Kapitel 17:

Dämmerstern war ein kleines Dorf, nicht mehr. Aurora hatte zwar gewusst, dass es sich um nicht viel mehr Handeln würde, aber da sie selber aus Weißlauf kam und die letzten zwei Jahre im Kaiserreich zugebracht hatte, hatte sie als Hauptstadt eines Fürstentums einfach mehr erwartet.

Die Fahrt mit dem Karren war zwar schnell, aber auch äußerst unkomfortabel gewesen. Zum Glück war die Sonne nie länger als eine Stunde am Stück ungehindert auf sie herab geschienen, aber trotz der Wolken war Sommer und die Tage daher recht lang. Aber nach zwei Tagen hatte sie es endlich hinter sich gebracht.

Dank ihrer verbesserten Selbstkontrolle, hatte sie dem Fahrer nicht die Kehle herausgerissen und sein Blut getrunken. Jetzt nach zwei Tagen, denen sie in Folge der Sonne ausgesetzt gewesen war, hatte der Durst begonnen in ihrer Kehle zu brennen. Nach dem sie am Rande der Stadt abgesetzt worden war, machte sie sich auf um zu jagen.

Auf einer kleinen verschneiten Lichtung, es lag trotz des Sommers eine dünne Schneedecke auf dem Boden, fand sie einen einzelnen Soldaten der Sturmmäntel. Richtig, der Bürgerkrieg. Sie hatte auf dem Weg nach Dämmerstern erstaunlich wenig vom Krieg mitbekommen.
Egal, er war leichte Beute und was wichtiger war, er war allein.

Nachdem sie sich wieder gestärkt hatte, machte sie sich auf den Weg in die Stadt, sie musste erfahren, wo genau sich die Höhle befand und am einfachsten war das in einem Gasthaus.

Die Taverne zum Windigen Gipfel, war das einzige derartige Gebäude das es in Dämmerstern gab. Die Sonne begann gerade hinter dem Horizont zu verschwinden und färbte den wolkigen Himmel rot orange. Aurora war unsagbar froh darüber immer noch diese schönen Momente zu sehen. Sie wusste nicht, ob sie überleben würde, ohne Sonne. Für die Wärme die die Sonnenstrahlen ihrer Haut brachten, nahm sie das leichte Stechen gerne in Kauf, das durch den direkten Kontakt mit Sonnenlicht ausgelöst wurde.

Ihr Timing war gut. Wenn sie schnell erfahren konnte, wo sie zu suchen hatte, dann würde sie in der Nacht reisen können und ihre Haut konnte sich ein wenig erholen.

Das Innere der Taverne war nichts Besonderes. Eine Schankstube mit einigen Tischen und Bänken und angrenzenden Zimmern, die wahrscheinlich gemietet werden konnten. Hinter der Theke stand ein Nord, er hatte schulterlanges rotbraunes Haar und trug die typische Arbeitskleidung eines Wirts.

Aurora setzte sich auf einen der Schemel an der Theke und wartete darauf, dass er zu ihr kam.

"Was darf es sein?", fragte er sie, als er schließlich vor ihr stand. "Ein Med und etwas zu Essen, oder lieber einen Raum um zu übernachten?".

"Viel mehr hätte ich gerne Informationen, wenn ihr damit dienen könnt", sagte sie und schaute ihn freundlich an.

"Das hängt natürlich davon ab, was ihr wissen wollt, aber wenn ich kann, werde ich euch helfen".

"Was wisst ihr über Vampiraktivität hier in der Nähe?", fragte sie.

Er überlegte kurz, bevor er ihr antwortete.

"Südlich von hier gibt es eine Höhle, oder manche sagen es sei ein altes Grab. Erst vor ein paar Stunden waren zwei Wächter von Stendar hier und sagten sie würden dorthin gehen".

