rift erinnern sich an sie", er machte eine Pause und holte nervös Luft. „Euch würden sie dort bestimmt aufnehmen", sagte er und schaute zu Boden. Aurora konnte sehen wie sich sein Gesicht rot färbte.
Es dauerte einen Moment, dann sprach er wieder.
„Meint ihr sie würden Verwendung für mich haben?", fragte er hoffungsvoll.
Aurora musste sich ein Lächeln verkneifen. Er war so naiv. Erst seine kleinlichen Versuche sie zu schmeicheln und dann seine Vorlage, so dass sie ihm mit einem Komplement antworten musste. Wenn er nur wüste was sie war. Am Ende ihrer Gedanken konnte sie das Grinsen nicht mehr unterdrücken. Schnell schaute sie zu Boden, so dass er ihre Zähne nicht sehen konnte.
Offenbar deutet er das als Zeichen von Schüchternheit, denn sie spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Als sie ihre Gesichtszüge wieder unter Kontrolle hatte, schaute sie ihm ins Gesicht und sagte:
„Bestimmt haben sie dass, ein Mann wie ihr, wer könnte dazu schon nein sagen".
Sein Mund klappte auf und er schien nicht zu wissen was er tun sollte. Aurora gab ihm einen Klaps auf die Schulter und drehte sich von ihm weg. Sobald sie ihr Gesicht aus seinem Sichtfeld gebracht hatte, musste sie sich beherrschen ihr Lachen zu unterdrücken.
Als sie am Süd-Ost Tor der Stadt angelangt war, schaute sie zurück und sah, dass er immer noch da stand, wo sie ihn zurückgelassen hatte.
Sie begann sich nach Osten zu bewegen um die Festung zu suchen, die der junge Wachmann erwähnt hatte. Jetzt wo sie zurück in Himmelsrand war, wollte sie auf keine Fall gleich wieder fliehen müssen, zumindest nicht wenn es vermeidbar war. Sie würde sich die Dämmerwacht einmal ansehen und dann entscheiden ob sie eine Gefahr darstellten.