Die Wächter haben nicht gewartet. Aurora war nicht überrascht, das Misstrauen zwischen Wächtern und Dämmerwacht ging wohl tiefer als sie gedacht hatte. Sie konnte sich das vielleicht zu Nutzen machen, wenn die Dämmerwacht wirklich zu einer Gefahr werden sollte.

"Könnt ihr mir sagen, wie ich dort hin gelange?", fragte sie den Wirt.

"Ich kann euch die Position auf einer Karte zeigen, wenn ihr wollt", antwortet er und zerrte ein großes zusammengefaltetes Stück Pergament unter der Arbeitsfläche des Tisches hervor.

Nachdem er ihr die Position genau gezeigt hatte, bedankte Aurora sich bei ihm und verließ das Dorf in Richtung Süden.

Sie hatte den Eingang zur Höhle einfacher gefunden, als erhofft. Sie schaute sich um, eine dünne aber merkliche Spur von Blut führte durch den Schnee in die Höhle hinein. Dem Geruch zufolge stammte es von einem Menschen. Vorsichtig betrat sie die Höhle und schaute sich um.

Ein schmaler Gang führte in die Tiefe. An seinen Wänden wuchsen viele Schimmelpilze und tauchten die Höhle in ein kaltes dämmriges Licht. Auf einmal öffnete sich der Gang in eine Halle. Sie war so groß, dass zu ihrer linken sogar ein kleiner Turm gebaut worden war. Von Oben fiel ein Wasserfall in ein kleines Flussbett, das sich einmal quer durch die Höhle erstreckte und den Schnee an seinen Rändern schmelzen ließ. Sie spürte die Präsenz von Vampiren schlagartig. Sie war nicht in der Lage zusagen um wie viele es sich handelte, aber sie waren da.

Ein Hund bellte, allerdings klang sein Bellen ehr wie ein verstümmeltes Brüllen. Ein Schauder lief über Auroras Rücken. Was für eine Kreatur war das? Als nächstes hörte sie zwei Stimmen, die sich nährten. Ihre feinen Sinne konnten außerdem das Knistern von Magie hören. Wenn sie einen Kampf vermeiden wollte, dann musste sie sich bemerkbar machen.

"Wahrscheinlich noch so ein Wächter von Stendar", sagte eine Frau.

"Er hat gut gekämpft. Denkt daran, er hat zwei unserer Brüder getötet".

Also waren sie Vampire, offenbar die nach denen sie suchte. Sie machte einen Schritt aus dem Schatten der Wand hinter sie stand und schaute die beiden Vampire an, die ihr entgegen kamen.

"Da sieh an", sagte die Frau, "Hat Lord Harkon noch einmal jemanden geschickt um hier zu suchen?", fragte sie.

"Mich hat niemand geschickt, ich habe euch gesucht", begann Aurora, wurde aber von ihrem gegenüber unterbrochen.

"Dann seid ihr hier an der falschen Adresse", sagte sie kalt und sprang auf Aurora zu.

Sie war so schnell, dass Aurora es nur in aller letzter Sekunde schaffte ihr auszuweichen. Wenn sie sie einfach so angriffen, dann musste das was sie hier taten wohl wirklich wichtig sein.

Wie sich herausstellte waren die beiden Vampire trotzt Auroras anfänglichem Zweifel keine wirkliche Herausforderung. Marcus war um einiges mächtiger gewesen und hatte ihr deutlich mehr Probleme gemacht.

Als beide Vampire tot waren und der Hund durch den Höhleneingang geflohen war, schaute sie sich um. Die Kammer in der sie sich befand hatte direkt vor ihr einen weiteren Ausgang, der allerdings durch ein Tor versperrt war. Sie machte einige Schritte darauf zu und blieb plötzlich unvermittelt stehen. Wächter Tolans Leiche lag vor ihr auf dem Boden. Sein Körper war furchtbar zugerichtet. All seine Gliedmaßen standen in seltsamen Winkeln von seinem Körper ab und zwei seiner Finger fehlten. Entweder war er für Informationen gefoltert worden oder einer der Vampire hatte große Freude daraus gezogen ihn so zu quälen. Wahrscheinlich beides.

Angewidert wand Aurora sich ab und legte die letzten Meter bis zum Tor zurück. Wie sich herausstellte war das Tor fest verschlossen. Die Bauweise erinnerte sie an die beiden alten Nordruinen, die sie schon betreten hatte. Also musste es irgendwo einen Hebel geben der das Tor öffnete. Nach dem sie ihren Blick durch die Höhle hatte kreisen lassen, stellte sie fest, dass der einzige Ort an dem es Sinn machen würde zu suchen, der Turm in der linken Ecke der Kammer war.

Eine schmale Treppe führte in dem leicht schiefen Bauwerk nach oben und endete an einem Fenster, das auf das Tor schaute. Ein eiserner Hebel, der mit kleinen Ornamenten verziert war, befand sich darunter auf dem Boden. Vorsichtig legte sie den Hebel um, halb darauf gefasst, dass sie irgendeine Falle ausgelöst hatte, aber nichts geschah. Ein rattern wie von Zahnrädern und Ketten war zu hören, dann öffnete sich das Tor.

Schnell war sie nach unten gegangen und stand vor dem nun offenen Durchgang. Die Luft die daraus empor kam, roch alt und abgestanden. Der raue Felsgang öffnete sich schnell in einen breiten und höheren, länglichen Raum, der seinem Anschein nach von den alten Nord gebaut worden war. Links und rechts an der Wand standen steinerne Särge, die größten Teils offen waren. Etwa nach zwei Dritteln des Raumes führte eine Treppe zwei Meter in die Höhe und gab dem Raum eine zweite Ebene.

Als sie noch einige Meter von der Treppe entfern war, hörte sie Schritte im oberen Teil. Sie war schon so nahe am Aufgang, dass sie nicht nach oben sehen konnte. Sie zog ihren Dolch aus der Scheide und fasste ihn an der Klinge um ihn schnell werfen zu können. So leise wie möglich schlich sie die Treppe nach oben und sah den Vampir. Es handelte sich um eine Frau, die eine Lederrüstung trug, die in rot und schwarz gehalten war. Dem Anschein nach war sie noch etwas gepolstert und bot mehr Schutz als Auroras Lederhose und Jacke, aber sie hatte sie über die Jahre lieb gewonnen und sich in Bruma ein neues und stärkeres Model anfertigen lassen.

Sie hatte schon beim Betreten der Kammer gemerkt, dass sich ein weiterer Vampir in der Nähe befand und erwartet sie hier zu finden. Entschlossen holte sie mit ihrem Wurfarm aus und schleuderte den Dolch in die Richtung des Vampires.

Die klinge grub sich von hinten in die Schulter der Frau. Mit einem lauten Fauchen drehte sie sich um und stürmte auf Aurora zu. Noch bevor die Frau einen Schutzzauber aufbauen konnte, hatte Aurora zwei Eisgeschoße in ihren Bauch und Brustkorb geschleudert. Mit einem leisen Stöhnen brach sie zusammen und war tot. Offenbar war ihr altes Aussehen nur zeugnisihrer späten Verwandlung gewesen und nicht Ergebnis eines langen Lebens als Unsterbliche. Mit einem Fuß drehte sie die Frau auf den Bauch und zog ihren Dolch aus der Schulter.

Auf der zweiten Ebene führte ein Weg zurück in die Richtung aus der sie gekommen war, endete aber auf halbem Weg und verschwand dann in einen erneuten Felsgang in der Wand. Ein Gittertor versperrte den Weg, aber eine Zugkette befand sich direkt neben dem Tor. Bereit um eventuellen Fallen auszuweichen, zog Aurora an der Kette. Das Tor hob sich und verschwand in der Decke. Entweder hatte es hier keine Fallen gegeben oder die Vampire hatten schon alle entschärft.

Schnell kam sie an eine weitere Treppe und folgte ihr einige Stufen nach unten. Sie fand sich in einer Art Gruft wieder. Links und rechts erhoben sich Grabnischen und bildeten einen quadratischen Raum, in dessen Mitte sich vier Säulen erhoben.

Einige Draugr kämpften gegen einen weiteren Vampir. Die beiden Draugr waren größer als alle die sie je gesehen hatte. Sie trugen Helme auf denen Hörnern sahen und schwangen große Schwerter. Sie wartete, um zu sehen ob es dem Vampir gelingen würde beide Gegner zu überwältigen. Nach einem kurzen Kampf, hatte der Vampir es geschafft einen der beiden Draugr zu töten, aber der zweite hatte sein großes Ebenerzschwert über seinen Kopf gebracht und ließ es herab fahren. Mit einem lautem Knacken und dann einem kurzem Schmerzensschrei, spaltet es den Kopf des Vampirs. Mit gezogenem Schwert verließ sie ihre Deckung und bewegte sich auf den Draugr zu. Als sie ihn fast erreicht hatte, öffnete er sein Mund und eine unfassbare Kraft warf sie nach hinten. Die Druckwelle wurde von einem bläulichem Schimmern und einem markerschütterndem Donnern begleitet.

Aurora brauchte einen Moment um sich zu sammeln und wieder auf die Beine zu kommen. Noch während sie dabei war wieder aufzustehen, schwang der große Draugr sein Schwert auf sie hinab. Sie war nur in der Lage der Klinge auszuweichen, weil sie sich wieder auf den Boden fallen ließ und zur Seite rollte. Das brachte sie auf einen Plan. Noch während er sein Schwer wieder hob, rollte sie sich unter ihn und stach mit ihrer Akaviiri-Klinge zwischen seinen Beinen nach oben. Nach dem sie den Widerstand des Beckenknochens mit Hilfe ihrer übernatürlichen Stärke durchdrungen hatte, trieb sie das Schwert bis zum Griff in seinen Bauch. Mit einem schreienden Geräusch brach er über ihr zusammen und kippte nach hinten um. Nur im letzten Moment konnte sie ihre Beine aus dem Weg ziehen und so verhindern, dass seine schwere, verrostete eisen Rüstung ihr die Knochen zertrümmerte.

Während sie den Staub von ihrer Kleidung klopfte stand sie auf. Dieser Draugr war mächtiger gewesen als alle, denen sie zuvor begegnet war.

Nach weiteren Gängen und zwei Vampiren, die sie beide sofort angriffen, erreichte sie eine steile Treppe, die nach oben führte. Langsam um keine unnötigen Geräusche zu machen bewegte sie sich nach oben und kam auf eine kleine Terrasse. Zu ihrer linken ging es nach unten und sie konnte Teile der Höhle sehen, die sie vorher schon einmal durchquert hatte. Auf der anderen Seite befand sich ein Tor aus Gitterstäben, hinter ihm befand sich ein weiterer Raum, der naturbelassen war und wieder aussah wie eine Höhle.

Auf der andern Seite sah sie einen Vampir, der mit einer Übergroßen Frostspinne zu kämpfen schien. Der Kampf hielt allerdings nicht lange an und die Spinne war schnell tot. Zufrieden Steckte der Vampir sein Schwert in die Scheide an seinem Gürtel und bewegte sich auf das Tor zu. Schnell trat Aurora hinter eine Ecke um außer Sicht zu bleiben. Das Tor verschwand mit einem lauten Rasseln in der Decke und der Vampir trat heraus. Sie war inzwischen nicht mehr bereit etwas zu riskieren und gab sich nicht zu erkennen. Sie hatte akzeptiert, dass wenn sie erfahren wollte, was hier vor sich ging und eventuell diesen Lord Harkon treffen wollte, sie nicht zögern durfte um weiter in die Höhle vorzudringen.

Als er an ihr vorbei gegangen war, zog sie ihren Dolch, trat von hinten an ihn heran und schlitzte ihm die Kehle auf. Mit einem gurgelnden Geräusch brach er zusammen.

Nachdem sie sich an dem Leichnam der Spinne vorbeigezwängt hatte, sah sie eine Türe in der Wand. Vorsichtig öffnete sie sie und fand dahinter eine gigantische Halle. Der freie Raum war so groß, dass sie kaum das andere Ende sehen konnte.

Aurora hörte sofort drei Stimmen.

„Von mir erfahrt ihr nichts. Ich habe keine Angst vor euch, Stendar wacht über mich".

Ein leises Knacken war zu hören, dann sprach eine Frau.

„War das wirklich nötig, er hätte uns vielleicht noch etwas sagen können".

„Was denn, wir finden, wonach Harkon uns ausgesendet hat und steigen in seiner Gunst, dieser Wächter hatte nichts zu bieten", antwortete ihr ein Mann.

In diesem Moment, trat Aurora ausversehen gegen einen Stein, der vor ihr auf dem Boden gelegen war. Mit einem lauten Klacken sprang er die Treppe zu ihrer linken nach unten.

„Was war das?", hörte sie die Frau fragen.

Nur einen Moment später, hörte sie wie Magie gewirkt wurde, dann mehrere paar Schritte, die die Treppe zu ihr nach oben kamen. Aurora überlegte nicht lange und zog ihren Dolch und bereitete sich vor. Als sie den ersten Vampir sah, Wurf sie den Dolch. Er traf den Mann in den Bauch, schaffte es aber nicht die Rüstung zu durchdringen. Mit einem metallischem Geräusch viel er zu Boden. Allerdings hatte es den Vampir lange genug abgelenkt, um es ihr zu ermöglichen einen Eistachel in seinen Hals zu schießen.

Noch bevor er auf den Boden gefallen war, war die Frau in Sicht gekommen, bei ihr befand sich ein Nord, der ihr offenbar unterworfen war. Gemeinsam griffen sie an, sie mit Schwert und Dolch, er mit einem großen Kriegshammer. Die Bewegungen des Menschen waren so ungeschickt, dass es ein leichtes war, seinen Schwüngen auszuweichen, aber die Frau, war eine ganz andere Sache. Sie war wie eine Biene, sie stach mit ihren Waffen um sich und schaffte es mehrmals fast Aurora zu treffen. Gegen die scharfen Stahlwaffen, hatte ihre dünne Lederrüstung nichts entgegen zu stellen. Sie schaffte es einige Schläge gegen die Frau zu führen, scheiterte aber jedes Mal an der guten Verteidigung, die sie hatte, sie schaffte es immer, Auroras Klinge im letzten Moment abzulenken.

Nach einiger Zeit, beschloss sie eine Andere Taktik anzuwenden. Sie wartete bis der Nord seinen Hammer hoch über seinen Kopf gehoben hatte, dann holte sie aus. Sie traf den Schaft der Waffe genau in dem Moment, als sie begann zu fallen. Es gelang ihr, denn Kopf des Hammers so weit zu verschieben, dass er statt auf sie selber, auf den verbleibenden Vampir viel. Mit einem widerlichen Knirschen wurde ihr Schädel zertrümmert. Vor Schreck, seine Meisterin erschlagen zu haben, ließ der Mann die Waffe fallen und starte auf ihre Leiche. Einen Moment später, trennte Auroras Klinge seinen Kopf ab.

Nachdem Aurora ihren Atem wieder gefunden hatte, begann sie die Stufen nach unten zu steigen. Sie spürte, dass keine Vampire mehr in der Nähe waren, also hielt sie es für sicher genug, um ihre Waffe wieder zu verstauen.

Eine Schmale Brücke führte über den Abgrund, der die Treppe von einer runden Plattform in der Mitte trennte. Erstaunt darüber, dass sie den Abgrund vorher nicht bemerkt hatte schaute sie in die Tiefe. Sie konnte keinen Boden erkennen. Schaudernd wand sie sich ab und machte sich auf zu dem Podest, was in der Mitte des großen Steinkegels Stand, der sich aus der Tiefe empor streckte. Es schien aus massivem Stein zu sein. Keine Nähte waren zu erkennen. Auf der Oberseite war eine Art Knopf zu sehen.

Aurora legte eine Hand auf den Knopf und drückte. Auf einmal schoss ein großer eiserner Nagel nach oben. Er hatte mindestens den Durchmesser ihres Daumens. Ein flammender Schmerz explodierte in ihrer Hand, als er sich mitten durch sie hindurch bohrte. Aurora konnte spüren, wie Blut aus ihrer Hand heraus lief. Sie beugte sich nach vorne um zu sehen wohin es verschwand. Eine kleine Rinne transportierte es in das Podest hinein. Plötzlich flammten rosa Flammen um sie herum auf und der Stachel aus dem Podest zog sich zurück und gab ihrer Hand frei.

Der Schmerz in ihrer Hand ließ schnell nach und verschwand dann vollständig. Das Loch war zwar noch da, aber Aurora machte sich keine Sorgen, spätestens morgen würde ihre Hand wieder normal aussehen und verheilt sein.

Nachdem sie die Kleinen Steinpodeste, die um sie herum standen verschoben hatte, so dass sie immer am Ende einer Flammenspur saßen, senkte sich der Boden um sie herum um zwei Meter ab. Nur in der Mitte blieb ein großer Monolith stehen. Sie hatte hier also definitiv etwas gefunden. Als sie sich dem sechseckigen Stein nährte, sah sie wie sich eine Seite in den Boden absenkte. Der Stein war also hohl.

Im inneren stand eine Frau. Ihr Gesicht war bleich, hatte aber schöne Züge. Ihre Lippen waren voll aber wirkten ebenfalls bleich und ausgezehrt, einige kleine Blutstropfen flossen aus ihm hervor. Ihre langen braunen Haare fielen, bis auf zwei geflochtene Zöpfe die sich um ihren Kopf wanden, frei auf ihre Schultern. Ihre Augen waren geschlossen und sie schien bewusstlos zu sein. Gerade als Aurora das erfasst hatte, kippte die Frau nach vorne aus dem Stein heraus. Es gelang Aurora gerade noch sie aufzufangen und so zu verhindern, dass sie mit dem Gesicht auf den Boden schlug.

Der Fall schien die mysteriöse Frau geweckt zu haben, denn sie schlug die Augen auf. Und befreite sich aus Auroras Armen, die sie immer noch hielten. Als sie wieder auf ihren eignen Beinen stand, war Aurora in der Lage, ihre Augen zu sehen. Die Augen der Frau waren rot, ein wunderschönes rubinrot und ihre Pupillen erinnerten an die einer Katze. Ganz offensichtlich war sie ein Vampir.

Sie öffnete ihren Mund und begann zu sprechen.

„W-Wo ist … Wer hat euch hier her geschickt?", fragte sie, offenbar noch verwirrt von ihrer Bewusstlosigkeit.

„Wen hattet ihr den erwartet?", entgegnete sie ihr.

Das schien die Frau aus dem Konzept zu bringen. Sie überlegte kurz, dann sagte sie:

„Auf jeden Fall nicht jemanden wie mich", ihre Stimme wirkte verwundert und feindselig.

Was meinte sie nicht jemand wie sie. Hätte sie etwa von einem Menschen geweckt werden sollen? Das hielt Aurora für unwahrscheinlich. Da sie auch ein Vampir war, blieb nur noch eine sinnvolle Möglichkeit. Aurora musste ihren Verdacht überprüfen.

„Was meint ihr, jemand wie ihr?", fragte sie.

„Eine Tochter von Kalthafen", entgegnete sie ihr trocken, „Hat mein Vater noch einmal jemanden gefunden, den er für sich opfern konnte?"

Sie war also ebenfalls eine Tochter von Kalthafen. Das wäre vielleicht eine Erklärung, warum sie ihre Präsenz nicht gespürt hatte. Und wer war ihr Vater?

„Ich kenne euren Vater nicht und ich wurde von niemandem hier her geschickt. Ich habe gehört, dass mächtige Vampire hier sind und wollte mehr erfahren".

„Wenn das so ist, ich kann euch dabei helfen, herauszufinden, was hier vor sich geht", antwortete sie, etwas freundlicher, „Ich muss nach Hause".

„Wo genau müsst ihr hin?", fragte Aurora neugierig.

„Meine Familie lebte dort schon sehr lange, es ist eine Burg auf einer Insel westlich von Einsamkeit. Ich würde wetten, wir finden sie dort noch immer".

„Warum sollte ich euch helfen, dorthin zu gelangen?", fragte Aurora. Sie wollte wissen, wie wichtig es für die Frau war, dorthin zu gelangen, auch wenn sie sich selber eingestehen musste, dass sie ihr, egal was sie sagen würde, auf jeden Fall helfen wollte.

„Schaut, ihr seid hier her gekommen um mächtige Vampire zu finden und seid auf mich gestoßen. Ich bin wie ihr, von mir könnt ihr mehr lernen als von allen andern Vampiren, die ihr hier hättet antreffen können".

Das war genau die Antwort, die sich Aurora erhofft hatte. Allerdings war ihre Neugier noch nicht gestillt.

„Warum wart ihr hier eingesperrt?".

Sie konnte sehen, wie sich die Frau überlegte was sie sagen sollte.

„Das würde ich euch lieber nicht erzählen, wenn das in Ordnung ist", sie machte eine Pause und seufzte, „Seht, es ist nicht, dass ich … Ich weiß im Moment nicht wem ich trauen kann. Bringt mich nach Hause und ich werde wissen wo wir alle stehen".

„Seid ihr in Gefahr?", fragte Aurora besorgt.

„Nein, je nach dem wen wir in der Burg antreffen, werde ich dort in Sicherheit sein".

Die erneute Erwähnung der Burg, erinnerte sie an etwas, dass sie vorher fragen wollte. Wenn diese Frau nicht genau wusste, ob ihre Familie immer noch am selben Ort lebte, wie lange war sie dann hier gewesen.

„Wie lange wart ihr dort drin?", fragte sie und deutete auf den Steinsarg.

„Eine gute Frage. Ich weiß es nicht genau. Wer ist Großkönig von Himmelsrand?".

„Darüber kann man sich streiten", antwortete Aurora ihr und lächelte ein wenig.

„Ah, ein Erbfolgekrieg, schön zu sehen, dass sich manche Sachen nie ändern. Wer kämpft gegen wen?".

„Das Kaiserreich unterstützt Elisif, sie ist Jarl von Einsamkeit. Gegen sie steht Ulfric Sturmmantel, er ist der Jarl von Windhelm".

„Kaiserreich, welches Kaiserreich?".

„Das Kaiserreich … aus Cyrodiil?"

„Cyrodiil ist der Sitzt eines Kaiserreiches? Ich muss länger geschlafen haben als ich dachte, auf jeden Fall länger als wir geplant hatte. Los, wir dürfen keine Zeit verlieren".

„Irgend eine Idee wie wir hier raus kommen?", fragte Aurora.

„Nun, wir könnten den Selben weg nehmen, auf dem ihr ihr reingekommen seid", schlug die Frau vor, „Auch ja, mein Name ist Serana".

„Schön euch kennen zu lernen. Aurora", antwortetet sie.